Das letzte Date mit der braunen Brühe endete für mich in einer sang- und klanglosen Verabschiedung von allen Sinnen und meines kontrollierenden Körpergefühls. Normale Menschen würden sich dann das leere Versprechen geben, es nie, nie, niemals wieder anzurühren. Ich hingegen freue mich auf die kleinen Momente im Leben, wo ich den Krach avantgardistischer Bands über mich ergehen lasse um mit anderen Abhängigen für einige Stunden in den Ring zu treten und mein KO zu kassieren. So geschehen auch vor nicht allzulanger Zeit in meinem Lieblingsschuppen am Maybachufer: Loftus Hall. Der Insidertipp unter den spanischen Berlin-Ravern ist eine umgebaute Vereinshütte die eher an Omas Eiche Rustikal als an vertanzte Sonntagmorgen erinnert, aber das tut der Stimmung keinen Abbruch: im Gegenteil. Erst hier können sich die wilden Chaoten in Glitzerkostümen entfalten, hier, wo Coolness keine Rolle spielt und nur die Wahrheit, die im Inneren des Betrunken schlummert, ans Strobolicht kommt.

Zur Gast auf der Jägermeister Wirtshaus Tour waren die Eskimo Callboys, Tek-One und Dumme Jungs. Letztere waren dann auch Namenspaten für die gesamte Veranstaltung: so viel Spaß kann man nur haben, wenn man Verstand und Seele abschaltet und sich der hingebungsvollen Kunst öffnet, die auf der Bühne vorgetragen wurde. Ein bisschen Dubstep, ein bisschen Shoutcore, ein bisschen Techno und vor allem wild umherfeiernde Kinder. War ich die einzige, die sich ein bisschen an Urinstinkte erinnert fühlte, bei dem ganzen Schweißregen?

Ein Raum weiter wurde über Gott und die Welt und das berühmt-berüchtigte Spiel “Jenga” philosophiert. Wer genaue Eindrücke vom Abend ergattern möchte, sollte sich unbedingt an BJs Talenten festklammern, der mal wieder ein unglaublich gutes Video zusammengeschnitten hat. Bei so vielen gutaussehenden Menschen, die da waren, ist das aber auch gar kein Problem. Nach unzähligen Jägi Bull Kombinationen musste ich mich zwar von den hirschigen Türstehern wiederbeleben lassen, aber für Profis ist das kein Problem. Natürlich.