Es war ein bisschen so, als wäre ich selber in einem Film gewesen. Ich hätte gerne gesagt: “Du hast die Augen deines Vaters. Er wäre stolz auf dich gewesen”. Dann hätte ich mein Schwert rausgenommen und ihn zum Ritter geschlagen.

Jaden Smith wird mal ganz groß. Dafür hat er das Aussehen und auch das Talent und diese typische Will Smith Mimik, die mich immer an die seltsam-peinlichen Momente aus The Fresh Prince erinnern; an den Stellen, wo eine Lektion erteilt werden soll (ihm und dem Zuschauer), die dann aber eher unangenehm überzogen wird.

Der Film kann für mich natürlich nicht an das Original kommen. Zu viele Erinnerungen bleiben haften. Die Leichtigkeit dieser TV-Ära, die ich als Kind (und Jugendliche) später verspürte: kaum auszudenken, wenn sie jetzt von der Generation Massenfertigung abgelöst werden sollen. Pah. Ich weigere mich, meine Feel-Good Momente vor dem Fernseher gegen die Zukunft einzutauschen und werde auch meinen Kindern verbieten, sich an der heutigen Medienwelt zu ergötzen. Da wird es nur Karate Kid, Star Wars, Back To The Future und maximal auch noch Alf geben, aber das war’s dann.

(Weird, wie dieser Ikonenstatus aus eigentlich relativ unblockbusterigen Filmen entsprungen ist; die damaligen Underdogs mit ihrem Charme, die nicht aufgrund ihrer cinematischen Fähigkeiten überzeugen, sondern weil sie auch über ihre Zeit definiert werden. Und das war meine Kindheit. Und alles, was während dieser Kindheit entstanden ist, ist für mich kultig. Ja, auch Hulk Hogan. Und Fleshlights.)

Übrigens auch eine ganz interessante Frage: wie sieht der Rückblick eines Fünfzehnjährigen diesbezüglich im Jahre 2030 aus? Wird er sich auch daran zurückerinnern, Karate Kid (also den jetzigen) ständig im Fernsehen gesehen zu haben, als “trashige” Wiederholung?

Anyway. Kein schlechter Film – fantastische Visualisierung – grotesk-schlechter Soundtrack – souveräne Schauspieler – etwas klischeebefreitere Story, aber trotzdem voll mit amerikanischem Drama – und überraschenderweise immer noch sehr, sehr nah an der eigentlichen Geschichte (bis auf den offensichtlichen Karate/Kung-Fu Faux Pas, der aber immerhin im Film spielerisch mit integriert ist). Ich kam dann letztendlich aber doch nicht zufrieden und glücklich und voller sprudelnder Popcornhormone aus dem Kino, nein, denn ich war sogar tatsächlich, ja, verstört.

Dieser Junge wiegt dreißig Kilo und ist zwölf Jahre alt- wir entfernen uns von der HALBWEGS realistischen Hau-Drauf Pubertäts-Aggressionen der Über-Fünfzehnjährigen, wir entfernen uns von der mentalen wie auch der physischen Leistung, und stattdessen müssen wir uns eine absurde Form von kruder Kindergewalt antun. Der Junge ist zwölf, und seine Rivalen anscheinend brutale kleine Mutantenchinesen, die schon im Säuglingsalter Ketamine und Amphetamine nuckeln durften. Im ersten Drittel des Filmes wird auch nicht an der Demonstration dieser übermenschlichen Kräfte (ZWÖLF!!) gespart, unser Außenseiter, unser China-Neuling (ja, auch der Umzug des Protagonisten verlief dramatischer als in den ursprünglichen Teilen) wird stundenlang verdrescht.

Aus einem kleinen Jungen, der seine Stärken findet, wird so ein… Mannkind, ein überzogenes Bild von einem Mini-Helden, das für mich genauso wie die Übersexualisierung von Mädchen bizarr wirkt. Ich will kein zwölfjähriges Kind mit Sixpack sehen, das fast abgemagert wirkt ((mir ist bewusst, dass das nötig war, um Jaden Smith die Hauptrolle zu geben; leider tut das dem Film nicht so gut)).

Vielleicht werde ich wirklich alt. Wie Jackie Chan. Der macht das aber immerhin mit Würde.

(Übrigens gibt es da für mich keine Frage. Ein Martial Arts Film, in dem Jean Claude Van Damm nicht mitspielt, ist für mich kein würdiger Film. Hier also mein All-Time Top Favorite, mit dem ich gerne dreitürigen Geschlechtsverkehr praktizieren möchte.

Und dann immer diese mit dramatisch-motivierender Musik unterlegten Final-Trainings-Szenen, richtige Medleys. Das waren die schönsten Stellen des Films, wenn man bei den Vorbereitungen von Niemand zu Held zuschauen konnte. Hach. Und dann auch noch der Quotenschwarze mit der MJ-Friese.)

This article has 5 comments

  1. Shady

    Ich kenn aber auch keinen, der die Smith Göre leiden kann. Tja, wir haben leider (?!) nicht mehr die naiven 80er, it’s nur noch all about the money, honey.

    P.S. im anti-Spam Feld geb ich immer 42 ein, aber das funktioniert nicht

  2. Björn

    In Karate Kid ging es doch im Grunde eh immer nur um die Frau. Da ist Smith einfach zu jung für. Ist ja generell fast unmöglich aus Kinderrollen interessante Charaktere zu machen, meist sind das nur Werkzeuge der Story.
    Beim Clip oben fiel mir gerade auf dass für mich damals wie heute das Eis (ganz klar ein Nogger Choc) viel mehr Anziehungskraft und Boah-will-ich-Style hat als diese ganze Mucki-Show.

  3. Ronny

    Ich geh’ da morgen rein. Mit der Großen, weil sie es will. Und weil ich es will, weil ich das Original sah, als ich so alt war wie sie es heute ist. Weil wir Bock drauf haben und weil sie sich, glaube ich, ein bisschen in Jaden Smith verlieben wird. Weil sie das will.

    Über den Rest mache ich mir vorerst keine Gedanken. Weil wir alle die Filme von damals nicht aus einer Kritikerperspektive ansehen, wie wir das heute mit dem Alter der Reife sehen. ich meine, wie schlecht hätten wir wohl das Original gefunden, wenn wir es damals als schon 30-jährige gesehen hätten?

    Es hat fasziniert als ich Kind war, das selbe Gefühl werde ich ihr morgen gerne lassen, wenn sie das will. Und sie wird es wollen, weil die Story es immer noch hergibt. ;) Ick freu ma druff!

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