Alles in allem kann man sagen: Die Welt, und was in ihr passiert, ist ziemlich langweilig. Jeder Mensch erschafft seinen eigenen kleinen Mikrokosmos, in dem die Dinge wieder richtig wichtig und sinnvoll und schwer und dramatisch und bedeutend erscheinen, aber wenn man den von aussen betrachtet und die ganzen Miniuniversen vergleicht, kommt man immer wieder an den selben Punkt: die Welt ist gaehnend langweilig.

Ab und zu explodieren Oelfrachter im Ozean, Menschen werden von ihren eigenen Leuten erschossen, politische Skandale regieren die Medien, Tiere sterben aus, aber das sind kleine Punkte irgendwo auf einem riesengrossen Zeitstrahl die in wenigen Minuten niemanden mehr interessieren, weil sie die Aufmerksamkeit des Einzelnen nur kurz beschaeftigen koennen. Danach geht es zurueck in die persoenliche Lebensdynamik.

In Suedostasien faellt das schwer auf, wie wenig Unterschied es zwischen uns wirklich gibt. Es haengt nicht davon ab, wo man aufgewachsen ist, oder welches Lieblingsessen man hat, oder wie schwer man sich anstrengt, sondern davon, wo man geboren ist. Geboren Frankfurt am Main – gestorben mit allen Moeglichkeiten die diese Welt zu bieten hat. Geboren in Siem Reap, Kambodscha. Gestorben, ohne auch nur einen Hauch von Chance gehabt zu haben.

Kann man natuerlich alles wieder ueberdramatisieren, aber darauf laeuft es letztendlich hinaus, dass ich genauso wenig dafuer kann, wie jemand, der nur mit einem Bein geboren ist. Und die Welt bleibt unveraendert, wenn ich versuche, darueber nachzudenken, ob meine Existenz jemals irgendeinen Unterschied machen koennte. Der kleine, funkelnde Mikrokosmos, und mein Bewusstsein darueber, ist grenzwertig Depressiv und gleichzeitig befreiend. Wenigstens muss man sich dann nicht mehr mit dem Weltschmerz und dem Thema Gerechtigkeit herumschlagen, das gibt es beides naemlich nicht, es gibt keinen universellen Schmerz, und es gibt ganz bestimmt keine Helden, die ihn besiegen koennen.

Vielleicht flasht es mich deshalb auch so ueberhaupt gar nicht, diese Reise. Die Gruppendynamik bei anderen Backpackern ist da schon wesentlich aufregender, also kann es wohl nicht an den langweiligen Laendern und Kulturen liegen, sondern an mir. Vielleicht bin ich einfach nur schon so geschaedigt von meinem bisherigen Leben, dass der Kick etwas laenger braucht. Ich meine nicht, dass ich keinen Spass habe, ich habe sehr viel Spass, und ich bin froh, hier zu sein, und ach und Zeit habe ich ja eh fuer nichts mehr. Aber ich weiss nicht, ob das so unbedingt an den Laendern selbst oder am Reisen liegt. Ach, ich weiss auch gar nicht, was ich sagen wollte. Ich geniesse den Regen, und sollte wohl ein paar Mal weniger die Apotheke aufsuchen.

People ask me why I look so bored
It’s cause I’m by my idols so much I ain’t shook no more
I blow some smoke from my lungs looking broke as a bum
Backstage at the venue having no fucking fun

This article has 4 comments

  1. T. von der Baustelle

    Die Welt ansich ist weder langweilig noch aufregend. Sie _ist_ einfach. Erst diese komischen Lebewesen auf dem dritten Planten eines durchschnittlichen Sonnensystem in einer eher abgelegenen Gegend der Galaxie mühen sich ab, sich und der Welt Bedeutung abzuringen. Ob man das als Selbstbeschiss oder Essenz des Daseins betrachtet, ist nur eine Frage der Einstellung.

    Anyhow, _die_ Welt wirst Du nicht verändert können, aber _Deine_ Welt kannst Du verändern und auf mehr kommt es auch nicht an, denn der ganze Rest ist eh’ nur Fassade. Das Leben der Anderen, sozusagen.

  2. HecPac

    vielleicht bist du nur von dir enttäuscht, weil der leave-it-all-behind-effekt, den dir alle prognostiziert haben und erwarteten, nicht eingetreten ist.

    vielleicht täuscht es von hieraus, es macht jedoch den eindruck, als würdet ihr/du einen sightseeing-plan abarbeiten. (wo kuckn wa als nächstes wies iss?)

    die passenden fellow traveller sind vielleicht nicht unwichtig.

    vielleicht solltest du allein reisen, um “deinen ganz eigenen rhythmus zu finden” (uäh, was fürn psycho-gephrase).

    viel.

    leicht.

  3. Jan vom Sesamzoo

    Gut zu wissen, dass auch andere Reisende immer wieder mal mit solchen Sinn-Fragen konfrontiert werden. Gehoert wohl dazu.
    Was das Aendern der Welt angeht, sind deine unverbluemten Beitraege doch schon mal ein Schritt.

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