Life of Pi // 3D

Ich konnte gegen Ende meine Tränen nicht mehr verstecken. Zuerst weinte ich noch, weil ich tatsächlich für das Cinestar schon wieder Gebühren dafür zahlen musste, weil ich die Tickets online gekauft und selber ausgedruckt hatte. Dann dachte ich, es liegt daran, dass ich zusätzlich zu 13 Euro Eintrittspreis noch mal einen Euro extra für die 3D-Brille bezahlen muss, ohne die ich den Film gar nicht sehen kann. Schließlich war ich mir ziemlich sicher, dass es eine Kombination aus anstrengender, schielender 3D-Technologie und der 90minütigen Werbung vor dem Film sein musste, die in mir derartige emotionale Attentate verursachte.

Aber hauptsächlich weinte ich, weil Life of Pi die womöglich schönste und beste Geschichte ist, die je erzählt wurde.

Life of Pi ist eine Geschichte darüber, wie Geschichten funktionieren – wenn man sie nur glauben will. Der Roman hat mich auf unzähligen Arten und Weisen fasziniert, inspiriert und emotional zerwühlt. Ich weiß noch, wie ich in Kuala Lumpur saß, mit meinem Gesichtsexzem vom allergischen Schock, und nicht mit dem lesen aufhören konnte. Ich saß in diesem kleinen Hostel-Vorgarten und las, bis ich nicht mehr konnte. Und auch damals weinte ich, ganz oft, ganz viel. Auseinandergesetzt und anders wieder zusammengeschraubt hat es mich. Als ich fertig mit der Geschichte um Pi’s Leben war, um seinen Schiffbruch und seinem Überleben auf weitem Meer mit nur einem Tiger als Mitbewohner im Boot, da war ich wie geläutert.

Man muss kein geborener Leser sein, um Gefallen an dem Buch zu finden, und ich habe genügend Menschen kennen gelernt, die mit Life of Pi überhaupt nichts anfangen konnten. Dabei sollte die Philosophie hinter dem Buch das sein, was auch rationale Menschen dazu kriegt, Verständnis zu zeigen. Eine Erklärungsgrundlage zu finden für all diejenigen, die nicht rational funktionieren. Erklärungsgrundlagen dafür, wieso für so manch einen die Welt viel bunter, dramatischer, aufregender und fantasievoller ist als für andere.

I can well imagine an atheist’s last words: “White, white! L-L-Love! My God!” – and the deathbed leap of faith. Whereas the agnostic, if he stays true to his reasonable self, if he stays beholden to dry, yeastless factuality, might try to explain the warm light bathing him by saying, “Possibly a f-f-failing oxygenation of the b-b-brain,” and, to the very end, lack imagination and miss the better story.

Nun ist der Film, eine 3D/CGI-Adaption von Ang Lee, im Kino erschienen. Die 3D-Effekte, dieses State of the Art Kino, wurde für diesen Film gemacht. Für diesen und keinen anderen. Anders als bei Avatar verliert man sich in den kleinen Details, die genug Zeit im Bild bekommen, um im Auge des hochkonzentrierten weil schielenden Zuschauers zur ganzen Form zu erblühen. Man vergisst zeitweise, dass man nicht selbst in einem tiefschwarzen, von Sternreflektionen besprenkelten Meer sitzt.

Ich würde viel zu viel hergeben, wenn ich diesen Film gründlich rezensieren würde. Viele der Kritiken, die ich gelesen habe, verraten sogar den Schluss, den springenden Punkt, der alles ändert, der Life of Pi von einer absurden, bizarren, schönen Abenteuergeschichte zur Realität verwandelt. Ich wäre sogar bereit, jedem das Buch zu kaufen – mit eigener Widmung! – wenn es denn nur gelesen wird. Wenn doch nur ein paar Menschen mit mir darüber reden würden, wie fantastisch diese spirituelle und magische Reise ist! Tatsächlich testet das alles, wie sehr man glauben möchte – oder ob man überhaupt verstanden hat, worum es bei dieser Frage geht.

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7 Comments

  1. saetchmo
    Posted January 2, 2013 at 17:03 | Permalink

    eins der besten bücher von der janzen welt.

  2. Posted January 2, 2013 at 17:18 | Permalink

    Ist ja gut. Dann lese ich es halt!

    Und diese Cinestar Verbrecher müsste man echt mal ins Klassenbuch eintragen. Da zahlt man für JEDEN Film Zuschlag.

  3. Posted January 2, 2013 at 17:44 | Permalink

    wunderbar! Genau das, was ich noch lesen musste, um mir das Buch endgültig zu kaufen.
    Quellfrische Grüsse!

  4. Posted January 2, 2013 at 20:36 | Permalink

    hach, wieder soooo schön geschrieben, hasste das.

  5. Posted January 2, 2013 at 23:00 | Permalink

    Ja, echt super. Jetzt hab ich auch Bock auf den Film… oder doch aufs Buch?

  6. Posted January 6, 2013 at 12:45 | Permalink

    Darf ich jetzt ins Kino oder muss ich das Buch lesen?

  7. N
    Posted January 10, 2013 at 15:56 | Permalink

    JA! Wunderbar :) Den Film im Kino gesehen, aber jetzt muss ich glaube ich doch auch noch das Bich lesen. Vielen Dank das Du mich dazu motiviert hast :) Ich bin einer der Rationalen, aber Du hast recht, die Geschichte gibt einem die Idee zurueck wie man an die Welt als etwas magisches herangeht. Nicht wissenschaftlich magisch, sondern EINFACH so :)