Ich brauche Urlaub. Um diesen Anlass zu feiern, wurde ich freundlicherweise gebeten, auf die Malediven zu reisen. Wie ihr sicher wisst, ist mir das Unterwasser lieber als das Drüber, und deshalb ist diese Destination quasi wie die Verwirklichung meiner ganz persönlichen Flitterwochen mit mir Selbst. Im glasklaren Wasser an heiligen Standstränden mit erbarmungslos schönen Korallenriffen werde ich fünf Tage Herbst für Rafaello-Sommer tauschen und euch zudem beweisen, dass “Malle” nicht immer unbedingt Ballermann 6 bedeutet.

Der Witz an meinem Schicksal ist allerdings, dass für die gesamte Zeit meiner Anwesenheit Tropenstürme und Megaschlechtwetterlage angesagt ist. Natürlich, bei 30 Grad Tagestemperatur im Schatten macht einem das bisschen Regen nichts aus. Ich wollte das aber trotzdem betonen – die Wettervorhersage, meine ich – um euch zu verdeutlichen, dass nicht ALLES an meinem Leben echt richtig geil und beneidenswert ist. Und bevor ihr euch jetzt mit “FIRST WORLD PROBLEMS!” Ansagen auf mich stürzt, bedenkt bitte dabei wie es den Leuten gehen muss, die jetzt tatsächlich dort ihre Flitterwochen verbringen müssen. Stürmisches Wetter auf einer Insel: richtig geil. Wenigstens habe ich die perfekten Menschen mit dabei, deren Namen ich nicht nennen werde, damit ihr nicht gleich ausrastet. Ich sag nur so: zwei unglaubliche Männer und drei unglaubliche Frauen werden mein Händchen halten, wenn ich beim Tiefseetauchen vor Aufregung in meinen Beatmungsschlauch kotzen muss. Sorry, boys & girls.

Wie läuft das also ab? Während ich von Condor in einem 11-Stunden Flug rübergekarrt werde (mein persönliches Wohlergehen in Form von Flugangst-Prophylaxe ist dank Oxazipam sichergestellt, danke der Nachfrage), hosten mich die zwei Luxus-Resorts “Velassuru” und “Kurumba” bis ich nicht mehr kann. Finden jetzt alle ‘n bisschen doof, dass ich jetzt schon so viel darüber erzähle, wie ich mit goldenen Löffeln gefüttert werde. Aber ich werde dieser Malediven-Sache auch investigativ auf den Grund gehen, da haben wir nämlich alle was davon. Denn das islamische Rentner-Paradies, welches entweder nur gut betuchte, frisch vermählte oder extrem orientierungslose Touristen anzieht, hat ein dunkles Geheimnis das geradezu aus dem urbanen Bilderbuch zu entspringen scheint. Die Inseln der Malediven sind nämlich nicht alle ganz tolle Plätze zum Sterben, ein schwarzes Schaf darunter ist nämlich schon tot: die Ghettomüll-Insel mit dem Ebonics-Namen Thilafushi. Ich möchte mehr darüber herausfinden, wie nachhaltig der Tourismus auf den Malediven ist, ob sich das Riff-Tauchen lohnt oder ob man eher in einem Zoo von Benzinkanistern und Plastiktüten abtaucht, und ob 1Up ihre Graffitis schon auf dem Schrott-Berg hinterlassen haben. Ich blicke der Sache keineswegs zynisch entgegen, finde es aber interessant, nicht nur für Plauzensonne sondern auch für Denkspielchen zu sorgen – auch im Urlaub.

Seit mehr als zwei Jahren habe ich nun kein Meerwasser mehr berührt und ich finde, es ist jetzt wirklich Zeit. Wenn ich den Flug mit all seinem Nervenkitzel überlebt habe kann es allerdings sein, dass ich einfach dort bleibe. Für mehr ständiges halbnacktsein.

This article has 4 comments

  1. Robert

    Ich kann dir versprechen, dass die Malediven genauso aussehen, wie auf den Bildern. Grandios. Als Tourist bekommst du von den Müll-Problemen ohnehin nichts mit. Aber den Scheiß hat jedes Land in irgendeiner Form. Fliegst du mit dem Wasserflugzeug oder rast du mit dem Schnellboot zum Atoll? Im Wasserflugzeug tragen die Piloten keine Schuhe – zu Recht. Du wirst deine Schuhe bei der Ankunft auch ausziehen und erst wieder bei der Abreise anziehen. Malediven heißt echt nichts tun, kein Vergleich zu irgendwas. Ich hoffe, du zeigst ein paar Bilder, wenn du wieder da bist. Übrigens kann man den Wetter-Apps und sonstigen Wetter-Gedönse hier nicht glauben, weil es einfach super schwer ist, dort das Wetter vorauszusagen. Auf dem einen Atoll ist gerade Monsun, auf dem anderen strahlender Sonnenschein. Oft ist nach 10 Minuten eh alles vorbei. Die beste Reisezeit ist natürlich im Winter, aber ich kenne jemanden, der erst vor einer Woche auf den Malediven war und dort regnete es zwei Mal und das für 10 Minuten. Ich hoffe du hast mit Condor keinen Zwischenstopp in Doha oder so. Wenn du kurz vor der Landung auf dem Flughafen schon die ganzen Spiegeleier von oben siehst, geht dir dein Herz auf, versprochen.

  2. eva

    stürme auf den malediven? wer hat das denn gesagt? haha, da hat dich jemand veräppelt ;-) ich war schon x mal auf den malediven und auch zu unterschiedlichen zeiten – und außer mal ein bisschen regen (halber tag oder so?) war es immer einfach nur grandios, picture perfect, farbenpracht – nur schöööön… kannst dich freuen! und wie robert sagt, von müll oder so kriegt man nun wirklich nichts mit. und naja, wer isst und trinkt und dinge tut – da entsteht nun mal müll ;-) und das muss nun mal entsorgt werden, auch auf den malediven…
    aber über so was wirst du nicht mehr nachdenken, sobald deine zehen den weißen puderzuckersand spüren, die sonne deine haut küsst, du das aquarium unter dir bestaunst und die farbenpracht dich überwältigt… seufz – ich will auch…

  3. yeahs

    Hach ihr zwei, wie süß ihr seid. Ich werde bestimmt meinen Spaß haben, ganz klar. Aber ich habe auch ein relativ ausgeprägtes Interesse an nachhaltigem Tourismus. Als ich vor zwei Jahren in Thailand per Rucksack durch die Gegend gezogen bin, musste ich mich sehr oft mit nicht so tollen Dingen auseinandersetzen. Das hat sich eingeprägt – und auch an so einem grandiosen Ort wie auf den Malediven finde ich, sollte man die Augen offen halten und sich nicht nur verwöhnen lassen. Ein perfekter Urlaub ist halt ein langweiliger Urlaub ;)

  4. lars

    Auf den Straßen der Hauptinsel Malé sieht alles so ernüchternd normal aus, dass die ganzen Touri-Inseln im Vergleich dazu wie zur Perfektion geschliffene Freizeitparks – nur ohne den ganzen nervigen Trubel – aussehen. Da wirst Du im Wasser auch vergeblich Müll suchen, die wissen schon ganz genau um ihr einziges Kapital. Schließlich wuseln auf den Inseln an jeder Ecke mit Besen und Harken bewaffnete Frauen herum, die den ganzen lieben Tag nur Laub zusammenkehren, Laub zusammenkehren sowie Laub zusammenkehren. In tropischen Gefilden bei perfekten Bedingungen für schnellen Vegetationswuchs die absolute Sisyphusarbeitsreferenz. Und wenn sie schon alles Organische beständig aus dem Blickfeld räumen, ist Zivilisationsmüll in Gästenähe, über wie unter Wasser, logischerweise vollkommen tabu.

    Wenn’s in der Ecke regnet, dann so richtig (der Double-Facepalm für erwähnte Angestellte). Kennst Du bereits schon von Deinen anderen Asien-Trips. Aber wie Robert bereits schrieb: die Vorhersagen sind dort schwieriger als bei uns im April.

    Genieße die Wärme, das Licht, die unglaublichen Farben. Schalte das Hirn auf Zufriedenheits-Autopilot. Und lass die Titan-Drückerfische in Ruhe.

    Übrigens ist der Flug m. E. nach weit weniger anstrengend als eventuelle Wartezeit in Malé auf den Rückflug. Da wird Dein soeben noch gepuderter Arsch mit der schmerzenden Wirklichkeit maledivischer Hartplastikschalensitze (in 10 Jahren vielleicht aus Thilafushi-Granulat hergestellt) konfrontiert. Und das ggf. für Stunden. First-World-Problems eben.

    Oh und wenn ich schon beim ungefragt Hinweise geben bin, schlimmer noch als eine Mehrfachmutter zu Erstgebärenden: komm’ vom Oxazepam-Pegel runter, bevor/sofern Du ins Wassertaxi (sehr penibel beim Koffergewicht, btw.) steigst. Der Ausblick sollte mehr als ausreichend Endorphine ausschütten lassen, um die Flugangst vergessen zu machen. Kannst Dich dann auch unbesorgt so richtig gehen lassen, denn bei dem Lärm nimmt Dich eh niemand wahr. Alles für einen guten Zweck: danach Ruhe total. Viel Spaß!

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