Boutique Weihnachtsmarkt My ASS

In den letzten drei Wochen habe ich unzählige E-Mail-Einladungen zu irgendwelchen sinnlosen Märkten bekommen. Auf “den Markt gehen” ist das Tatort-Gucken der neuen hippen Draußen-Aktivität. Irgendein Lauch hat eines Tages gesagt, “kommt, liebe urbane Großstädter, lasst uns einen auf Alt machen, dann ist das wieder hip und wir müssen nicht mehr so hart feiern gehen”, und deshalb gucken alle coolen Menschen Sonntagabends Tatort und gehen an lauen Wochenenden der Weihnachtszeit auf Boutique-Design-Weihnachtsflohmärkte.

Dinge, die es dort zu kaufen gibt (auf jedem einzelnen dieser Märkte):

– Rührteigkuchen auf Plastiktellern
– Geldbörsen aus recycleten Plastiktüten/Geschenkpapier/Mülltonnen
– Tragetaschen aus recycletem Klopapier/Granatenschrappnells/Bananenschalen
– schwarze T-Shirts die mit neongrünen, politischen Stencils bedruckt sind
– selbstgestrickte unicolor Schals mit passenden Fäustling-Handschuhen, Sorte “seitdem mein Baby auf der Welt ist, interessiert sich mein Freund nicht mehr für mich”
– Bio-Falafel
– Schüsseln aus recycleten Vinyl-Platten
– Jutebeutel mit “Sprüchen” und viel zu kurzen Trageriemen

Sartres Hölle ist nichts gegen den Verkehrsstau aus Kinderwagen, der sich auf solchen Märkten formt. Plörre und plärren und das alles, weil man leeren Versprechen hinterher gerannt ist! Seid doch ehrlich: nennt ihn Kindermarkt. Nennt ihn “unterdurchschnittlicher Verkauf von Bastelerzeugnissen karrierearmer Mütter für viel zu viel Geld”-Markt. Nennt ihn “wir verkaufen unsere Vintage-Scheisse nicht, dafür Dinge, die keiner will (inkl. selbstgemalten Postkarten und beschissener Fotografien vom Fernsehturm)”-Markt. Der “Markt für ein schnelles Geschenk für jemanden der keinen Geschmack hat und auch nicht viel Geschmack von mir erwartet aber trotzdem davon ausgeht, dass ich ein bisschen Geld ausgebe.” Boutique doch meine Labia, ihr Lutscher.

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