Park. Sonne. Augen in Schlitzmodus, um das grelle Licht nur gefiltert durchzulassen. Aber in der Öffentlichkeit ist man nie alleine, und die Ruhe ist nur eine ungreifbare Gestalt: Schnorrer, die einen so lange belästigen, bis man ihnen das Kleingeld quer durch die Nasenlöcher ins Gehirn schieben will um sie an ihrer Sucht verbluten zu sehen. Penetrante Pfandflaschensammler, mit denen man sich um halbvolle Colaflaschen streiten muss und sich schließlich für acht Cent bestehlen lassen. Betrunkene die auf die wunderschöne neue Picknickdecke die Brocken ihres hässlichen Lebens kotzen.

Als Marouf sich zu uns setzt, bauten wir gerade feine Dinge. Er fragt, in schlechtem Englisch: kann ich hier sitzen mit euch? Wir gucken ihn nicht an, zucken mit den Schultern. Wahrscheinlich will er sich selbst auf unser Leckerschmecker einladen. Oder uns schlechten Vogelsand verkaufen. Wir haben ihm nichts zu sagen, aber wir ärgern uns über unsere Feigheit “verpiss dich!” zu rufen. Lassen ihn neben uns Platz nehmen. Wir überlegen, aufzustehen, aber die harte Sonne drückt uns ins Gras zurück. Ich spiele mit einem trockenen Halm. Ich packe den Spliff weg. Vielleicht geht er ja bald wieder, dann müssen wir nicht zusehen, wie er uns offensichtlich angeiert.
Er fragt uns über unsere Leben aus. Wie wir Berlin finden. Wie wir den Mauerpark finden. Wo wir wohnen. Was wir machen. Wir pressen unsere Antworten zwischen genervten Zähnen heraus. Er geht nicht, er lächelt, und wartet geduldig in unserer eisigen Stille. Geduld, die wir nicht haben. Wir zünden an, er lacht: “Marihuana is bad for you”. Unsere Skepsis weicht der Entspannung um einige Milimeter. Er redet. Wir reden. Es bringt nichts, zu Schweigen. Vielleicht geht er ja, wenn wir ihm ein bisschen Aufmerksamkeit schenken.
Aber er geht nicht. Marouf sitzt neben uns, die Schweißperlen auf seiner Haut reflektieren die Sonne in einem direkten Strahl in unsere toten Augen hinein. Wir blicken ihn nicht an, wir sind unangenehm berührt. Er ist nicht aufdringlich. Kleine Geschichten in der Hitze – aus Gambia kommt er. Will ein gutes Leben hier finden. Wir lachen: ja, wir auch. Marouf sollte als Soldat kämpfen. “A soldier must die” – aber er wollte nicht sterben. Jetzt kann er nicht mehr zurück. Er redet darüber, dass ihn alle Leute wegschicken, wenn er auf sie zugeht. Er sagt: “thank you for letting me sit here with you, thank you for talking to me”. Mein Magen verkrampft sich. Ich würge innerlich, weil der Ekel meiner eigenen Gedanken nicht mehr auszuhalten ist.
Marouf kann es sich nicht erklären, dass sich ein Deutscher neben ihn – neben uns – setzt und ihn nach Drogen fragt. Wir versuchen, ihn wegzuschicken, aber schüttelt den Afrikaner: “Fremder, jetzt sei mal nicht so und rück ein bisschen Gras her, ich bezahl auch!” Ich schäme mich für mich, für ihn, für alle. Marouf guckt uns mit einem traurigen Lächeln an: “I don’t know why they don’t like me. Maybe because I look different. I think maybe I am sick. I go to the doctor to test, five month ago” Er erzählt uns mit roten Augen, dass er seine Ergebnisse seit fünf Monaten hat- aber keiner sie für ihn übersetzen möchte. “I go to people, I ask, can you read this? But they always say: no, no! Go away!” Wir sind still. Wir sind diese Menschen.
Nach einigen Minuten fragt er, ob er seine Papiere nächste Woche mitbringen kann, damit wir darauf gucken können. Ich frage ihn, ob er weit weg wohnt. Wenn er möchte- wir sind noch lange hier. Ich ekel mich wieder vor mir selbst, möchte jetzt nur noch Blut kotzen und gesteinigt werden, weil ich nicht weiß ob ich ihm aus Mitleid helfe oder weil ich ihn mag. Er fängt an zu zittern. “Yes, yes, I go now!” Er rennt die Strecke. Nach fünfzehn Minuten ist er wieder da.
Er hat fünf Monate lang darauf gewartet zu erfahren, dass er HIV negativ ist. Fünf Monate.
Er lächelt erleichtert. “This is the best day of my life. You are good people.” Ich bete, dass wir auf der Stelle sterben. Ich lächele: “We try.”
Einen Nachmittag im Gras, gefüllt von unbedeutsamen Anekdoten aus den Leben unterschiedlicher Gestalten, irgendwo in der Hauptstadt in einer zivilisierten Welt, wo Toleranz und Aktzeptanz großgeschrieben werden. Wir regen uns über Rassismus auf, wie verurteilen Vorurteile, wir stempeln die Ungebildeten ab, die Trolle der Gesellschaft, die Minderbemittelten, die nicht die Erziehung genossen haben die wir als perfekt verstehen. Und dann ist es auf einmal so einfach, sich selbst zu hassen, und dann ist man auf einmal so einfach von sich selbst angewidert. Wir feiern WM in Afrika: ihr seid ein Teil von uns. Leere Worte. Wir stehen bei Rot, wir kaufen die Tickets für öffentliche Verkehrsmittel und alle paar Woche werfen wir fünf Cent in den ranzigen Plastikbecher eines Penners auf der Straße und sind stolz auf uns, “weil wir es ja auch nicht so Dicke haben, ‘ne” und sind überzeugt davon: der da, der sieht genau so aus, wie ein Krimineller/Abhängiger/Asozialer.
Marouf wird wahrscheinlich genauso irgendwann mit unserem verächtlichem Blick jemanden aufschlitzen, Drogen ticken und die Welt zu hassen lernen – so wie, wir Menschen verurteilen und in eine Schublade stecken ohne auch nur den geringsten Zweifel zu haben. Wir sind diese Menschen. Wir sind es wert, gehasst zu werden. Es tut mir leid. Und dafür schäme ich mich.

fuck.
Wow, das war ganz, ganz fantastisch zu lesen. Und ich kenne dieses Gefühl des Ekels vor sich selber aus eben diesem Grund nur zu gut. Das Misstrauen gegenüber anderen, was uns jahrelang eingetrichtert wurde oder wir aus eigenen Erfahrungen aufbauen, ist eine der größten Hürden, die man als Mensch überwinden kann.
Besonders ärgerlich ist auch, dass dieses Misstrauen meist die Besten, die Offensten, die Nettesten trifft. Und so werden, wie du ja geschrieben hast, auch diese mit der Zeit zu Ekeln.
Ich kann dir, da ich es erlebt habe, raten dieses Misstrauen abzuschütteln und offen auf deine Weltreise zu gehen.
Danke für diesen Text.
oh boy.
spätestens da:
“Er lächelt erleichtert. “This is the best day of my life. You are good people.” Ich bete, dass wir auf der Stelle sterben. Ich lächele: “We try.””
war ich fix und fertig. :/
Wow – ich hab ne Gänsehaut. Unglaublich gut geschriebener Text. Ich kann die Gefühle der Erzählerin/des Erzählers total gut nachempfinden. Paff, oh man. Eigentlich sollte ich mir den Text abspeichern und in regelmäßigen Abständen immer mal wieder durchlesen. Und zwar besonders dann, wenn man sich gerade mal wieder verzweifelt um sich selbst dreht. Danke für den Denkanstoß!!
krasser text. meine pumpe geht.
ich fühl mich ebenso schuldig.
verdammt, man muss hier echt einfach mal raus aus diesem sumpf voller oberflächlichkeiten und egomanie.
kiffen hilft da ‘och nicht gegen und auch keine weltmeisterschaft in südafrika. :(
Sprachlos. Gänsehaut. Danke dafür!
Kenne solche Situationen zu gut!
Fuck. Es tut echt weh sowas zu lesen, aber eben genau weil ich mich selbst darin finde und genau weiß, dass ich diese Doppelmoral lebe. Ich mache einen auf offen und aufgeklärt, diskutiere, aber bin eigentlich einfach nur verfickt selbstgerecht.
Danke für den Text.
sofern diese geschichte nicht fiktiv ist – und sie wirkt definitiv selbst erlebt – frage ich mich gerade, ob marouf der mann war, der mich vor einiger zeit nachts in berlin zwischen mcdonalds postbahnhof, wo ich mir gerade den bauch vollgestopft hatte, und hostel angesprochen hat. das gespräch fing genauso an. how are you? are from here? usw. ich habe keine gegenfragen gestellt, so getan als könnte ich kein englisch und habe mein tempo verdoppelt. ich war skeptisch, weil ich nachts von einem schwarzen mittdreißiger, der kein deutsch konnte, angesprochen wurde. mein gedanke war “der zerrt dich doch gleich in die nächste dunkle ecke wenn du nicht schnell abhaust”. in der tat – nachts sollte man vielleciht wirklich etwas vorsichtiger sein, aber trotzdem käme einem niemals in den sinn, dass so jemand vielleciht doch nur für irgendetwas unsere hilfe braucht.
@anne: Das war tatsächlich sogar keine fiktive Geschichte. Ich weiß nicht, ob Marouf dieser Typ war- wahrscheinlich nicht, er ist kein Mittdreißiger sondern Mittzwanziger.
Aber eigentlich ist jeder Marouf, der auf Unverständnis und direkte Ablehnung stößt. Ich kann gar nicht beschreiben, wie es sich anfühlt, sich selbst so hart kritisieren zu müssen und entgegen aller Erziehung und aller Überzeugung festzustellen: scheisse, ich habe einen großen, großen Fehler in meiner Verhaltensweise, vielleicht sogar Persönlichkeit.
Schöner Beitrag.Deutschland Ade.Umdenken.Mensch sein!
Ok. Es passiert mit nie, dass ich Tränen in den Augen habe, wenn ich einen Blogpost lese. Der hier hat’s geschafft.
Und du hast so absolut recht. Aber. Letztendlich. Ist es schwer, keine Vorurteile zu haben. Und so böse es klingen mag, wir brauchen sie um zu überleben. Sie sind wichtig.
Aber noch wichtiger ist es, über diese Vorurteile hinwegzukommen. Und am Ende froh zu sein, nicht den zweifelhaften Mut gehabt zu haben, “Verpiss dich” zu sagen.
Wie denkst du jetzt? Halfst du ihm aus Mitleid, oder weil er dir dann doch sympathisch war?
Kann man das überhaupt irgendwie feststellen? Herausfinden?
Auch unabhängig von Äußerlichkeiten und Nationalitäten?
damn!gänsehaut! so viel wahrheit, die einem manchmal vllt lieber nicht bewusst wird.
@zimtsternin: Was ich jetzt denke.. interessante Frage. Ich weiß nicht, ob mich das in irgendeiner Art und Weise geändert hat. Das werde ich dann bei der nächsten Begegnung feststellen. Ich bin kein introvertierter Mensch und habe es nicht schwer, mich mit Leuten auf distanzierter Ebene zu unterhalten. Aber das, das war auch mir neu. Ich hoffe durch das Reisen offener zu werden und mehr von diesem Schutzwall der Kälte abzulegen. Vielleicht klappt es.
Was Marouf angeht: nein, es war natürlich nicht nur Mitleid, aber es vermischt sich natürlich. Ich bin einfach an seiner Stelle wütend geworden, nicht nur auf mich, sondern auch auf die anderen Arschlöcher, die ihn wie Dreck behandeln nur weil er schwarz ist (!) und kein Deutsch sprechen kann. Andererseits hatte ich solche Situationen früher auch, da waren mir die Leute überhaupt nicht sympathisch, ich würde sogar so weit gehen zu sagen dass ich manchmal sogar Angst hatte. Bei ihm war das nicht so.
Wir haben Nummern ausgetauscht. Natürlich ist mir was distanzierteres – wie eine E-Mail Adresse – lieber, aber er kann weder lesen noch schreiben. Was soll ich machen? Ich weiß es nicht. Er hatte versprochen, uns was zu kochen – aus Dankbarkeit (er ist Koch). Mal sehen.
@anne
die Frage ist doch, hättest du den gleichen Gedanken, und die Gleiche Sorge um deine Sicherheit auch gehabt, wenn dich ein weißer, mitterdreißiger angesprochen hätte? Oder jemand auf französisch?
Allein der Gedanke, dass man gerade nciht das Bedürfniss, die Lust, ie kapazität hat sich mti einem Menschen auseinanderzusetzen als solches ist nicht verwerflich, problematisch wird es dort, wo man anfängt soetwas an Dingen festzumachen die nicht von der Person selnbst beeinflußt werden können.
Ich nehm mir also, wann immer ich habe, das Recht raus mich nicht mit einem besoffenen Typen im schwarz-rot-gold zu unterhalten, wenn der mich NAchts in x-berg oder am Main anlabert, weil ich keine Lust auf jemanden betrunkenes habe und weil ich keine Lust habe einen Menschen anzuschauen und die ganze Zeit schwarz-rot-gold zu sehen. Und da ist es für mich vollkommen egal, ob der Mensch jetzt “ursprünglich” aus Gambia oder Deutschland stammt.
Und die Frage auf den Text bezogen? Woher das unbehagen… auf einen Menschen keine Lust zu haben? Oder gedacht zu haben, dass der Typ mitrauchen wollte. Und woher das Unbehagen später? Das es ein dunkelhäutiger Mensch war? Den eigenen unterbewussten Rassismus erkannt zu haben?
Das ist gar kein Angriff, ich sitze gerade hier mit Fragezeichen…
@Hausschuh: Auf einen Menschen keine Lust haben? Nein, das war es nicht, denn ich habe mir auch die Frage gestellt: was wäre gewesen, wenn es einfach ein Franzose oder sonstirgendwer gewesen wäre – oder war es vielleicht die Art, sich einfach in die Privatssphäre (“trotz Öffentlichkeit”) eines anderen zu setzen?
Es war das Vorurteil, einen schwarzen Menschen in Berlin zu sehen, der einen anspricht und direkt zu sagen: ok, das ist ein Drogendealer und/oder der will jetzt irgendwas von mir und das nervt mich total. Was habe ich mit dem schon zu besprechen? Es gibt viele Druffis, die das Gespräch suchen, und mit solchen Leuten zu reden ist schwierig. Darauf muss man tatsächlich Lust haben. Aber ich habe ihm ja nicht mal die Chance gegeben, sich als Druffie oder Drogendealer zu entpuppen. Für mich war es klar, dass er “so einer” ist.
Rassismus würde ich es gar nicht nennen.
Wie wäre es mit “Erfahrung”? Als ich an euch vorbei gegangen bin, war es auch mein erster Gedanke, einfach weil ich es aus Mannheim nicht anders gewohnt war: dort hat mein bester Kumpel immer mit seinem Dealer zusammen gekifft (die haben sogar die WM 2006 zusammen geschaut, ich erinnere mich gerade wieder…). Und, okay, darüber lässt sich streiten, aber anzunehmen, dass jemand was vom gerade gebauten Dübel haben will, ist, naja, naheliegend. Dafür muss er/sie nicht schwarz sein.
Und, weiss nicht, aber ist es nicht viel wichtiger, was man mit der Annahme dann macht? Ihr hättet ja auch komplett blocken können. Habt ihr aber nicht, und ihn damit kennen gelernt. Und das ist doch schon ziemlich offen.
No offense: kannst du das in Berlin nicht (mehr)?
Wo ist das Flattr-Dings bei Dir?
@Jeriko: Doch, doch, das kann ich in Berlin noch. Wahrscheinlich ist aber die Trefferquote im Sinne von “oh Gott so viele neue Menschen die ich alle wahnsinnig gut und schnell abstempeln kann” im Ausland ein bisschen höher – und auf engem Kontakt (Hostels, Flugzeug, Züge, fremde Länder) ist es wohl auch etwas anderes, als wenn man “in seinem eigenen” Bereich ist, wo andere eindringen (das können nervige Touristen sein aber auch eben so Menschen wie Marouf, die man halt abstempelt).
Das als “Erfahrung” zu betiteln ist zwar sympathisch, aber nicht unbedingt behilflich in dieser Situation. Das ist nicht nur für mich persönlich nicht okay, das ist einfach ein generelles Problem. Und ich will gar nicht wissen, wie viele Leute da mit mir ziehen. Das sieht man ja auch an den Kommentaren: ja, wir sind uns dieser Doppelmoral bewusst. Aber wir haben keine Ahnung, was wir dagegen tun können.
@Ronny: Jübbet nüsch.
My apologies, ich wollte dir nicht auf Füße treten.
Mhm,
ich glaub ich würde es Rassismus nennen, und ich glaube die Einsicht, selbst manchmal rassistisch, sexistisch, homophob zu denken und handeln ist eine wichtige, denn lediglich aus dieser Erkentniss heraus kann man dem Problem anders begegnen. SOnst verliert man sich sehr schnell hinter semi-Begründungen und rechtfertigungen, das Problem wird verwässert usw usf.
Denn, dass dein erster Gedanke war ‘oh man, wieder so ein Drogendealer’ lag ja durchaus auch an seiner Hautfarbe. Und eine Zuordnung einem Menschengegenüber aufgrund seiner Hautfarbe ist Rassismus.
Aber das ist vielleicht total unterschiedlich. Ich weiß dass ich sehr viel besser mit irgendwie diskriminierendem Verhalten umgehe, und es vor allem auch viel seltener mache und tatsächlich auch denke, seit dem ich für mich reflektiert habe, dass ich eben nicht frei davon bin, auch wenn ich es gerne wäre.
Gefällt. Sehr schön :)
stark!
Wow, sehr starker Artikel, Sara. Tat gut daran erinnert zu werden, wie wir teilweise mit anderen umgehen.
Und ich bin kein Stück besser, denn als mich heute im Zug eine osteuropäische Frau mit gebrochenem Deutsch ansprach, ob ich ein Handy besitze und sie damit 2 Minuten telefonieren könnte, habe ich “nein” gesagt.
In den ersten beiden Absätzen hast Du genau die Misanthropie getroffen, die mich dann im weiteren Verlauf vor die Wand laufen lassen. Danke dafür!
@Hausschuh: Ich tue mich deshalb schwer mit “rassistisch”, weil ich genauso “Drogendealer” oder “Schläger” gedacht hätte, wenn ein Osteuropäer auf mich zugekommen wäre.
Vielleicht ist mir die Bedeutung von rassistisch in dem Sinne entglitten – in jedem Fall gebe ich dir absolut recht, was die Selbstreflektion angeht. Ich weiß nur, wie gesagt, nicht so recht ob das was mit der Hautfarbe zu tun hat oder mit der Situation insgesamt (hätte mich ein Schwarzer – und pardon falls das politisch nicht korrekt ist, ich habe keine Ahnung – an der Uni oder an meinem Arbeitsplatz angesprochen, wäre meine Reaktion ganz anders gewesen).
naja, aber dem widersprechen ja beide punkte nicht…
auch osteuropäer können rassismen erfahren. Und klaar wirkt rassismus je nachdem wo man sich befindet immer irgendwie anders… ich bemerkt ja auch an der uni ständig, dass ich in stereotypen denke…
die werden halt den äußeren umständen angepasst.
krasse scheiße. harter wahrer Stoff. Wie erschreckend es doch ist wie gut wir verdrängen können!
um mal ein anderes beispiel zu bringen; ich stelle hin und wieder an mir fest -so traurig es ist- das ich zB in komilitonen die nicht so gut deutsch sprechenoer mit starkem akzent, viel höhere erwartungen habe… also die müssen sich viel mehr beweisen, ich bin öfter unaufmerksam, ich höre mir dinge vlt auch kritischer an… hab das neulich festgestellt und mir ner freundin drüber geredet, der ging das sehr ähnlich… das ist gerade mein projekt;)
Unfassbar gut! 5 Monate wollte keiner mit ihm sprechen. Armes Deutschland. Aber ich hät genauso reagiert =/
“Ihr” habt mich immer behandelt wie einen Aussätzigen. Ich bin anders als viele andere, und leider merkt man das recht schnell. Ich verstehe durchaus, warum ihr es tut! Aber euren Selbstekel, euer symbolisches Mitleid könnt ihr euch in die Haare schmieren. Uaargh.
Im ersten Moment musste ich an die ersten Minuten von Skins S03E03 denken – vor allen die ersten drei bis vier Minuten.
Großartiger Text. Danke dir.
Wahnsinn. Wirklich wirklich.
Wahrer und guter Text. Danke.
Kompliment für den guten Text und für deinen Mut, das Ganze auszusprechen. “Wir sind diese Menschen.” Ja, ich auch.
@Seli: Ich weiß, dass es dir nichts bringt- ich weiß auch, dass es dich wahrscheinlich zutiefst kränkt, dass ich mir überhaupt das Recht herausnehme, soetwas wie Mitleid zu empfinden und darüber verklärt zu schreiben als wäre es irgendeine neue Erkenntnis. Aber darum geht es nicht.
Ich halte es für die Aufgabe eines jeden Menschen in seiner kleinen Welt nach einer Stabilität und nach Besserung zu streben. Wir machen viele Fehler und unsere Ideale wechseln sich mit der Zeit ab. Ich möchte die Welt nicht verändern, das kann ich nicht: aber ich kann versuchen, mich selbst zu ändern und mein Blickfeld zu weiten, so gut ich kann. Und das will ich auch. Solche Erfahrungen sind dienlich, weil wir vor Hochmut fast platzen und niemals darauf kämen, falsch zu liegen.
Es tut mir nicht nur für diejenigen Leid, die mich und meinen Zynismus und meine Vorurteile abbekommen haben- es tut mir für mich Leid, weil ich es verpasst habe, mich dahingehend weiter zu entwickeln. Ich kann nicht mehr tun, als versuchen, es besser zu machen.
Oh kacke, wie man sich wiedererkennt beim Lesen!
Lässt sich gut nachempfinden, was Du da schilderst, auch in der Nachbereitung der Geschichte.
Es kommt beizeiten vor, dass man sich seiner eigenen Gedanken und/oder Taten schämt und nach Ursachen hierfür sucht. Aber es ist eben auch ein gutes Zeichen, wenn man das tut, weil man nur auf diese Art die Chance hat, aus sich und anderen schlau zu werden.
Insofern quäl Dich nicht zu sehr, sondern sei froh, dass Du eine derjenigen bist, die imstande sind, solche Dinge zu reflektieren.
Und nicht nur das: durch das Niederschreiben des Ganzen (auch und gerade durch den Aufbau & die dadurch entstandene Dramaturgie) hast Du es auch anderen ermöglicht, mal kurz innezuhalten und über ihr Verhalten an Deiner Stelle nachzudenken.
Großartiger Text! Applaus!
Auch von mir ein Danke für den Text. Das gute an ihm ist, dass du keinen oberlehrerhaften Ton anstimmst und sagst NATÜRLICH habe ich so gehandelt, sondern in den ersten Sätzen das aufgreifst, womit sich wohl jeder identifizieren kann.
Schließe mich dem “Oh kacke, wie man sich wiedererkennt beim Lesen!” von Börnsen an.
Starker Text, weil er kein Bild malt und keine abstrakte, plakative Anklage ist, sondern zeigt wie es ist, aber vor allem andeutet wie es sein könnte und sollte.
btw: Ich finde es verwirrend, dass die Kommentatornamen UNTER den Kommentaren stehen.
Ich gehöre nicht zu diesen Menschen. Ich bin jedem gegenüber nett und unvoreingenommen. Ist doch nicht so schwer, oder?
@Martin: Ich habe nie behauptet, dass es schwer sein muss. Die Schwierigkeit liegt darin zu erkennen, dass man es nicht ist obwohl man die ganze Zeit daran geglaubt hat.
Wow, wirklich gut der Artikel. Ich muss darüber nachdenken, wie ich letztens noch über Obdachlose gedacht habe, mit wie vielen Vorurteilen ich auf diese Menschen zugehe.
Ich glaube allerdings auch, dass nur, weil wir nicht unbedingt die Lust haben uns mit bestimmten Menschen auseinanderzusetzten, heißt es nicht, dass wir rassistisch sind. Und ich glaube nicht, dass du ihn abgewiesen hast, abweisen wolltest, weil er schwarz ist. Es ist einfach eine seltsame Situation, wenn ein fremder zu dir kommt und sich neben sich setzt. Ich denke die eigene Unsicherheit spielt dabei eine nicht unwichtige Rolle.
Nicht “wir” sind diese Menschen, Du bist dieser Mensch. Zieh uns also bitte nicht alle in Deine Lebenseinstellungserkenntnis hinein.
@p.: Sorge dich nicht, ich meinte nicht dich damit, sondern die Person, die in dem Moment bei mir war.
Aber danke für deinen Beitrag du One-Man-Heilsarmee.
“Oh kacke, wie man sich wiedererkennt beim Lesen!” trifft es schon ziemlich genau. ich hab mir erlaubt den text in mein blog zu kopieren. ok?