Instagram ist der Playboy der digitalen Welt. Was nicht im Vintage Filter landet – Frühstück, Fahrrad, Fernreise – ist so hässlich wie die ungemachten Titten der dicken Bäckersfrau. Die Welt im grellen Spotlight der Realität getaucht ist eben nur halb so schön wie ein warmer Sepia Ton oder ein besonders blau betonter Himmel. Exklusiv im Jahre 2012: das Katalog-Leben nun auch für den Privathaushalt, der nicht mehr als 15.000 Euro im Jahr umsetzt.

Ich möchte mich da jetzt nicht zu sehr reinsteigern, wir sind ja erwachsene Menschen hier und überlassen den Profis der Medienwelt die kritische Auseinandersetzung. Ich möchte lediglich auf eine neue Liebe hinweisen, die Instagram mir näher gebracht hat. Wie es der Playboy eben einst tat, ist nun Instagram dafür verantwortlich, dass sich Menschen – Menschen wie ich, wohlgemerkt – in fiktive, weit entfernte, möglicherweise nackt abgebildete Prominente verlieben. Regelrecht verlieben, meine ich, also nach jedem Erwachen neue Bilder angucken, vor Sehnsucht schmachten und in ihrem Leben vermeintlich keine Qualitäten mehr finden ohne das Subjekt ihrer Begierde.

Und dabei ist gar nichts besonderes an ihr. Sie ist schön, ja, wunderschön und so viel schöner als alles, was ich je gesehen habe. Aber sie ist langweilig. Wie sie sich da rekelt und zur Schau stellt. Und doch – ich kann nicht anders. Mein Herz, das für eine lange Zeit erhärtet und kalt war, es jauchzt und seufzt vor Freude, wenn sie in ihre abgebildeten Augen guckt. Man hört mich innerlich weinen, weil es nie sein wird. Es kann nie sein. Ich werde sie nie besitzen, niemals mit ihr einschlafen, sie niemals im Arm halten, niemals streicheln, niemals zärtliche Sachen in ihr Ohr flüstern, niemals mit ihr spielen, niemals werde ich das alles. Ich habe Instagram, um sie zu beobachten, von ganz weit weg. Instagram ist sowohl Schuld an meinem Leid als auch an meiner Freude. Wie soll man das bewerten? Welchen Ausweg gibt es?

Ach, Nala.

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