Das Internet Manifest

Veröffentlicht September 7, 2009

Das Internet Manifest. Eine Veröffentlichung der tragenden Größen aus der Blogosphäre/Internetgemeinde. Namentlich Niggemeier, Lobo, Haeusler, Sixtus, und irgendwie noch einigen anderen Typen, die ganz viel intelligentes Zeug schreiben können.

Das Internet Manifest

Leider komme ich dabei als Blogger/User zweiter Klasse weg. Die elitäre Selbstinszenierung, die in diesem Papier ausgedrückt wird, grenzt an Wahnsinn. Hier wollen einige Große ein Spiel koordinieren, das überhaupt keine Koordination braucht. Mir ging es vor dem Internet Manifest prächtig. Und nur, weil eine Online Petition auch in den Medien – für einen richtigen und notwendigen Zweck – einschlagen kann, heisst das nicht, das man jetzt im Selbstzweck Regeln aufstellen muss, die überflüssig sind.

Ich habe nichts dagegen, für mein Recht zu kämpfen und das auch irgendwie auszudrücken- gerade wegen den Entwicklungen der letzten Zeit. Ich brauche mich allerdings nicht in eine lange Schlange von Pseudo-Helden einzureihen, die sich selbst als Multiplikatoren dienen. Was mich am meisten an diesem Manifest stört: es sind bekannte Informationen und Fakten, in pompöse Sätzchen gefügt und als Bullshit serviert. Aber Journalisten dürften am besten wissen, wie man PR macht.

Das Web stellt eine den Massenmedien des 20. Jahrhunderts überlegene Infrastruktur für den gesellschaftlichen Austausch dar: Die „Generation Wikipedia” weiß im Zweifel die Glaubwürdigkeit einer Quelle abzuschätzen, Nachrichten bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen und zu recherchieren, zu überprüfen und zu gewichten – für sich oder in der Gruppe.

Ühh… soll das heißen, dass es vor dem Internet keine gut recherchierenden Journalisten gab? Und das gerade von Niggemeier & Konsorten. Das tut ein bisschen weh, und zwar nicht nur dem Journalismus selbst, sondern dem ganzen Zweck. Ich habe nichts gegen die Protagonisten hier, im Gegenteil, alle Teilnehmer finden sich in meinem Feedreader wieder. Aber solche Aussagen beleidigen nicht nur den Stand des Journalismus selbst, sondern auch mich als Leser und Unterstützer.

Suchmaschinen und Aggregatoren fördern den Qualitätsjournalismus: Sie erhöhen langfristig die Auffindbarkeit von herausragenden Inhalten und sind so integraler Teil der neuen, vernetzten Öffentlichkeit. Referenzen durch Verlinkungen und Zitate – auch und gerade ohne Absprache oder gar Entlohnung des Urhebers – ermöglichen überhaupt erst die Kultur des vernetzten Gesellschaftsdiskurses und sind unbedingt schützenswert

Aha, und das auf Blogs zu lesen, die nur No-Follow ((Wikipedia)) Kommentare zulassen. Das würde ich an dieser Stelle einfach mal Suchmaschinenzensur nennen. Und heuchlerisch ist es auch, aber andererseits kann man hier vieles zerreissen, was einfach nur falsch formuliert ist. Ich frage mich nur: wem wollen die das erzählen? Der Internetgemeinde? Danke, liebe Freunde, wir wissen das alles auch ohne es in 17. knackige Punkte zusammenzufassen. Wem sonst? Der Politik? Seit Zensursula wissen wir ja, wie gut und genau die zuhören. Für die ganzen anderen zurückgebliebenen Journalisten?

….

Anscheinend bin ich auch nicht die einzige, die sich ein bisschen an dieser Ego-Party stört, aber das beweist mal wieder, dass das Internet eben genau das macht, was das Internet ausmacht…

 

12 comments in “Das Internet Manifest”

  1. Franzi says:


    Applaus. Ich wollt zu dem Thema keinen Beitrag schreiben. Ich hab nämlich keinen Plan. Aber ich stimme dir trotzdem planlos zu.

  2. S says:


    Franzi, ich bin ein bisschen irritiert.. was ist The Panda Fuck? Und wieso ist das als deine URL angegeben? Hilfe…

  3. Thilo says:


    Danke. Jetzt brauch ich nix mehr schreiben und nur dich zitieren, du hast mir ne menge Zeit gespart. Diese Selbstbeweihräucherung von einigen Internetexperten ist wirklich zum kotzen.

  4. HecPac says:


    Es ist wohl immer so, Leute haben sich Anerkennung und Aufmerksamkeit verdient, nun wollen sie die, die ihnen ihre Aufmerksamkeit geliehen haben, verEinnahmen. Mitmachnetzig relativiert als “Behauptungen”. Die Internet-Klassensprecher erklären (mal wieder) wie www geht. Weil, iss ja grad Wahl und vielleicht hört jemand zu. Finde das gar nicht schlimm, wenn es nur nicht so unheimlich langweilig wäre, wie sie wieder versuchen den Fuß in die Tür von irgendwas zu bekommen.

    In einer Woche (okay, zwei) werden wir über diesen putzigen Versuch lachen, wenn wir uns noch erinnern und die nächste Schweinegrippe durchs Dorf jagen.

  5. Merovius says:


    Moin,

    “Ich frage mich nur: wem wollen die das erzählen?” – Der Politik. Ich verstehe das Internet-Manifest als Gegenpol zum Heidelberger- und Hamburger Appell. Nachdem dort jeweils “die Großen” des klassischen Journalismus sich an die Politik richten und um “Rettung vor dem Internet” flehen, soll sich hier “die Netzgemeinde” an die Politik richten und um die “Rettung des Internets” bitten.

    Die Form (das eben sich ein paar populäre Blogger zusammengesetzt haben – wobei ich mir dabei nicht einmal vollends sicher wäre – und sich als “Sprachrohr” der Blogosphäre betrachten) stört mich dabei auch extrem. Andererseits ist es wohl die einzige Form, in der man von den klassischen Medien und der Politik Aufmerksamkeit erwarten kann, wenn es als kohärentes Statement gesehen wird. Ich mein, wäre das Manifest in irgendeinem Wiki entstanden, unter Zusammenarbeit aller Blogger, wäre der Text vermutlich “irgendwann” in das öffentliche Bewusstsein getröpfelt um dort dann schnell zu versickern. In dieser Form jedoch – die gleichzeitige Veröffentlichung an mehreren Stellen “aus dem Nichts” als fertiges Statement – hat es tatsächlich Chancen, wahrgenommen zu werden. Die Möglichkeit, es nun über das Netzpolitik-Wiki mitzugestalten ist dabei denke ich als Zugeständnis an die Internetszene zu verstehen – als echte Kollaboration war es nicht möglich, aber nun könnt ihr mithelfen.

    Vielleicht les ich da auch zuviel rein – zumindest von Sascha Lobo würde mich die von dir unterstellte Haltung wirklich nicht wundern, der Rest sagt mir dazu zu wenig – aber ich zumindest kann das Manifest so wie es dort steht Wort für Wort unterschreiben. Und das ist denke ich das wichtigste…

  6. S says:


    Merovius: Danke für deine lange Ausführung. Über das “warum” hinter der ganzen Sache kann man sich durchaus streiten.

    Allerdings geht es kaum darum, dass ich das nicht unterschreibe. Es geht eher darum, dass es nie jemand bestritten hat, das die Dinge so sind, wie sie sind. Leider funktionieren weder Wirtschaft und Politik so.

  7. *indigoidian.de* » Blog Archive » Irgendsoein Manifest. says:


    [...] der Link zu denen, die das irgendwie ein bisschen behämmert finden: zum Beispiel sie hier oder er hier. Ich glaub so ziemlich alle, die nicht da unterzeichnet haben, finden´s behämmert [...]

  8. Marcel says:


    Das ganze ist doch nur wieder eine Selbstbeweihräucherung der ganzen Pseudo-A-Blogger. Spielen sich als die Hüter des Internets auf, soweit kommt’s noch – am Ende sitzen sie als alte Greise in einer Höhle und spielen die Weisen des Netzes. Spacken.

  9. Grindblog » Internet-Manifest geht auch anders says:


    [...] Social Networks schon rauf- und runtergebloggt und -getwittert worden. Es gibt Hurrarufe, Gemecker, Gegenentwürfe, und sogar andernlands schreiben sie [...]

  10. Too much information. ** 2muchin4mation.com » Archive » Das Gegen-Manifest says:


    [...] gegen das Manifest und gegen das Gegen-Manifest Don Dahlmann: Die fehlende Brücke Dragstripgirl: Das Internet-Manifest F!XMBR: Hurra, wir haben ein Internet-Manifest Freakshow: Blogimanifest Julia Seeliger: Bitte redet [...]

  11. Kein Pirat says:


    Was sind denn A-Blogger? Ich kenne nur einen A-Blog, den hier, alles andere ist B-Ware.
    Im übrigen: Den Qualitätsjournalismus fördern nicht nur Suchmaschinen und Verlinkungen, sondern auch das Wissen darum, wo die Abgrenzungen zwischen Meinungsfreiheit und Persönlichkeitsrecht liegen (was ein bisschen Ausbildung voraussetzt) oder zum Beispiel die Möglichkeit Fakes, miese Recherche, Vorverurteilungen und andere Verstöße gegen die journalistischen Spielregeln zu rügen oder auch die Sicherheit, dass ein Profimedium seine Informanten schützt, notfalls auch gegenüber Staatsanwaltschaft und Islamisten.

  12. hans-klaus mittenwalder says:


    hier melden sich die K-blogger (komische blogger) zu wort mit einem web-beben!!!

    http://www.stupidedia.org/stupi/Das_original_Internet-Manifest

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