FEATURING: teilweise/partially
Featuring: (Blog’s Not Dead) ist eine Sammelbox der Perlen aus dem Web. Wir dachten, sie wären tot, vom Bloggersterben befallen, aber sie sind hier, sie sind unter uns, man muss nur die Augen offen halten. Und so halten wir ständig Ausschau nach dem, was uns am Schreiben hält, und laden Blogger ein, zu unserer Schatzkiste beizusteuern…

Gastautorin: Charlotte – teilweise/partially – gegenwart.wagemut.kulturpessimismus
das eigentlich meinerseits geliebte sz magazin proklamiert: der pop, die gebliebene leitkultur/strömung, ist tot.
was folgt ist ein abgesang auf die aussichtslosigkeit, die inhaltslosigeit und die kulturelle endlosschleife der jungen generation. nun, wo also mit michael jacksons tod die apokalypse besiegelt ist bleibt nicht mehr: kulturelle leere, hier und da heidi klum und detlef d! soost. weltuntergangsstimmung. ich will kotzen.
in den medien ist immer wieder die rede von der ziellosen generation. uns, die nichts eigenes schaffen, nicht rebellieren, die unpolitisch sind. verleudmung und kulturpessimismus. die arroganz der vergangenheit.
was bleibt. der versuch eines manifests. einer verklärung. eines zeit ideals. nicht des tot erklärens der gegenwart, aufgrund des vergangenen. die erklärung einer gegenwart an der schnittstelle von möglichkeit und realtität.
1. definitionen sind wertlos
zu defninieren bedeutet festzulegen. in einer zeit, in der der technische fortschritt jedoch jeder statik trotzt, sind zeit-definitionen überholt. in einer zeit der globalisierung und der flexiblen gesellschaft gibt es keine unveränderlichen menschen, keine unveränderlichen umstände und wahrheiten mehr.
veränderung ist die einzige konstante.
2. konsum und kunst
während in der (“verstorbenen”) popart konsum zur kunst erhoben wurde, erhebt die gegenwart kunst zum konsum. die gegenwart hat an mode den anspruch ein menschliches kunstwerk zu schaffen, an alltagsgegenstände den der außergewöhnlichkeit, der individualität, der form, des designs. street art, virtuelle kollektionspräsentationen, blogs haben den zugang zu kultur demokratisiert.
3. realität statt utopie
während der gegenwart ein mangel an idealen/ideologien verschrieben wird, trotzt die global city jeder nationalen beschränkung und einseitigkeit. freies wissen, weltgemeinschaft, vernetzung und creative commons sind der sound der neuen generation. statt der alten träume und der politischen ideologien wandern ideen durch die welt, geteilt, optimiert und weltweit verwirklicht. weltgemeinschaft statt weltfremde.
4. die straße ist kein politisches medium mehr
während sich die straße sich selbst auf plakatslogans und eine vergleichbar geringe wirkung, bzw. nur die mediale feststellung, “dass da was war” reduzieren muss, ist organisation und aussagekraft im netz effektiver und deutlicher. anstelle von kurzen slogans treten websites und blogs.
5. es gibt keine klare richtung mehr
es gibt keine kulturelle hauptströmung. kultur ist individualisiert, die außergewöhnlichkeit tritt anstelle der eintönigkeit und der trends. schaffenskraft und inspiration mulipliziert sich. es gibt tausend meinungen und antriebe,gesamtgesellschaftlicher konformismus ist unmöglich.
6. überfluss/verzicht/bewusstsein
politische und ethische überzeugungen äußern sich mehr praktisch als theoretisch. menschen der gegenwart entscheiden bewusst über konsum und verhalten. einzelteile statt massenware.
7. neue moral
alte maßstäbe und falsche vorwände sind überflüssig geworden. der einfluss schein und doppelmoralischer leitbilder nimmt ab. ethik ist eine persönliche entscheidung und entwicklung, alte definitionen werde durch neue ersetzt.
8. wandel
die gegenwart hat kein einzelnes gesicht, sondern viele. leitkultur ist passé, leitkulturen sind real. einfluss ist international, nationalität ist mehr und mehr unbedeutend. die agierenden menschen haben sich schneller vernetzt und freundschaft geschlossen, als die politischen spitzen.
9. menschen
alte rollenbilder lösen sich auf. menschen statt geschlechter. unabhängigkeit statt abhängigkeiten. freiheit statt determination.
gegenwart: freiheit, vielfalt, schnelllebigkeit, individualismus, purismus, bewusstsein, global city, kreatives teilen.


7 comments in “FEATURING: teilweise/partially”
January 11th, 2010 at 21:54
Übrigens soll das hässliche Coverbild einfach nur symbolisch dafür stehen, dass man ja nie weiß, was auf dem Cover ist, bis man es gelesen hat. Und so.
January 12th, 2010 at 14:06
Ja, den Artikel habe ich auch “gelesen” (also nur die Headlines überflogen) und mir gedacht, dass es an Selbstgerechtigkeit nicht mehr zu toppen ist. Insofern stimme ich dir zu. Ein Einwand jedoch.
Du schreibst: “gesamtgesellschaftlicher konformismus ist unmöglich.”
Würde ich stark widersprechen. Gesellschaftlicher Konformismus ist der Nexus, die Klammer, die alles zusammenhält. Stichwort: “Demokratie”, “Freiheit”, “Individualität”, “Gleichheit” usw. Und zwar heute, und hier, mehr denn je, vor allem mehr als früher. Damit du und ich unterschiedliche Meinungen haben können, musst du dich ja erst einmal darauf einigen, dass wir auf gleicher Augenhöhe sprechen usw. Das gab es früher nicht in diesen Ausmaßen und ist deswegen von anderer Qualität.
January 12th, 2010 at 16:08
du hast recht, und dem was ich minimalkonsens nennen würde, also eben werte wie “Demokratie”, “Freiheit”, “Individualität”, “Gleichheit”, wollte ich mit dem satz “gesamtgesellschaftlicher konformismus ist unmöglich.” gar nicht widersprechen. sagen wollte ich vielmehr: die sehnsucht, die in einigen medien ausgedrückt wird, nach einer richtung, die die gegenwart und die “junge generation” verfolgt und “einigt” (im feuilletonistischen hinterkopf die studentenbewegung 68) , kann nicht befriedigt werde, weil es keine einheitliche richtung, sondern viele meinungen/strömungen und diskussionsflächen gibt. natürlich, da hast du recht, ist für diese vielfalt eine minimalkonsens die basis, bzw. die klammer.
January 12th, 2010 at 19:50
Ja, grundsätzlich denke bzw. dachte ich das auch. Ich bin mittlerweile dabei, mich von der Überzeugung zu verabschieden, dass wir so nonkonformistisch sind bzw. jeder sein eigenes Ding macht und wir dann zwar alle eine “Peergroup” bilden, aber in unterschiedlichen “Heregroups” (verzeih mir das beschissene Wortspiel, ich musste mich grad selbst ins Lächerliche ziehen, beheimatet sind. Meinst du nicht, dass die neue Art zu kommunizieren (Facebook, Googlemail mit mind. 5-100maligem Mailcheck pro Tag, Blogs, Twitter usw.) absolut “Pop” ist? Also das ist das Neue. Das war womöglich vor 10 Jahren nicht so. Darum nannte man die ja auch alle unpolitisch. Oder? 2 Cents und so.
January 12th, 2010 at 20:41
du gehst glaube ich von einer zu kleinen gruppe (das vermute ich jetzt mal) als masse aus. social communities wie facebook etc sind gefragt, aber blogs… ich glaube das steht erst am anfang seiner möglichkeiten.
das internet ist das neue, und gerade deswegen entstehen ja lauter ähm heregroups. wir sind also konformistisch in unserer peergroup, die ist aber nicht mehr so groß wie früher, bzw spezifischer und dadurch als gruppe im vergleich zu der gesellschaft als ganzes eventuell nonkonformistisch.
wobei man wieder die frage stellen müsste, was genau in unserer welt jetzt gesellschaft ist? also in welchem maßstab man gesellschaft sehen muss. national, international?
oh je… ^^
January 13th, 2010 at 22:09
Schöner Text, sind viele Sachen drin die ich auch immer als Verteidigungen gegen die “ewig Alten” nehme.
February 19th, 2010 at 08:48
[...] Definitionen sind wertlos [...]