One Year In New York

Vor nicht mal ganz einem halben Jahr war ich für einige Tage in New York. “Geschäftlich”, möchte ich sagen, aber eigentlich war es in vielerlei Hinsicht ein kleines Abenteuer. Es war nicht mein erstes Mal, es war nur das erste Mal bewusst, und nachdem der Traum, die Illusion der USA als bunte Lebensstation, schon verblasst ist. Meine Kindheit bestand aus Hochhäusern und Cornflakespackungen. Die nüchterne Erkenntnis meiner Mittzwanziger: ich bin dankbar, Europäerin zu sein. Das will ich nicht herablassend sagen, sondern ich sage das mit Wehmut. Die USA waren für mich im Kindesalter und in der Jugend soetwas wie ein realistischer Zufluchtsort gewesen. Falls es hier nicht klappt, wird es immer einen Ort geben, an dem mir alles möglich sein wird.

Mein Kurztrip nach New York bewies mir, dass diese Stadt aber soetwas wie eine Konserve darstellte für ein Bild, was ich als Erinnerung an Amerika in meinem Kopf eingespeichert hatte. Die Ästhetik, der Glanz, der Film, in dem man sich plötzlich bei Aufprall auf der anderen Seite der Weltkugel widerfindet, das mag zwar berechenbar erscheinen, weil NYC eben eine Weltstadt ist; und doch war es schön, sich von diesem Gefühl einnehmen zu lassen. Auf der Williamsburg Bridge zu stehen und den Regen zu genießen ist ein mächtiges, dramatisches Ding gewesen. Wieso? Weil die Fremde eines wohlbekannten Ortes so unwiderstehlich und süß ist, oder weil die Romantik eines unbequemen Momentes, der aber bewusst gewählt wurde, um Freiheit zu signalisieren, so viel in meinem sonst eher sterilen Leben wert ist?

In jedem Fall wurde ich gerade wieder ein bisschen an diese wenigen Tage erinnert, als ich ein Video mit persönlichen NYC Aufnahmen entdeckte. Das ist eine ganz besondere Stadt, und ich freue mich darauf, vielleicht bald auch etwas mehr Zeit dort verbringen zu dürfen.

Comments are closed.

Tags