TOTD: Take It Down

Ich hatte mir immer geschworen, dass ich niemals die Musik verliere. Ich würde immer die neueste Musik kennen und nicht irgendwann aus Verzweiflung einfach – wie alle anderen – Robbie Williams CD’s kaufen. Aber jetzt ist es so weit: seit einigen Wochen schon hat sich meine Playlist nicht mehr aktualisiert. Ich habe zeitweise Radio gehört und mich nicht dafür fast aufgehängt.

Das geht so nicht. Ich werde nicht erwachsen. Ich zwinge mich jetzt einfach. Passend zur Stimmung und zu einer gewissen Ratlosigkeit bezüglich dieses Blogs (siehe: wie ich eine Abmahnung bekommen habe für einen Blog auf dem hauptsächlich lyrische Texte und richtig dumme Witze erscheinen, aber Megan Fox ist Schuld und mein Leben ist ein bisschen doof gerade) führe ich nun eine neue Kategorie ein, die mich zum Arbeiten zwingen muss. Ich werde jeden Tag einen Track posten und behalte mir vor, euch eine Geschichte dazu zu erzählen. Oder eben auch nicht. Wer Empfehlungen, Ideen oder Inspiration verbreiten will, sollte nicht zögern die Kommentare zu verwenden.

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Pai & dBridge

Wir waren in Pai, einem Dorf im Norden Thailands. Pai gilt als das Hippie-Resort jenseits der überfüllten Thai-Strände. Es besteht maßgeblich aus einer Hauptstraße. Hier und da gibt es die typischen Bars, Hostels, Restaurants mit schlechter Pizza. Man hat ständig das Gefühl dass alle high sind. Es regiert eine überschwängliche Langweile und das hedonistische Lebensgefühl das einem in Gesprächen mit Backpackern verkauft wurde lässt sich nirgends erblicken. Zum Kiffen und in der Sonne liegen hätte es gereicht, wäre da ein Pool, etwas Meer oder wenigstens eine schöne Wiese gewesen. Die “Hippies” liebten Pai wegen der Ruhe. Keine Touristen, keine Denkmäler, keine Sehenswürdigkeiten. Perfekt zum “Aussteigen”. Was machen diese Leute in ihrer Freizeit? Was ist “Aussteigen”?

Vielleicht lag es an dieser Langweile dass meine kleine Reisegruppe nicht eine Sekunde zögerte: eine Einladung zur Jungle-Party im Umland. Wir bereiteten uns mit Neonfarben vor, so enthusiastisch war das Projekt. In Schichten stapelten sich bereits unzählige Backpacker auf den Ladenflächen der Pick-Up Trucks. Alle hatten schon diverse Substanzen gefressen. Ich setzte mich auf den Kopf eines Engländers. Es war stockdunkel und er bot mir einen Magischen Trüffel an. Ich überlegte kurz und verzichtete dann dankend. Das Psilocybin wäre mir jetzt wahrscheinlich in den Kopf gestiegen und das Ruckeln der Autos durch die Pampa in der pechschwarzen Dunkelheit hat mir schon genug toxische Schübe verpasst.

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#YNTHT: Hintergrundmusik

Noisey hat sich, trotz meines verzweifelten Kampf dagegen (don’t ask) zum Geschmacksverstärker in Sachen guter Musik gemausert. Der YouTube-Channel ist eine Goldgrube für Jäger der neuen – und vor allem guten – Musik. Ich gebe zu: die Specials interessieren mich selten, aber die Video-Releases und Playlisten sind meistens der Knaller. Es braucht Zurückhaltung, nicht jeden Song in meinen Facebook-Stream zu posten. Mein Favorit der letzten Woche:

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Grimes vs Boiler Room

Das Wort “Troll” stammt aus dem Internet und bedeutet so viel wie: jemand, der den anderen einfach nur auf den Sack gehen will. Umso witziger, dass Grimes sich gegen die Anschuldigungen, den Boiler Room getrollt zu haben, nun wehrt: Nichts, was sie macht, sei jemals ironisch.

Im Garten des TechHouse-Riesen Richie Hawtin höchstpersönlich wurde auf Ibiza eine kleine andächtige Feier zu Ehren der elektronischen Musik gefeiert. Zusammen mit Nina Kraviz, Hawtin Höchstpersönlich und Azari & III durfte Grimes in ihrer Special-Editions Plattensammlung stöbern und exklusive/seltene Fundstücke herzaubern. Denn der Boiler Room ist in der Szene der Tanzmusik zum besten Ort des Schwanzvergleiches geworden.

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TRANCE

Trance ist ein visuelles Meisterwerk, mehr will man von Regisseur Danny Boyle auch schon nicht verlangen. So funktioniert das aber nicht. Zugegeben: Er bringt den Kunstraub zurück in die Action-Thriller-Sparte des Kinos. Das, an sich, birg schon eine faszinierende Grundlage. Die Farblichkeit des Filmes und das durchdachte Set machen Trance immerhin gut; nicht so subtil wie Drive, aber definitiv mit einigen Hinweisen darauf, dass die zynische Betonstimmung im Film ein gern gesehenes Stilmittel des 21. Jahrhunderts ist.

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Download: 100 Tracks of 2013 (Summer Edition)

Das wirkt jetzt nur ein bisschen lieblos, weil ihr das Treatment der anderen gewohnt seid.
Die stellen euch dann schön Woche für Woche eine Soundcloud-Streaming-Liste zusammen, die ihr bei der Arbeit anklicken könnt. ABER NICHT MIT MIR! Ich sehe überhaupt nicht ein, jede Woche Songs zu empfehlen. Musik muss wirken! Ich kann gar nicht wöchentlich Empfehlungen aussprechen. Abgesehen davon sollte man am Arbeitsplatz nicht nur streamen können dürfen. Man muss die Musik mitnehmen. Dafür sind MP3s da. Um mitgenommen zu werden. Sie sollen beim Spazieren gehen – geht mehr spazieren! – ihr Können entfalten. Wie soll das gehen, wenn ich nur einen Soundcloud-Stream hingeklatscht bekomme? Ich will die Tracks besitzen, so bescheuert das in diesem virtuellen Kontext klingen mag.

Und deshalb gibt’s ein Zip-Pack mit 100 Tracks, alle, die mich bisher in 2013 (und auch vorher, seien wir mal ehrlich) begleitet haben. Es hätten auch locker 200 oder 500 sein können, aber man soll ja Abstriche machen, und da sind sie nun, die besten der besten bzw. derjenigen, die ich nicht vergessen habe (das ist wirklich das ehrlichere Kriterium). Einige habe ich nicht in 320 gefunden, verzeiht mir, aber wenn ihr die habt – ihr wisst ja, schreibt mir, am besten per Post, schreibt mir Briefe.

Mein Sommer ist jetzt vorbei und fängt an (gleichzeitig!) und das ist mein Abschiedsgeschenk, bevor ich in die intensiven Ferien fahre (und damit meine ich: bevor ich zu meinen Eltern fahre um ordentlich über mein Leben und vor allem über meine finanzielle Situation nachzudenken). Und dann kommen ganz viele (tolle) Dinge über die ich euch hier und hier und hier auf dem laufenden halte, versprochen.

Ich tausche übrigens auch. Ich nehme jederzeit Mixtapes an. Müssen keine 100 Tracks sein. Wäre aber der Knaller.

(Download Not Available Anymore)

Orange Is The New Black

Dass Jenji Kohan noch mal mit einem Rundumschlag alles kaputt macht, was die von Männern dominierte Frauenwelt herzugeben hat, wundert mich nicht: wenn eine Frau in der amerikanischen Serienlandschaft mit all den Unzulänglichkeiten aufräumen kann, dann ist sie es. Auf die wunderbarste, absurdeste Art und Weise versteht sich und ganz so, wie wir es von Weeds gewohnt waren (bis auf die 7. Staffel, die mich traumatisiert hat). Frauen in der Hauptrolle, Frauen als Chefs, Frauen als Kommandeure, als Schwächlinge… man stellt sich die übliche Serie vor und ersetzt einfach alle männlichen Rollen mit Frauen und schon sind die Horizonte um einiges erweitert. Hach, Frauen.

Bei Orange Is The New Black – dem viel besseren Frauenknast-Format, das exklusiv auf Netflix läuft – ist die Rollenverteilung jedenfalls fantastisch abgelaufen, die Wahl der Schauspielerinnen perfekt und selbst Jason Biggs, den man nur von seinen Apfelkuchenvergewaltigungen kennt, passt irgendwie in das Casting rein. Wenn jemand wie ich – jemand, der sich offensichtlich in Arrested Development verliebt hat und keine Serie in Sachen Humor größer schätzt – also das semi-dramatische Erlebnis im Knast abfeiert wie ein Feuerwerk am Himmel der TV-Sendungen, sollte das für euch die größte Empfehlung des Jahres sein. Weil es leider nur eine Staffel gibt, empfehle ich zusätzlich auch die Dosis der Binge Watching Sessions einzugrenzen und eine Folge pro Woche zu genießen, sonst ist man schnell entzügig. Trust me, bro.

Für das absolute Kontrastprogramm laufen aber auch wieder neue Folgen der Macho-Anwaltsserie Suits. Just sayin’.

 

 

Blame It On The Molly

Dass Rapper auf Verballerung stehen ist keine Neuigkeit: wie weit sie sich aber in den Themenkomplex der Lifestyledrogen vorgewagt haben, sieht man erst seit dem EDM wie ein überfüllter Wasserballon über den großen Teich explodiert und die Rap-Renaissance im Minutentakt neue leichtfüßige Partymonster aus den Projects gebärt. Wo die Jungs aus dem Gangsters Paradise bisher nur SELBSTGEZÜCHTES OG KUSH oder reines kolumbianisches Puderzucker in ihren durchdachten Lyriks bewarben, sind es mittlerweile vor allem gefühls- und bewusstseinserweiternde Substanzen wie MDMA und LSD, die immerwährend in den Partyzeilen angesagter Popsongs dominieren (mal ganz abgesehen von erfrischenden Codeingetränken oder den unschicklichen Pennerdrogen wie Hero und Crack, die immer mal wieder gewisse Hypes haben um dann wieder dank Todesopfern abzuflachen).

In der NEW YORK TIMES GAB ES EINEN ARTIKEL, DER GENAU DIESES PHÄNOMEN – DROGEN ALS KIND DER ZEIT, ABER INSBESONDERE DEN NEUEN RUN AUF MDMA – beschreibt und erklärt, wieso MDMA fälschlicherweise als “pur” durch die Clubszene gereicht wird und eigentlich nur ein Sinnbild für gewisse Entwicklungen ist. Die Clubszene im Wandel und mit ihr die Drogen.

Liegt der vermehrte Konsum bestimmter Substanzen im Zeichen der Zeit? Sind LSD und “Molly”, der Rufname von MDMA/Ecstacy, nun beliebter, weil die Welt so viel kälter geworden ist und Kokain oder Amphetamine dieses Gefühl nur verstärken würde?

Rick Doblin, the founder of the Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies, which has helped finance MDMA studies since the drug first entered the club scene, put Molly in the context of past drug trends: in the 1960s, he suggested, people searched for deeper spirituality and found LSD; in the ’70s, as hippie culture became mainstream, marijuana entered the suburban household; in the ’80s, COCAINE complemented the extravagance and selfishness of the greed decade; and by the early ’90s, youths dropped out of reality, dancing all night on Ecstasy or slumping in the corner on heroin. MDMA, which in addition to acting as a stimulant also promotes feelings of bonding and human connection, just might be what people are looking for right now.

Die Zeiten der gefühlskalten Banker sind vorbei! Wie THE WEEKND ja schon mit Gefühl, Pein und Leidenschaft besungen hat, geht es auch in der wertentleertesten Partynacht noch um die Verbundenheit zum anderen (wobei der andere in diesem Zusammenhang eine bis drei vollbusige Frauen sind, die verdammt gut aussehen, fast unzurechnungsfähig sind und hauptsächlich vor Extase schreien). Die stellt man dann dank MDMA und Doggystyle-Orgie problemlos hin.

Was so plakativ erscheint ist ja tatsächlich – wie immer – die poetische Suche nach Liebe und Geborgenheit. Erschreckend, oder nur eine neue Perspektive auf ein altbekanntes Ding? Ist doch egal, wer den Konsum proklamiert – ob LCD Soundsystem, Your Favorite Techno DJ oder eben, so ganz nebenbei, irgendwelche Rapper (der wesentliche Unterschied dürfte wohl sein, dass erstere Werbeträger niemals offiziell verlautet haben lassen, dass Drogen dazu gehören, auch wenn es jeder wusste und generell Akzeptanz fand. Letztere hingegen sprechen ein Imperativ aus, das an die Fans raus geht).

Je früher der Konsum ausgereizt wird, desto eher wird keiner mehr Spaß auf dem Dancefloor haben (meine ganz persönliche Prognose). Es wird ja lediglich die Möglichkeit dieser Form von Affekten damit gelebt. Wer immer in relativer Nähe zu diesen Möglichkeiten sein kann – für ein paar Euro, no less – der wird es auch sein. Wer immer friedvoll einschlummern kann, der wird auf die Gelegenheit nicht verzichten – wie etwa beim exzessiven Cannabiskonsum. “Ist ja nur halb so schlimm”, aber es ist eben nicht die komplette Wahrheit. Nur eine Möglichkeit. Und die Gefühle auf dem Floor? Auch nur Möglichkeiten. Sobald die Beschaffungsmaßnahmen zurückgehen und “this molly is currently not available” auf dem Smartphone diktiert wird, versiegt die Party wieder. Ein Trauerspiel für die Oberfläche, ein Aufatmen für all diejenigen, die sich ihre intime Clubatmosphäre zurückwünschen (never ever).

So dient aber die Musikszene, nicht alleine durch die Rapper (aber mit besonderem Verdienst) vor allem als Vermarktungsplattform der angesagten Szenedrogen. Was es macht, wenn nicht mehr lediglich die eingeschworenen Restrealität-Besucher das Zeug nehmen, sieht man dann an seiner kleinen Schwester oder so. Ist ja auch billiger als Koks. Und dann ist es plötzlich in einem ganz neuen Bereich Mainstream und ich frage mich, wann die Pharmakonzerne genug Lobbydruck machen um die Gesetze zu lockern und den Stuff selber zu verbreiten. Ich kann mir da einige gute Werbespots einfallen lassen.

Ein neu gelernter Begriff ist in diesem Zusammenhang besonders interessant: der Wook, ein verwahrloster Hippie-Festivalbesucher, der sich durch die Städte und Drogen schnorrt. Diese oberkörperfreien Typen mit halbabrasierten Dreadlocks die auf Skateboards durch die Gegend pullern und im Sommer niemals Schuhe tragen und manchmal ein bisschen müffeln. Und mit müffeln meine ich: fies abstinken. Jeder hatte mal einen in seiner Klasse, der heute ein Wook ist, ein Wanderer und Streuner. Find ich eigentlich eine recht gut Betitelung, weil sie unabhängig von der Musik zu sein scheint. Sie scheinen sich auch oft in Thailand aufzuhalten.

In jedem Fall wird es langsam aber auch ein bisschen langweilig – STIMMT’S, K.DOt? Bis eine Epidemie der falsch betitelten Pillen ein paar Berghaindruffis umhaut, wird es noch dauern, aber mich würde es nicht wundern wenn beim Splash! ‘n paar Fünfzehnjährige statt Berentzen Apfel lieber 2C-B geknallt haben und umgefallen sind. Und dann schreien wieder alle: That’s why we can’t have nice things!

(By the way: mich würde es nicht wundern, wenn die nächste lyrische Reaktion darauf eine Art Straight Edge Bewegung im Sinne von ODD FUTURE ist; aber eben ein bisschen missionarischer. Zielgruppenmarketing, hallo!)

KINGDOM / CHESTERS

Abkühlung gefällig? Mehr heiße Musik hören. Kingdom war bereits im Horst Kreuzberg letztes Jahr (oder vorletztes Jahr? Time goes by…) wie ein Segen für das geschädigte Gehör, beansprucht von schlechter Radiomusik und noch schlechteren DJs. Wer auf Sex, Bass und tanzbar-aggressiven Bump&Grind steht (Claps, Claps, Claps!) der darf das Spektakel nicht schon wieder verpassen. Weil’s sonst so langweilig wäre, kommt der neueste (mindestens auch 35 Grad heisse) Act vom hauseigenen Label Fade To Mind mit zur Show: Kelela (ist das neue Aaliyah). Limited Edition Sünde.

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Freddie Gibbs / ESGN

… aber, weil wir ja nicht behaupten wollen, ich könne mich über Hip Hop nur noch beschweren: hier ein Album, das mir wunderbar reingeht, weil der Künstler in-question nicht versucht, etwas anderes als Gangster zu sein. Freddie Gibbs’ ESGN ist eine formvollendete Ode an die dicke Ghetto-Klatsche. Die Angeberei mag auf ein anderes Level verfrachtet worden sein als bei Jigga, aber Himmel, noch eine Maybach-Referenz und ich kack ab. Die Großen kommen ins Altersheim, die kleinen bleiben bei ihren verdichteten Horizonten. Hinzu kommt die Tatsache, dass Freddie Gibbs rappt als würde er unbehelligt mit Steinen gurgeln. Hart, gut, und wunderbarerweise ohne zynische Erwartungen aufgeladen.