Frauen. Frauenfeindlichkeit. Weltfrauentag. Ich lach ja über sowas. Den ganzen Tag mache ich mich darüber lustig, Gender Studies, nein, nicht mein Fall. Frauenfeindlicher Rap, den ganzen Tag, ich lache darüber, Schlampenstempel, ich lache darüber, Sekretärinnen, ich lache darüber. Feministinnen, ich lache darüber. Wir leben im Jahre 2010, in Deutschland. Wir dürfen alles und verurteilen Männer, die ihre Frauen zu irgendetwas zwingen! Frauen. FuckYeahTitten.

Das nennt sich dann völlige Selbstdegradierung, und es passiert, wenn man keinen offensichtlichen Kampf kämpfen will, sondern lieber still und leise auf die andere Seite wechselt. Dann fühlt man sich auch nicht angegriffen. Dann lacht man halt die dummen Trullas dafür aus, dass sie sich dem Klischeebild hingeben und redet mit den Typen darüber, wie blond die Alte doch gerade ist.

Der Unterschied zu mir ist, dass diese Typen die Blondinchen, Mauerblümchen und sexy Mäuschen durchknallen, heiraten und schwängern werden, und der ganze Dünnschiss dann von Mutti zu Mutti weitergereicht wird. Nein, die Frau will ich nicht sein. Ich will nicht Teil des Problems sein, ich will nicht, dass ein Mann mich ansieht, so wie ich die meisten Frauen sehe, und sich dabei denkt “sei still und geh an den Herd zurück, du wertloses Stück Fleischverschwendung- wenn du nicht denken kannst und nur zum Männerhinterherrennen geboren wurdest, dann kann ich dich ja auch genau so behandeln.” Statt Opfer will ich lieber Täter sein. Ich stehe auf der Siegerseite, Leute.

Es ist so viel einfacher, sich beschissen anzuziehen, zu fluchen und mit Humor durch die Welt zu spazieren, ohne sich jemals selbst das Recht des Frauseins einzuräumen, während die Gleichaltrigen in hohen Hacken nach dem Märchen-Ponyhof-Studium erst mal in die Karrierewelt geschissen werden, wo sie sich mit Macho-Sprüchen bewerfen lassen müssen. Machosprüche, die man noch nicht mal übel nehmen kann, weil sie nicht böse gemeint sind. Weil ja keiner weiß, dass das nicht angebracht ist, und dass das weh tun kann, und dass man das einfach verinnerlicht und mit sich herumschleppt, ein kleiner, sich immer wieder durchsetzender Virus. Und dann sind es ja nicht mal nur die Männer, ach, wäre das schön, wenn man es auf die schieben könnte, sondern die Frauen selbst, die es einem so, so leicht machen.

Ja, Frauen weinen, wenn sie wütend sind und bevormundet werden, und dagegen muss man dann kämpfen und das darf man alles auch nicht zeigen, schon gar nicht in einem Unternehmen. Aber am Ende werden sie plötzlich schwanger und dann war es das mit der Karriere, Ping Pong vorbei, also hätte man sich das Ganze mit der Gleichberechtigung ja irgendwie sparen können. Ist aber ganz sicher nicht böse gemeint. Das ist im Jahre 2010 so.

Ich sehe auch das mit Humor. Ich lache auch drüber, wenn ich es eigentlich als ernstes Thema betrachte. Immer. Weil beim Ausschluss der Realität auch die einhergehenden Zweifel ausbleiben, die irgendwann aber unweigerlich auf einen auftreffen werden.

Irgendwann stellt man dann fest, wer den Kampf eigentlich führt, gegen diese ganze immer gleichbleibende Scheisse, zu der man beiträgt- kein Kampf gegen Frauenfeindlichkeit oder Männerhass, sondern ein Kampf für das Bewusstsein dafür, wie viel Sexismus man jeden Tag erträgt und selbst von sich gibt, ohne es zu bemerken, ohne überhaupt zu wissen, dass es so ist. Wer kämpft sind die Männer, die größtenteils als Flaschen abgehakt werden, sie kämpfen jeden Tag dafür, Hausmann und Krankenpfleger oder schwul oder Künstler oder sensibel zu sein. Und es sind die Frauen, die, die ihre Weiblichkeit opfern, um nicht mehr als Frau sondern als Mensch angesehen zu werden, die ihren Verstand nur dann erfolgreich einsetzen können, wenn man mal vom Minirock absieht, die ihre Fresse aufmachen um dann als feministische Achselbehaarungsmonster abgestempelt zu werden,, “na, schlecht gebumst gestern Nacht?”, ja, die alte Hexe ist zurück und sie macht dir das Leben zur Hölle. Und mir auch.

Erst, wenn man ein Teil des Problems wird, und sich nicht mehr gegen die Vorwürfe wehren kann weil man eines Morgens aufwacht und merkt, dass man so viel Verachtung in sich trägt, und so viel Intoleranz, obwohl man sich für gebildet und liberal und fortgeschritten hält, erst dann merkt man, was so ein Weltfrauentag bedeutet, und wie es ist, den Kaffee kochen zu müssen, oder wie es sich anfühlt, gedemütigt zu werden, so, wie man schon die ganze Zeit selbst demütigen wollte, einfach nur um zu sagen: ich bin besser als das. Und ihr könnt mich mal, und ich bin nicht das Idealbild einer Frau, weil das bedeutet, dass ich dumm und nutzlos bin.

Und in dieser ganzen Zeit habe ich meinen eigenen kleinen Kampf geführt, bei dem ich nicht wusste, auf welcher Seite ich stehen muss, um das System zu besiegen. Mich kotzt es an, dass es mich nicht besser macht, als die ganzen Frauen die ich dafür verurteile dumm und unmündig zu sein. Und das ich die ganze Zeit durch die Gegend gerannt bin und ehrlich von mir dachte, “hey, ich bin besser als die, weil, ich kann ja denken und ich renn keinen Typen hinterher”, und mir einredete, dass ich es tat um gleichberechtigt zu sein. Bullshit.

Alles einfach nur Bullshit.

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Comments ( 6 )

[...] No Mans Woman “Der Unterschied zu mir ist, dass diese Typen die Blondinchen, Mauerblümchen und sexy Mäuschen durchknallen, heiraten und schwängern werden, und der ganze Dünnschiss dann von Mutti zu Mutti weitergereicht wird.” (Zitat von S.) [...]

--replyReply to this comment Meine 5 Cent für 2010-03-12 | I ♥ electru.de added these pithy words on Mar 12 10 at 20:47

.

ichgehschlafen kommentierte am Mar 12 10 um 15:11 --replyReply to this comment

Word.

lia.R kommentierte am Mar 12 10 um 16:13 --replyReply to this comment

!

zimtsternin kommentierte am Mar 12 10 um 18:09 --replyReply to this comment

Ganz genau!

Druck das aus, geh zum Notar und beauftrage ihn, dich in 10 Jahren aufzuspüren und es dir auszuhändigen. Dann vergleiche.

HecPac kommentierte am Mar 13 10 um 15:20 --replyReply to this comment

… ich bin mal ganz ehrlich mir ging das ganze Frautentags Thema letzte Woche so was von auf den Sack… wir leben im Jahre 2010 und mir ist es herzlich egal ob Frau, Mann oder irgendwas dazwischen.

Ich nutze den Tag weiterhin um den Frauen in meiner Familie Danke zu sagen … alle anderen können ihn gerne nutzen um sich in den eigenen Fehler zu suhlen … anstatt den Arsch hoch zu bekommen.

Jan kommentierte am Mar 15 10 um 09:08 --replyReply to this comment

Copyleft 2009-2010 dragstripGirl: this is heavy. . Oh, honey, he's teasing you. Nobody has two television sets