A Little Bit

Veröffentlicht June 23, 2011

Unsere Blicke treffen sich in der Mitte und knüpfen, ohne dass wir es erlaubt hätten, ein zärtliches Band. Da ist es- unsere Lebenslinien kreuzen sich an der richtigen Stelle, am richtigen Ort, im richtigen Moment. Wir werden von diesem Band festgehalten, und während wir uns noch vorstellen und interessiert unsere Leben rezitieren, stricken unsere entschiedenen Augen wie fleißige Spinnen weiter an dem Faden, der bald schon ein dickes, kräftiges Seil sein wird.

So vergehen Sekunden, Minuten, Stunden, bis sie in Wochen und Monate übergehen, und dann ist auf einmal jemand da, der so wichtig ist wie selten etwas anderes in deinem Leben. Urplötzlich werden alle anderen Menschen eingeholt und überrundet, zehntausend Mal, und mit Abstand wird die Ziellinie überschritten um den Preis für den ersten Platz abzubekommen. Die mühevolle Arbeit, mit dem Alleinesein, mit dem festen, unerschütterlichen Freundeskreis zufrieden zu sein, erscheint so nichtig in Anbetracht dieses Menschen, der wie eine Rakete ins Herz geschossen kam.

Und plötzlich gibt es kein “vorher” mehr, sondern nur noch ein “jetzt” und die Freude auf Morgen, Übermorgen, nächste Woche und alles, was man jetzt teilen kann. Die nackte, fremde Haut, das noch in Knospen ruhende Vertrauen, die kleinen Macken und Tücken, das alles ist noch neu und frisch, aber meine Erinnerung an die Vergangenheit sind erloschen, die Zeitrechnung beginnt da, wo unsere Wege sich kreuzten. Jetzt laufen wir parallel.

Die neuen Rituale – das Anrufen, um die Stimme zu hören, die leisen Berührungen vor dem Einschlafen, die unlustigen Witze, über die sonst niemand lachen kann, sie fühlen sich an wie schon immer gelebte Traditionen, unerschütterlich. Innerhalb nur weniger Atemzüge ist jemand da. Während ich noch blinzel, falle ich in eine andere Welt, mit dir und uns, und dem ganzen Rest, der irgendwie in den Hintergrund gerückt ist, wie eine von Bob Ross gemalte Superlandschaft. Wir, die Hauptakteure. Ich, alleine, du, alleine, wir, zusammen.

Einfach so passiert das, und einfach so verstehe ich die Welt nicht mehr, und verstehe nicht, wieso mich das so schwer macht, so belastet, so unglaublich glücklich, und unglaublich ängstlich und unsicher. Einfach so, in wenigen aufeinanderfolgenden Momenten, wurden zwei Leben verknüpft durch einen fetten Seemannsknoten, und keiner kann mir erzählen dass das nicht völlig verrückt ist.

 

8 comments in “A Little Bit”

  1. alicia says:


    word. aus der seele und dem herzen gesprochen.

  2. b+ says:


    bewegt. erinnert. hofft.

  3. Franzi says:


    ach. ja. danke. da hast du jetzt was geschrieben, was ich selbst gerade erlebe.

  4. frau sarah says:


    genau so ist es.

  5. JeriC says:


    Ich kenne das Fühl. Und Glückwunsch.

  6. Kunststurz says:


    Oh ja, das stimmt. Richtig guter Text, ich liebe den letzten Absatz.

  7. queen of maybe says:


    freut mich fuer dich!

  8. queen of maybe says:


    (nein, eigentlich stimmt es mich traurig und produziert einen neuen schub selbstmitleid. aber das ist in ordnung.)

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