Big in Japan
Alles Opfer. Sterben Menschen, und ich weiß nicht wie es meinem guten Freund Marc geht, aber aktuelle Top Themen sind “mir ist so langweilig, ich gebe Scheisse von mir weil das im Trend liegt”, “wie kann ich eine Naturkatastrophe für Propaganda nutzen”, “Informationen kommen rein, Angst kommt raus” — Medien und Massen, gesunken auf das Niveau von Animal Farm, ach Orwell, wie Recht du doch hattest.
Für oder gegen AKWs, spielt das denn für den Laien momentan eine Rolle? Ist diese Frage so einfach zu klären, dass jetzt schon sechzehnjährige Pissficker das entscheiden können, ja? Dass wir hin und wieder von der Politik gefickt werden, naja, das ist ja auch nichts neues – können uns ja bei den nächsten Wahlen überlegen, wen wir um was bitten und warum. Aber es ist so viel leichter, ein Kreuz zu setzen, wenn man nichts davon weiß, es wäre ja auch so anstrengend sich mal zu belesen… es reicht ja, eine Statistik auf Facebook zu posten ohne zu hinterfragen von wem sie kommt und, heieiei, was für ein Interesse die Quelle hat. Macht ja auch gar keinen Unterschied, ob die Fragen (und vor allem wie) von Bayer Schering oder dem Gesundheitsamt gestellt werden. Wenn bei RTL einer was davon spricht, wie gefährlich Kernkraftwerke sind, fragt ja auch keiner wo der herkommt (ups, der Typ ist Lobbyist für ‘ne Ölfirma). WARUM AUCH?
Hauptsache, es bleibt keinen Platz mehr für Empathie, für ein wenig Mitgefühl, für einfach mal die Fresse halten, wenn man nichts weiß. Übermorgen haben wir das eh vergessen, wenn das nächste Land auseinanderfliegt, nur mein Freund Marc nicht, und die drei Idioten die zur Atomkraftdemo gehen, die stehen wieder alleine rum. Naja, läuft ja auch Germanys Next Topmodel im Fernsehen.
“Wenn du der intelligenteste Mensch im Raum bist, dann bist du anscheinend im falschen Raum.” Ich hau jetzt ab.


13 comments in “Big in Japan”
March 12th, 2011 at 21:50
in a straight + honest way – there’s nothing left to say.
danke
March 14th, 2011 at 10:59
zweiter kommentar binnen so kurzer zeit, nachdem ich sonst nie was gesagt hab, aber sorry: hier liegst du komplett daneben.
es gibt keine einzige situation, in der es falsch oder deplaziert sein könnte, unserer gesellschaft das thema atomausstieg durch mass media exposure vorzuenthalten. im gegenteil: in diesem moment, wo alle welt nach japan schaut, ist die gelegenheit außergewöhnlich, den ignoranten und skeptikern zu verdeutlichen, wie gefährlich und vor allem wenig durchdacht das ganze system ist. unterm strich reicht ein fucking stromausfall, damit 100 millionen menschen befürchten müssen, ihr land verlassen und hinter sich die tür abschließen und zumauern zu müssen.
ob durch die falschen, oder die richtigen leute verlautbart, ob zum falschen oder zum richtigen zeitpunkt erwähnt – die botschaft “nachhaltig reine energie” zu fördern ist immer richtig. auch damit in einer fernen zukunften in irgendeinem land irgendeine sara eben nicht mehr angst um ihren marc haben muss, der in irgendeinem fremden land festsitzt, auf dem mehrere meiler hochgegangen sind.
schade auch, dass sich mein vorgänger kommentator von soviel bloßer wortgewalt blenden lassen hat. ich möchte nicht unbedingt den vergleich zu demagogie ziehen, aber es ist doch immer wieder erstaunlich, was mit rhetorischen mitteln erreicht werden kann.
die kernfrage – in any sense of the word – hieß: “für oder gegen akws, spielt das denn für den laien momentan eine rolle?” – und darauf kann es nur eine antwort geben.
March 14th, 2011 at 11:17
danke für deinen kommentar…
du scheinst genau zu wissen, inwiefern und warum ich hier falsch liege, weil das dogmatische interesse daran, akws abzuschalten (oder von der anderen seite eben nicht abzuschalten) einfach 24/7 präsent sein muss um da etwas durchzusetzen. das befürworte ich in jeder anderen situation auch so, denn ich bin gegen AKWs, ich bin gegen die Nutzung von endlichen oder eben gefährlichen Ressourcen.
Leider ist es mMn aber doch ein wertvoller Unterschied, WER seine Meinung äußert und wie. Das fängt schon mal damit an, dass ich mir nicht Sorgen mache um meinen Kumpel, weil er eventuell verstrahlt wird, sondern weil ich nicht weiß, ob er den Tsunami überlebt hat. Das sind zwei gänzlich verschiedene Dinge- das eine eine Naturkatastrophe, die mich innerlich zerreisst, meine Familie und mein Leben grund- und schuldlos wegnimmt, und das andere eine Konsequenz davon, die aber im Vordergrund debatiert wird als wäre es das einzige was zählt. Aber es zählt in Anbetracht der ganzen Situation nicht für diejenigen, die drin stecken, sondern nur für die, die sich heimlich hinter ihren Röhren aufregen können. Es macht einen Unterschied, wem ich bei dieser Sache zuhören muss, weil mich das laienhafte Dummgelaber abschreckt. Ich weiß, wofür ich einstehe, aber wenn wir hier wirklich die Masse benötigen und an einem Strang ziehen wollen, sollten wir vielleicht nicht in die höchsten Reihen “HALLO WIR SIND DUMM UND WISSEN NICHTS” schreien.
Zurück zu der Frage, ob es für Ottonormalverbraucher heute denn eine Rolle spielt: nein, es gibt darauf keine Antwort. Sorry, aber viele Bewegungen werden von ihren eigenen verblendeten Reihen zerstört, und eine sinnlose Meinung die auf gelogenen Fakten basiert stützt die nächste, bis sich das alles selbst ausgebremst hat. Dreißig Jahre Diskussion, wofür? Um im Nachhinein immer noch die gleichen Dinge in einen unerhörten Raum zu skandieren, anstatt mal nicht mit Masse sondern mit Wissen aufzutreten und dieses Wissen dann in die benötigten Reihen zu schieben? Alternativen Suchen, TATSÄCHLICH Alternativen suchen, und nicht nur Zeitungsartikel lesen, ohne zu hinterfragen, mit welchem Interesse sie geschrieben wurden?
Vielleicht ist es schlussfolgernd auch nicht falsch, in dieser Situation nach dem Ausstieg zu fragen — vielleicht ist es geradezu notwendig im Licht der Katastrophe auch endlich mal Dingfest zu machen was längst hätte Dingfest sein sollen. Aber dann ist mir die Methodik einfach zuwider, denn sie widerspricht jeglichem Prinzip der Empathie und macht mich wütend darauf, dass wir uns mit stupiden Meinungen, basierend auf dem nichts, zufrieden geben sollen. Nein, sorry; auch dein rigoroses Meinungsding unterscheidet sich nicht davon. “Die Botschaft nachhaltig reine Energie zu fördern ist immer richtig”, wirklich? Wieso soll ich deine Prinzipien denn so unbegründet übernehmen? Wie schon erwähnt – Marc sitzt nicht fest, weil da ein AKW Probleme hat, sondern weil eines der größten Erdbeben aller Zeiten ihn geklatscht hat.
March 14th, 2011 at 13:41
“aber dann ist mir die methodik einfach zuwider, denn sie widerspricht jeglichem prinzip der empathie und macht mich wütend darauf, dass wir uns mit stupiden meinungen, basierend auf dem nichts, zufrieden geben sollen.”
wtf?
…ich frage mich, wie sich deiner meinung nach die medien verhalten sollten, in einer situation, in der sich viele menschen auf der ganzen welt sorgen um ihre ganz eigenen liebsten machen. übrigens: ein sehr guter freund und arbeitskollege von mir befand sich wenige stunden nach dem ersten beben auf einem schiff, in richtung philippinen. mehrere versuche, ihn per e-mail, telefon und sms zu kontaktieren sind bis zu diesem moment fehlgeschlagen.
das hält mich nicht davon ab, ohne wenn und aber mögliche ursachen zu kritisieren. ebenfalls nicht davon zu kritisieren, dass du (nicht ich!) das thema AKW in einer recht despektierlichen weise angesprochen hast. ob du ein problem damit hast, dass der eine oder andere auf basis falscher motivation sich an die front stellt, ist mir ehrlich gesagt völlig egal. im prinzip stellst du dich ja ganz vorn an, in dem du dein ganz eigenes problem (marc) prioritär behandelst, dabei zu einem recht blinden und unkonkreten rundumschlag gegen die massenmedien, atomlobby und -gegner ausholst und obendrein, denn das ist der einzige wirkliche kritikpunkt, dich für die schlaueste im raum hältst.
da komm ich nicht mit. das ist mir zuviel. oder besser gesagt: zu wenig.
March 14th, 2011 at 14:41
…ich frage mich, wie sich deiner meinung nach die medien verhalten sollten, in einer situation, in der sich viele menschen auf der ganzen welt sorgen um ihre ganz eigenen liebsten machen.
Und eben da ist doch auch der Punkt: ich will doch Fakten und nicht irgendeinen Unsinn hören? Das meinte ich im Übrigen damit, wenn ich sage, dass eine gewisse Angstmacherei auf dem Plan steht die dann eine Welle auslöst, eine Bewegung, die sich in eine komplett entgegengesetzte Richtung bewegt (oder bewegen kann). Natürlich muss es Berichterstattung geben, natürlich will ich auch wissen, was passiert, natürlich muss ich mir auch anhören, was berichtet wird, wenn ich mir Sorgen mache oder wenn ich mir ein Bild von der Welt machen will, denn überall kann keiner sein. Aber wieso darf ich mich nicht kritisch damit auseinandersetzen und sagen “hey, das ist Scheisse”?
das hält mich nicht davon ab, ohne wenn und aber mögliche ursachen zu kritisieren.
Davon soll dich auch keiner abhalten und schon gar nicht ich, ich kritisiere ja auch. Aber diese Kritik in den Vordergrund zu stellen und dabei den Anschein der Rücksichtslosigkeit zu machen (selbst, wenn es nicht so ist), gibt mir ein völlig verzerrtes Bild davon wie unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft eigentlich funktioniert. Ich kann nur noch mal betonen, dass ich nicht die Kritik selbst unangebracht finde, sondern den Umgang, den jeder hinnimmt.
ebenfalls nicht davon zu kritisieren, dass du (nicht ich!) das thema akw in einer recht despektierlichen weise angesprochen hast.
Ja, selbstverständlich habe ich es angesprochen, und selbstverständlich auch despektierlich, denn das Thema AKW auf eine solche Propagandaschiene zu schieben ohne dabei Fakten zu berücksichtigen ist nunmal nichts anderes als unüberlegt und gefährlich. Wenn wir zusammen an einem Strang ziehen wollen, sollte das dann nicht auch aus einer fundierten Grundlage heraus geschehen? Nur weil wir einer Meinung sind, was das Ziel betrifft, heisst das ja nicht, dass wir auch eine ähnliche Ansicht zur Diskussion haben. Und wenn “Angst” ein Grund ist, oder eben der Einfluss völlig danebenliegender Berichterstattung, dann sehe ich das eben nicht als fundierten Grund an. Und gerade in der Politik stehen wir dann jemandem gegenüber, der uns viel mehr entgegenbringen kann in einer Diskussion, jemandem, der seine Hausaufgaben gemacht hat und uns dann im Keim erstickt. Möchte sagen, so wichtig ein Thema auch ist, aus den falschen Motivationsgründen heraus dafür zu arbeiten kann uns in eine Ecke befördern, in der wir nicht mehr Ernst genommen werden.
ob du ein problem damit hast, dass der eine oder andere auf basis falscher motivation sich an die front stellt, ist mir ehrlich gesagt völlig egal. im prinzip stellst du dich ja ganz vorn an, in dem du dein ganz eigenes problem (marc) prioritär behandelst, dabei zu einem recht blinden und unkonkreten rundumschlag gegen die massenmedien, atomlobby und -gegner ausholst und obendrein, denn das ist der einzige wirkliche kritikpunkt, dich für die schlaueste im raum hältst.
Wenn es dir so egal wäre, dann würdest du dich hier nicht dazu äußern. Im Übrigen finde ich auch nicht, dass das egal sein sollte, denn wer sich an die Front stellt wird auch gerne zuerst gesehen. Gerade in der Politik kann das der entscheidende Punkt sein. Ich will doch überzeugen und nicht dumm daherschwafeln, um meine Prinzipien und Ziele durchzusetzen, in diesem Fall eben die Abschaltung AKWs. Ich will als Teil der Masse nicht von jemandem vertreten werden, der keine Ahnung davon hat, was eigentlich WIRKLICH passiert (oder passiert ist).
Mein Rundumschlag ist, das hast du richtig gesagt, genauso eine Ablenkung vom Thema (in diesem Fall, ganz richtig, mein Freund). Unkonkret mag auch sein, da ich mir selbst in einer emotional beladenen Sache Luft gemacht habe, vielleicht auch der Grund, wieso ich nie für eine Zeitung oder informierende Medien schreiben sollte. Blind – da wäre ich mir nicht sicher. Blind war ich in diesem Zusammenhang nicht, denn ich sehe ja, was mich stört, und wieso. Drücke ich mich so aus, dass es falsch ankommt, oder ist da tatsächlich etwas, was ich nicht sehe – die Frage bleibt dann wohl noch zu klären.
und obendrein, denn das ist der einzige wirkliche kritikpunkt, dich für die schlaueste im raum hältst.
Naja. Wenn man meine persönliche Überheblichkeit in dem Zusammenhang “als einzig wirklichen Kritikpunkt” einräumen möchte, dann sind wir uns ja eigentlich in der Sache einig: keine Ahnung von nichts haben, aber hauptsache Fresse auf.
March 14th, 2011 at 14:44
Übrigens ein guter Beitrag zum Thema, der das alles etwas unpolemischer ausdrückt (aber hey, für unpolemisch bin ICH nicht zuständig): http://www.spreeblick.com/2011/03/14/oberhamma-gau/
March 14th, 2011 at 15:07
“wenn wir zusammen an einem strang ziehen wollen, sollte das dann nicht auch aus einer fundierten grundlage heraus geschehen?”
…ganz klar. aber ist das hier der richtige ort, fakten zu diskutieren und jeden forderung mit quellen zu belegen? ich denke nicht. ich bin übrigens im wendland groß geworden und war mein leben lang fakten im bezug auf diese diskussion ausgesetzt. vielleicht ist das auch mit ein grund, weshalb ich so allergisch auf jegliche form von despektierlichkeit gegenüber dem thema kernkraft reagiere. ich glaube, dass ich sehr wohl ahnung habe, wovon ich da rede – aber das tut wiederrum auch nichts zur sache. insgesamt habe ich das gefühl, dass wir uns gar nicht so uneinig sind.
einzig die these in den raum zu stellen, dass ich, “wenn es mir so egal wäre” ich mich hier nicht äußern würde halte ich für ein bißchen infantil. klingt irgendwie nach “ey, dann kotz dich doch woanders aus, das hier ist mein blog!”. ich will da ganz klar unterstreichen, dass es mir nicht egal ist, wie sich menschen zu diesem thema positionieren, die mit ihrem kommunikationsmittel eine nennenswerte menge von menschen erreichen. im gegenteil. was mir aber, nochmal sagen, egal ist, ist ob du ein problem mit falsch motiviertem populismus hast. wohl aber mit aussagen wie: “für oder gegen akws, spielt das denn für den laien momentan eine rolle?” oder “dreißig jahre diskussion, wofür? um im nachhinein immer noch die gleichen dinge in einen unerhörten raum zu skandieren, anstatt mal nicht mit masse sondern mit wissen aufzutreten und dieses wissen dann in die benötigten reihen zu schieben?”.
tut mir leid, aber in dem punkt bleib ich dabei: das ist vollkommen daneben. hier wäre eine kleine geschichtsstunde bei youtube sicher nicht verkehrt (tut mir leid, wenn ich in diesem punkt selbst der überheblichkeit verfalle), denn auch wenn es besagte massenmedien selbst in den jüngsten berichterstattungen teils einseitig und unvollständig dargestellt haben: kernkraftgegner sind schon lange nicht mehr ausschließlich zottel, die keinen geraden satz sprechen können und ihr wissen einzig aus der taz und dem robin wood magazin kummulieren, um sich dann bekifft und “skandierend” in der tagesschau selbst zu demontieren.
und selbst wenn – frage an die selbsternannte polemikerin: wo ist der unterschied zwischen skandiererei auf dem kartoffelacker und skandiererei im web 2.0?
March 14th, 2011 at 15:27
…ganz klar. aber ist das hier der richtige ort, fakten zu diskutieren und jeden forderung mit quellen zu belegen?
Fair point. Wieso aber das ganze “ich weiß es besser” Aufgebot dann nicht auch genau als das ansehen, was es ist? Nämlich eben nicht der Kern der Bewegung, sondern das, was in den Außenseiten dazu stößt? Nein, das hier ist sicherlich nicht der Ort um alles mit Fakten und Quellen zu belegen, aber man kann sich ja bemühen – wenn man schon so für etwas einstehen will – zumindest sich mit den besagten Fakten vertraut zu machen um seine Meinung darauf stützen zu können, wenn es notwendig wird. Das sehe ich leider kaum passieren (auch aus eigener Erfahrung heraus, ich nehme mich ja nicht von der Kritik aus).
einzig die these in den raum zu stellen, dass ich, “wenn es mir so egal wäre” ich mich hier nicht äußern würde halte ich für ein bißchen infantil. klingt irgendwie nach “ey, dann kotz dich doch woanders aus, das hier ist mein blog!”. ich will da ganz klar unterstreichen, dass es mir nicht egal ist, wie sich menschen zu diesem thema positionieren, die mit ihrem kommunikationsmittel eine nennenswerte menge von menschen erreichen. im gegenteil. was mir aber, nochmal sagen, egal ist, ist ob du ein problem mit falsch motiviertem populismus hast. wohl aber mit aussagen wie: “für oder gegen akws, spielt das denn für den laien momentan eine rolle?” oder “dreißig jahre diskussion, wofür? um im nachhinein immer noch die gleichen dinge in einen unerhörten raum zu skandieren, anstatt mal nicht mit masse sondern mit wissen aufzutreten und dieses wissen dann in die benötigten reihen zu schieben?”.
Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht ganz. Es ist dir also egal, wieso die meisten Menschen eine Sache unterstützen, aber nicht, wenn sie diejenigen sind, die auch etwas ausrichten können? Oder ist dir die Meinung über diese Menschen egal, weil du ja deine eigene Wissensbasis über sie aufbauen konntest? Wäre ersteres nicht destruktiv, letzteres etwas ignorant? Oder habe ich dich da jetzt völlig falsch verstanden?
kernkraftgegner sind schon lange nicht mehr ausschließlich zottel, die keinen geraden satz sprechen können und ihr wissen einzig aus der taz und dem robin wood magazin kummulieren, um sich dann bekifft und “skandierend” in der tagesschau selbst zu demontieren.
Aber das habe ich doch nie behauptet. Ich bin genauso 30 km von Biblis aufgewachsen und durfte mich schon lange (wenn auch nur aus Gründen der Regionalität) damit auseinandersetzen, ich kenne Menschen, die sich dafür mit ihrer ganzen Wirbelsäule einsetzen und das nicht, weil es eben schick ist, sondern weil sie sich auskennen – darunter auch viele Wissenschaftler und Menschen, die sich ihre Fakten nicht zusammensuchen müssen, sondern prinzipiell die Fakten erst bereitstellen. Mein Problem ist, das genau diese Menschen untergehen, weil viel Scheisse erzählt wird von Nachsagern, die auf ein hohes Ross steigen und meinen jetzt dank eines Wikipedia Eintrages alles zu wissen. Weiß ich alles? Nein, mit Sicherheit nicht, und wie du oben schon richtig gesagt hast, ist es hier auch nicht der Ort um Wissen rauszuhauen. Letztendlich will ich, ist mir das Thema denn wichtig genug, mir aber auch unbedingt der Lücken bewusst sein – und bevor ich sie nicht gestopft habe, will ich auch nichts dazu beitragen.
und selbst wenn – frage an die selbsternannte polemikerin: wo ist der unterschied zwischen skandiererei auf dem kartoffelacker und skandiererei im web 2.0?
Da gibt es keinen. Nicht einen. Genau dasselbe. Auf der Demo sauf ich und höre super Musik zu den Ansagen, und im Internet muss ich mich nicht mal rausbewegen, um meine eigene kleine Party zu schmeissen. Aber wenn es hart auf hart kommt ziehen alle den Schwanz ein und hauen wieder ab und sagen “öh, ja, krass, da geht ja schon wieder was interessanteres, was nur meiner Meinung und sonst nichts bedarf”.
Ich denke wir brauchen uns hier nicht dumm und dämlich zu diskutieren; ich habe einiges dazugelernt, nämlich vor allem, dass ich genauso die Fresse halten muss und mir nicht ständig selbst widersprechen sollte wenn ich meine Sätze durchdenke (oder eher, ich sollte mal meine Sätze durchdenken), und das wir uns eigentlich im Kern der Sache einig sind, wir uns aber in rhethorischen Spitzfindigkeiten verstecken. Danke für deine Beteiligung, ich wünschte, ich hätte das desöfteren mal.
March 14th, 2011 at 15:30
Wobei, versteh mich hier nicht falsch, ich natürlich nicht deine gänzliche Kritik als “rhetorische Spitzfindigkeit” ansehe, sondern eher sagen möchte, dass es ganz schnell dahingehen kann..
March 14th, 2011 at 20:27
@ sara
um dir mal etwas von deinem pessimismus zu nehmen: wo siehst du denn die “unerhörten räume” und “dreissig jahre sinnloser diskussion”?
die entstehung der grünen, hunderttausende arbeitsplätze im bereich der erneuerbaren energien, bei dessen technologien deutschland neben anderen führend ist, das hunderttausend-dächer-programm, die einspeisevergütung für erneuerbare energien, das “atom-ausstiegs-gesetz” – dies sind doch alles konsequenzen der ablehnung der atomkraft (man beachte, dass die befürworter immer von ‘kernenergie’ sprechen, klingt schöner.)
jahrzehntelang war die unantastbarkeit der atomkraft auf politischer ebene staatsräson. dabei ging es nie um das ringen für die besseren argumente. es war/ist macht-, interessen-, klientelpolitik, wie man letzten herbst so offensichtlich vorgeführt bekam.
die weiterentwicklung, das anwachsen der ablehnung von atomkraft hat immer anlässlich solcher ereignissen, wie den aktuellen in japan, stattgefunden. wenn man jetzt dieser gefährlichen technologie in deutschland den ‘todesstoss’ durch breite gesellschaftliche ablehnung versetzen kann, weil deren letzte politische unterstützer (ich bin nicht naiv, was deren glaubwürdigkeit angeht.) angst vorm wähler haben, dann ist das doch etwas positives in all dem schrecken.
und hat vllt. sogar langfristig rückwirkungen auf japan, den immerhin ist der deutsche siemens-konzern einer d-e-r akw-bauer in der welt. wenn der sich in seinem stammland nur noch mit dem rückbau beschäftigen darf statt der weiterentwicklung, ist das auch ein signal.
selbstverständlich sollte man nicht n24, n-tv, rtl, tw. spon und anderes gesocks als informationsquelle heranziehen. und wie johnny häusler in den kommentaren in dem von dir verlinkten artikel selbstkritisch einräumte, ist er beim news-saugen – wie wir alle? – vllt etwas heißgelaufen.
und ohne dir unterstellen zu wollen, dass du das nicht (schon längst) getan hast, halte ich es für essentiell, sich mit den prinzipien der kernspaltung, radioaktivität, der funktionsweise von akws vertraut zu machen, um den infohagel richtig einsortieren zu können. (ich habe lustigerweise in den kommentaren eines schrottigen spon-artikels eine menge über kernschmelze gelernt.)
so weit aus dem hort der zuversicht & ich hoffe, dass dein freund ok ist!
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die geschichte des internets ist eine reihe von missverständnissen …
March 14th, 2011 at 22:11
liebe sara,
ich habe eben eine e-mail von meinem freund aus sulawesi bekommen. es geht ihm gut. ich hoffe sehr, dass sich für dich auch alles ganz schnell aufklärt.
bis dahin,
n-
March 15th, 2011 at 03:41
ich verbreite derzeit artikel über die gefahren von atomkraftwerken (auch über facebook), weil derzeit, in den wissenschaftlichen teilen der zeitungen, viele gute artikel über dieses thema erscheinen und ich in der vergangenheit den fehler gemacht habe, mich auf den atommüll zu konzentrieren. dies hat nichts mit fehlender emphatie gegenüber den japanern zu tun. im angesicht von naturgewalten und -katastrophen kann ich aus nachvollziehbaren gründen nichts schreiben und will nichts verbreiten. deswegen konzentriere ich mich auf themen, die mein hirn auch greifen kann.
(ich verbreite übrigens immer in meinen augen sachliche informationen und propaganda nur ausdrücklich gekennzeichnet, denn ich bin arrogant genug, mich immer für die intelligenteste person im raum zu halten.)
March 15th, 2011 at 21:52
http://www.parteidervernunft.de/