Auf dem Dach

Veröffentlicht March 20, 2010

In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen Protagonisten eines anderen Lebens (anderer Welten, Dimensonen, Zeiten und Gesellschaftsformen) ihre Gedanken, Erlebnisse und Traumata hier. Manche sind Alter Egos ihrer selbst, einige gibt es wirklich, doch die meisten haben nie existiert. In einem Zustand des Nicht-Da-Seins finden sie ihren Frieden darin, in die Außenwelt zu schreien, was sie nicht mehr in sich tragen können. Um ihre Anonymität zu wahren, werden nur ihre Pseudonyme preisgegeben. Willkommen in der Restrealität

Ich sitze auf dem Dach. Die Sonne geht unter. Meine Haare werden leicht von dem sommerlichen Wind mitgerissen. Die Augen fokussieren keinen bestimmten Punkt. Sie schauen in die Leere. Ab und an blinzeln sie dann von alleine, ohne das ich es mitbekomm. Ich bin in den Gedanken sowieso ganz woanders. Mein Kopf ist voll. Voller Probleme, Sorgen, Nöten. Und ich weiss nicht, ob ich das alles jemals packen werde. Zusammen packen werde. Alleine packen werde. Ich weiss es nicht.

Ich lasse mich nach hinten fallen, die Wolken über mir haben die dunkel-goldene Farbe der Sonne angenommen und es formen sich wilde Spielereien. Mein Brustkorb hebt und senkt sich im Takt des ratternden Motors, der leise vor sich hinsurrt. Das hat schon fast eine hypnotische Wirkung. Wäre ich jetzt so ein wunderheilender Heini aus dem Fernsehen von einem tollen Lustigen Sender wo man ganz schnell sein Geld verlieren kann, würde ich mich jetzt mit „Ey Bob.. Isch habe die ultimative Mention gefunden um mich voll frei zu fühlen“ betiteln. Da ich aber durchaus mehr Niveau hab als die, lasse ich es, kann ein Grinsen jedoch nicht unterdrücken. Ich breite meine Arme aus und blicke gen Himmel. Meine Gedanken liegen immer noch bei meinen Sorgen und Nöten, sie werden sogar gerade ein wenig schlimmer. Mein ganzes Leben habe ich versucht es allen recht zu machen. Ich wollte immer die Anerkennung, die mich zu einem glücklichen Kind macht. Leider wurde mir das mit 11 Jahren einfach so entrissen. Aus Kind wurde Erwachsene. Die Jugend war ausgeschlossen. Sie war einfach ausradiert. Sie bestand aus nicht viel. Sie bestand eigentlich nur aus mir und der Musik und der Welt der Literatur, des Schreibens. Ich konnte die Gefühle schon immer besser aufschreiben, als sie jemanden ins Gesicht zu schmettern. Das einzige, was ich lernen musste von Haus aus „ Niemand darf dein Inneres sehen, verschließe dich so gut es geht, sei hilfsbereit und denke erst als letztes an dich“. In der Zwischenzeit habe ich auch ein wenig dazu gelernt und verschließe mich zumindestens nicht mehr vor allen Leuten. Jedoch vertrauen finden ist immer noch so eine Sache. Es ist, als wolle mein Leben mir zeigen, das es die Jugend nachholen möchte. Nun, es ist jedoch hierfür zu spät. Vielleicht lern ich das auch noch.

Aber wenn ich mein ganzes Herzblut zusammenstecke und mir meine Ziele immer vor Augen halte, dann schaffe ich es. Dann schaffe ich das, was man mir immer vorwirft es nicht zu haben. Dann zeige ich meiner Welt den nackten Arsch und jeder der dann angschissen kommt, der hat es nicht anders verdient, als ignoriert zu werden. Mein Weg wird erreichbar sein, egal durch wie viele Täler ich noch gehen muss und mit wie vielen Existenzskrisen ich mich noch rumschlagen muss. Meine Gedanken kreisen Richtung Mittelpunkt meiner selbst.

Aufgeregt durch die vielen Gedanken ist mir gar nicht aufgefallen, das es bereits dunkel geworden ist und die Sterne aufgegangen sind. Ich stehe auf. Schüttel die Kiesel von meinen Klamotten, nehm mir den Rest Astra Rotlicht in die Hand, schnipp den Zigarettenstummel weg und begebe mich auf den Weg nach unten. Aber nicht bevor ich meinen Mittelfinger Richtung Horizont strecke und verschmitzt mit gesenktem Haupt lächele.

Le Fuck.

 

2 comments in “Auf dem Dach”

  1. Jonathan (Weg Eins) says:


    (krass)

    Den Bahnhof kenn ich, glaube ich…

  2. Anna says:


    Bahnhof Ostkreuz war das ;) Der Mann hat sich tatsächlich 16 Sekunden der Belichtungszeit dieses Bildes nicht bewegt. Faszinierend! :D

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