After The Smoke

Manchmal kann man Entwicklung hören. Im Hip Hop ist gerade schwer was im Gange, was ich nicht in Worte fassen kann; sei es der Output von Künstlern außerhalb ihres Metiers der Musik, indem sie ihre kreative Art wie andere Altersgenossen auf Tumblr-Blogs ergießen, sei es der Drang, zurück zum Gesang zu gehen und Rap wieder mit Hooks und R&B zu kombinieren, sei es die Do-It-Yourself Mentalität von Mixtapes und EPs, die auch außerhalb kommerzieller Systeme funktionieren. Nicht zuletzt dank Internet.
Drake hat gesungen, seitdem haben sich viele gefunden, die Back To The Roots wollen – keinen Italo Euro Trash Sound mit Ushers gewöhnlicher Stimme belegt, kein Bling Bling, sondern Gangsterattitüde in Smooth. Frank Ocean macht es, The Weeknd macht es tendenziell noch besser. Elektronische Klänge ersetzen die Crossover-Tunes mit Rock, es wird gemixt und produziert, was boogie reingeht. Das alles funktioniert über die heimische Stereoanlage genauso gut wie im Club (natürlich ein bisschen aufgebasst), wie ich letztens feststellen durfte. Von Romantik trotz sanfter Töne keine Spur – wer den Texten mal zuhört weiß, dass die dicken Titten auch hier vorkommen, die Autos auch hier mit saftigen Felgen ausgestattet sind, der Champagner und die Drogen aus goldenen Krügen fließen, Weed geraucht wird, und und und. Aber es ist nicht so aufdringlich wie das, was die 2000er uns bescherten, und interessanterweise spiegelt sich die Ffffound-Ästhetik von Rauch, Nebel, Analogbildern, Design, Grafik, Internet, Dreiecken und sonstigem buntem Flickr-und-Tumblr Firlefanz mit einem Hauch Pop in der Musik wieder.
James Blake hat das schon mit Dubstep gemacht – sanfter, massentauglicher, eingängiger und trotzdem clubwürdig. Im Hip Hop ist das eine ähnliche Entwicklung, wenn auch nicht ganz so subtil, immerhin sind Drake, Frank und der gute Anonyme von The Weeknd in den USA quasi explodiert. Heute bin ich über After The Smoke gestolpert – die machen das auch nicht schlecht. Und obwohl das alles so selbstgemacht aussieht, wird das ab sofort – dank überraschendem Vorzeigeerfolg, der vielleicht selbst gar nicht so überraschend war -schön sorgfältig wirtschaftlich durchkalkuliert.
Und nächstes Jahr dann was anderes.


4 comments in “After The Smoke”
June 16th, 2011 at 19:01
[...] After The Smoke | dragstripgirl Singen ist das neue Rappen. Oder R'n'B wird unschwülstiger. Oder alles wird irgendwann mal ehrlich und cool durch ffffound-Ästhetik. Sara sieht das richtig (denke erschreckend ähnlich über die Entwicklung des Genres) und "After The Smoke" kann man auch hören… [...]
June 17th, 2011 at 10:03
[...] gibts beim dragstripgirl auch noch einen guten Text zur Bewegung in diesem mir unbekannten Genre. Ich hab keine Ahnung davon, aber was sie schreibt, klingt plausibel. Kann man ruhig mal lesen. [...]
June 17th, 2011 at 11:42
drei absätze von dir und ich hatte ein dejavú.
in einer folge bei 30rock überlegt sich tracey den EGOT (emmy, grammy, oscar, tony) zu gewinnen, er weiß nur noch nicht wie. er fragt .com “what you got?” – er nennt drei EGOT träger, alles komponisten. dann zu grizz: “analyse the raw data”. und der meint, musik ist erfolgreicher als zu schauspielern. tracey zu kenneth: “now synthesize this!”. kenneth sagt, er müsse einfach den besten tune der welt machen, kein problem.
raw data, analyzing, synthesizing. auf den punkt!
June 20th, 2011 at 07:34
meeeeh gibt es ein leben jenseits der attraktivität?