Yes She Khan
Gestern abend: das märchenhafte Bat For Lashes Konzert, irgendwo in Ostberlin. Ein Konzert, bei dem ich mir nicht den dicken Zeh verstauchen musste, um zu sehen, was auf der Bühne passierte, da das Publikum fast ausschließlich aus kleinen Spaniern bestand. Bis auf den klobigen Stein im Magen und der hässlichen Alten neben mir spielte das Leben ausnahmsweise mal bei meinem Drehbuch mit ((gut, wieder keine Spur von Herm, den ich jetzt so lange trackbacken werde, bis er sich in mich verliebt und sich für mich auch mit Faxe Bier besäuft. Übrigens, Herm, wenn du das hier liest und dich die ganze Zeit wunderst, was das für eine psychopathische Trulla ist, die dich hier die ganze Zeit bei Twitter und über diesen Blog stalkt: ich schäme mich ein bisschen, aber nicht genug, um aufzuhören)).

Ich würde Natasha Khan gerne in Zeitungspapier einwickeln und behutsam in meine Box an großartigen Künstlern mit Stil und Impact packen, gleich neben The Doors und *NSync (ja, *NSync. Ihr habt richtig gehört. Sie sind die wahren Helden der Musik, und niemand kann sich dieser Tatsache verwehren). Es war wirklich ein schönes Konzert und ein schöner Auftritt.
Überraschenderweise ist mir Eines beim Anblick von Natashas Hipster-Thrift-Store Kleid und der ganzen seltsamen Kloster-Instrumente klar geworden: Das Gefühl von Magie, und die extrovertierte Hingabe zu dieser Emotion, mag zwar nicht cooler sein als ein lila Turnbeutel von McNeal, aber nichtsdestotrotz befreiend und irgendwie zufriedenstellend.
Ich bin so ein Typ Mensch, ich verprügel verbal alle diejenigen, die sich irgendeiner Form von Spiritualität hingeben, die rational – also für mich – nicht zu erklären ist. Ich weiß, dass ich so bin, und ich weiß, dass ich dahingehend absolut ignorant sein kann. Yoga, Ginseng, Feng Fucking Shui? So weit, so gut. Ich kann es gerade so tolerieren, aber Toleranz ist ein Schimpfwort der Political Correctness, dass ich so nicht hinnehmen kann. Natasha Khan ernährt sich bestimmt super gesund und befolgt den Lebensstil der Kabbalah ((ich bin Deutsche mit arabischer Herkunft. Ich hatte nie eine Chance)).
Und dann steh ich plötzlich da, und höre und sehe etwas, was man eher als eine Ausdruckstanzaufführung mit Harfenklängen bezeichnen könnte als ein Popkonzert. Natasha Khan, das Kind, das bei McDonalds die Fruchttüte bestellt und Wasser auf Partys trinkt, während ich in meiner zerfetzten Lederjacke von Kik an der Ecke stehe, Loser bin und kleine Kinder vom Fahrrad schubse. Ich kann mit diesem Chakra-Scheiss nichts anfangen. Einerseits, weil meine Eltern mich mit ihrer Religiösität hin und wieder in den Wahnsinn getrieben haben, und andererseits, weil ich gerne ein arrogantes Miststück bin. Und, was lernen wir daraus? Richtig, Bat For Lashes geht auf Tour und verdient die Aufmerksamkeit, die ihr gebührt, während ich die ganze Woche arbeite und mich auf’s Schlafen freue. Yeee-fucking-ha.
… Ich applaudiere im Nachhinein allen Menschen, die zu Schulzeiten in der Theatergruppe waren und Flöte gespielt haben. Ich applaudiere, verbeuge mich und bitte euch um Entschuldigung. Jeder kann etwas wunderschönes aus seiner Fantasie machen, auch wenn ihr eigentlich völlig zugedröhnte, langweilige Öko-Kinder aus Charlottenburg seid (ihr habt richtig gehört, CHARLOTTENBURG!). Meine Einzelpacht auf Asozial wird damit für ein weiteres Stück durch Respekt ersetzt. So viel zum Thema “Erwachsenwerden” ((Ich werde mich trotzdem weiterhin über fette Kinder und hässliche Schabracken lustig machen, sonst hat das Leben keinen Sinn mehr)).
Ich kann mich natürlich vollständig irren, was Natasha Khan angeht. Vielleicht hat sie sich auch mit Achtzehn prostituiert und hat schon drei Crackbabys das Klo runtergespült, ich möchte diese Out-of-Body-Experience deshalb aber nicht weniger anerkennen.
Anekdote: Ich habe Bat For Lashes entdeckt, weil ich ihre Musik geklaut habe. Ich war zu geizig für zwölf Euro kleiner Fileschnipsel, die ich nicht kopieren durfte und die bei Verlust nicht ersetzt wurden. Ihr habt richtig gehört: Ich habe das Urheberrecht mit Füßen getreten und stattdessen lieber insgesamt mehr als fünfzig Euro für Konzert und Merchandise ausgegeben, plus Extra-Promo auf diesem Blog, plus ein persönliches Geburtstagsständchen aus dem Publikum. Fickt euch.
Anekdote 2: Ich weiß, dass eingebundene Video vom Konzert lebt in einer eigenen Dimension von “OMG wer hat dir überhaupt erlaubt eine Kamera zu halten”, aber ich bin so stolz drauf, überhaupt etwas gesehen zu haben, dass es mir diese Schmach wert ist.


5 comments in “Yes She Khan”
October 29th, 2009 at 15:28
ich glaube wir sind auf eine andere art alle miteinander verbunden! ganz spirituell!
October 29th, 2009 at 15:30
Fotze.
October 29th, 2009 at 15:41
Marci! Why so serious? ;)
October 29th, 2009 at 18:14
Die Überschrift ist übrigens sehr kreativ, hab ich jetzt erst gelesen. Und ich bleib dabei.
October 30th, 2009 at 23:08
[...] war das das eine, der zwei deutschen Konzerten. Das andere fand in Berlin statt (Sara war da). Minitourdings [...]