Rewind: Emiliana Torrini, To Be Free
Als ich 15 war, bin ich kurzzeitig von zu Hause ausgebüchst. Ich habe niemals jemandem davon erzählt, was aber jetzt nicht so tragisch ist, weil ich ungefähr vier Stunden (“Ich geh in die Bibliothek”) durch die Gegend geirrt bin und aus Trotz nicht nach Hause gegangen bin, weiß Gott wieso. Naja, als es kalt wurde bin ich wieder zurückgekrochen und habe mir hoch und heilig geschworen, ich würde es am nächsten Tag durchziehen (hab ich nicht).
Ich war damals die Ausgeburt der Depression, glaube ich. Ich bemitleide im Nachhinein alle, die so einen schwierigen, melancholischen und depremierten Teenager um sich herum ertragen mussten, ein Teenager, der dachte, er wäre in seinem Weltschmerz einzigartig. Das erinnert mich auch immer an das furchtbare Schicksal, dass Kunstkritiker erleiden müssen, wenn sie sich die Werke von jungen Menschen zu Gemüte führen, die die Kunst ausschließlich als Ventil für ihren Schmerz nutzen. Nicht, dass man ihn deshalb weniger Ernst nehmen sollte– aber irgendwann merkt man eben doch, dass fast jeder diese Entwicklung durchmacht… das nimmt der Sache ihren Charme.
… ich habe den Gefühlszustand nicht vergessen. Ich weiß, wie aufgeschmissen ich war. Daran erinnert mich immer wieder ein einziger Song, der mittlerweile aber auch mehr ist, als nur die Oper meines anstehenden Suizids (ich war mir ziemlich sicher, dass ich mit 21 nicht mehr Leben würde– ich bin mir heute auch noch ziemlich sicher, dass ich spätestens mit 24 an einem Herzinfarkt krepiere, aber wohl kaum freiwillig).
“To Be Free”, aus dem Album Love In the Time of Science von Emiliana Torrini (Affiliate Link), die bis heute mit jedem Song ein Stück meines Herzens bewegen kann. Eine wunderschöner Song für einen nassen Herbst. Übrigens macht das Island auch wieder ein ganzes Stück sympathischer.

