Sperre drei Menschen in einen Aufzug mit Spiegeln und du erhälst den chinesischen Akrobatenzirkus aus Europa, der noch nie so etwas Tolles gesehen hat und sich unbedingt wie bekloppt mit allen möglichen Grimassen fotografieren muss. Willkommen im einsamen Behindertenverein, der seine Krankheit jetzt auch in deinem Land ausbreitet!

Wenn man so lange aufeinander hockt, und sein Leben ohne Ausnahmen teilt, dann bleibt einem nicht viel anderes übrig als sich dieser neuen Familie hinzugeben und die Reibereien, die gute Laune und die beschissenen Regentage in Saigon zu genießen. Dann brüllt man sich manchmal von Straßenseite zu Straßenseite irgendwelche Fäkalausdrücke an die Köpfe, springt sich gegenseitig zum Spaß in den Rücken, klaut sich gegenseitig das Essen vom Teller und redet offen und ehrlich über den nicht funktionierenden (oder zu gut funktionierenden) Stuhlgang. Neue Menschen in der Gruppe werden kritisch beäugt und erst nach einer langen Phase (2-4 Städte) evaluiert.

Und es setzt Routine ein: der erste Tag wird mit kulinarischen Genüssen verbracht. Beefsteak zum Beispiel. Am letzten Tag wird gepackt und überlegt, wie es als nächstes weiter geht und wer sich darum kümmert, ein Hotel rauszusuchen. Das endet dann immer in blutigen Schlägereien, dicken Klatschen ans Kinn und Frankfurter Wurst in den Popo. Aber so muss es sein.

Alles in allem sind wir wie Tiere, die sich überhaupt nicht verstehen, aber auch nicht ohne einander können. Wir motzen uns gegenseitig an, weil wir dreilagiges Klopapier vermissen und mal wieder Lust auf Vollkornbrot hätten und uns die Augenbrauen bis in die Stirn wachsen, aber eigentlich ist die Liebe voll in der Luft, man muss nur hinter den Horizont schauen, da, wo sich unsere Herzen in einer Pisslache von Reiseschwierigkeiten spiegeln. Es fehlt nur noch, dass wir uns nachts brutal die Schmockpickel ausdrücken um am nächsten Tag über die Narben unserer Freundschaft zu lachen. Ein herrliches Schauerspiel, verfasst von Sartre, gespielt von drei Amateuren aus dem deutschen Vorstadtdschungel.

Aber es ist voll gut so, und ich erlebe jeden Tag unzählige Momente, an denen ich Schurzen muss vor Lachen und mich kaum noch einkriege, weil das Teamwork ist, diese Hass-Liebe, und ich das so noch nie mit jemandem teilen durfte. Und hoffentlich nie wieder darf. Sexy Saigon gehört der Vergangenheit an, morgen geht es in die Zukunft nach Kambodscha. Wir sind gespannt – vor allem auf die kulinarischen Köstlichkeiten, die uns an Tag 1 erwarten.

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