Spring Breakers zu gucken war wie sich in einen Eimer voll Konfetti reinzulegen um dann bei einem Skrillex-Rave durch die Gegend getreten zu werden. Voll schön.

You’ve probably read the synopsis of the film time and time again, the gist being that four girls go on spring break and shit gets fucked up. It’s a simple story, but it’s well-told and should resonate with a generation who are facing high unemployment and feeling so desolate and bored that getting wasted seems to be a reasonable way to escape. (via)

Technisch wie ein Song, visuell wie ein Videoclip; Drogen, Alkohol, Spaß, Sonne. All diese Dinge, die ungezügelte Lust, die Freiheit der Partymomente, der Hedonismus in seiner ganzen Abartigkeit, komprimiert auf einige Minuten von Harmonie Korines absurder Traumwelt. Es kribbelt im Film ständig so unter der Haut, als hätte man selbst gerade eine Pille geworfen. Man ist dabei und mittendrin und völlig hyperaktiv zugange.

Und dabei hätte Spring Breakers so schlecht sein können, wenn nicht einige Momente eine tieferliegende Schicht von Ironie und Ehrlichkeit offenbart hätten. Zum Beispiel, wenn Cotty fast vergewaltigt wird, ohne es zu merken, und der Zuschauer nicht mehr weiß, wo die Grenze gezogen werden sollte. Und so ist das die ganze Zeit: im Limbo von Moral, Spaß und Freiheitswahn gefangen, hinterfragt man selbst, ob man das jetzt gut oder schlecht findet. Ob das überhaupt passiert ist. Ob die ganzen popkulturellen Referenzen und der Drogenscheiss und der Gangstermüll und so weiter nicht einfach nur die überzogene Fantasie eines 14-jährigen Bleichgesichts ist, der sich Cornrows drehen lässt und davon träumt, Rapper zu werden und Hoes zu knallen. Aber Spring Breakers ist eben auch nicht Kids: bei Kids weiß man, woran man ist, und wer man selbst ist. Man weiß sich abzugrenzen. Der Abschaum der Gesellschaft ist zwar nicht schön anzuschauen, aber man kann ihn anschauen. Spring Breakers zeigt allerdings nicht nur; Spring Breakers nimmt mit auf die Reise.

Alle möglichen Rollen wurden zersprengt. Britney Spears wird zur Mutter Theresa des gesellschaftlichen Aussatzes, aber ist sie das nicht schon lange für uns alle geworden? Ist sie nicht die Metapher der verfeierten Jugend? Die einen distanzieren sich hinter ihrem Schutzschild der Ironie, die anderen nehmen es unreflektiert an. Das Irgendwodazwischensein, das so viel spannender ist, das einfach nur ab absurdum führt, je länger man sich damit beschäftigt; das ist Spring Breakers. Spring Break, Spring Break. Spring Break Forever. Wie in Drive hüllt sich der von Skrillex gestiftete Soundtrack in eine unglaubliche Atmosphäre, perfektioniert die in Überlänge gezogenen Szenen in Slo-Mo. Korine arbeitete an Spring Breaks so konsequent wie an einem Lebenswerk jenseits des Mainstreams. Dank der Disney-Schauspielerinnen dürfte er jetzt alle glücklich machen.

One of the things that stood out is when Alien is saying to the girls, “you’re my motherfucking soulmates”, what you think is the soul of that culture?
Harmony Korine: Well I think it’s… they say it’s almost like a gangster mysticism. That it’s like this weird worm-hole intersection between gangster logic and almost quasi-spiritual elements. And s they’re just trying to light the world up, and I think it’s that thing about game recognizing game and it’s a kind of sociopathic wink. When he says that to the girls, it’s as if he realises right there that these girls are hardened in a way that he’d never seen before. And so it’s just more like they find each other in that moment.

Spring Breakers ist so witzig, und man weiß bis zum Ende nicht worüber man gelacht hat. James Franco ist ein Clown mit viel Geld. Look at my shit. Look at my shit. Wie wir uns doch manchmal selbst so geben, ein bisschen weniger übertrieben vielleicht – also ohne Grills – aber doch, genau das sind wir. Spring Breakers ist die Poesie, die man auch während der übereifrigen Feiern spürt. Komponiert, perfekt, reagierend auf blendende Reize ohne sich darüber den Kopf zu zerbrechen.
Es ist ja nicht nur ein Partyfilm. Es ist ja nicht nur Spring Break, Spring Break Forever. Es ist ein Partyleben, das in der Hölle zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang existiert. Ein verschleierter Drogentrip, ups and downs, von der Party in den Knast in das Harem des herumhampelnden Zuhälters und niemand zweifelt nur eine Sekunde daran, dass es hier immer auch um Leben und Tod geht.

Korine greift eine ganze Generation auf, die sich selbst als achterbahnfahrende Supergruppe im Tanz bezeichnen würde. Sie würde sich selbst so sehen. Die Kids werden Spring Breakers angucken und nicht mal merken, warum der Film so gut ist, wie er ist. Sie werden rausgehen und sich unterhalten gefühlt haben, vielleicht mit ein paar Kritikpunkten hier und da – Hangover ist es jedenfalls nicht – aber sie werden nicht mit einem überstrapazierten Trauma da raus gehen, nicht reflektieren, was das alles bedeutet. Und das macht Spring Breakers noch besser. Sie werden es akzeptieren. Und wir werden nie herausfinden, ob es eine tiefere Bedeutung zu Spring Breakers gibt, oder ob das alles nur eine Show war, eine Achterbahnfahrt, ein KetamDMA-Trip, nachdem man ja meistens auch nicht mehr so genau weiß, was eigentlich passiert ist.

This article has 1 comments

  1. Jan

    Und das Beste ist einfach die Tatsache, dass es RIFF RAFF a.k.a James Franco wirklich gibt…I”m sorry lil mama!!!;)

Comments are closed.