Das absolute Highlight meiner Südostasienreise bisher waren die wunderschönen Tage auf Koh Tao. Tauchen, chillen, und mit der provisorischen Auslandscrew ein paar verdammt gute Tage verbringen. Auch, wenn das Tauchen einen unglaublich großen Teil dieser Woche einnahm, darf man dabei nicht vergessen, wieso es so gut war. Ich wünschte, ich könnte euch die Bilder und die Videos zeigen, aber mich im Bikini oder gar im Wetsuit zu sehen könnte dramatisch für all diejenigen enden, die ihr Augenlicht zu Weihnachten gerne noch behalten hätten. Abgesehen davon ist das Video auf DVD gebrannt worden und ich habe kein Laufwerk und überhaupt ist die DVD schon auf dem Weg ins kalte Deutschland. Ich kann also sowieso nichts machen, braucht jetzt keiner zu betteln.

Der nächstbeste Teil der Reise folgte nur ein paar Tage später, als wir uns zu fünft oder zu sechst in einem wie aus Berlin nach Bangkok implantierten Underground Club verirrten und nach so langer Zeit endlich mal wieder geliebte elektronische Klänge genießen durften, die nicht auf Black Eyed Peas Remixen basierten. Meine musikalischen Ansprüche wurden dank Thailand erheblich heruntergeschraubt. Ich bin schon dankbar, wenn Deep House läuft, denn nach Dauerschleife Nickelback, Akon, Tiesto und Modern Talking (get fucked, Vietnam!), ist das wie als würde endlich mal jemand Sinn in die DJs prügeln. Aber die können ja nichts dafür. Die Nachfrage der unausstehlichen Teenager-Briten ist zu hoch, als das man den schlechten Geschmack ignorieren könnte. Too bad.

Mittlerweile sind wir wieder in Chiang Mai angelangt, wieder im Norden, wieder da, wo alles (mehr oder weniger) anfing. Chiang Mai ist soetwas wie mein Urlaubsort geworden. Ich weiß, ich weiß. TGIF und ich hab schon seit drei Monaten Urlaub. Aber Reisen und Urlaub unterscheiden sich wesentlich. Thailändische Inseln befinden sich quasi nur auf der richtigen Seite der Prostiution, und Vietnam, Kambodscha und Laos laden eigentlich nicht zum entspannen, sondern nur zum begaffen ein (zumindest wenn man Zeitdruck hatte alles zu sehen. Wieso man sich das selber an tut, keine Ahnung). Jedenfalls ist der Druck, sich dem Sightseeing hinzugeben, in Chiang Mai komplett abseits unserer Gedanken, weil wir schon mal hier waren und alles gemacht haben, was man als Tourist so macht, von Trekken bis Party. Also haben wir quasi eine Woche damit verbracht, auf der Terrasse unseres Guesthouses zu sitzen, mit den wundervollen Besitzern zu schnattern (“Hello my name Tee come see me I am the boss”), das fantastische Essen zu essen und sechs Stunden am Tag zu lesen. Fight Club, Kill Your Friends, Mr. Nice, The Beach, Rant, Snuff, Fear and Loathing in Las Vegas, auch alles schon mal gehabt, genauso wie Chiang Mai, und deshalb umso angenehmer. Die Bücher gehen durch das Guesthouse rum, wenn sie fertig sind, und dann muss man sich am letzten Tag beeilen, denn der Sucker hat 30 Kilo Gewicht mehr im Backpack, wenn er sie nicht loswerden kann.

Morgen geht die Reise weiter in das Hippiekaff Pai, vier Stunden von Chiang Mai entfernt und wohl der letzte Ort Thailands, der für uns unerkundet blieb (und das sage ich in voller Wahrnehmung dessen, dass wir uns nicht mal 20% von Thailand angeguckt haben). Ich sage hervor, dass der Kiff rumgehen wird, weitere Bücher gelesen werden und mindestens ein Rollerunfall auf unsere Kosten geht. Danach zurück nach Bangkok, eine Stadt, die mir immer besser gefällt (vielleicht, weil sich die Hipsterlocations unserer Coolness geöffnet haben und wir nicht mehr dazu gezwungen sind, mit den Touris auf einer Ebene zu schweben. Elite ist halt international, bitches), und von da in den Flieger nach Bali. Wir wissen irgendwie nicht mehr wirklich, warum wir das damals gebucht haben. Weihnachten auf Bali ist ungefähr dreimal so teuer wie Weihnachten in Paris, und abgesehen davon nicht wirklich lohnenswert, wenn man für Silvester weiterfliegen muss (nach Sydney, nur damit wir endgültig pleite sind, wenn wir ankommen). Ich habe ja die Hoffnung auf eine weitere Runde Tauchen, diesmal inklusive Schildkröten, aber ansonsten ist es wieder nur eine Insel mit Kreaturen die ich ungerne in meinem Bett liegen hätte.

Einige hatten übrigens mal gefragt, was die Reise so kostet, und ich kann darauf ganz ehrlich nach sehr viel Erfahrung sagen: zu viel. Selbst wenn man sich nicht jeden Abend besäuft ist es zu viel. Selbst wenn man nicht die ganze Welt totkauft weil es so billig erscheint: zu viel. Gott, alles, was ich hier gekauft habe, wird nach der Reise endgültig in der Ramschschublade neben den Batterien und dem anderen Zeug landen, dass man alle vier Jahre mal rauskramt und dann überlegt, ob man es behält oder weg schmeisst. Inklusive aller T-Shirts. Ich trage nicht mal T-Shirts. Ich hab schon Sachen hier gekauft die ich nach 2 Tagen weggeschmissen habe und weiß noch nicht mal, wieso (also weder, wieso ich sie gekauft habe, noch, wieso ich sie weggeschmissen habe). Man wird zum Monster, wenn man erst mal hier ist.

Ich habe in nicht mal 3 Monaten ungefähr 3000 Euro ausgegeben, hurra, hurra, ich habe eigenhändig dafür gesorgt dass ich entweder nur einen Monat in Australien verbringen kann und dann wieder abhauen, oder tatsächlich länger bleiben und arbeiten muss. Farmarbeit, ich komme.