in unregelmäßigen abständen veröffentlichen protagonisten eines anderen lebens (anderer welten, dimensonen, zeiten und gesellschaftsformen) ihre gedanken, erlebnisse und traumata hier. manche sind alter egos ihrer selbst, einige gibt es wirklich, doch die meisten haben nie existiert. in einem zustand des nicht-da-seins finden sie ihren frieden darin, in die außenwelt zu schreien, was sie nicht mehr in sich tragen können. um ihre anonymität zu wahren, werden nur ihre pseudonyme preisgegeben. willkommen in der restrealität


“yonder” von aguno

“Komm”, sagt er. Er nimmt meine Hand in seine. “Lass uns Einen rauchen. Da vorne, am Ufer.” Ich nicke nur und blinzel an ihm vorbei. Mein Herz klopft hoch und stößt gefährlich an den Kloß in meinem Hals, der sich zu einem Brocken von Beton verwandelt hat. Ich habe Angst den Mund aufzumachen und ihn mit einem Wasserfall an Herz, Blut und Bauschutt zu ergeben. Also lasse ich mich ziehen, und wir sagen nichts.

Obwohl es so viel gibt, was ich noch sagen will.

Er legt seine Jacke auf das spitze Sommergras und setzt sich hin. Ich bleibe stehen und sehe dem Wasser bei seinem ruhigen Treiben zu. Er blickt gegen die Sonne zu mir hinauf, hält sich die eine Hand eine Stirn, die andere legt er auf den freien Platz auf der Jacke und kneift die Augen fest zusammen. “Setz dich. Bitte.”

Meine Beine sind steif. Zeitlupe. Ich nehme tief Luft. “Reiß dich zusammen”, beruhigt mich das Wesen in meinen Fußzehen, dass noch ein bisschen Kontrolle hat. Es zwingt mich in die Knie zu gehen und Platz zu nehmen. Mein Kopf bleibt starr auf den funkelnden Fluss gerichtet, der in der Nachmittagssonne nichts zu sagen hat, und auch nicht viel tut außer für mich da zu sein. Nach links geht es zu mir, nach rechts geht es zu ihm. Auf der anderen Seite existiert nur ein schwarzes Loch. Und hinter uns sind alle Menschen, an denen ich Tag für Tag vorbei laufe.

Er rollt das Papier liebevoll zusammen und leckt behutsam den Klebestreifen ab. Er macht den Joint an, nimmt einen tiefen Zug und starrt parallel mit mir auf das Wasser.

Die Zeit rauscht an uns irgendwie vorbei, während wir immer noch bewegunglos sitzen. Jeder einzelne Moment brennt sich ein und zieht sich hin. Obwohl wir beide einfach nur aufstehen, auflegen, beenden und abschließen wollen, bleiben wir da, zusammen und doch nicht zusammen. Die Sonne geht unter, der Fluss zieht stumm weiter. Wir bleiben sitzen und dehnen und strecken, was noch da ist. Bis nur noch ich da bin. Und irgendwann nur noch der Fluss. Bis der auch nicht mehr da ist.

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