AdagioParty/Westberlin
B. ist in Berlin. Wenn B in Berlin ist heisst das Halli Galli und Atombombe. Wir legen unsere Eier auf den Tisch und spielen russisches Roulette mit Panzerfäusten. Es macht Bäm und plötzlich klatscht es Gehirnmasse an die Wände. Wir feiern wie Rockstars und zerlegen Gebäude in tausend Teile.
Jedenfalls fühlt es sich so an. Meistens ist es dann nämlich doch so, dass wir eine lauwarme Lasagne genießen, Familienfernsehen gucken und dann sabbernd auf der Couch einschlafen. Am nächsten Tag wachen wir mit Rücken auf und erzählen anderen, was wir doch für geile Partys gefeiert haben. B. und ich nicken uns dabei verschwörerisch zu: wir wissen Bescheid.
Der Plan
So oder so ähnlich war auch unsere kleine Hotelexkursion am Samstagabend. Geplant war eine Orgie im Hotelzimmer, drei Meter Koks auf der Theke, nackte Weiber auf dem Bett, und wir, wie wir gelangweilt bei der Action zuschauen, wartend auf den nächsten Kick. Das war zumindest der Plan.
Es verlief dann aber doch ein bisschen anders, als wir feststellen, dass das Adagio City Aparthotel ((was auch immer “City Aparthotel” heissen soll. Ein apartes Hotel? Ein Apartement-Hotel? Und wieso dieses unnötige “City” davor? Und heisst nicht ein schäbiger Laden am Potsdamer Platz Adagio?)) am anderen Ende des Ku’Damms ist (das Ende, das man vom Zoo aus im Impaktwinter nicht unbedingt zu Fuß erreichen will) und wir bis zur Ankunft schon völlig ermüdet waren. Wir befanden uns im Westen Berlins: das alleine war schon neu für uns. Die Straßen waren uns unbekannt, wir fühlten uns wie Touristen. B. hielt krampfhaft seinen Brustbeutel fest. Als wir unsere Herberge endlich entdeckten, überfiel uns eine Art Wehmut und Heimweh. Wir hofften auf eine warme Willkommensumarmung.

