Denn: So ist das immer
Du musst verstehen, dass du nicht alles verstehen kannst. Und das es nicht schwer ist, in Dingen und Gedanken einen Sinn zu sehen, wenn man sie nicht versteht. Am Ende wirst du entweder die Verwirrung teilen oder deine eigenen Gedanken dazu haben.
Nämlich schnell. Denn: So ist das stets. Du hast keine Zeit, Gedanken aushallen zu lassen. Du wirst unter Kliniklampen auf die Welt gebracht und stirbst meistens auch unter diesen. Zwischendurch muss man schlafen, Partymachen, lernen, lieben, vögeln und mal nachdenken, ob man diese Dinge auch addieren kann. Und wenn ja, ob vielleicht vor der Summe ein Minuszeichen stehen könnte. Wichtig ist, dass man über so was nicht nachdenken muss. Du musst fröhlich sein, wenn Anlässe dazu da sind. So wie bei mir. Und was voll wichtig ist: Die schwersten Steine sind diejenigen, die man alleine tragen muss. Dass man sich wieder auf Menschen emotional einlässt, die einem andere Träume ermöglichen und verwirklichen. Träume, die man so nicht hat, wenn man sehnt oder Angst hat, dass was sehens- und mitnehmenswert ist, nie wirklich greifbar wird.

Das sind so kleine Dinge wie einen Menschen zu verabschieden oder zu verlassen und allein mit den Fragen „Soll ich? Kann ich?“ zu bleiben. Ja, man will, hat aber Angst, dass der andere das nicht will oder noch besser: auch Angst hat. Seltsam, wenn man sich gleichzeitig so unglaublich gut fühlt, oder eben schlecht. Kontrolliere deine Gefühle da, wo es möglich ist, denn es ist das Einzige, das du in deinem Leben kontrollieren kannst. Märchen sind Metaphern. Und deswegen ist es ein Märchen zu glauben, dass Kontrolle über die eigenen Gefühle, uns vor irgendwas hindert. Irgendwas. Denn: Du hast es satt, dass du ständig mit Verarbeiten beschäftigt bist. Du weißt auch nicht, ob es falsch ist, was du da jetzt tust oder denkst. Du genießt nur das verdammt geile Gefühl in diesem Augenblick, wenn etwas in deinem Kopf passiert, das du nicht aussprechen kannst. Größe passiert einfach. Erst hinterher fragt man sich, was da so im Genick zwickt. Ich wünschte, sie würde den Weg zum Ja-Sagen finden.
Denn: Einfach so ist derjenige eine pulsierende Fußnote im Keller deiner Gegenwart geworden und verweist nun auf etwas. Man muss sie lesen und will sie fragen, egal was sie dir mitteilen würde. Alles andere macht kribblig. Wenn man schweigt wird man eine hässliche Weiche Konstruktion mit gekochten Bohnen, so wie das Gemälde von Salvador Dalí. Und das sollte man nicht werden. Nicht so. Das verdammte Problem ist dieses ganze behinderte Spiel aus Menschen-an-sich-heran-lassen und Wieder-von-sich-wegstoßen, um sie dann vielleicht wieder an sich heran zu lassen. Woher nehmen Menschen den Traum sich in jemanden zu verknallen, ihn aber auf Distanz zu lassen, wenn es soweit ist? Dieses strategische sich-erst-nach-drei-Tagen-zu-melden oder wegzulaufen, weil der andere sich ehrlich offenbart und man dann ja kein Rätsel mehr für den anderen ist, kein mysteriöses souveränes Wesen mehr, das man erkunden muss. Tabula Rasa, mann. Denn: Wenn man was haben kann, dann will man es nicht mehr.
Das ist Ego-Virus und führt dazu, dass andere sich nicht mehr trauen, ehrlich auf den anderen zuzugehen und zu fragen „Wollen wir?“:
„Mein Leben ist nichts Besonderes und ich kann dir nicht das bieten, was du dir erträumst und wovor du Angst haben musst, irgendwann zu bereuen, die Gelegenheit nich ergriffen zu haben. Du könntest mich haben, wenn du willst. Und ich zeige dir die unspektakulären Dinge meines Lebens und wie sie mich glücklich gemacht haben. Und ich glaube, sie könnten auch dich glücklich machen, wenn du mir und diesen Dingen nur eine Chance gibst und von deinen Verpass-Ängsten Abstand nehmen könntest.”
Denn: Denn ich bin infiziert mit meinem Leben und meinen Gedanken und fühle mich trotzdem unheimlich gut, weil es noch nicht soweit gekommen ist, dass ich mich für andere nicht mehr interessiere, wenn sie sich trauen Ja zu sagen. Ja zu Dingen, die nachhaltig und von Dauer sind.
„Wollen wir?“, möchte ich dich fragen, aber du hörst nicht mehr zu. Du hast gewartet, bis du was sagen kannst, bis du dran bist. Denn: So ist es immer.
Du sagst: „Wenn alle auf der Welt jemanden lieben würden, dann würde niemand mehr was wollen.“
Es ist deine Ausrede. Wir bleiben alleine. Und du lebst dein Leben so, wie ich es für verschwendet ansehe. Aber das ist nicht schlimm. Denn: Meine Gedanken – Mein Leben. Keine Chance für uns.
Denn: So ist das meistens.

