Hässliche Ichs

Veröffentlicht December 21, 2011

Irgendwann, ich schwöre euch, explodiert mein konfliktscheuer Magen direkt aus der Bauchdecke heraus in die Fresse der mich ankotzenden Menschen. Man, ich bin ein netter Mensch. Ich bin so nett zu jedem, ich lasse meine schlechte Laune selten an unschuldige Beteiligte raus. Selbst wenn ich den beschissensten Tag aller Zeiten hatte, sage ich noch “bitte” und “danke” und hinterfrage nicht die Welt in ihrer Abscheulichkeit. Ich kotze den bemitleidenswerten Fotzen in der Drogerie nicht ins Gesicht, nur weil mir grade der kleine Fingernagel abgebrochen ist. Man, nicht mal wenn ich dreihundert Euro für ne Steuerberaterin latzen muss aufgrund eines Problems, dass ich eigentlich nicht haben durfte, selbst wenn ich danach humpelnd durch achtzehn Kublikliter Regen auf einem Quadratcentimeter nach Hause schleichen muss, selbst dann bin ich noch nett, und lächele freundlich, und wünsche eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Feierabend.

Manchmal, da kotzt mich mein Gutmenschsein an, da will ich einfach auch mal unbeteiligte Menschen mit nem Roundhousekick vom Fahrrad runtertreten und ihnen schön ins Gesicht scheißen. EINFACH SO. Oder kleine Kinder vor den Zug werfen. Oder Rentnern die Kehle aufschlitzen und ihr Blut in Geisteswahn trinken. So scheinen es nämlich alle anderen zu machen, wenn sie einen schlechten Tag hatten: Hauptsache noch ihrem Umfeld so richtig schön nen miesen Spruch reindrücken, als ob nichts anderes mehr ihrem Leben einen Sinn geben kann. Wie die Frau heute am Bahnhof. Ich bestellte zwei Sachen. Für die erste Sache brauchte sie ungefähr dreitausendmillionen Stunden, so lange, dass ich tatsächlich meinen Zug verpasste. Die zweite vergaß sie. Als ich sie darauf hinwies, bretterten ihre Eierstöcke bis ins Gehirn und durchlöcherten ihr regulierendes Über-Ich. Das Monster fing an zu schreien, was ich mir eigentlich erlauben würde, “so mit ihr zu reden”, dabei hatte ich freundlich gelächelt und nur gesagt: “Entschuldigung, da fehlen noch die Pommes.” Sie hätte es ja nicht vergessen, aber sie war ja auch mit der ersten Bestellung noch beschäftigt, und was das jetzt eigentlich soll.

Anstatt ihr zurück in die hässliche Visage zu entgegnen, dass sie sich mal ordentlich ins Knie ficken und lieber einem Beruf auf dem Land nachgehen sollte, am besten als fette, hässliche, bald zu schlachtende dumme Kuh, bat ich sie um Entschuldigung. Nein, ich schwanzloses, dummes Ding bettelte förmlich, stotterte ein “sorry” ab, ließ mich noch drei weitere Sekunden ungerechtfertigt von ihrer schlechten Laune und ihren absolut untragbaren Beschuldigungen übergießen und verzog mich wieder in den seidigen Kokon meines Ichs, der solche abstrakten Begriffe wie “Ego”, “Stolz” und “Würde” nicht kennen muss.

Eines Tages werde ich wegen genau solchen Menschen, die ihr jämmerliches Leben auf andere abwälzen müssen, meine Hoffnung in die Menschheit verlieren und selbst so jemand sein, und wenn auch nur, weil man das anders überhaupt nicht aushalten kann.

 
 

Bei allem, was man ist

Veröffentlicht January 14, 2010

Einfach mal Kontrolle über das erringen, gegen das man immer machtlos sein wird: die verfluchte Zeit – die Nemesis der Gegenwart, die ohne Unterlass Rache an dir verübt und auf den Bewertungsskalen deiner Gedanken und deines Handelns (und Nicht-Handels) ihren ganz eigenen emotionalen Abdruck hinterlässt. Mann, sie ist stets bereit zu reagieren um dann doch nur wieder der eigene Film mit Werbepause zu bleiben. Sie ist und bleibt unkontrollierbarer Luxus – eine Erkenntnis, die einen regelmäßig erleuchtet ohne dass man aus ihr schlau wird.

Mann, was gäbe ich darum, diesen verdammten Dolorean vor meiner Tür stehen zu haben.

Fragen, die mich seit Monaten sehr beschäftigen und auch hin und wieder quälen: Wo ist meine Zeit geblieben und wie kann ich sie mir zurückerobern? Wie kann ich Kontrolle über die fehlende Zeit gewinnen, die doch unkontrollierbar bleibt? Wie kann ich verhindern, dass der Mangel an Zeit, das Schwinden der Freizeit mein Leben verändern?

[Grafik: Tebe Interesno]

Ich weiß auf diese Fragen keine Antworten, was wirklich ziemlich erschlagend ist, wenn man seit Monaten daran arbeitet, seine Alltagsmechanismen zu verstehen um dann daraus das beste für sich und sein soziales Umfeld zu machen.

Ich glaube fast, dass dieses Unterfangen unmöglich sein muss. Der perfekte Zeitpunkt um sich damit anzufreunden, dass das Leben wirklich nicht einfach ist.

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Denkmaschine/Arbeit

Veröffentlicht December 18, 2009

Ein Jahr Arbeit. Und weil einem bei durchschnittlich 36 Stunden am Tag Arbeit nicht viel Liebe und Zuneigung als die von den Arbeitskollegen übrig bleibt ((die nicht weniger wert ist, nur weil es Arbeitskollegen sind/die definitiv weniger wert ist, weil es Arbeitskollegen sind; ich kann mich da nicht entscheiden)), brauche ich gar nicht so zu tun, als würde mich das nicht irgendwie seelisch berühren.

Vor allem brauche ich nicht so zu tun, als hätte ich das letzte Jahr irgendetwas anderes gemacht, als viel und begeistert zu arbeiten. Die Begeisterung für den Job hat auch nicht aufgehört, nur ein bisschen müde wird man bei minus siebentausend Grad… Arbeit ist eben Arbeit, und es wäre jetzt viel zu einfach, sich darüber aufzuregen. Lieber gestatte ich euch einen objektiven Einblick in meinen Alltag mit den Pappnasen aus dem Büro. Langweilig? Hier geht’s immerhin um mich!

Außerdem, wer kann dieser Denkerpose schon widerstehen?

Denkerpose

Mehr davon gibt’s auf “meinem” anderen Blog (wenn wir ehrlich sind, kann ich die Anführungszeichen auch weglassen. Es ist faktisch gesehen mein Blog, auch wenn da ein Corporate Logo dahinter steht. Irgendwann werde ich dort Nacktbilder von mir veröffentlichen und es einen Marketing-Gag nennen). Der gutaussehende Mann auf dem Bild, der eine mir ähnliche Gehirnleistung erbringt, heisst übrigens Philipp und nimmt Avancen von gutaussehenden Frauen gerne an.

Denkmaschine/Arbeit · Kategorien: Uncategorized · 3 Kommentare
 
 
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