"Girl gone wide."


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Einsamkeit ist nicht, wenn man alleine auf der Couch sitzt und an die Decke starrt. Einsamkeit ist wenn Resonanz fehlt. Leute behaupten, sie müssen sich Raum für sich selber schaffen und hängen doch wieder nur an irgendwelchen Resonanzschläuchen fest. Egal ob Twitter, Facebook oder Blog: sich selbst mitzuteilen und daraufhin ein Feedback zu bekommen ist das Sugarhigh nach dem Blutsturz.

Damit haben die neuen Medien vereinfachen die Wege (Edit: ich lass diesen völlig verkorksten Satz mal so stehen, ich finde den toll) Es gibt quantitativ mehr Resonanz. Dass man seine Persönlichkeit mitteilen möchte, sich selbst in Abgrenzung und im Spiegelbild zu anderen definieren möchte war auch vor 10 Jahren schon aktuell. Damals hat man auf dem alten Nokia-Schrottgerät anklingeln lassen und damit ganz wortlos eine Verbindung in die Außenwelt geschaffen. Trotzdem tritt das Konzept der Resonanz immer häufiger im Zusammenhang mit der Selbstvermarktung auf den Social Networks auf. Durch Instagram & Co. kann getestet werden, wie der eigene Auftritt ankommt. Je mehr Likes ich bekomme, desto mehr muss ich mich in diese Richtung bewegen. Statt Abgrenzung erlangt man, ganz überspitzt gesagt, eine Anleitung zum Sein.

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by yeahs in Crystal Meth State of Mind Konsumbehindert


random, zusammenhangsloses bild

Ich habe die letzten paar Tage damit verbracht – ohne BH, hauptsächlich von grünen Elfen bespaßt, in Salt&Vinegar Chips eingerieben, Prossekschen in Jogginghose gurgelnd, im Sexchat Inserate aufgebend – meine Seitenstrangvagina groß zu pflegen und bin stolz auf meinen Kadaver weil er ausnahmsweise nicht im, sondern vor dem Urlaub krank wird. Zwar in der stressigsten Woche des Jahres, wenn ein “Launch” (nukleare Testraketen aus meinem nordkoreanischen Exil? WER WEISS!) bevor steht, wenn das Herz mal wieder rumzickt, wenn die Ferien angefangen haben und man deshalb eigentlich durchweg sternhagelvoll sein müsste. Eigentlich müsste mein Blut aus MDMA-Kristallen bestehen, genau jetzt. Ich müsste in einem richtig schäbigen Berliner Schuppen stehen und mir die Füße blutig tanzen und dann aus Dehydrations-Gründen mit einem Schlaganfall in die Charité eingeliefert werden. Stattdessen trinke ich Kaffee und Tee GLEICHZEITIG – weil ich ein Rebell bin – und muss trotzdem in die Charité, aber halt wegen der unsexy Seitenstrangangina.

Das alles soll euch eigentlich nur das Intro für ein Leben sein, dass ihr niemals bewundern werdet. Die Angina lateralis ist daran nicht primär Schuld, aber unter diesen Umständen erschwert sie mir ein aufregendes, interaktives Dasein, für das man sich einen BH anziehen muss. Warum sollte ich also eine App wie Vine runterladen, die ganz offensichtlich spannenden Menschen in den Ghettos von Brasilien vorbehalten sein sollte? Menschen, die keinen Zugang zu hochwertiger Video-Technologie haben, könnten so die seltene Aufmerksamkeitsspanne einer ganzen Generation einnehmen. 15 Sekunden Videoclip Zusammenschnitt. Und was passiert? Ich filme eine Zigarette ab und übe Stop-Motion-Gekritzel. WEIL ICH ES KANN. Andere aus meinem Stream “filmen” die U-Bahn in ihren beweglichen Elementen. Seht ihr, das Leben wird nicht spannender mit Vine, das ist leider das ernüchternde Ergebnis. Genauso wie das Essen mit Instagram nicht leckerer wird.

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by yeahs in (Pop)Kultur Konsumbehindert


Es gibt ein neues Mädchen in der Schule. Sie hat süße Zöpfchen und ist eine Streberin, aber die Jungs ahnen bereits in der 7. Klasse, was sich erst Jahre später auch in der Öffentlichkeit dank Drogeneskapaden und Sex-Tapes bestätigen wird: sie ist kernversaut. Dein kleines Babygirl mag es hart und dreckig. Ihre oberflächliche Strukturiertheit und ihr sympathisches Lächeln sollen nur von dem inneren Chaos und den Peitschenhieben von Daddy ablenken. Ihr Name ist Spotify, und wenn du auch mal reinhalten willst, dann lad sie zu dir nach Hause ein. Vorsicht, sie hängt nur mit Dudes rum, die auch ihrer dicken Freundin Facebook Einlass gewähren, also halt deinen Wing-Man bereit und freu dich auf diese wunderbare Gelegenheit.

Ich gebe zu, ich habe seit drei Wochen nur noch grünen Schleim aus meinen Nasen und Lungenflügeln geblasen und könnte deshalb auch nicht unerheblich große Teile meines Gehirns auf diesem Wege verloren haben. Trotzdem denke ich, dass meine kleine Fantasy Reihe zum Thema “Neuigkeiten sexuell verpacken” gar nicht so weit hergeholt ist. Immerhin wirkt Spotify wirklich wie eine Streber-Tussi, die alles auf dem Kasten hat und endlich mal den langweiligen Unterricht mit ihren Einsichten revolutioniert und dem dummen Klassenlehrer die Stirn bietet. Und doch durchschaue ich die App genauso wie unser verkorkstes Stripper-Girl aus den ganzen Rap-Videos der 2000er.

Spotify kann einen nämlich auch wahnsinnig machen. Ja, es ist total geil, dass ich jetzt nicht mehr den Umweg Browser – Mediafire – Song runterladen machen muss, um semi-legal an Musik zu kommen. Ich gebe sogar gerne Geld dafür aus. Eben gerade habe ich mir den Premium-Account gekauft, um mal abzuchecken, was das Teil eigentlich in Hülle und Fülle so kann. Mich ärgern gar nicht die inhaltlichen Dinge, ja, Spotify ist der Hammer und dass ich mich darüber mit Facebook connecte finde ich irgendwie, ahem, egal. Die drei Freunde, die mir noch Musikempfehlungen machen können, stehen in meinen Favoriten und werden argwöhnisch beäugt, obwohl ich bezweifle, dass sie sich so mühevoll Playlisten zusammenstellen wie ich.

Nein, das sind alles ganz wunderbare Dinge und dafür bezahlt man schließlich auch gerne Geld. Mir geht es vielmehr um meine ordnungswütige, strukturell überforderte Neurose: ich komme nicht über Files auf meinen Computer hinweg. Wo SIND sie? Was, wenn ich zurück zu iTunes will, um dort Songs hinzuzufügen (weil es sie bei Spotify nicht gab): meine Playlisten sind hier unvollständig, weil ich ja den Rest bei Spotify erledigt habe. Aber ich muss doch ab und zu neue Files bei iTunes hinzufügen, denn die meisten Neuheiten erscheinen erst als Bootlegs und definitiv nicht bei Spotify und außerdem finde ich neue Musik nicht über meine debilen Facebook Freunde sondern über meinen säuberlich gepflegten Feedreader. Ihr wisst schon: Remixe, EPs, Mixtapes, die kann man sich meistens direkt ziehen, weil sie sowieso kostenlos sind. Aber dann muss ich sie ja immer in Spotify laden und habe für immer und ewig eine Mischung aus virtuellen und lokalen Files. Und dann? Was ist, wenn ich nicht mit meinem iPhone synchronisieren möchte, sondern mit einem stinknormalen USB-MP3? Was ist, wenn ich tatsächlich eines Tages auflegen möchte und im Club vor einer Million Leute stehe die alle schon ihren Pimmel in der Hand halten und darauf warten, dass ich loslege, und dann geht das nicht WEIL ICH DIE FILES NICHT HABE.

(Alle Argumente gegen Spotify werden auf einen Schlag vernichtet sobald es eine Soundcloud-Integration gibt. Man, wäre das fett.)

Schweißausbrüche dominieren meinen Alltag, seitdem Spotify auf dem deutschen Markt funktioniert. Die Sonne scheint nur noch in Häme während ich mich zu Hause verkriechen muss um eine Lösung für mein psychisches Dilemma zu finden. Ich will Spotify benutzen, aber ich finde iTunes irgendwie übersichtlicher. Ich bezahle tatsächlich Geld dafür, dass ich mir Musik anhöre, aber ich würde sie auch gerne “haben”, damit ich sie in Ordnern einfügen und damit später machen kann, was ich will. Ich lege mich nun zur Ruhe und versuche nicht mehr über Spotify nachzudenken. Das Programm läuft im Hintergrund und ich habe Angst, iTunes zu öffnen. In der Zwischenzeit synchronisiert mein iPhone Offline-Dateien, damit ich auch unterwegs Musik genießen kann (allerdings werden nur die Songs aus der Cloud synchronisiert und nicht meine lokalen Dateien, meine Playlists sind also von ca. 30 Songs auf 16-22 geschrumpft. Das muss ich jetzt nicht verstehen, das nehme ich stoisch hin und hoffe, eines Tages die iTunes Zeiten vergessen zu haben).

by yeahs in Musik