"Girl gone wide."


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Ich werde also mein dekadentes Luxusleben der 40-Stunden-Woche ablegen um wieder für einige Jahre (hoffentlich mehr als vierzig) ein Liebe-gesteuertes Hippie-Kind mit filzigen Dreadlocks zu spielen. Ich werde mir an sonnigen Nachmittagen im Park die Haare aus der Arschritze ziehen, werde Dienstagmorgens verschwitzt und komplett zerstört aus einer Party direkt in die Uni hechten, um für 1,50 miesen Kater-Fraß zu inhalieren und verteile an diversen Semesterparties Blowjobs auf den Männerklos.

So ist das. In meiner Freizeit werde ich oft und gerne bei Poetryslams anwesend sein und beim Klatschen aufstehen. Ich werde die großen Philosophen kennen lernen und mit meinen Freunden bei gutem Wein, der mehr als fünf Ösen kostet, über die wichtigen Dinge des Lebens reden: behaarte Achseln, die Wichtigkeit der Demokratie, koreanische Delikatessen, hungernde Kinder im Kongo und medizinische Ethik. All das wird gesponsort vom Staat, denn zuerst wird der kilometerlange Bafög-Antrag bearbeitet, dann wird man direkt zum Hartz-4 Amt weitergereicht. Und was sollte man als angebrochener Mensch mit einem Bachelor in Kulturwissenschaften auch sonst tun? Im besten Fall bricht man wahrscheinlich nach dem 4. Semester ab um Drillinge auf die Welt zu setzen – dann ist es eh nicht mehr mein Problem. Im schlechtesten Fall bricht man trotzdem ab, dann kann man wenigstens behaupten, man hätte nicht seine Zeit verschwendet, um dann doch dasselbe Resultat zu produzieren.

Ich sag euch ehrlich wie es ist: wenn das bedeutet, dass ich die nächsten 6 Jahre gediegen kiffen kann (wenn auch nur unter gelegentlichem Besuch des Hartgeldstrichs), dann nehme ich die darauffolgende Arbeitslosigkeit gerne in Kauf. Scheisse noch mal, vielleicht überlebt das Wirtschaftssystem ja auch nur, wenn es so Menschen wie mich gibt. Menschen, die sich selber umbringen möchten, wenn sie morgens ins Büro gehen um Arbeiten zu verrichten, die keinerlei gesellschaftlichen Zweck erfüllen. Seriously. Ich bin so weit, putzen zu gehen, Kindernanny zu spielen, im Zirkus als behaarteste Frau aller Zeiten aufzutreten, nur damit das ein Ende hat. Nicht, dass ich mir das je aussuchen könnte, immerhin muss ich ja auch irgendwie Klopapier kaufen. Und Make Up. Hauptsächlich Make Up.

Das ist also der Stand der Sachen: ich werde wieder Hippy, ich werde höchstwahrscheinlich auch wieder pleite sein. Ich werde wieder mehr Zeit für solche lapidaren Dinge wie “mich selbst mitteilen” haben, ich werde eventuell auch irgendwann irgendwas gegen diese Geschlechtskrankheiten tun, die sich “Stresspickel” nennen und zu einer kompletten Sammlung aller Rot-Töne in meinem Gesicht sorgen.

by yeahs in Gangster


Vom engen NYC wieder ins gefühlt riesige Berlin einreisen… eine Mischung aus Freude und Reisewehmut stellt sich ein. Aber nicht so große Gefühlsexplosionen, dass die Müdigkeit darunter verschwinden würde. Leider.

Nur ist die Hood nicht Hood ohne ein vollständiges Crew-Set; meine allerliebsten Jungs, Maggi und Nico, die die Video-Welt zum Erzittern bringen und sich vor nichts fürchten, sind gerade mit dem Freunde von Freunden Team unterwegs und weisen den Planeten ein. Guckt euch ihre Freizeitdokumentationen auf dem FvF-Tumblr an und schwärmt ein bisschen mit.

by yeahs in Urlaub

Es gibt kaum eine Möglichkeit, das irgendwie charmant, eloquent oder gar weise auszudrücken, deshalb werde ich es hier in den simpelsten Worten einfach niederwerfen, so, wie es sich nämlich anfühlt: alleine reisen ist nicht so toll. Wenn erst einmal die größten Hürden überwunden sind, die Erfahrungen, die neuen Menschen im Umfeld, die Eindrücke und das Geschehene sorgfältigt eingeordnet und ordentlich katalogisiert wurden, bleibt einem nichts anderes mehr übrig außer sich geschlagen zu geben, frische Luft einzuatmen und trotzdem noch alleine zu sein. Fotografieren macht kaum Spaß, wenn man alleine – der verlassene Tourist – auf der Straße steht und die Leute einen anglotzen, als sei man ein Alien, weil man völlig entzückt ist von einer bemalten Wand. Es macht keinen Spaß, ganz viele, großartige Bars zu sehen, in die man sich nur mit seinem imaginären Freund setzen kann. Shoppen, ohne am Ende jemanden zu haben, der einem zu den großartigen Schnäppchen gratulieren kann. Selbst wenn man Menschen trifft, die nicht ganz so schlimm sind wie das herkömmliche Hostelpack, selbst dann muss man sich ein bisschen dazu zwingen, nicht an die Wärme und das Verständnis und den Humor seiner liebsten Menschen zu denken. Selbst in den Momenten, wo alles nicht richtig läuft und man sich nur mal kurz aufregen möchte, muss man eine E-Mail schreiben um zu vermitteln, was eigentlich gerade passiert.

Melbourne wirft mich in einen seltsamen Zustand zurück, ja, katapultiert mich geradezu wieder in eine Zeit, die ich so nur aus meinen ersten Monaten aus Berlin kenne. Ich erinnere mich daran, wie ich die Leute beneidete, die in dieser großen Stadt einen Zufluchtsort gefunden hatten. Ich würde in Kreuzberg durch die Straßen schlendern und zusehen, wie die wunderbaren Kaffees von schnatternden Menschen bevölkert wurden und traute mich nicht, mich alleine hinzusetzen und meinen Kaffee alleine zu genießen. Ich hasste es, in meiner Küche zu stehen und für mich alleine zu kochen, niemanden anrufen zu können, der mal schnell vorbeikommt um einen Film zu gucken. Niemand, mit dem ich mein Leben teilte.

Genauso wie Berlin ist eben Melbourne eine wunderbare Stadt, in der ich sicherlich Monate, wenn nicht sogar Jahre verbringen könnte und jeden Tag eine andere Ecke mit Faszination betrachten würde. Hier scheidet sich natürlich der Wille zum Reisen von dem Gedanken an das Bleiben, und hier stelle ich auch fest, wie sehr sich meine Motivation in den letzten Monat grundlegend geändert hat. Das erste Mal von zu Hause auszuziehen um mir ein bisschen “eigenes Leben” in der Fremde zu erwarten war nicht einfach, aber ich habe es irgendwie durchgezogen – nicht ohne durchpeitschende Tiefmomente, nicht ohne irgendwann kurz vor dem Ausrasten zu sein, nicht ohne mich unter Arbeit zu vergraben und nicht ohne charakterliche Hürden, aber man verzeiht sich selbst, wenn man jung ist. Es hat am Ende geklappt – am Ende, bevor ich reisen gegangen bin.

Viele Backpacker, die in Australien sind, waren vor Kurzem noch zu Hause und haben mit ihren Eltern eine Abiturabschiedsgrillparty gefeiert. Sie sind das erste Mal von zu Hause für längere Zeit unterwegs, frische 19 oder 20 Jahre alt, in vollem Willen, sich irgendwo niederzulassen und zu arbeiten und ein neues Land zu erkundigen, vielleicht eine neue Heimat zu finden, glücklich zu werden, Abenteuer zu erleben. Das alles scheint wie eine Illusion für mich, nicht, weil ich das nicht auch haben könnte, sondern weil ich durch und durch zu faul, zu müde bin, das noch mal durchzumachen. Ich will mich nicht auf das festlegen, was ich in Berlin verlassen habe, das Reisen hat mir gezeigt, dass es durchaus möglich ist, sich woanders zu Hause fühlen zu können. Aber in Asien hatte ich zwei komplette Vollidioten, die das mit mir geteilt haben, also zumindest ein Stück Heimat. Hier bin ich, mit gewisser Ausnahme, alleine. Ich suche mir alleine ein Hostel, ich ziehe tagsüber alleine durch die Gegend, ich lerne Menschen kennen (aber was für welche) und erschaudere bei der Vorstellung, mir wieder in einer neuen Stadt einen Job, eine Wohnung, einen Freundeskreis suchen zu müssen. Ein Grund dafür, wieso ich Australien bald den Rücken kehren werde. Finanziell gesehen ist Australien ein Ort, an dem man für längere Zeit bleibt. Ohne die oben genannten Faktoren ist das Bleiben aber nicht einfach. Here’s a thing: ich will reisen. Nicht bleiben.

Das ist einerseits befreiend und andererseits niederschmetternd, weil ich genau weiß, dass ich mir Berlin momentan nicht aussuchen kann. Ich möchte nicht sagen, dass es langsam Zeit wird, ernst zu werden und mal an die Zukunft zu denken, denn die Zukunft wird gerade jetzt in diesem Augenblick gelebt; aber es gibt Dinge, die ich machen möchte und auch durchziehen will, geistig verdummende Dinge wie etwa “studieren” (Gänsehaut), und auch, wenn ich Glück mit den Noten und Wartezeiten und so weiter hatte, Berlin ist nicht gnädig. Jeder will ein Stück von dem, was ich mal hatte, und ich habe mich aus diesem Mittelpunkt wieder in das Greencard-Roulette geworfen, weil die Reise jetzt erst einmal wichtiger war (oder ist).

Von Null anfangen lässt mich fast in Tränen ausbrechen, denn ich vermisse (!) meinen alten Trott tatsächlich. Oder vielmehr mein altes Leben in Berlin. Allerdings weiß ich auch, dass mein altes Leben nie wieder aktuell sein wird, mit oder ohne Berlin. Langsam muss ich mich wohl an den Gedanken gewöhnen. Es wird wohl bedeuten, dass ich schweben muss, in Unsicherheit, und in Neuanfängen. Schon wieder. Vielleicht sollte ich einfach für immer Reisen. Und plötzlich verstehe ich es, wenn manche Backpacker mich mit traurigen Augen angucken und sagen, sie könnten nie wieder nach Hause gehen, aus Angst, langsam zu verschwinden.

by yeahs in Urlaub


Es ist schon etwas anderes, wenn man morgens auf dem Weg zur Arbeit nicht nur das hässliche Bayer Schering Gebäude betrachten muss, während man schon wieder Visitenkarten wegen Auffahrunfällen an der gefährlichsten Kreuzung Berlins verteilt, sondern ausnahmsweise Mal am Wasser ist und das glücklich grün-schleimige Geplätscher der Spree einem vor der Nase rumglitzert. Ich meine, man kann sich ja in viele hässliche Dinge romantisch reinsteigern, die Spree ist definitiv keine davon, selten so furchtbar ungesundes Wasser gehabt, da schüttelt’s mich, in dem Fall kann man nicht einfach nur mehr “oh, typisch Berlin” sagen, das ist schon echt extrem scheisse eklig, diese Wurstbrühe.

Ich war trotzdem sehr glücklich, das Wasser zu sehen, da unten am Halleschen Tor, und in typischer Berlinmanier einen Anzugträger anzurempeln und ihn für seinen Spießer-Bourgoise-Job zu verurteilen. Das währte dann nur noch so lange, bis ich an der Französischen Straße ausstieg und mir bei Kaffee Einstein ungelogen einen Soja Cappuccino für 2,90 bestellte und mich dann innerlich darüber aufregte, wieso der Neue die Latte Art noch nicht richtig beigebracht bekommen hat, nur kurz bevor ich dann den Aufzug in mein anderes Leben betrat, kurz unter dem Anwaltsbüro und mit Ausblick auf die ganze Stadt in einem verglasten Komplex.

Aber immerhin nicht mehr lange.

by yeahs in Berlin Gangster


True dat. Von The Guardian:

What makes this so interesting is not just that retailers employ more than one in 10 British workers, or that supermarket bosses such as Terry Leahy or Justin King are often mimicked by executives in other businesses. It’s that management thinkers such as Tom Peters and Charles Handy have spent decades telling us that the workplace of the future is a shiny, hi-tech grotto where people are free to exercise initiative and innovate. Yet the reality is that innovation is imposed on staff and where initiative is encouraged it’s within heavily circumscribed borders. Grugulis and her colleagues note how one manager broke with orders on displaying goods; the resulting layout was far better, and yet he implored the academics not to take photos for fear head office would find out.

Not all routine is bad. The commutes, the tea breaks – these make up the essential scaffolding of our working days. But when more and more of your work is claimed by routine and control, it becomes hard to bear, especially when you have the qualifications that entitle you to expect more.

by yeahs in (Pop)Kultur


‘Mark Jaffe, who owns a high-end headhunting firm, wrote recently that the biggest threat to our economy is our egos. We’re angry, not depressed about our misfortunes right now. Angry, because, as he puts it… ‘we always want and feel that we deserve the absolute best of what anyone else has. Maybe what’s hurting most right now is the hangover resulting from an epidemic bender of self-esteem.’ – Source

Aus dem Reddit Thread einige Zitate zu diesem Artikel:

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by yeahs in Gangster


Einfach mal Kontrolle über das erringen, gegen das man immer machtlos sein wird: die verfluchte Zeit – die Nemesis der Gegenwart, die ohne Unterlass Rache an dir verübt und auf den Bewertungsskalen deiner Gedanken und deines Handelns (und Nicht-Handels) ihren ganz eigenen emotionalen Abdruck hinterlässt. Mann, sie ist stets bereit zu reagieren um dann doch nur wieder der eigene Film mit Werbepause zu bleiben. Sie ist und bleibt unkontrollierbarer Luxus – eine Erkenntnis, die einen regelmäßig erleuchtet ohne dass man aus ihr schlau wird.

Mann, was gäbe ich darum, diesen verdammten Dolorean vor meiner Tür stehen zu haben.

Fragen, die mich seit Monaten sehr beschäftigen und auch hin und wieder quälen: Wo ist meine Zeit geblieben und wie kann ich sie mir zurückerobern? Wie kann ich Kontrolle über die fehlende Zeit gewinnen, die doch unkontrollierbar bleibt? Wie kann ich verhindern, dass der Mangel an Zeit, das Schwinden der Freizeit mein Leben verändern?

[Grafik: Tebe Interesno]

Ich weiß auf diese Fragen keine Antworten, was wirklich ziemlich erschlagend ist, wenn man seit Monaten daran arbeitet, seine Alltagsmechanismen zu verstehen um dann daraus das beste für sich und sein soziales Umfeld zu machen.

Ich glaube fast, dass dieses Unterfangen unmöglich sein muss. Der perfekte Zeitpunkt um sich damit anzufreunden, dass das Leben wirklich nicht einfach ist.

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by B in Crystal Meth State of Mind


Im Sommer 2007 musste ich, um mein Taschengeld ein wenig aufzustocken, einen Job finden. Prompt nahm man mich in einer Gastwirtschaft, weil ich die einzige war, die sich bewarb. Und natürlich wegen meiner üppigen Oberweite. Ich hatte viel Spaß im Job, weshalb ich schon nach sechs Wochen wortwörtlich das Handtuch warf und mit meiner gesparten Kohle meine Schuldner beglückte. In einem schwachen Augenblick dokumentierte ich einige meiner Erlebnisse, und möchte, dass auch die Nachwelt noch in den Genuß meiner Eindrücke kommt…

restaurant

Kellnern: ein bisschen ist es ja wie in die Großstadt fahren und erstmal ohne Geld eine Existenz aufbauen, immer hart am Rande des Versagens, während man dann nachts zu Hause noch an seiner Kunst arbeitet. Rede ich hier von Coyote Ugly? Ja, ich rede hier von Coyote Ugly. Welch Überraschung also, dass ich nicht in einer Szene-Bar in NYC einen gewaltigen Strip auf der Tequila-Theke hinlege, sondern einem, nun ja, “gemütlichen” Biergarten im heimatlichen Kaff die fetten Fußballwampen bedienen muss.

Ich meine, ich arbeite in einer guten Gegend, nicht in irgendeiner Studententränke, nicht in einer öligen Asiaabsteige, nicht in der Russendisko aus dem Nachbarort. Es ist ein Restaurant mit gutem Ruf, in einer sauberen Gegend mit anständiger Kundschaft. Allerdings vermute ich eine gewisse Gleichheit unter Restaurantbesucher auf der ganzen Welt, unabhängig vom Ambiente und vom Preis: Man ist temporärer Sklave für Menschen, die ständig Sprüche raushauen. Sprüche, die, ganz grob gesagt, schlichtweg scheisse sind und definitiv gegen den ersten Artikel im Grundgesetz verstoßen. Manchmal hole ich extra mein Lexikon für Säufer und Arschlöcher raus, um sie zu verstehen.

“Hier wird nüschd weggehaun!”, wenn man ein Glas abräumen will, weil man nicht zehn Sekunden warten möchte, bis der Herr den letzten Spuckschluck auch ausgetrunken hat.

„Mach ma Luft naus.”, welches übersetzt bedeutet “Ey du Tier, du arbeitest doch hier, füll ma’ mein Glas auf!”.

Wirklich interessant wird es, wie ich letztens merken durfte, wenn das T-Shirt um einen Spalt nach unten verrutscht. Besonders an der Bar. In animalischer Gewalt werden da Wampen von exorbitanten Ausmaßen gezüchtet: Bier, Spare Ribs, Fußball, hin und wieder ein erleichternder Furz. In dem raren Augenblick, in dem dieses Ereignis statt findet –  oh mein Gott, zwei Millimeter Dekollté (umgangsprachlich als “Dökoll-te” bezeichnet) bei einer richtigen Frau mit richtigen Möpsen, die 40 Jahre Kampf mit der Schwerkraft noch vor sich haben – herrscht plötzlich Stille im Laden. Jedenfalls fast: man hört noch das übrig gebliebene, leises Frauengemurmel, welches normalerweise von den tiefen Bässen der Kneipenkaiser übertönt wird (und man ist sich ziemlich sicher, dass diese Grazien dazu erzogen wurden, nur über das Sortieren verschiedener Wäschesorten und/oder diverse Schweinsbratenrezepte Konversation zu führen). Und auf einmal ist es scheiss egal, welche Mannschaft verliert. Das Team besteht jetzt ausschließlich aus zwei Spielern: Meinen Titten.

Dann gibt es noch die Gesellschaften, die besonders hohe Ansprüche haben. Wie zum Beispiel: Bitte im Salat keinen Salat, das Dressing in einer extra Schüssel, Tomaten bitte schälen und die Gurken ohne Kerne. Gibt es die Schweinshaxe auch vegetarisch? Könnten wir bitte nach der siebten Ladung nochmal kostenlos Brot haben, weil wir zu geizig für ein Hauptgericht sind?

Mit gerührtem Pipi in den Augen musste ich später feststellen, dass mein Trinkgeld ungefähr doppelt so hoch ist wie mein Gehalt und plötzlich ist mir klar geworden, warum man sich Erniedrigungen wie “Haben sie nie gelernt, wie man ein Hefe zapft?!” ((WEIL ES IM LEBEN NICHTS WICHTIGERES GIBT, ALS ZU LERNEN, WIE MAN HEFE ZAPFT, DENN WENN MAN DAS NICHT WEISS KANN MAN DIREKT VOR DEN ZUG SPRINGEN, ABER SELBST DER WIRD EINEN BOGEN UM MICH HERUM MACHEN, WEIL, OH MEIN GOTT SIE KANN KEIN HEFE ZAPFEN, SIE VERDIENT NOCH NICHT MAL DEN TOD, SIE MUSS DIE HÖLLENLEIDEN IHRER SCHAM DURCHSTEHEN BEVOR SIE STERBEN DARF!)) antun will, ja aufgrund dieser wirtschaftlichen Ebene regelreicht gezwungen dazu bin.

Denn am Ende des Tages, wenn der Jungesellenabschied den Synapsenfasching feiert und später noch laute Parolen durch den Laden schreit (sowas wie “Und wirft der Arsch auch falten, wir bleiben doch die Alten“) und ich in der Ecke stehe und mich fremdschäme für diese Bestien und warum ich jetzt auch noch deren Geschiss wegräumen muss, UND KANN MAN EIGENTLICH AUCH IN DIE ASCHENBECHER ASCHEN ODER IST DAS ZU SCHWER FÜR EUCH IHR PENNER, fuck dude, am Ende des Tages gehe ich nach Hause mit richtig vielen Geldscheinen und wundere mich, was ich dafür eigentlich ganz aktiv getan habe: Ich habe mein Gehirn ausgeschaltet, dann habe ich Teller und Gläser serviert so wie abgeräumt. Manchmal hab ich es auch nicht so weit geschafft, weil ich ein Körperklaus bin und gerne Dinge fallen lassen. Und manchmal muss ich fast lachen, wenn meine Kollegin an der Bar steht, spaßeshalber “Geschüttelt oder gerührt?” fragt und als Antwort vom Stammidioten “Ich wäre gerührt, wenn du mir einen schüttelst” kommt. Ich lache aber eben nur fast. Aus Protest.

Ich bin auch nicht wirklich gut in diesem Job. Mein Gott, ja, als gute Tochter arabische Eltern hätte ich das servieren natürlich aus dem FF können müssen, aber wie es das Schicksal wollte, rebellierte ich gegen diese Klischees. Ich vergesse ständig, welche Gläser für welches Getränk sind, ganz zu schweigen von den Tischnummern (es macht ja auch VOLLKOMMEN und RECHTMÄSSIG Sinn, dass in einem Restaurant mit knapp 30 Tischen alle Tische dreistellige Zahlen haben. Ich meine, what?), und außerdem kann ich noch keine Fragen zur Speisekarte beantworten, weil ich mir schon merken muss, welche Weine nach was schmecken. “Nuss. Frucht. Bitter.”

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Ich dachte früher immer, Kellnern wäre der erste Schritt zum Hartgeldstrich, mittlerweile glaube ich aber, dass es genau andersherum der Fall ist. Wer gekellnert hat, freut sich auf die Prostitution, weil da die Kunden wenigstens noch dankbar für diese Aufopferungstat sind. Und man verdient sich dumm und dämlich. Im Restaurant? Tja, da ist man nur Abschaum, wird von allen Seiten zusammengebrüllt und hat meistens dabei auch noch Achselkaffee unter’m Arm. Kellnern ist wie Sex. Alleine. Ohne Hände.

Das Problem bei der ganzen Demütigungsgeschichte ist aber eigentlich nur, dass ich mich selbst in den Gästen wiedersehe. Die Drecksteenager, die das Geld ihrer Eltern für Porsche und eine XBox 360 ausgeben dürfen, weil Mami und Papi halt können, genießen süffisant ihre Apfelschorlen und ein Garnelenpfännchen (“Bitte ohne Knoblauch, man weiß ja nie welchen Traumprinzen man noch trifft, HAR HAR FUCKING HAR“), räkeln sich dabei genüsslich unter dem strahlend weißen Sonnenschirm, rauchen ihre Marlboros und sehen aus wie aus der Raffaelo-Werbung rausgekackt: das sind die, die die Bedienung behandeln wie den letzten Dreck. Außer sie sehen gut aus (“oh Gott, das ist ein Arschpirat, HUNDERPRO, schwul, definitiv, egal, ich himmel ihn trotzdem bis ins Verderben an!”). Das machen sie, weil sie überzeugt davon sind, nie in dieser Hölle des einfachen Handwerks zu landen,  oh Gott, wie kann man nur anderen Menschen DAS ESSEN AN DEN TISCH BRINGEN ICH GEH LIEBER KLEBER INHALIEREN. DAS, meine lieben Leute, DAS bin ich. Das wäre ich zumindest, wären meine Eltern reich und würden mir hin und wieder Diamant in den Arsch blasen.

Aber ich denke, jeder Kellner muss schlecht behandelt werden, damit auch jeder Kellner zu dieser grundsätzlichen Erleuchtung kommt, es ist sozusagen ein gewisses berufliches Privileg, weil der Kellnerjob etwas so besonderes ist, ein Einblick in die Psyche der Menschheit, wenn man will. Einfach für einige Stunden eine so mittelalterliche Rolle einnehmen und feststellen, dass man nichts anderes ist als das einfach Proletariat. S, die Bierschubse.

Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte.

by yeahs in Crystal Meth State of Mind


Was später eine riesige Herausforderung werden wird, ist nicht so zu werden, was man immer verabscheut hat. Man kann nämlich gar nicht so schnell gucken – Bämm – ist man ruckizucki wie Dr. Joe Gerner aus GZSZ und schläft mit einer Frau, die ihrer Tochter vorgibt, ihre Schwester zu sein, damit die Kamera einen Grund hat mal ordentlich ins Close-up zu gehen um die ganzen schockierten Visagen ins Visier zu nehmen, wenn die nächste schmierige Intrige aufgedeckt wird. Einmal wie der gute Herm in der U-Bahn neben einem in der Daily-Soap bereits verstorbenen Darsteller sitzen. Nur einmal. Mann. Wir brauchen definitiv mehr Fokus.

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So vom Tischlersohn in fancy Schornseinfeger-Outfit, den man nie malochen und stehts im “Mokka” rumchillen sieht, wie er seinem neuen schwulen Kumpel voll tolerant die Hand gibt. Ist irgendwem mal aufgefallen – bevor ich zur eigentlichen Sache zurückkomme – dass die in GZSZ immer irgendwelche Getränke bestellen, die sie dann nicht trinken um sie dann mit einem fürstlichen Trinkgeld von 20 Euro stehen zu lassen? Und überhaupt: Wann arbeitet dieser komische Joe Gerner überhaupt? Ständig sieht man ihn finster und schmierig grinsend an einer Kamera vorbeischielen. Als würde die Welt nur aus ihm und Gott bestehen, den es zu erledigen gilt. Dieser Blick erinnert mich ein bisschen an mich selber, wie ich mich früher an meiner Schwester gerächt habe, wenn sie mich mal wieder verpetzt oder Leuten erzählt hat, ich sei im Besitz einer Spice-Girls-CD. Ja, es ist wahr. Aber grundgütiger, es war 1996, ich war im Stimmbruch und bekam Haare an den Genitalien. Joe Gerner saß damals noch im Rollstuhl und war der Endgegner der Miesepetrigkeit. Sorry, aber das sind alles Umstände, die es zu berücksichtigen gilt.

Auf jeden Fall hab ich dann angefangen, die Umstände so zu drehen, dass meine Schwester leiden musste. Ich war damals schon subversiv freischaffend und schlich nachts in ihr Zimmer um ihr Tamagotchi zu reseten oder ihr Fireball-Jojo so zu manipulieren, dass der Leerlauf nicht mehr funktionierte. Es hat sie ganz langsam über einen längeren Zeitraum zermürbt und ich habe mich daran gelabt. Also so wie Joe Gerner aus GZSZ. Ich habe dann auch finster in eine imaginäre Kamera gelächelt und so getan, als würde hinter der ganzen Intrige ein tieferer Sinn bzw. ein akribischer Plan stecken.

So. Das war jetzt ein viel zu ausführliches Intro. Was ich eigentlich nur sagen wollte: Wer so werden will wie Joe Gerner, der schleudert in seiner Freieit auch Katzen am Schwanz durch die Luft und gibt feuchte Fuzzies.

Und um noch konkreter zu werden: Erwachsenwerden gefällt einem im Normalfall nicht sonderlich, aber man spielt mit, weil es witzigerweise genau das Dilemma ist, das das Leben zu einem Normalfall macht. Schon komisch irgendwie. Erwachsen zu sein ist im Gegensatz zum Erwachsenwerden nochmal viel seltsamer. Vor allem, wenn man dazu irgendwie gezwungen wird. Ich zum Beispiel sitze gerade (es ist 6:59 Uhr morgens) im Zug nach München, wegen Arbeit. Im Moment könnte es auch an der morgentlichen Wintermelancholie liegen, aber müsste ich mich jetzt mit zwei Songs zudecken, dann wären das I WALK THE LNE von Johnny Cash und NEEDLE IN THE HAY von Elliott Smith. Voll oft merke ich, wie ich aufpasse, was ich zu anderen sage. Das ist neu. Aber auch irgendwie gut. Man findet es prinzipiell gut, wenn man Dinge an sich beobachtet, die einen reifer wirken lassen.

Erst gestern abend hatte ich ein ganz gutes Gespräch mit meiner neuen Mitbewohnerin, die gerade 19 oder 20 ist. Sie macht viel Party und verkörpert all das, was ich jetzt nur noch verachte, weil ich es nicht mehr machen kann. Und sie hat voll die guten, aber auch phrasenhaften und naiven Dinge vonn sich gegeben. Ich saß daneben und habe versucht zu verstehen, wie sie die Dinge und die Welt sieht.

Das fällt mir wirklich schwer mittlerweile, wenn es um Hedonismus geht. Da muss ich mich stetig in Toleranz üben. Aber ich habe „Cool“ gesagt und zugehört. Das klingt voll einfach. Aber wenn fast so gut wie jeder in meinem Umfeld noch studiert oder nur am Partymachen ist, dann ist das wirklich sehr schwer. Und man fühlt sich oft sehr einsam oder wie in dem Song NEEDLE IN THE HAY.

Mich unterscheidet eigentlich kaum was von meiner Mitbewohnerin. Außer dass ich eben hin und wieder Verantwortung für mein Leben übernehmen muss. Ganz alleine. Ich muss gucken, was meine Lebensversicherung macht. Muss meine Berufsunfähigkeitsversicherung bezahlen, jeden Tag zehn Stunden auf Arbeit sein und viel überlegen. Ich muss mich in meiner Freizeit dazu zwingen, nicht Fernsehen zu gucken, sondern auch mal zu lesen. Ich muss dafür sorgen, dass ich nicht nur außschließlich von Tiefkühlscheiße lebe. Ich muss mich zwingen, meine Freunde gerne zu sehen. Ich muss mich in Toleranz üben, anderen gegenüber, die noch ein Stück weit länger schlafen können als ich. Ich darf meinen Status nicht vorschieben, um auf andere herunterzublicken oder zu verachten. Ich übernehme volle Verantwortung für die Frau, die ich liebe.

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Muss meine Zeit managen. Ich muss mir Gedanken darüber machen, dass ich morgens aufstehe, obwohl ich das was ich gerade mache, manchmal einfach nicht leiden kann. Und was ist überhaupt wenn ich weinen will oder wütend bin? Wann soll ich das machen? Erwachsen zu sein, heißt Spontanität gegen Verantwortung an vielen Ecken und Enden einfach auszutauschen. Und damit komme mal einer klar, der vor einem oder zwei Jahren noch völlig anders gelebt hat. Und was ich schlussendlich nicht vergessen darf: Ich sollte nicht jammern, denn ist eigentlich mehr als okay und fair. Ich bin mir gegenüber sehr fair.

Das hätte man mir aber alles mal vorher sagen sollen, dann wäre das nicht so eine große Umstellung gewesen. Dann müsste ich jetzt nicht so bewusst darauf aufpassen, das zu werden, was ich nie werden wollte: Ein bescheuerte Hedonist, der sich von seiner Jugend nicht trennen kann, weil er es als unfair empfindet, nicht mehr mitspielen zu können.

So wie Andreas Elzholz, den ich damals, als ich in Berlin noch an einer Tankstelle arbeitete, bediente und der wirklich sehr freundlich war. Der durfte auch nicht mehr bei GZSZ mitspielen. Aber GZSZ ist nicht wahre Leben. Wissen auch nicht viele, glaube ich.

[Bilder via yay!everyday]

by B in Musik