Bachelor of Hartz

Veröffentlicht August 24, 2011

Ich werde also mein dekadentes Luxusleben der 40-Stunden-Woche ablegen um wieder für einige Jahre (hoffentlich mehr als vierzig) ein Liebe-gesteuertes Hippie-Kind mit filzigen Dreadlocks zu spielen. Ich werde mir an sonnigen Nachmittagen im Park die Haare aus der Arschritze ziehen, werde Dienstagmorgens verschwitzt und komplett zerstört aus einer Party direkt in die Uni hechten, um für 1,50 miesen Kater-Fraß zu inhalieren und verteile an diversen Semesterparties Blowjobs auf den Männerklos.

So ist das. In meiner Freizeit werde ich oft und gerne bei Poetryslams anwesend sein und beim Klatschen aufstehen. Ich werde die großen Philosophen kennen lernen und mit meinen Freunden bei gutem Wein, der mehr als fünf Ösen kostet, über die wichtigen Dinge des Lebens reden: behaarte Achseln, die Wichtigkeit der Demokratie, koreanische Delikatessen, hungernde Kinder im Kongo und medizinische Ethik. All das wird gesponsort vom Staat, denn zuerst wird der kilometerlange Bafög-Antrag bearbeitet, dann wird man direkt zum Hartz-4 Amt weitergereicht. Und was sollte man als angebrochener Mensch mit einem Bachelor in Kulturwissenschaften auch sonst tun? Im besten Fall bricht man wahrscheinlich nach dem 4. Semester ab um Drillinge auf die Welt zu setzen – dann ist es eh nicht mehr mein Problem. Im schlechtesten Fall bricht man trotzdem ab, dann kann man wenigstens behaupten, man hätte nicht seine Zeit verschwendet, um dann doch dasselbe Resultat zu produzieren.

Ich sag euch ehrlich wie es ist: wenn das bedeutet, dass ich die nächsten 6 Jahre gediegen kiffen kann (wenn auch nur unter gelegentlichem Besuch des Hartgeldstrichs), dann nehme ich die darauffolgende Arbeitslosigkeit gerne in Kauf. Scheisse noch mal, vielleicht überlebt das Wirtschaftssystem ja auch nur, wenn es so Menschen wie mich gibt. Menschen, die sich selber umbringen möchten, wenn sie morgens ins Büro gehen um Arbeiten zu verrichten, die keinerlei gesellschaftlichen Zweck erfüllen. Seriously. Ich bin so weit, putzen zu gehen, Kindernanny zu spielen, im Zirkus als behaarteste Frau aller Zeiten aufzutreten, nur damit das ein Ende hat. Nicht, dass ich mir das je aussuchen könnte, immerhin muss ich ja auch irgendwie Klopapier kaufen. Und Make Up. Hauptsächlich Make Up.

Das ist also der Stand der Sachen: ich werde wieder Hippy, ich werde höchstwahrscheinlich auch wieder pleite sein. Ich werde wieder mehr Zeit für solche lapidaren Dinge wie “mich selbst mitteilen” haben, ich werde eventuell auch irgendwann irgendwas gegen diese Geschlechtskrankheiten tun, die sich “Stresspickel” nennen und zu einer kompletten Sammlung aller Rot-Töne in meinem Gesicht sorgen.

 
 

Work It

Veröffentlicht July 28, 2011

Seitdem ich wieder einer beruflichen Tätigkeit nachgehe, umgangsprachlich auch „Arbeit“, „Maloche“ oder „Hartgeldstrich“ genannt, ist die Sprachlosigkeit wieder öfter Gast in meinem Geist. Sie macht sich abends gerne auf der ewigen Couch des Glücks breit und betäubt den Rest meines Körpers wie ein professioneller Anästhesist bei seinem täglichen Abspritz-Ritual. Die Sprachlosigkeit, die mich zu einem lethargischen Zombie macht, die mir die Falten in die Stirn brennt und meine Prioritäten verschiebt. Nicht mehr der Wunsch nach Freiheit und Liebe und Gerechtigkeit bestimmt mein Dasein, sondern lediglich der Traum vom langen, ungestörten Schlaf, oder auch mehr Kaffee, je nachdem, wie viel Uhr es ist.

Die Sprachlosigkeit kommt nicht etwa davon, dass ich in einem Call Center sitze und viel rede; im Gegenteil. Ich mache es mir zur größten Aufgabe, so wenig wie möglich das für Satzbildung verantwortliche Gehirnfeld zu betätigen. Zwischen Zehn und Achtzehn Uhr gilt für mich: so lange ich kann sage ich einfach nichts. Leider zieht sich das auch in das Gefilde meiner Freizeit, denn mein Leben macht gerade einen eigenen kleinen Paradigmenwechsel durch. Genauso wie damals, als ich aufgehört habe zu arbeiten. Schalter an, Schalter aus. Ich weiß auch, dass sich das irgendwann einpendeln wird, eine Balance sich einstellt. In dieser Phase ist man dann auf diese lethargische, selbstgerechte Art und Weise auch zufrieden und redet sich ein, dass alles so ist, wie es sein muss. Hoffentlich wird es nie so weit kommen, das ist eine ganz schlimme Zeit. Sie ist illusionär. Wenigstens kann ich in meiner jetzigen, unbequemen Lage noch klar denken und das Wehwehchen identifizieren. Im gehirnamputierten, dauerbreiten Arbeitergrinsen der wirtschaftsinfizierten Welt der fleißigen Arbeiterbienchen ist es dann nicht mehr so einfach.

Nein, die Sprachlosigkeit stammt aus der Distanz zwischen beiden Leben, die ich führe: das, welches meine Freunde so schätzen und lieben, und das, welches mich so weit vor ihnen weg schiebt. Jeden morgen reise ich aus meinem kleinen Kiez heraus, auch auf symbolischem Weg verabschiede ich mich damit auch jeden Tag davon, ein Teil „davon“ zu sein. Vom Leben im Sommer in Berlin mit einer wohlgewählten Familie. Abends, wenn der Schalter wieder umklappt und ich auf meinem Weg zurück bin, kann ich den Alltag nicht aufholen- nur noch den Abend teilen. Einen Abend, an dem ich von nichts erzählen kann, denn keiner teilt meine (zwar unkomplizierte, aber trotzdem sehr umfangreiche und totlangweilige) kleine Galaxie der Festanstellung.

Und ich beschwere mich nicht über das Glück, dass ich habe, in so einem Alter mit solchen (sprich: gar keinen) Qualifikationen an so einen Job zu kommen. Dafür würden sich andere die rechte Hand abhaken und drei Jahre im Wanderzirkus Freak spielen. It is what it is. Dennoch darf – und will – ich auch nicht aufgeben, was ich mir so hart (so hart war‘s nicht) aufgebaut habe. Nämlich solch hippie-esquen Dinge wie „Lebensgefühl“ und „Zugehörigkeit“. Das ganze Konfetti-Ding, was ich schon oft genug betone, ich will es selber gar nicht mehr hören. Ich hätte am liebsten beides, und doch muss immer eines davon zurücktreten, zumindest jetzt noch, wo ich keine einzige Entscheidung treffen kann, die permanent ist. So weit ist es noch nicht.

Aber der Kopf arbeitet den ganzen Tag. Die Müdigkeit holt einen ein, die Trägheit, die Erschöpfung davon, Dinge zu tun, die nicht bewegen. Die keinen größeren Ziele verfolgen. Ich bin ein Fan von Zielen. Meine weinerlichen Beschwerden rühren nicht daher, dass ich jetzt einem Bürojob nachgehe, ich spüre jetzt auch nicht sonderlich das Verlangen, später mal zu großen, weltverbessernden Dingen berufen zu werden. Das meine ich nicht. Allerdings habe ich sehr großen Respekt davor, abzustumpfen. Ich spüre jetzt schon, wie meine Gedanken wieder hauptsächlich um die Realität kreisen. Wie ich Träume und Vorstellungen begrabe, weil sie keinen Raum in einer Welt voller Effizienz und Prozesse finden. Einfach so ist alles Kreative und Rebellische, egal, wie klein es vorher war, einfach stillgelegt. Es ist da, aber es funktioniert nicht. Der Idealismus, auch wenn fehlgeschlagen und deplaziert, blättert ab.

Meine Jugend. Ich vergesse sie in dem Augenblick, wo ich mich voll auf meine mir selbst auferlegt Aufgabe konzentriere. Ich verbittere. Nein, das ist so weit noch nicht; aber ich habe Angst davor, dass es wieder kommt, dieses Gefühl der absoluten Nutzlosigkeit, das Gefühl, nichts zu tun. Und dann doch diese Müdigkeit, die beweist, dass aber irgendwas schlaucht. Vielleicht sogar irreperable Schaden hinterlässt.

Meine Dankbarkeit – vor allem meine Dankbarkeit für mich selber – ist unermesslich. Ich werfe keine Gelegenheiten weg, so bin ich nicht. Ich motze nicht grundlos, wenn überhaupt, dann Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen, aber ich bin auch nur ein Mensch. Aber Angst habe ich. Und ich hoffe, dass ich diese Angst immer haben werde.

Work It · Kategorien: Realwelt · 2 Kommentare
 
 

Sommerloch

Veröffentlicht July 10, 2011

Heute wird man nur noch ein lautes, resigniertes Seufzen hören, wenn man mich trifft. Nach fast einem Jahr der Hamsterradabstinenz geht es nun (“endlich”) weiter mit dem richtigen Leben: Morgen ist Montag. Der erste Montag in einem neuen Leben, bespickt mit Arbeit und einem Studium und einer eigenen Wohnung und einer BZ und einem Kaffee Togo und vielleicht auch endlich mal einem Fahrrad und überhaupt. Ein neuer Computer, ein festes Einkommen, 27 Tage Urlaub im Jahr, Abends kaputt sein, in ein paar Jahren kann man dann über Kinder und Hochzeit nachdenken. Sowieso: ich nahm mir ein Jahr frei und fand mich selbst an einem völlig anderem Ort unter völlig anderen Umständen wieder.

Ich reiste, ich lebte, ich kotzte ab, ich weinte, ich küsste und liebte und ich vermisste und hoffte und jetzt bündelt sich das alles in einem Sommerloch. Ninetofive meets reguläre Verrücktheit in der Hauptstadt. Ich kann nicht sagen, dass ich traurig darüber bin, denn jede neue Entscheidung für einen weiteren Schritt Richtung Zukunft ist bisher eine gute; und auch die doofen, störenden Wege, die man genommen hat, führten letztendlich immer wieder zu ausschließlich positiven Erfahrungen und weicher Haut und Käsekuchen.

Die großen Pläne werden jetzt mit dem besten Qualitätsholz befeuert: im Oktober wird wieder alles anders, und bis dahin muss noch einiges getan werden. Wir riefen Arbeitskräfte, es kamen YeahSaras.

Sommerloch · Kategorien: Realwelt · Ein Kommentar
 
 

Freunde auf Reisen

Veröffentlicht May 26, 2011

Vom engen NYC wieder ins gefühlt riesige Berlin einreisen… eine Mischung aus Freude und Reisewehmut stellt sich ein. Aber nicht so große Gefühlsexplosionen, dass die Müdigkeit darunter verschwinden würde. Leider.

Nur ist die Hood nicht Hood ohne ein vollständiges Crew-Set; meine allerliebsten Jungs, Maggi und Nico, die die Video-Welt zum Erzittern bringen und sich vor nichts fürchten, sind gerade mit dem Freunde von Freunden Team unterwegs und weisen den Planeten ein. Guckt euch ihre Freizeitdokumentationen auf dem FvF-Tumblr an und schwärmt ein bisschen mit.

Freunde auf Reisen · Kategorien: Netzwelt Weltreise · Comments Off
 
 

Melbourne – My House

Veröffentlicht January 20, 2011

Es gibt kaum eine Möglichkeit, das irgendwie charmant, eloquent oder gar weise auszudrücken, deshalb werde ich es hier in den simpelsten Worten einfach niederwerfen, so, wie es sich nämlich anfühlt: alleine reisen ist nicht so toll. Wenn erst einmal die größten Hürden überwunden sind, die Erfahrungen, die neuen Menschen im Umfeld, die Eindrücke und das Geschehene sorgfältigt eingeordnet und ordentlich katalogisiert wurden, bleibt einem nichts anderes mehr übrig außer sich geschlagen zu geben, frische Luft einzuatmen und trotzdem noch alleine zu sein. Fotografieren macht kaum Spaß, wenn man alleine – der verlassene Tourist – auf der Straße steht und die Leute einen anglotzen, als sei man ein Alien, weil man völlig entzückt ist von einer bemalten Wand. Es macht keinen Spaß, ganz viele, großartige Bars zu sehen, in die man sich nur mit seinem imaginären Freund setzen kann. Shoppen, ohne am Ende jemanden zu haben, der einem zu den großartigen Schnäppchen gratulieren kann. Selbst wenn man Menschen trifft, die nicht ganz so schlimm sind wie das herkömmliche Hostelpack, selbst dann muss man sich ein bisschen dazu zwingen, nicht an die Wärme und das Verständnis und den Humor seiner liebsten Menschen zu denken. Selbst in den Momenten, wo alles nicht richtig läuft und man sich nur mal kurz aufregen möchte, muss man eine E-Mail schreiben um zu vermitteln, was eigentlich gerade passiert.

Melbourne wirft mich in einen seltsamen Zustand zurück, ja, katapultiert mich geradezu wieder in eine Zeit, die ich so nur aus meinen ersten Monaten aus Berlin kenne. Ich erinnere mich daran, wie ich die Leute beneidete, die in dieser großen Stadt einen Zufluchtsort gefunden hatten. Ich würde in Kreuzberg durch die Straßen schlendern und zusehen, wie die wunderbaren Kaffees von schnatternden Menschen bevölkert wurden und traute mich nicht, mich alleine hinzusetzen und meinen Kaffee alleine zu genießen. Ich hasste es, in meiner Küche zu stehen und für mich alleine zu kochen, niemanden anrufen zu können, der mal schnell vorbeikommt um einen Film zu gucken. Niemand, mit dem ich mein Leben teilte.

Genauso wie Berlin ist eben Melbourne eine wunderbare Stadt, in der ich sicherlich Monate, wenn nicht sogar Jahre verbringen könnte und jeden Tag eine andere Ecke mit Faszination betrachten würde. Hier scheidet sich natürlich der Wille zum Reisen von dem Gedanken an das Bleiben, und hier stelle ich auch fest, wie sehr sich meine Motivation in den letzten Monat grundlegend geändert hat. Das erste Mal von zu Hause auszuziehen um mir ein bisschen “eigenes Leben” in der Fremde zu erwarten war nicht einfach, aber ich habe es irgendwie durchgezogen – nicht ohne durchpeitschende Tiefmomente, nicht ohne irgendwann kurz vor dem Ausrasten zu sein, nicht ohne mich unter Arbeit zu vergraben und nicht ohne charakterliche Hürden, aber man verzeiht sich selbst, wenn man jung ist. Es hat am Ende geklappt – am Ende, bevor ich reisen gegangen bin.

Viele Backpacker, die in Australien sind, waren vor Kurzem noch zu Hause und haben mit ihren Eltern eine Abiturabschiedsgrillparty gefeiert. Sie sind das erste Mal von zu Hause für längere Zeit unterwegs, frische 19 oder 20 Jahre alt, in vollem Willen, sich irgendwo niederzulassen und zu arbeiten und ein neues Land zu erkundigen, vielleicht eine neue Heimat zu finden, glücklich zu werden, Abenteuer zu erleben. Das alles scheint wie eine Illusion für mich, nicht, weil ich das nicht auch haben könnte, sondern weil ich durch und durch zu faul, zu müde bin, das noch mal durchzumachen. Ich will mich nicht auf das festlegen, was ich in Berlin verlassen habe, das Reisen hat mir gezeigt, dass es durchaus möglich ist, sich woanders zu Hause fühlen zu können. Aber in Asien hatte ich zwei komplette Vollidioten, die das mit mir geteilt haben, also zumindest ein Stück Heimat. Hier bin ich, mit gewisser Ausnahme, alleine. Ich suche mir alleine ein Hostel, ich ziehe tagsüber alleine durch die Gegend, ich lerne Menschen kennen (aber was für welche) und erschaudere bei der Vorstellung, mir wieder in einer neuen Stadt einen Job, eine Wohnung, einen Freundeskreis suchen zu müssen. Ein Grund dafür, wieso ich Australien bald den Rücken kehren werde. Finanziell gesehen ist Australien ein Ort, an dem man für längere Zeit bleibt. Ohne die oben genannten Faktoren ist das Bleiben aber nicht einfach. Here’s a thing: ich will reisen. Nicht bleiben.

Das ist einerseits befreiend und andererseits niederschmetternd, weil ich genau weiß, dass ich mir Berlin momentan nicht aussuchen kann. Ich möchte nicht sagen, dass es langsam Zeit wird, ernst zu werden und mal an die Zukunft zu denken, denn die Zukunft wird gerade jetzt in diesem Augenblick gelebt; aber es gibt Dinge, die ich machen möchte und auch durchziehen will, geistig verdummende Dinge wie etwa “studieren” (Gänsehaut), und auch, wenn ich Glück mit den Noten und Wartezeiten und so weiter hatte, Berlin ist nicht gnädig. Jeder will ein Stück von dem, was ich mal hatte, und ich habe mich aus diesem Mittelpunkt wieder in das Greencard-Roulette geworfen, weil die Reise jetzt erst einmal wichtiger war (oder ist).

Von Null anfangen lässt mich fast in Tränen ausbrechen, denn ich vermisse (!) meinen alten Trott tatsächlich. Oder vielmehr mein altes Leben in Berlin. Allerdings weiß ich auch, dass mein altes Leben nie wieder aktuell sein wird, mit oder ohne Berlin. Langsam muss ich mich wohl an den Gedanken gewöhnen. Es wird wohl bedeuten, dass ich schweben muss, in Unsicherheit, und in Neuanfängen. Schon wieder. Vielleicht sollte ich einfach für immer Reisen. Und plötzlich verstehe ich es, wenn manche Backpacker mich mit traurigen Augen angucken und sagen, sie könnten nie wieder nach Hause gehen, aus Angst, langsam zu verschwinden.

 
 

Hood Rats

Veröffentlicht September 1, 2010

Es ist schon etwas anderes, wenn man morgens auf dem Weg zur Arbeit nicht nur das hässliche Bayer Schering Gebäude betrachten muss, während man schon wieder Visitenkarten wegen Auffahrunfällen an der gefährlichsten Kreuzung Berlins verteilt, sondern ausnahmsweise Mal am Wasser ist und das glücklich grün-schleimige Geplätscher der Spree einem vor der Nase rumglitzert. Ich meine, man kann sich ja in viele hässliche Dinge romantisch reinsteigern, die Spree ist definitiv keine davon, selten so furchtbar ungesundes Wasser gehabt, da schüttelt’s mich, in dem Fall kann man nicht einfach nur mehr “oh, typisch Berlin” sagen, das ist schon echt extrem scheisse eklig, diese Wurstbrühe.

Ich war trotzdem sehr glücklich, das Wasser zu sehen, da unten am Halleschen Tor, und in typischer Berlinmanier einen Anzugträger anzurempeln und ihn für seinen Spießer-Bourgoise-Job zu verurteilen. Das währte dann nur noch so lange, bis ich an der Französischen Straße ausstieg und mir bei Kaffee Einstein ungelogen einen Soja Cappuccino für 2,90 bestellte und mich dann innerlich darüber aufregte, wieso der Neue die Latte Art noch nicht richtig beigebracht bekommen hat, nur kurz bevor ich dann den Aufzug in mein anderes Leben betrat, kurz unter dem Anwaltsbüro und mit Ausblick auf die ganze Stadt in einem verglasten Komplex.

Aber immerhin nicht mehr lange.

 
 

Why Our Jobs Are Getting Worse

Veröffentlicht August 31, 2010

True dat. Von The Guardian:

What makes this so interesting is not just that retailers employ more than one in 10 British workers, or that supermarket bosses such as Terry Leahy or Justin King are often mimicked by executives in other businesses. It’s that management thinkers such as Tom Peters and Charles Handy have spent decades telling us that the workplace of the future is a shiny, hi-tech grotto where people are free to exercise initiative and innovate. Yet the reality is that innovation is imposed on staff and where initiative is encouraged it’s within heavily circumscribed borders. Grugulis and her colleagues note how one manager broke with orders on displaying goods; the resulting layout was far better, and yet he implored the academics not to take photos for fear head office would find out.

Not all routine is bad. The commutes, the tea breaks – these make up the essential scaffolding of our working days. But when more and more of your work is claimed by routine and control, it becomes hard to bear, especially when you have the qualifications that entitle you to expect more.

 
 

My Generation

Veröffentlicht April 8, 2010

‘Mark Jaffe, who owns a high-end headhunting firm, wrote recently that the biggest threat to our economy is our egos. We’re angry, not depressed about our misfortunes right now. Angry, because, as he puts it… ‘we always want and feel that we deserve the absolute best of what anyone else has. Maybe what’s hurting most right now is the hangover resulting from an epidemic bender of self-esteem.’ – Source

Aus dem Reddit Thread einige Zitate zu diesem Artikel:

[Weiterlesen]

 
 

Bei allem, was man ist

Veröffentlicht January 14, 2010

Einfach mal Kontrolle über das erringen, gegen das man immer machtlos sein wird: die verfluchte Zeit – die Nemesis der Gegenwart, die ohne Unterlass Rache an dir verübt und auf den Bewertungsskalen deiner Gedanken und deines Handelns (und Nicht-Handels) ihren ganz eigenen emotionalen Abdruck hinterlässt. Mann, sie ist stets bereit zu reagieren um dann doch nur wieder der eigene Film mit Werbepause zu bleiben. Sie ist und bleibt unkontrollierbarer Luxus – eine Erkenntnis, die einen regelmäßig erleuchtet ohne dass man aus ihr schlau wird.

Mann, was gäbe ich darum, diesen verdammten Dolorean vor meiner Tür stehen zu haben.

Fragen, die mich seit Monaten sehr beschäftigen und auch hin und wieder quälen: Wo ist meine Zeit geblieben und wie kann ich sie mir zurückerobern? Wie kann ich Kontrolle über die fehlende Zeit gewinnen, die doch unkontrollierbar bleibt? Wie kann ich verhindern, dass der Mangel an Zeit, das Schwinden der Freizeit mein Leben verändern?

[Grafik: Tebe Interesno]

Ich weiß auf diese Fragen keine Antworten, was wirklich ziemlich erschlagend ist, wenn man seit Monaten daran arbeitet, seine Alltagsmechanismen zu verstehen um dann daraus das beste für sich und sein soziales Umfeld zu machen.

Ich glaube fast, dass dieses Unterfangen unmöglich sein muss. Der perfekte Zeitpunkt um sich damit anzufreunden, dass das Leben wirklich nicht einfach ist.

[Weiterlesen]

 
 

Denkmaschine/Arbeit

Veröffentlicht December 18, 2009

Ein Jahr Arbeit. Und weil einem bei durchschnittlich 36 Stunden am Tag Arbeit nicht viel Liebe und Zuneigung als die von den Arbeitskollegen übrig bleibt ((die nicht weniger wert ist, nur weil es Arbeitskollegen sind/die definitiv weniger wert ist, weil es Arbeitskollegen sind; ich kann mich da nicht entscheiden)), brauche ich gar nicht so zu tun, als würde mich das nicht irgendwie seelisch berühren.

Vor allem brauche ich nicht so zu tun, als hätte ich das letzte Jahr irgendetwas anderes gemacht, als viel und begeistert zu arbeiten. Die Begeisterung für den Job hat auch nicht aufgehört, nur ein bisschen müde wird man bei minus siebentausend Grad… Arbeit ist eben Arbeit, und es wäre jetzt viel zu einfach, sich darüber aufzuregen. Lieber gestatte ich euch einen objektiven Einblick in meinen Alltag mit den Pappnasen aus dem Büro. Langweilig? Hier geht’s immerhin um mich!

Außerdem, wer kann dieser Denkerpose schon widerstehen?

Denkerpose

Mehr davon gibt’s auf “meinem” anderen Blog (wenn wir ehrlich sind, kann ich die Anführungszeichen auch weglassen. Es ist faktisch gesehen mein Blog, auch wenn da ein Corporate Logo dahinter steht. Irgendwann werde ich dort Nacktbilder von mir veröffentlichen und es einen Marketing-Gag nennen). Der gutaussehende Mann auf dem Bild, der eine mir ähnliche Gehirnleistung erbringt, heisst übrigens Philipp und nimmt Avancen von gutaussehenden Frauen gerne an.

Denkmaschine/Arbeit · Kategorien: Uncategorized · 3 Kommentare
 
 
« Previous ·
© Copyright 2009-2011 dragstripgirl · All rights reserved