Rembrandt BKK

Es ist für einen Backpacker reine Demütigung, in ein etwas gehobeneres Hotel einzuchecken, nicht, weil er vergammelt eintritt und den Gestank einer 24-Stunden-Reise in die überkitschige Thai-Lobby einführt, nicht, weil er einen Rucksack umgeschnallt hat und die Portiers ihm die Tasche nur mit Fingerspitzen abnehmen, nicht, weil die anderen 0815 Touristen sich über diese Störung in ihrem idealen Traumstrandurlaubsposter gestört fühlen, nein; Demütigung, weil der Backpacker auf alles verzichten muss, was ihm sonst so gnädig und convenient nachgeworfen wird, für viel weniger Geld und in viel besserer Qualität als in einem Fünf Sterne Hotel mit Swimming Pool.

Zurückgespult bedeutet dies in etwa so viel wie: unsere letzten zwei Tage in Thailand, besser Bangkok, wollten wir nicht mit einer weiteren Sauf-und-Party-und-Shopping Odyssee auf der Khao San beenden, sondern lieber ein letztes Mal die günstigen Verhältnisse zwischen Euro und Thai Baht nutzen und in ein echtes, ein wahres, Hotel einchecken, eins mit Skyline View und Lobby und Bettlandschaften und Pornos, wenn man denn so will, und einem echten Bad, eines, wo die Dusche vom Klo abgetrennt ist (auch wenn ich es natürlich vermisse, beim Scheissen zu duschen, habe total unterschätzt, was für einen Zeitvorteil das gibt), eins, wo es so kleine Shampoos und Zahnpastas gibt und Room Service und jeden morgen neue Bettwäsche und hach riecht das Shampoo gut UND MAN KANN DIE KLIMAANLAGE PER KNOPFDRUCK STEUERN WIE GEIL IST DAS DENN. Dafür bezahlt man in vielen anderen Ländern gut und gerne mal mehr als Hundert Euro pro Person pro Nacht, in Bangkok eher so zwanzig. Nur um das mal in Relation zu bringen: unser übliches Budget für ein nettes Guesthouse liegt bei 8 Euro.

Aber here’s the deal: zwei Nächte in einem “OMG ES IST SO AWESOME” Hotel wo man sich in die übliche weiße Bettlandschaft verzieht und sich die Birne mit Thaisticks vollballert und dann gibt man nicht nur zwanzig Tacken aus, nein, denn dieses Hotel erwartet für alles und nichts noch mal ein bisschen extra Kleingeld. Beispielsweise für’s Wifi, zwei Tage für zehn Euro. In Relation: unserer letztes Guesthouse in Chiang Mai hat 2,50 für ein Bett und eine Dusche und ner Standleitung in die glorreichen Weiten des Internets gekostet. Zwei Euro Fünfzig, ihr Ficker. Für 1 Kilo Wäsche (5 Stunden bis zur Abholung) noch mal einen Euro. Für eine warme (großartige, fantastische) Mahlzeit noch mal zwei Euro. Sogar Torrents konnte ich mir laden, TORRENTS. Fünf Sterne und ich bezahle zehn Euro dafür dass Skype regelmäßig abkackt. Herzlichen Glückwunsch. Ein Film im Fernsehen kaufen kostet 4 Euro, eine Pizza bestellen 10, eine Thai Massage, die man auf der Khao San in ähnlicher Qualität für 2,50 bekommt kriegt man hier bereits für 30 Euro, SONDERPREIS! Und wenn ich was waschen möchte, wasche ich nicht per Kilo, sondern per Stück, 10 Euro für ein T-Shirt (aber gebügelt wird’s auch, immerhin) und Lieferung am nächsten Tag. Von der Khao San bis zum Flughafen kostet es 4 Euro, von hier kostet es 20 Euro. Ich meine, versteht mich nicht falsch, ich will mich nicht beschweren, viel zu sehr genieße ich das großartige Bett und das gut riechende Shampoo, das meine ich nicht; natürlich bezahle ich mehr für die kleinen Extras im Leben in einem viel zu teuren Zimmer. Natürlich.

Mich wundert eher der wirtschaftliche Aspekt dahinter. Als Backpacker hat man eine ganze Nische, die sich dem günstigen Leben widmet, aber nicht nur in Sachen Preis sondern auch Convenience und das ist das, was ich hier so sehr vermisse. Ich bin mitten im nirgendwo, meine einzige Oase der Pool voller russischer Prostituierten (oder zumindest blonder Uschis, die sich nur auf der richtigen Seite von Prostitution befindenn) und ihrer kleinen Plagegeister, die sich einkacken. Wie ist das so mit den Leuten, die Geld haben, also viel Geld, und drei Wochen Urlaub in Schmockibangkocki machen, die jedes Mal, wenn sie einen Film gucken möchten, 10 Euro verballern, und jedes Mal, wenn sie gut essen möchten, 50 Tacken verpulvern? Wie fühlen die sich? Wissen die, dass es jenseits von teuer und nervig auch noch so etwas wie billig und gut gibt? Oder ist das eine generelle Attitüde, dieses “ich habe viel Geld und kenne deshalb kein Limit nach oben”, also “wenn ich schon 25 Tacken für ein Zimmer ausgebe dann kann ich noch mal dieselbe Summe ausgeben um Internet und ‘ne Pizza zu haben”, ist das so, ja? Oder sind die verständnisvoll, “irgendwie muss dieser Luxus sich ja lohnen, Wi-Fi für 28 Stockwerke zu warten kostet ja viel Geld, das ist so, das muss man verstehen” — oh Gott, viel Geld zu haben muss so schwierig sein. Mental, meine ich.

Ich finde, alle Hotels dieser Welt gehören nuklear zerbombt, inklusive aller russischen Prostituierten, inklusive ihrer Kackplagegeister, inklusive kleiner Shampoos und gute Betten und viel zu teurer Pornos und schlechtem Wi-Fi, zerbombt und vergast und abgeschafft, wir müssen lernen unseren reichen Eltern beizubringen wie viel schöner es ist, per Kilo zu bezahlen. PER KILO, nicht per Hemd und Schuh, nicht per Pizza, per Kilo. Was bringen dem koreanischen Investor 28 leere Stockwerke und eine Preisliste, die nicht stimmt? Genau, nichts, außer widerlicher Pädos mit Koksgewohnheiten (letzteres natürlich nicht gegen meinen Willen, niemals, KOKST SO VIEL IHR KÖNNT, IHR ALTEN AASGEIER). Lasst uns die Minibars zerstören, Freunde, und für immer im schönen, rückenbrechenden Guesthouse schlafen, wo wir Torrents ziehen, Menschen kennen lernen und uns zum Kiffen noch hinten im Garten verstecken müssen.

Meine Kinder werden keinen Spaß im Urlaub haben, ich sag’s euch.

December 19th, 2010 Posted in Urlaub | Comments Off

One Night In Bangkok

Obwohl unserer letzter Aufbruch aus Bangkok eher einer Flucht glich, waren wir heute geradezu euphorisch, als der Bus in die Stadt einfuhr. Endlich wieder bekanntes Territorium, besuchtes Land, kein schwarzer Fleck auf der Karte, nix Command & Conquer: einfach eine fantastische, wenn auch ueberwaeltigende Grossstadt, die wieder das Heimweh nach Hundekacke-Berlin einschaltet…

Ueber Kambodscha und Vietnam werde ich bestimmt demnaechst noch mal berichten, oder auch nicht. In jedem Fall bin ich sehr froh, wenn ich nie wieder nach Vietnam muss, und sehr traurig darueber, nicht mehr Zeit im fantastischen Kambodscha verbracht zu haben. Mehr muss man eigentlich auch gar nicht sagen.

Bangkok ist nur ein wichtiger Zwischenstopp fuer uns, um diverse Angelegenheiten in Bezug auf Geld, Visum, Weiterfluege und Busfahrten zu regeln. Am Donnerstag geht es weiter in den Sueden, wo das Wetter zwar ziemlich beschissen ist aber immerhin Tauchschein und Full Moon Party warten (Full Moon Party wird uebrigens so aussehen, dass ich definitiv zu cool dafuer bin und schmollend in der Ecke sitze und alles scheisse finde und ganz besonders die Ibiza House Vocal Musik. Dass die nicht mal NSync spielen koennen!).

November 16th, 2010 Posted in Urlaub | 4 Comments »

Bangkok

Morgen verlassen wir endlich die Schmockglocke unter Bangkok. Jeden Tag drei Mal duschen, weil man sich den Filz von der Haut schrubben muss, den diverse hundertmillionen Autos und Tuk Tuks hinterlassen, macht auf Dauer auch keinen Spaß mehr.

Schmockibangkokki alter. Ein einziger Kopfschmerz ist das hier. Von Khao San bis Chattuchak lauter kotzender, britischer Touristen, die alle mal ihren Schwanz in ne Thaimuschi reinhalten wollen (und wohl noch nie gehört haben, dass das in Pattaya einfacher geht). Jedenfalls ist Bangkok eine ziemliche Baustelle, einerseits voll überwältigend und interessant und flashig und so, andererseits auch ein einziger Durchfall. Hier kann man nur ankommen, aber bleiben geht überhaupt nicht.

City of Schmock. Das Tuk Tuk fahren, trotz seiner Umweltbelastung, macht am meisten Spaß, und ich ernähre mich grundsätzlich nur noch von Sticky Rice mit Mango. Generell ist das ein fairer Kompromiss, die schwarze Lunge im Tausch für frische Früchte jeden morgen: Mango, Ananas, Kokosnusssaft, es ist ein einziger Himmel. Noch nie habe ich mich so gesund ernährt wie in diesen Tagen.

Khao San ist so ziemlich das Epitom meines Weltschmerzes. Alles, was an dieser Welt zynisch und kaputt ist, versammelt sich auf der Straße da und versucht die behinderten Touristen abzuziehen. Hier Ping Pong, Ping Pong. Von wegen nette und immer lächelnde Thais. Hier lächelt niemand, wenn du weiss bist und einen Rucksack an hast, es ist ein Handel: du bist hier um zu ficken und zu saufen und billig einzukaufen und unsere Kultur zu zerstören, und wir brauchen das Geld, also helfen wir dir dabei. Herrlich ist das.

Aber es ist nicht alles negativ: wenn man sich hervortraut aus dem ganzen Schmock und die touristischen Ecken verlässt (oder eher die nicht-touristischen Ecken findet), und man zufälligerweise noch jemanden dabei hat, der Thai ist und sich auskennt, dann läuft das ganze schon ein bisschen runder ab. Billiger und leckerer wird’s auch. Bis auf die Heuschrecken, die werden wohl nicht mehr lecker (yep, erster Abend, komm, wir essen eine Heuschrecke. Schmeckt wie Grillhähnchen, aber in schlecht und Chipskonsistenz).

Und dann war ja auch noch der wunderschöne Tag am Strand von Pattaya. Pattaya selbst ist genauso wie das Klientel: alt, hässlich und unfrewillig durchgefickt. Da gibt’s nichts von zu berichten außer ein dickes oh mein Gott ich will hier raus. Der Strand aber war einigermaßen zumutbar, und ich habe mir die besten Freunde zum Reisen ausgesucht, Freunde, die mich nicht wecken, wenn ich halbseitig zur Sonne liege und einschlafe und dann mit eitrigen Brandblasen wieder aufwache. Ich sehe jetzt aus wie Two-Face und genieße die erstaunten Blicke von thailändischen Kindern. Manche müssen dabei auch weinen. Ich muss auch weinen.

Auf jedenfall ist hier völlige Erschöpfung angesagt. Heute ist unser letzter Abend, morgen startet unser Trip nach Konichibura oder irgendwie sowas. Da gibt’s Tiger und Wasserfälle und ach, worauf habe ich mich da nur wieder eingelassen. Danach nach Chiang Mai und da dann Trekking Tour. Danach über den Mekong auf dem Slowboat nach Laos. Das wird prickeln in meine Bauchnabel. Und prickeln an meine Beine, da, wo sich die Moskitos schon seit gewisser Zeit glücklich austoben.

Ihr Vollpfosten habt mir übrigens versprochen, mich mit Musik durchzufüttern, und keiner hat sich bisher die Mühe gemacht mir mal einige neue Tracks vorzuspielen. Muss man sich hier denn um alles selber kümmern? Heute schickt mir jeder von euch seine aktuelle Lieblings-MP3 per E-Mail, wenn es sein muss. Zur Strafe. Bitte?

Mehr Bilder gibt’s entweder später oder morgen bei FindingBerlin, also bleibt dran. Und falls ihr mehr erwartet habt von meinem Reisebericht, beschwert euch bei meinem lädierten Körper und der Tatsache, dass es hier keine Steckdosen gibt. Echt jetzt. Ein ganzes Hostel ohne Steckdosen, mein Akku ist glei

October 9th, 2010 Posted in Urlaub | 6 Comments »

AUH/BKK – Christian Dior Denim Flow

System Overload, dieses Bangkok.

‘I Got The World In My Hands / The Master Plan / But I Don’t Know Why I Keep Calling, Why I Keep Calling You…’

Die Connection ist extrem beschissen, mal sehen, wie das mit dem Foto-Upload funktionieren will, so in der Zukunft. Weitere Stichworte: Mom I’m fine. I miss you. 1000 € Kamera liegt zu Hause, weil kein Platz dafür war. Tuk Tuk fahren macht Spaß. Im Flugzeug sitzen und hoffen, dass sich bei der Ankunft alles verändert, hat viel von romantischer Traummalerei. Kanye West wird mit jedem Freitag besser. Heuschrecken essen – schmeckt wie Hähnchen. Vier Sterne Hotel für mich, Minus drei Sterne Hotel für mein Gepäck. Mehr gibt’s später.

October 5th, 2010 Posted in Urlaub | 3 Comments »