The Art of Year Pressure

Wenn man sich durch die Archive windet, stellt man schnell fest, dass die epochale Zeit linear, die alltägliche Zeit zirkulierend und die biografische Zeit redundant ist. Phasen mit sich immer wiederholenden Kleinigkeiten wiederholen sich. Die Endlichkeit ist unendlich weit weg, und trotzdem pocht der Gedanke wie ein Schlaghammer auf dem Asphalt der Sinnsuche: wo geht es hin, wie lange brauche ich bis ich da bin und wann weiß ich, dass ich es weiß?

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November 14th, 2012 Posted in Crystal Meth, Gangster | 2 Comments »

Wildest Moments

Wildest Moments

Fotoalben sind ganz und gar nicht überbewertet. Sie sind die haptische Manifestation eines Lebensabschnittes, und wenn man die Seiten durchblättert, dann fasst man das Papier quasi mit den Augen an und spürt dabei die Vergangenheit im Herzen. So viele emotionale Impulse müssen können auch durch keinen noch so guten elektronischen Bilderrahmen ersetzt werden, oder vielleicht doch, und manche Menschen – so wie ich – sind einfach zu stur, um das einzusehen.

Wie dem auch sei: das Gefüge kommt zusammen, und schließlich bin ich jetzt in ein Alter gekommen, wo ich mehr Fotos als Cent oder/und Verstand besitze. Und sie alle sprechen nur davon, wie es so war, als ich gelebt habe. Vielmehr aber auch: wie es so mit den Menschen war, die um mich herum gelebt haben und die mein Leben in diesen Abschnitten prägten. Eines Tages wird ein noch ungeborener Mensch auf einem Trödelmarkt eine Kiste voller Fotos finden, gelangweilt darin herum wühlen, das ein oder andere nur halb-interessiert betrachten und schließlich doch nichts kaufen. Und das passiert dann so lange, bis der Besitzer sie genervt wegschmeisst und sie für immer zerstört werden. Das ist dann aber auch okay so, hoffe ich.

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October 23rd, 2012 Posted in Crystal Meth, Gangster | 1 Comment »

german wasted lebenszeit

Der Look von Billig-Supermärkten sagt eigentlich schon alles, was man über unsere wirtschaftlich getriebene Gesellschaft wissen muss. Am schlimmsten sind diese verkürzten Kassen, an denen es keine Ablage mehr für die Einkäufe gibt. Wenn man Pech hat, dann landen die Eier und Colaflaschen einfach auf dem Boden. Wer nicht zügig mit dem Einkaufswagen oder dem Jutebeutel auffängt, hat verloren. Wer Geduld von der Kassiererin beim Einpack-Tetris fordert, wird mit Todesblicken gestraft. Wer sein Geld nicht passend in den Händen hält, der muss sich per Körpersprache den anderen Anstehenden gegenüber rechtfertigen. Man hastet dann mit roten Backen und riesigen Schweißflecken unter den Achseln aus dem Supermarkt raus, man möchte ja niemanden aufhalten, allen voran sich selbst nicht. Blasse, anonyme Gesichter, die sich für das Verplempern von Zeit schämen müssen. Das System der verkürzten Kassenlaufbänder ist der Krebs, der sich ausbreitet. Burn Out vom Laufbandsport. Post-traumatisches Stresssyndrom, weil man seinen Geldbeutel versehentlich im Auto vergessen hatte und fast gehängt wurde. Depressionen, Panikattacken, Peer Pressure, Zeitdruck. Time is Money.

September 25th, 2012 Posted in Crystal Meth, Gangster | 2 Comments »

Vom Bordstein zur Tiefgarage

Zu einer guten Party gehört eigentlich nicht viel pompöser Schnickschnack; man will ja bescheiden bleiben. Erfahrungswerten persönlich erhobener Statistiken nach sind diejenigen Partys am erfolgreichsten, die tatsächlich nicht in einem Club stattfinden, sondern den Charakter einer wilden Übernahme haben. Draußen im Park, in der U-Bahn, in einer Sparkasse, unter der Brücke, in einem Kleiderschrank oder eben in einer Kreuzberger Tiefgarage. Scheissegal, Hauptsache, alle haben Bock (Bonuspunkt für Hip Hop). Die netten Party-Philosophen von der Proud haben das vor einigen Wochen ganz ordentlich hinbekommen. Das war von Musik hinterlegte Party-Atmosphäre, bei der die Kinder endlich raus zum Spielen kommen konnten, ohne von zu coolen Glotzern oder gar der Polizei gehindert zu werden. Das Video dazu gibt es hier (exklusive Facebook-Shares sind scheiße), und ich erinnere gerne an den kollektivinternen Plan, diesen Sommer noch mal eine eigene kleine Fete zu organisieren.

(Wie schön (und creepy) es eigentlich auch ist, in unserer heutigen Zeit, von jedem kleinen Schnipsel Erlebnis auch noch eine audiovisuelle Erinnerung zu haben. Das macht es vor allem leicht, Menschen zu stalken, seine Kinder zu beeindrucken und sich selbst am Kopf zu kratzen und zu fragen: shit, was hab ich da eigentlich gemacht und wie bin ich wieder nach Hause gekommen?)

March 31st, 2012 Posted in Gangster | 1 Comment »

TERRA X

TERRA X BBC ZDF Doku Eisige Welten

Ich spüre, wie sich das Universum ausdehnt, wie sich Raum und Zeit in alle Richtungen erstrecken. Diese mir sonst versperrte Vorstellung wird greifbar, denn ich habe mich in den letzten Tagen sehr ausführlich mit der Ruhe und der Beständigkeit der tiefsten Punkte meiner Seele auseinandergesetzt. Mir ist richtig beschissen langweilig. Die Grenzen zwischen Langweile und Depression können an Weihnachten schon mal verschwimmen- mir bleibt nichts anderes übrig, als fest an das Ende dieser Tage zu glauben.

Denn an Weihnachten bleibt die Zeit in diesem Haushalt stehen. Gemessen werden keine Stunden oder Minuten, sondern nur die Momente, an denen man sich nicht vor Langweile umbringen möchte. So friedlich und still das kollektive Nichtstun auch sein mag, wenn sich der aufgewirbelte Staub denn erst Mal legt, erkennt man auch, wie dreckig der Boden eigentlich ist. Und dann bindet sich dieses widerliche Gefühl davon, wie das Universum nicht aufhört, noch größer und mächtiger zu werden, an das Gefühl, bei den Eltern zu Hause zu sein. Das sorgt dann für dieses trügerische Heimweh, eine Art Kausal-Wahnsinn der sagt: hier bist du nicht zu Hause, und wenn nicht hier, dann kannst du dir ja auch irgendwo einen Ort aussuchen, und an dem wirst du definitiv glücklich.

So denke ich an das letzte Weihnachten, welches ich mit meinem Arsch nach oben auf dem Grill von Bali verbrachte; an eine Reise, die in mir genau dieses Gefühl der Einsamkeit manifestierte, dieses “nicht klarkommen”, wenn man nicht ständig NOISE NOISE NOISE um sich herum hat. Alltag, Stress, Freunde, das ständige Gelaber, To Do Listen. So widerlich diese Routine auch sein mag, sie überdeckt die eigenen Schreie. An Weihnachten kann man es rein aus Gründen der Infrastruktur nicht umgehen. Und wenn man selbstständig auf sein eigenes Hotelzimmer in Kuala Lumpur geht, nach erfolgreichem Tag im Ausland, nach unheimlich vielen tollen Begegnungen, und nichts mehr außer kahlen Wänden und einem nicht ausreichend funktionierendem Ventilator existiert, dann verkrampft sich alles und man erkennt, dass man sein zu Hause mit Sicherheit nicht alleine finden wird. “Alleine” ist ein Trugschluss, und die Einsamkeit in diesen Momenten im Keller aller Gedanken sorgt dafür, dass ich das weiß.

Anders gesagt: die Länge meiner bewusstseinserfüllten Tage richtet sich danach, wie gut oder schlecht das Fernsehprogramm ist. Der ZDF zeigt gerade die Terra X Doku über unseren eiskalten Planeten, die man sich auch online angucken kann. Die Bilder sind wie ein Traum, den man nicht verpassen sollte. Über die Mediathek-App kann man sich die Folgen sogar runterladen, sobald sie ausgestrahlt wurden. Weihnachten ist also auch nächstes Jahr für 3 Stunden gerettet.

December 26th, 2011 Posted in Gangster | 2 Comments »

Just Missed Us

Was ist Fotografie? Ist es ein Handwerk, ist es Kunst? Ist es eine Profession oder ein Hobby? Kann man damit Geld verdienen? Braucht man krasses Werkzeug, krasse, teure Teile? Welche Kamera ist der beste, welcher Film ist der coolste, analog oder digital? Warum fotografieren wir, was will ich mit diesem Foto sagen, oder will ich überhaupt irgendetwas sagen?

Ich fotografiere unglaublich gerne, von den artsy-fartsy Regentropfen, die nachts das Licht einer roten Ampel reflektieren, bishin zu den alkoholvergifteten Partyschnappschüssen, bei denen die Handykamera herhalten muss. Makro hier, Linse da. Es ist mir relativ egal. Ich sehe etwas, dass ich schön finde, mache ein Foto davon, und meistens gucke ich es mir für Jahre danach nicht mehr an. Andere Male gehe ich jedes einzelne Bild durch, um für meine tausend und zwei Projekte eine gerechte Zusammenstellung zu finden. Berlin macht es mir da leicht, und meine wunderschönen Freunde ebenso. Ich frage mich schon lange nicht mehr, ob ich “gut” bin; das ist eine unfaire Frage. Ich will nicht gut sein, für wen, oder für was? Wenn jemand meine Fotos gut findet, freue ich mich, aber das ist nicht das Ziel.

Ich beschäftige mich nicht mit dem neuesten Technikschnickschnack, manchmal will ich eine Wegwerfkamera, manchmal eine DSLR, manchmal auch gar nichts benutzen, um Fotos zu machen. Manchmal tue ich so, als würde ich fotografieren, um mich ganz besonders auf einen Moment aufmerksam zu machen, den ich in Erinnerung behalten will. Und das ist der Punkt: die Fotos ersetzen Erinnerungen, die verblassen oder sich auf festgefahrene Bilder versteifen. Sie erzählen eine Geschichte, nämlich die meines Lebens. Dementsprechend sind es auch diese Art von Bilder – Schnappschüsse, Momentaufnahmen, zusammenhängende Bilder, die ich am interessantesten oder aufregendsten finde. Ich will Menschen durch die Bilder durch entdecken, kennen lernen, mich wundern, was sie dort, wo sie waren, gemacht haben, wie sie heißen, wer sie sind. Wie man einen Roman liest, oder einen Film guckt. Ich will eine Story. Das ist alles. Und ich will eine Story erzählen – das bin ich.

Vielleicht gefällt mir deshalb der Just Missed Us Tumblr; weil es um Serien geht. Um Geschichten. Weil ich die Personen auf den Bildern irgendwie kennen lerne. Weil wir zusammen auf eine Reise durch Erinnerungen gehen. So ist das manchmal. Ich hoffe, dass ich eines Tages auf genau so eine Sammlung zurückblicken kann.

July 8th, 2011 Posted in (Pop)Kultur | 2 Comments »