Da wären wir wieder bei Big Sean gelandet, der, so mittelmäßig er auch sein mag, immerhin gerne mal wieder bei mir auftaucht. Im seltensten Fall kann man ihn dafür verantwortlich machen, dass er solide Arbeit liefert. Leider. Auch in seinem neuen Video ist es mit Sicherheit nicht BS, der mich den Atem anhalten lässt, sondern Nicki FUCKING Minaj. Ich komm überhaupt nicht mehr klar auf meinem Leben seit ich sie in diesem Video gesehen und gehört habe. Nicht nur, dass das der nächste Club-Banger wird (insofern mir jemand mal den zumutbaren Club findet, in dem neuer Hip Hop Shit gespielt wird), sondern auch meine persönliche Waffe gegen alle Minaj Hater. Die Frau ist der Wahnsinn.
Bei Dingen, die mir besonders wichtig sind, oder an die besonders viele positive Erinnerungen gekettet sind (die negativen Fallen bei meiner Vergangenheits-Sehnsucht nach der Jugend sowieso irgendwann weg), kann ich mich einfach nicht aufraffen sie wieder zu beleben. Man, ich hab so viel Angst vor Enttäuschung, dass ich mich schon seit Ewigkeiten nicht ins Robert Johnson trauen will.. und ob es dieses Mal passiert ist auch fraglich.
Studienkollegen und enge Freunde entwerfen zusammen eine kreative, handschriftliche Einladung mi persönlicher Widmung und schicken diese bereits vier Jahre vor der Party ab. Jeder freut sich darauf, Menschen zu sehen, die man jeden Tag sieht. Für die Party wird ein einladendes Büffet organisiert (Caprese , Chili, Baguette, Kuchen, Chips, Brezeln. Die Teller sind mit Petersilie drapiert).
Ed Banger ist längst kein Namen mehr, sondern ein Synonym. Es steht für die konsequenteste Inszenierung elektronischer Musik, die es je gab. Für die reine Eskalation der Feierei. Für Beatgemetzel und Synthie-Terror. Ed Banger ist drei Stunden durchdrehen und dann in irgendeinem coolen T-Shirt von coolcats abstürzen, während ein französisches Model einem die Hand hält. Es ist der hedonistische Nullpunkt. Techno-Rock-n-Roll.
Das französische Label ist eine elektronische Hypefabrik in der die Komposition von Krach perfektioniert wird. Am konsequentesten verkörpern natürlich JUSTICE die Philosophie des Labels, die nach ihrem Debüt-Album und spektakulären Live-Shows zu absoluten Superstars wurden. Deshalb lohnt es sich genauer hinzuhören wenn am nächsten Donnerstag SebastiAnim Rahmen der Levi’s Colors of Noise Tour, das Ed Bangerische Lebensgefühl durch die Boxen des Dice Cubs pressen wird. Der Pariser, jugoslawischer Abstammung, ist seit 2005 dabei und hat sich vor allem als Support der legendären Daft Punk Tour internationale Beachtung erspielt. Ich habe ihn an Silvester in Amsterdam erlebt und kann nur sagen: es gibt hart was auf die Ohren und in die Fresse. Nach seiner Show wird man vollkommen erschöpft in der Ecke liegen und sich fragen wie intensiv Leben eigentlich sein kann. Allerdings bildet SebastiAn nur den Höhepunkt eines elektronischen Gourmet-Abends. Denn die Organisatoren haben das Programm ähnlich gekonnt zusammen geschneidert wie eine gute alte Levi’s 501.
Ach, Grime, das ist ein schwieriges Thema für mich. Ich finde es nicht schlecht, aber wenn Musik jemals anstrengend war, dann mit diesem Bastard-Genre. Im Club darf das gerne gespielt werden, im Radio- nah. Dennoch möchte ich hiermit die Petition “Mehr Londoner Aktzente in Musik” starten. Bock drauf?
Grime is typified by complex 2-step breakbeats, generally around 140 beats per minute and constructed from “different” sounds.[1]
Stylistically, grime takes from many genres including UK Garage, dancehall and hip hop.[2] The lyrics and music combine futuristic electronic elements and dark, guttural bass lines. – Wikipedia
Grime ist auch aus einer sozialen Perspektive ein ganz interessantes Phänomen, weil aus England ja sonst nichts tolles in Sachen Hip Hop rüberkommt (und bitte hört mir auf mit The Streets, das ist einfach nur ein stotternder Coldplay-Abklatsch). Anyway, ein paar Perlen habe ich am Wochenende mal zusammengestellt, ein Mix aus älteren und aktuelleren Videos, straight from the regnerische Insel…
Während der Fashion Week vor einigen Monaten bin ich spontan mit Nick zum Peaches Konzert im WMF an der Klosterstraße gerannt, weil man ja nicht oft genug “Fuck!” auf einem Konzert hört und Ü-40-Jährige Punkfrauen sich die Blöße geben. Wir kamen, sahen und siegten, und obwohl es extrem voll und heiß war, war es extrem gut.
Das lag aber nicht nur an Peaches, sondern an der ganzen Venue. Das WMF in der Klosterstraße war mir bis zur Fashion Week nicht mal ein Begriff. Leider sind mir die ganzen verbappten C-Promis und die Fashion Victims etwas sauer aufgestoßen. Ich dachte, es wäre eine Modemessen-Krankheit, die Location würde bald wieder im Nichts versinken und obwohl der Laden extrem groß und komfortabel scheint, nun ja, es ist halt Berlin… hier hält sich das Nachtleben nicht oft an der gleichen Stelle auf (außer es handelt sich hierbei um das Berghain).
Jedenfalls war ich nicht wirklich davon enttäuscht, nur ein bisschen zerdrückt. Peaches hatte ihre Möpse gezeigt und meinen Lieblingstrack “Operate” komplett im Stage Dive Modus performed, Nick und ich waren bis auf die Unterhöschen nass geschwitzt und die Typen sahen aus wie aus dem Katalog bestellt (der Zorn gegen die Homosexualität wurde an diesem Abend in mir entflammt– hört auf die gutaussehenden Männer auf eure dunkle Seite der Macht zu ziehen!).
Aber das WMF ist wider meiner persönlichen Erwartungen zu einem Hotspot der Stadt geworden- das neue Scala, vielleicht? Mir ist durchaus bewusst, dass mich mein nächster Besuch im WMF mindestens drei Scheinchen kosten wird (weil das geht Hand in Hand mit dem Ansturm der Besucher) und ich mich mit den ganzen Scenesters und der Hipsteria herumschlagen muss… aber bei den aktuellen Line-Ups ist mir das fast schon wieder egal. Who’s with me?
Dieses Wochenende geht einiges vor sich in Berlin, aber um den Fokus nicht immer nur auf die großartigen Partys zu legen, die ich regelmäßig verpasse, will ich euch heute auch einige persönliche Anliegen ans Herz legen.
Noch nie habe ich so ein Zusammengehörigkeitsgefühl erlebt wie im Streit um die Datenschutz- und Zensurpolitik der großen Parteien. Während es zur Fußball WM 2006 zwar ein Stimmungsbad der Euphorie gab, fühle ich mich als (fast) Einundzwanzigjährige zum ersten Mal als Teil von etwas, dass mich wirklich bewegt und beschäftigt. Dabei ist nicht nur der politische Diskurs der größte Reiz- für mich ergeben sich hier auch viele ethische und philosophische Fragen, gerade in Bezug auf den Staat, auf Gewaltenteilung, auf Machtverhältnisse. Und ähnlich, wie man in der Wirtschaft das Große und das Kleine (grob ausgedrückt) auf die Marko- und die Mikroökonomie verteilt, so ziehe ich Schlüsse, die auch psychologisch interpretiert werden können. Das ist wichtig für mich und mein Leben, und ich würde so weit gehen zu behaupten (oder zu “manifestieren”), dass es auch wichtig ist für meine Generation. Es ist wichtig, aufzustehen und zu kämpfen. Immer. Es ist jetzt besonders wichtig, weil die Gefahr so akut ist. Es war aber auch schon immer wichtig, das merken wir erst jetzt.
Das also erstmal von mir dazu. Politik kann verdammt langweilig sein, aber auf einer Demo gibt’s immer gut zu feiern. Und deshalb möchte ich die ganzen Berliner und diejenigen, die es gerne wären, darauf hinweisen, dass am Samstag die riesige “Freiheit Statt Angst” Demo stattfinden wird. Diese Demo wird um 15 Uhr am Potsdamer Platz beginnen, und ausführliche Details gibt es bei netzpolitik.org.
Für alle Blogger sei auch noch Piratenblogger.de vorgestellt. Wer ein Pirat mit virtueller Stimme ist, sofort eintragen!
Wer nach der Demo noch Lust und Laune hat, kann sich ja das ganze Wochenende und noch bis zum 20. September auf dem Internationalen Literatur Festival vergnügen, das leider ein bisschen untergegangen ist. Es ist interessant, wie mittlerweile alles mögliche an Gesocks zu wahllosen und überflüssigen Bar-Camps schlurft, um mal wieder zu “networken” — für was, weiß man noch nicht mal so genau –, aber diese kleinen, wunderbaren Kunstereignisse werden völlig außer Acht gelassen. Gerade für Schreiberlinge, die die meiste Zeit über getippte Buchstaben kommunizieren, ist das doch mal die Gelegenheit, von der 140Zeichen-Zwangsfütterung wegzukommen.
Wem das aber alles nicht genug ist: am Freitag legen Moonbootica im Watergate auf. Ab 24 Uhr geht’s da los, Dresscode ist wahrscheinlich so wahllos und ungerechtfertigt wie immer, es wird erstickend heiß da drin und viel zu teuer sein. So ist das mit dem Watergate. Aber für Moonbootica nimmt man ja auch das Leid in Kauf.