Spiderwebbed

Spiderwebbed ist ein fantastisches Album, das zu diese Jahreszeit einlädt wie kein anderes. Die Sonne schneidet mit ihrem Licht durch den Atemfrost. Es entsteht eine emotionale Dichotomie. Will ich raus, und den letzten Strahl abbekommen, oder bleibe ich liegen, vor Angst ich könnte frieren? So ist dieses Album. Will ich die zwischendurch ertönende Aufregung nutzem, um zu tanzen, oder widme ich mich voll und ganz der stillen Atmosphäre, die um die Songs herum entsteht?

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October 29th, 2012 Posted in Crystal Meth, Musik | 2 Comments »

Traditionstanz

Früher war für jeden Berlin so etwas wie das stadtgewordene Studio 54. Jeder – aber wirklich jeder – und seine Mutter hatten ihren Stammclub, manche sogar Stammclubs, Mehrzahl, die sie jede Woche mindestens einmal besuchten. Da waren dann der Legende nach immer die gleichen wunderbaren, schönen Leute. Sie gehörten vor 7 bis 10 Jahren zu denjenigen, die die Stadt zu ihrem jetzigen Wert verhalfen. Sie prägten sie mit ihrem kreativen Hedonismus, mit ihren Ideen der Exzessive, mit ihrer internationalen Freiheit, die sich entgegen der deutschen Steifheit stellte. Die Clubszene war nicht nur ein Teil von Berlin: die Clubszene WAR Berlin.

Die bunten Nächte, die Orte, die es nicht mehr gibt (und offiziell auch nie gab), die unvergesslichen Momente im Stroboskop, die blühenden Beginne einer neuen Partygeneration und das Gefühl von Zusammenhalt und Familie- das sind alles nur noch die Legenden, die vom Winde der Stadt geflüstert werden. Und immer wird der vorwurfsvolle Finger in Richtung der jüngeren Generationen gestreckt: ihr seid verantwortlich dafür, dass es nicht mehr so ist.

Der Mythos “Club” ist in Berlin scheinbar ausgestorben. Nicht, weil es nicht genug Clubs gäbe oder die feierwütigen Menschen von damals zu alt sind (diese Tatsache verstärkt allerdings das Echo des Gemeckers). Ich habe die Vergangenheit nicht miterlebt, nur die Gerüchte, die sich um sie ranken. Dennoch kenne ich das Gefühl, das ein Club – eine Institution der Nacht, des Tanzens, des ausgelassenen Zusammenkommens – mit sich bringen kann. Bevor ich nach Berlin zog verbrachte ich viele Wochenenden mit meinen Freunden im Robert Johnson. Das Leben spielte sich hauptsächlich dort ab. Es war nicht nur die Musik, oder die Nähe, oder der Hype. Es war die schlichte Tatsache, dass jeder dort war. Man kannte irgendwann alle Menschen. Die Crowd war nicht zersplittert in tausende Untergruppen- so wie es heute in Berlin (für mich) ist. Man musste nicht um einen guten Abend pokern – niemanden anrufen, keine Gruppenkoordination, kein Nachtmanagement betreiben. Alle waren da. Das reichte schon.

In Berlin gibt’s sowas für mich nicht, das habe ich auch nie erwartet. Alles ist immer so beliebt, dass man sich vor einem regelmäßigen neuen Influx an Touristen und Zugezogenen nicht wehren kann. Favoriten gibt es durchaus, aber meistens werden die nach groben Musikstil und der Lage ausgewählt. Ansonsten wird nach Abend ausgesucht. Welche DJs, Veranstaltungsreihen, und so weiter. Sehr vielversprechend etwa war ja das Prince Charles seit seiner Eröffnung. Dummerweise kriegen die Veranstalter es immer hin, die Nacht mit ihrem musikalischen Stildurchlauf zu versauen. Vom smoothen “fick mich auf dem dreckigen Boden dieser paradisischen Halle”-Hip Hop bis hin zu “ich möchte harmlose Kitten zersägen”-Drum&Bass Sessions in 10 Sekunden, so schnell hat mir noch keiner die Party vermiest. Das erklärt dann auch das heterogene Publikum. Von gutaussehenden Mitte-Mädchen bis zu Afterwork-Party Charlottenburgern und zwischendrin die obligatorischen Drogenspanier, die nach Speedy Gonzales fragen. Alle sind nach 45 Minuten so abgefuckt voneinander dass der Club um 2 Uhr morgens leer ist. Aber: die 45 Minuten, die man dort verbringt, machen immer viel Spaß, wenn man seine Freunde dabei hat.

Wenn ich heute einen Club machen würde, dann würde ich ihn für meine Freunde machen. Meine Freunde müssten in meinem Club nicht um ihren Abend Poker spielen- sie wüssten immer ganz genau, wer sonst noch da ist. Und der Club wäre schön klein, maximal 200-300 Leute. Weil ja alle meine Freunde auf der Gästeliste stehen und Free Drinks kriegen, würde der Club nach einem Jahr pleite gehen. Aber dieses Jahr wird das schönste Jahr überhaupt, und dann kann ich den Zwanzigjährigen von meiner wilden Zeit in Berlin erzählen, als jeder jeden kannte, als die Clubs noch brechend voll waren mit schönen Menschen, und alle waren wegen mir da (oder so).

Es gibt tausende Clubs, die weiterhin ein festes Publikum haben. Mit denen, die ich kenne, identifiziere ich mich nicht – die anderen übersteigen womöglich meinen Wahrnehmungshorizont. Der Punkt bei all dem ist: ich habe trotzdem meinen Spaß. Es ist halt anders, und es ist nicht immer so, wie es früher war. Aber diese Veränderungen bringen Chancen mit sich. Für Clubs, die sich neu definieren und trotzdem ein funktionierendes Businessmodell aufweisen. Die nicht auf Charakter und Konsequenz verzichten müssen, um zu überleben. Es ist tricky, aber darin liegt die Herausforderung für die nächsten Generationen. Dass das Mama und Papa Clubbesucher nicht passt – who cares? In fünf Jahren werft ihr eure ersten Kinder in die Welt, in 10 Jahren ziehen die jugendlichen Karawanen weiter nach Leipzig und Dresden um dort neue Kulturböden zu etablieren, für die Berlin zu alt, zu teuer und zu ausgeschlachtet ist. So läuft es eben. Die Frage ist vielleicht nur: wie macht man es so sanft und angenehm wie möglich?

Mein Berlin existiert jedenfalls jetzt. Ich bin nicht hier, weil die Clubs so hart geil sind, obwohl ich durchaus meine Momente beim Feiern hatte. Ich bin hier, weil die Legenden und Gerüchte, die sich um diese Stadt ranken, schon Grund genug sind, um meine eigene Story hier zu schreiben. Berlin ist eben immer nur der passende Hintergrund – Protagonistin bleibe ich.

December 22nd, 2011 Posted in Berlin | 3 Comments »

VW x MoMa Aftershow Party

Red Carpet, Blue Carpet, Tomato, Tomahto, alles dassellbe, bis man auf einmal selbst ein bisschen fotografiert und dem regen Treiben der Journalisten und Profiknipser zusehen darf. Alles in allem gesitteter Umgang, nicht viel Gedränge und eigentlich auch ziemlich Down-To-Earth; dass sich Menschen die Gala kaufen, um nachzusehen, wer wann wie wo in welchem Kleid aufgetaucht ist, relativiert sich an dieser Stelle extrem.

Ich hatte bei der VW + MoMa Pressekonferenz After Show Party zwar nicht den besten Platz zum Fotografieren (und nicht mal eine gute Kamera dabei), aber sehr viel Spaß an meiner Perspektive. Gelohnt hat sich der Besuch dann vor allem, weil Penn Badgley aufkreuzte und meinem jugendlichen Herzen einen kleinen Amor-Schock zuführte. Hach, und dann war der auch noch so nett. Also so richtig nett, wie Dan aus der Serie, einfach nur nett. Und süß. Und klein und süß und nett.

Ansonsten sind Aftershow Partys in New York nicht viel anders als in Berlin: die Leute sehen alle zu gut aus, um wahr zu sein, die Musik ist laut aber nicht aufdringlich, die angesagten DJs werden ignoriert, jeder kennt jeden, alle sind happy und am Ende des Abends betrunken. Nur dass in New York die Leute um 12 nach Hause geschickt werden- Curfew und so – und in Berlin sich da gerade mal alle zum Vorglühen treffen. That’s how we roll, motherchuckers.

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May 24th, 2011 Posted in Urlaub | 4 Comments »

I Know Places

Das wichtigste an Freundschaften, für mich, ist wenn man sich nicht brauchen muss. Das “muss” impliziert immer diese elendige Notwendigkeit eines Freundes; notwendig wie Medizin, notwendig wie Steuererklärung oder Haftpflichtversicherung. Nein, die schönsten Momente und Beziehungen habe ich mit Menschen, die ich brauchen will. Und das wichtigste sind, anders als die meisten Menschen gerne behaupten, eben nicht schlechten Zeiten. In schlechten Zeiten hat man immer noch sich selbst um zu kämpfen. Aber in den guten, da, wo man sein Leben mit anderen teilen möchte, da ist es wichtig jemanden zu haben der es gar nicht erst zum Herunterkrachen kommen lässt.

Und das sind dann so kleine analoge Aufnahmen: wenn alle auf der Tanzfläche stehen und die Fresse halten und keinen Scheiss reden sondern lachen und gegenseitig ihre Gegenwart wertschätzen können. Wenn es voll egal ist, wo man hingeht, weil man zusammen unterwegs ist. Wenn nichts ehrlicher ist als zu sagen, “ich freu mich, dass du heute abend mitgekommen bist”.

February 26th, 2011 Posted in Gangster | 5 Comments »