Wir sollten wieder etwas mehr für unsere Zwecke tanzen. Das machen Protestierende auf Demonstrationen immer sehr gerne. Bisher habe ich noch keine dabei gesehen, die so glücklich aussah. Ob es MDMA oder pure Tanzliebe war – I don’t care. Ich möchte auch sowas.
Dieses Wochenende geht einiges vor sich in Berlin, aber um den Fokus nicht immer nur auf die großartigen Partys zu legen, die ich regelmäßig verpasse, will ich euch heute auch einige persönliche Anliegen ans Herz legen.
Noch nie habe ich so ein Zusammengehörigkeitsgefühl erlebt wie im Streit um die Datenschutz- und Zensurpolitik der großen Parteien. Während es zur Fußball WM 2006 zwar ein Stimmungsbad der Euphorie gab, fühle ich mich als (fast) Einundzwanzigjährige zum ersten Mal als Teil von etwas, dass mich wirklich bewegt und beschäftigt. Dabei ist nicht nur der politische Diskurs der größte Reiz- für mich ergeben sich hier auch viele ethische und philosophische Fragen, gerade in Bezug auf den Staat, auf Gewaltenteilung, auf Machtverhältnisse. Und ähnlich, wie man in der Wirtschaft das Große und das Kleine (grob ausgedrückt) auf die Marko- und die Mikroökonomie verteilt, so ziehe ich Schlüsse, die auch psychologisch interpretiert werden können. Das ist wichtig für mich und mein Leben, und ich würde so weit gehen zu behaupten (oder zu “manifestieren”), dass es auch wichtig ist für meine Generation. Es ist wichtig, aufzustehen und zu kämpfen. Immer. Es ist jetzt besonders wichtig, weil die Gefahr so akut ist. Es war aber auch schon immer wichtig, das merken wir erst jetzt.
Das also erstmal von mir dazu. Politik kann verdammt langweilig sein, aber auf einer Demo gibt’s immer gut zu feiern. Und deshalb möchte ich die ganzen Berliner und diejenigen, die es gerne wären, darauf hinweisen, dass am Samstag die riesige “Freiheit Statt Angst” Demo stattfinden wird. Diese Demo wird um 15 Uhr am Potsdamer Platz beginnen, und ausführliche Details gibt es bei netzpolitik.org.
Für alle Blogger sei auch noch Piratenblogger.de vorgestellt. Wer ein Pirat mit virtueller Stimme ist, sofort eintragen!
Wer nach der Demo noch Lust und Laune hat, kann sich ja das ganze Wochenende und noch bis zum 20. September auf dem Internationalen Literatur Festival vergnügen, das leider ein bisschen untergegangen ist. Es ist interessant, wie mittlerweile alles mögliche an Gesocks zu wahllosen und überflüssigen Bar-Camps schlurft, um mal wieder zu “networken” — für was, weiß man noch nicht mal so genau –, aber diese kleinen, wunderbaren Kunstereignisse werden völlig außer Acht gelassen. Gerade für Schreiberlinge, die die meiste Zeit über getippte Buchstaben kommunizieren, ist das doch mal die Gelegenheit, von der 140Zeichen-Zwangsfütterung wegzukommen.
Wem das aber alles nicht genug ist: am Freitag legen Moonbootica im Watergate auf. Ab 24 Uhr geht’s da los, Dresscode ist wahrscheinlich so wahllos und ungerechtfertigt wie immer, es wird erstickend heiß da drin und viel zu teuer sein. So ist das mit dem Watergate. Aber für Moonbootica nimmt man ja auch das Leid in Kauf.