"Girl gone wide."


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Nur ein kleines bisschen noch“, verspricht er sich für die Zukunft. Unter dem nötigen Ernst und den Augen seiner persönlichen Umwelt bewegt er sich leichtfüßig und definiert sich.

Er ist das wandelnde Abziehbild eines Menschen, der seinen Ernst, seine Vernunft und seinen Wunsch nach Sicherheit vor sich her spielt wie einen viel zu alten und abgenutzten Ball.

Menschen wie er kommen zwangsläufig an einen Punkt, egal wie alt oder jung sie sein mögen, sich ein paar Fragen zu stellen:

Bin ich so wie ich sein will? Passt das, was ich will, überhaupt zu mir? Bin ich neidisch auf die Menschen, die unbefangen und leichter sind? Ertrage ich es, wenn man mich nicht so sieht, wie ich es schön finde? Bin ich zu ernst? Ist Ernstsein so was wie Erwachsensein oder erwachsener sein? Erwarte ich zu viel von anderen Menschen? Erwarte ich zu viel von mir selber? Sind die Anderen freier als ich? Nur durch ihre Art? Ist schüchtern, ernst oder nachdenklich zu sein etwas, das man im ungesunden Maße praktizieren kann? Reflektiere ich zu viel und dränge andere damit? Was ist Zufriedenheit und was ist Glücklichsein? Sind das Dinge, die man gleichsetzen kann oder unterscheiden sich die Dinge und wenn ja, ist es wichtig, das zu wissen und vielleicht auch ein bisschen darüber nachzudenken? Nur für sich? Messe und vergleiche ich mich zu sehr mit anderen? Leben die Anderen besser, die unbeschwert sind? Bin ich anstrengend, kompliziert oder beides?

[via]

Nur ein kleines bisschen noch“, verspricht er sich, „dann habe ich verstanden, dass ich so bin wie ich bin und dass es nur wichtig ist, meinen wirklichen Freunden nicht fremd zu werden.

Egal wie der Lebensentwurf aussieht, für den man sich entschieden hat, auch wenn das ein Leben ist, das man so nicht erwarten oder geplant hat, es ist da und es bringt nichts weg zu laufen oder sich Freiheiten und Vorstellungen zu erkämpfen, von denen man keine Vorstellungen hat. Nicht wenn man sich da wo man ist, trotz der vielen Zweifel, eigentlich angekommen fühlt. Auch wenn das ein Leben ist, das man unter 20 nie leben wollte.

Wenn es da ist, dann ist es da. Und es gibt immer Möglichkeiten noch woanders zu suchen. Nach Zufriedenheit, nach Glück, nach Irgendwas. Es wird diese Möglichkeiten immer geben. Die einen nutzen diese Möglichkeiten um auszubrechen, neue Wege zu gehen. Welche Gründe solche Menschen auch immer haben, das zu tun. Sie tun es. Und das ist gut.

Kategorien über Kategorien. Sie abzustreiten ist seltsam.

Für beiden Schlag von Menschen, die Unbeschwerten und die Komplizierten gilt, wie ging das Sprichwort doch gleich: „Stärke wächst aus unbeugsamen Willen.

Beide sind auf ihre Art und Weise frei. Manchmal auch zufrieden. Und manchmal auch glücklich. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

by B in Crystal Meth State of Mind


Im Zuge der ganzen Schwierigkeiten, die das Leben so mit sich bringt, sind es vor allem die Zweifel an sich selber oder mit Dingen, die man tut, mit denen man sich immer wieder konfrontiert sieht.

Und vielleicht sieht man im eigenen Selbstbewusstsein einen Zweck. So richtiges Selbstbewusstsein, nicht das, an dem andere einen messen oder einschätzen.

[via danielle bigtooth.]

Zwei so wichtige und wirklich harte Voraussetzungen sind Einsicht und die Fähigkeit Hilfe anzunehmen. Beides hart, wenn man sich nicht nur oberflächlich damit auseinandersetzt. Da gibt es immer Spezies, die sich entweder alles zu Herzen nehmen, eigene Probleme vernachlässigen und im schlechtesten Falle verdrängen und es gibt die, die glauben, wenn man nur alles akzeptiert oder toleriert, lebt man erwachsener und besser.

Die Antwort liegt vor allem in der Einsicht.

Manchmal kann man sich auch inspirieren lassen. Nehmt euch die Zeit. Und hört was dieser Mann zu sagen hat, denn er hat verdammt Recht:


[Danke Marvin für den Tipp]

by B in Crystal Meth State of Mind


Im j.kinski warten wir auf dampfende Honey Mustard Burger in mehlig-knusprigem Ciabatta-Brot mit Kartoffelspalten, warten auf unsere Drinks, lauschen den leisen, ehrlich, kalkbrenneresken Beats aus den Winkeln der himmelblau-violett gestrichenen Wänden und sind uns einig, dass wir der Liebe und dem Spiel, dessen Regeln Viele nicht folgen wollen und können, auf die Schliche gekommen sind.

Unsere Regeln sind wertlos. Die Gläser sind leer, die Burger werden zwischen unseren Kiefern zermalmt und eine kleine braun-weiß-gefleckte Dogge streift unseren Tisch zu unseren Füßen. Keine Regeln für die Liebe, wenn sie ungreifbar ist; und ja, sie ist greifbar. Sie ist greifbar, ohne ihren Zauber, ohne ihren Trick zu verraten.

Wie unsagbar gleich alles geblieben ist, wenn sich Menschen im Lieben verlieren wollen, aber aus irgendeinem Grund alles dafür tun, um eben das zu verhindern. Und es ist so unglaublich schwierig herauszufinden, was in dem Kopf des Anderen passiert, der einem das Wasser abgräbt, nicht weiß wohin.

Drink Nummer 2. Die Regeln sind radikal und jeder hat seine Blaupause dafür, wenn es darum geht, wie und ob man was zu entscheiden hat. Menschen sagen sie lieben einen und dann spüren die anderen das gar nicht. Vielleicht liegt das daran, dass sich Menschen, die es sagen eigentlich nur in das Gefühl verliebt haben und es eigentlich nicht teilen wollen.

Wir kauen zu Ende und bündeln unsere naiven Erkenntnisse über das größte Geheimnis der Zwischenmenschlichkeit. Die kühle Luft von draußen weht durch die geöffnete Tür des j.kinski und kühlt unsere Köpfe. Alles, was du ihr zu sagen hast, sagst du:

ziemlich viel was du da verlangst. ich kann nichts versprechen. und wenn es jetzt das vorerst letzte ist was du von mir hören wirst. es vielleicht dir weh tut oder einfach dumm von mir ist. ich liebe dich. werde glücklich und sei das glück der anderen.”

Es ist so, dass wenn jemand sich dafür entschieden hat, sich nicht zu entscheiden, dann steht man als der Andere auf einer ganz schlechten Position, in der man so wenig richtig und so viel falsch machen kann. Man kann in den Kopf des Unentschlossenen nicht rein sehen. Man weiß nur, da passiert etwas, das einem vorenthalten wird. Als würde man sein Ohr an die Außenwand einer großen Fabrik aus rotem Backstein legen mit dampfenden Essen und horchen, was darin produziert wird. Man hört Lärm, aber es reicht einfach nicht aus um genau zu bestimmen, was es ist.

Sowas kann einen wahnsinnig machen.

Wir zahlen. Tequila Silber zum Abschied. Ich ziehe meine blaue Jacke an und rieche schmerzenden Zigarettenqualm draußen, der sich aus rauchenden Aschenbechern das letzte Mal regt.

Danke B+. Auch für die Drinks.

Wir sind ein Stück voran gekommen. Es hat uns nicht schlauer gemacht. Nur ratloser. Aber lieber die Bewegung erzwingen, als den Stillstand zu akzeptieren.

by B in Crystal Meth State of Mind


Manchmal wenn es Nacht ist, drehen wir uns beide langsamer. Diese Entschleunigung führt zu der totalen Schlaflosigkeit. Ich liege alleine in meinem Bett und alles mit uns macht Sinn. Nicht-euklidische Bewegungen in deinem Orbit und das Greifen nach den Farben deiner Welt. Jeder Berührung folgen Ahnungen darüber, wie es ohne dich hätte sein können. In genau diesen Momenten fühle ich sowas wie Frieden in mir. Ich greife dann manchmal zum Telefon und verschweige dir alles, das meinem Flug in deinem Leben den Auftrieb nimmt. Denn es sind nur noch ungezeichnete Bilder von einem Leben, das ich nicht will.

Wir haben uns richtig entschieden.

(© 2010, Nicola Serra)

Niemand ist warm und schlummert.“

Ich höre wie du dir die Augen reibst, die Nacht für einen kurzen Augenblick abstreifst.

Bin klein, verschlummert an Ort und Stelle“, sagst du. Deine Stimme ist schlafgetränkt und leise.

Ich weiß nicht was ich sagen soll“, sage ich.

Ich weiß.“

Ich muss kurz lächeln. Wir beide haben komische Zeiten hinter uns gebracht. Wir haben überlegt. Und haben uns dafür entschieden. Immer wieder. Wir gehen ins Kino, lesen Bücher, schauen doofe Serien, reden über das Heldenlabor und finden es gut, wenn ich dich hochhebe, so dass du piepst, weil du einfach einen guten Moment hattest und hochgehoben werden willst. Wir bewegen uns, wenn sich unsere Gesichter berühren. Du musst auf deinen Zehenspitzen stehen, um mich zu küssen. Und wenn irgendwas nicht gut war, dann habe ich dich gehalten. Immer.

Mein Leben ist mit Mitte Zwanzig so geregelt. Mein Beruf, meine Freizeit. Dass ich im letzten Jahr nicht untergegangen bin, liegt daran, dass du es warst, der mir immer wieder das Gefühl gegeben hat, jemand Besonderes zu sein, der was Besonderes macht. Ich habe im letzten Jahr so sehr für dieses Leben gekämpft und bin oft hingefallen.

Das macht so viel Sinn… dass du in meinem Leben bist“, sage ich und verschweige alles, was meinem Flug in deiner Welt den Auftrieb nimmt.

Weißt du, ich versinke in zu vielen Bettdecken hier“, sagst du.

Es ist spät, es ist dunkel, es ist Nacht. Ich sitze auf meinem Fahrrad mit meinem zerknitterten Superhelden-Cape und bin glücklich dein Held zu sein. Und fahre zu dir.

Als ich bei dir ankomme und Bettwärme bekomme, weiß ich wieder, dass wir beide immer wieder richtig entscheiden werden und kämpfen. Gegen die ganzen Schwierigkeiten.

Und gegen das Vergessen.

by B in Crystal Meth State of Mind


Als ich vierzehn war (und dick), hatte ich eine grauenhaft pampige Phase, in der ich mit niemanden reden wollte. Schon gar nicht mit meinen Eltern. Ich habe mir die Fingernägel schwarz angemalt, fett genuschelt, wütende Texte geschrieben und laut Disturbed gehört. Ich weiß bis heute nicht, wie meine Mutter das aushalten konnte. Vor allem, weil das bis kurz vor meinem Auszug auch ewig so weiter ging. Ich war so in meinem Kopf gefangen und vor allem so überzeugt davon, dass es FÜR IMMER so bleiben würde, und dass ich FÜR IMMER so Denken würde (und dabei tatsächlich alle zehn Minuten irgendeine andere Meinung hatte), und das ALLE um mich herum einfach zu beschränkt sind, um das zu sehen.

weisheiten

Heute muss ich ja ein bisschen schmunzeln, wenn ich die Kids sehe, die genau das gleiche durchmachen. Und hey, ich bin keine weise fünfundsiebzig Jahre alt, aber immerhin schon so weit, dass ich das mit einem Schulterzucken hinnehme, ohne mir (wie früher) zu denken “OMG IHR SEID SO FAKE, NUR ICH HAB VOLL DEN DURCHBLICK!!”. Stellt euch vor, man hätte mir damals erzählt, “jaja, das macht jeder mal durch, wir waren alle so!”– ich wäre trotzig und wutentbrannt geflüchtet vor so viel Blasphemie. Aber hey, so what.

Das alles fällt einem auf, wenn man merkt, dass man schon ein Jahr lang offiziell erwachsen ist- in meinem Fall das erste Jahr, das ich nicht mehr bei meinen Eltern gewohnt habe. Ich weiß jetzt, wie man Weiße Textilien richtig bleicht und das beste Chili der Welt fabriziert. Den Rest habe ich auf einige Punkte heruntergebrochen, die vielleicht falsch sind, aber in diesem Augenblick meines Lebens genau das ausdrücken können, was ich empfinde.

Übrigens veröffentliche ich hoffentlich bald ein Selbsthilfe-PDF für pubertierende Emos.

  1. Gute Freunde sind schwer zu finden, weil es verdammt schwierig ist, selbst ein guter Freund zu sein.
  2. Kaffee macht nicht wacher, er überdeckt nur den Schmerz in den Augen.
  3. Fett ist ein Geschmacksträger der in Unmengen genutzt werden muss, wenn man etwas Gutes kochen will.
  4. Der Nachgeschmack einer schlechten Entscheidung ist immer noch besser als das Gefühl niemals eine Entscheidung getroffen zu haben.
  5. Immer wenn man sich Gedanken darüber macht was andere von einem halten könnten, macht man sich eigentlich Gedanken darüber, was man selbst von sich hält.
  6. Man sollte den Maßstäben, die man sich selbst anlegt, treu bleiben. Alles andere ist sowieso egal.
  7. Wissen ist auch nur Glauben.
  8. Geburtstage sind nicht für das Geburtstagskind da, sondern für die Leute, die sich das restliche Jahr nicht mehr melden müssen wenn sie gratuliert haben.
  9. Abschlüsse sagen nichts über die Intelligenz oder die Fähigkeiten einer Person aus.
  10. Etwas Unverzeihliches zu verzeihen macht einen nicht zum Helden sondern zum Idioten.
  11. Mach viele Bilder, eines Tages wirst du dankbar sein.
  12. Motivation steht und fällt mit den Menschen, mit denen man zusammenarbeitet.
  13. Ein Chef macht seinen Job nur richtig, wenn seine Mitarbeiter recht haben dürfen.
  14. Man kann sich nie an den ersten Eindruck erinnern wenn man jemanden liebt.
  15. Zähne putzen reicht nicht aus um Mundgeruch loszuwerden.
  16. Schulden sind wie Fesseln, die ein Jugendlicher niemals spüren sollte.
  17. Jeder präsentiert sich am liebsten so, wie er gerne wäre, und nicht wie er eigentlich ist.
  18. Die größte Sucht der Menschheit ist die Bequemlichkeit.
  19. Ein Risiko einzugehen macht überhaupt keinen Sinn, wenn man mit den Konsequenzen nicht leben kann oder will. Deshalb heisst es ja auch “Risiko”
  20. Dramatik ist NUR im Fernsehen etwas, was man auch haben will.
  21. Selbstreflektion sollte nicht mehr als zwanzig Minuten am Tag einnehmen.
  22. Vorurteile und Klischees birgen Wahrheiten in sich. Die Herausforderung besteht darin, darüber hinweg zu sehen.
  23. Organisiert sein heißt Macht haben.
  24. Mama hatte recht, es war tatsächlich “nur eine Phase”.
  25. Gerechtigkeit ist immer subjektiv.
  26. Kinder verstehen alles ziemlich schnell, solange man sich kurz fasst.
  27. Es gibt reiche Menschen, die wirklich viel Geld haben, und es gibt reiche Menschen, die in fetten Autos rumfahren und sich dafür nur noch von Haferflocken ernähren.
  28. Jeder Mensch ist unsicher, was das eigene Aussehen betrifft.
  29. Es gibt Probleme, die macht man sich selbst, und Probleme, die andere einem machen: es ist wichtig, den Unterschied zu kennen, aber am Ende des Tages muss man die Verantwortung trotzdem auf sich nehmen.
  30. Auf der Arbeit sollte man niemals auf die Uhr gucken.
  31. Lernen kann man auch ohne Studium.
  32. Eine Rechtfertigung ist kein Grund.
  33. Die Wahrheit ist nur eine Option von vielen.

Was sagt ihr? Was habt ihr in euren jungen Jahren dazu gelernt?

by yeahs in Gangster


Ich werde die Piraten wählen ((an dieser Stelle danke an Mathieu für die Inspiration, mal etwas ausführlicher etwas zum Thema zu schreiben)). Das soll zu Anfang gesagt sein. Ich werde sie wählen im vollständigen Wissen, dass ich ohne ihre Existenz a) sonst niemanden gewählt hätte, b) meine Stimme womöglich völlig wertlos ist, und c) ich selbst im Falle des Erfolges nicht das serviert bekomme, was ich eigentlich von der Politik erwarte.

Ach so. Sind wir nicht?

Schwachsinn und Polemik

Jeder kann die folgende Geschichte erzählen. Jeder aus meiner Generation. Generation Doof, Generation Praktikum, Generation Pirat. Hier ist die Geschichte: Ich bin zwanzig Jahre alt, und ich scheiss auf die Politik. Und wisst ihr was? Die Politik hat auf mich zurückgeschissen.

Ich weiß noch, welche Streber damals der Jungen Union beigetreten sind ((ich habe das Beispiel schon mal im Beitrag “Sinead’s Hand” benutzt, aber einmal ist keinmal )). Ich weiß noch, dass deren Eltern schon da drin waren. Das waren die Typen, die nur Äpfel essen durften und maximal zum Tippen an den PC konnten. Das waren gutbürgerliche Familien, die Mercedes und BMW fuhren, um die deutsche Wirtschaft anzukurbeln. Das waren die, die die Ausländer jetzt irgendwie nicht “raus” haben wollten, oder so, aber “es sind ja jetzt auch schon genug da, oder?”. Sicher, sicher. Dagegen hätte man früh ankämpfen können: entweder jeden Tag dem Nachwuchs die Nahrungsmittel aus dem Schulranzen klauen, oder selbst bei einer Partei eintreten, um mal den alten Tattergreisen ein bisschen frischen Wind in den Arsch zu blasen.

In die SPD zum Beispiel. Man hätte auch mal den Grünen einen Besuch abstatten können. Sogar in die CDU, dann kann man wenigstens von Innen arbeiten. Aber wisst ihr, was wir gemacht haben? Wir saßen vor dem PC, haben Freunde geknüpft, Webseiten programmiert und uns illegal Musik runtergeladen. Klar, hat ja auch Spaß gemacht. Das Internet ist für uns ein Universalspielzeug geworden. Wir brauchen jetzt nicht (nur noch) zu daddeln wie die Bekloppten, sondern können bei der Informationsflut zeitig mit ADHS unser Grab besteigen. Und wieso streuben die sich jetzt so gegen diese Funktionalität und erzählen uns irgendetwas von Kinderpornos? Weil die auf einmal an Kriminellen keine Exempel mehr statuieren können, und Angst haben, ihre Gewalt zu verlieren. So würde ich das jedenfalls machen.

Rewind: Anstatt uns mal früher zu überlegen, dass man das was Spaß macht ja auch irgendwie Oma & Opa erklären muss, haben wir uns zu einer Elite an Schwachmaten zusammengeschlossen, die ihre eigenen Weltregeln aufgestellt haben. Ich will dabei nicht von der Ignoranz heutiger Politiker und “Internetgegner” (bitch please. Wer bitte schön hat denn jemals was von “gegen Internet” erzählt?) ablenken, sondern einfach verdeutlichen, was ich bei der ganzen Sache empfinde. Ja, die blöden Ärsche verstehen es nicht, und jetzt wollen die uns das wegnehmen, was für uns wichtiger geworden ist als die eigene Mutter. Herzlichen Glückwunsch: Das haben wir uns auch selbst zu verdanken.

Ich betone noch einmal: Ich habe keine Ahnung von Politik, und es hat mich nie interessiert. Wenn man mir mein Gehalt wegnimmt, weil die Steuern so hoch sind, dann halte ich das irgendwie für angebracht, immerhin müssen doch die armen Kinder arbeitsloser Asozialer was zu essen bekommen. Und wenn die hier irgendwo Atomkraftwerke anschalten, dann habe ich keine größeren Probleme beim Atmen. Aber wenn die jetzt kommen und mir mein Internet in seiner vollen Pracht wegnehme, dann werde ich zu einem exorbitanten Monster. Ich suche mir Gleichgesinnte und gründe eine Partei.

Die Piraten Partei.

Und weil man so wie ich nicht argumentieren kann – “hallo ihr Vollpfosten, könnt ihr mal bitte aufhören, uns was wegzunehmen?”, argumentieren wir – rechtmäßig – damit, dass hier die demokratischen Prinzipien eingeschränkt werden, was aber natürlich niemanden interessiert. Wieso auch? Was sind schon 8000 Nerds gegen den Rest von Deutschland? Generation Teenager, Generation Zweifel, Generation Irgendwas-Mit-Medien. Und bis auf die drei Typen, die wirklich was über Politik wissen und die Piraten auch zurecht hier und da kritisieren, weiß doch keiner, was Deutschland eigentlich braucht. Schon gar nicht wir.

Rein Hypothetisch: Was wäre wohl passiert, wenn das “politische Interesse”, welches nun in uns entfacht wurde, vor zehn bis zwanzig Jahren schon entfacht worden wäre? Ich frage mich: was wäre, wenn diese Nerds, die sich heute Piraten nennen, heute flächendeckend auf die Volksparteien verteilt wären, die sich jetzt so wehement unserer Armee der Zukunft widersetzen? Wir haben uns diese Mühe nie gemacht, Leute. Man kann sich natürlich auch über meinen Idealismus streiten und sagen, dass das ja auch nichts gebracht hätte, weil die Motivation hitner Zensur und Kontrolle ja nichts mit der PiratenPartei zu tun hat, oder mit dem Internet an sich, sondern eben mit dem Profit, der dahinter steht. Joah, und genau dafür brauchen wir ja auch eine Piratenpartei. Die Piraten Partei, die von einigen cleveren und weniger cleveren Menschen geführt, und von tausenden Halbstarken verfolgt wird. Halbstarke, die drei Schamhaare und keinen Plan von Steuern, Hartz IV oder Bildungspolitik haben, sondern einfach nur emotionalisiert sind. Kids, die Angst haben um ihre Freiheit, Angst haben um das, was sie so tatkräftig aufgebaut haben. Ich gehöre dazu. Ich weiß von nichts.

Ich werde die Piraten Partei wählen, weil auf dem Bundestagswahl-Menü nichts steht, was mir besser schmeckt. Das bedeutet aber nicht, dass das die Empfehlung des Tages ist. Es bedeutet nur, dass ich so unglaublich enttäuscht von uns bin, von unserer Generation, von mir. Ich bin enttäuscht von unserem Land. Wir legen hier Prinzipien und Normen fest und dann zerbomben wir sie wieder, wie es uns gefällt? Ich meine, mir braucht ja keiner was von Gerechtigkeit zu erzählen — aber Integrität, das ist doch Vorraussetzung für einen Staat, oder? Vor allem und gerade WEIL wir die Regeln hier doch ständig selbst aufstellen könnten!

Ich will die Piraten weder gut noch schlecht machen. Ich will damit nur sagen: Was für eine Alternative bleibt mir? Wenn ich gar nicht wähle, dann habe ich minus Tausend dazu beigetragen. Und wenn ich was anderes wähle, dann ja auch nur mit Halbwissen… Himmel Arsch und Zwirn, dann wähle ich doch zumindest mit stolzem Halbwissen das, womit ich wenigstens teilweise übereinstimmen kann! Und wenn jetzt jemand zu mir sagt: Man, was laberst du da für eine Scheisse, du hast ja keine Ahnung, wo das Problem ist, dann ist das auch angebracht. Weil es stimmt. Aber ich bin nicht die einzige.

Ja, ich habe Angst. Keiner von meinen Freunden ist in irgendeiner Partei. Weit und breit niemand. Ach, Partei, ich würd mich mittlerweile darüber freuen, wenn überhaupt jemand wählen gehen würde. Und hier ist der Punkt: Mittlerweile. Ich würde mittlerweile wählen, ja freilich dazu animieren, wählen zu gehen. Weil das hier mein Leben ist, worüber die bestimmen wollen.

Das, was die schon die ganze Zeit gemacht haben.

by yeahs in Ohne Worte


Hm, ich bin ja kein besonders politischer Mensch. Das mit den Piraten ist ja mehr ein Trend, sozusagen eine Proteststimme meinerseits, als tatsächliches Interesse an der Politik, und letztendlich hat es bei mir nur dann etwas mit Leidenschaft zu tun, wenn es persönlich wird.

Sineads Hand

Daher bin ich immer sehr zurückhaltend, was Kommentare zu Parteien, Politik und so weiter angeht (mal abgesehen davon, dass meine Kommentare wenig hilfreich wären). Eben habe ich allerdings ein Video gesehen, dass es definitiv wert ist, mal ein Wort zu verlieren – vor allem, weil es einen durchaus zum nachdenken anregt. Das Video wurde in Irland gedreht und soll für die Rechte Homosexueller einstehen. Ich möchte es so ausdrücken: wenn Werbespots so gut wären, würde ich definitiv häufiger auch fernsehen. Und hier die politische Frage:  Wieso müssen Homosexuelle immer noch protestieren, für ihre Recht betteln?

Seitdem ich in Berlin wohne, bin ich mit vielen Leuten zusammen, die eine völlig andere Weltansicht haben als ich. Ich dachte früher, nur die letzten Dinosaurierer in Deutschland würden noch CDU oder SPD wählen, in die Kirche gehen und “sich nicht für Musik interessieren”. Ausgerechnet in Berlin, dem hedonistischen Gefilde der Seligen,  musste ich dann kapitulieren. Junge Menschen, gebildete Menschen, mit Verstand, Herz und Charme– das können Leute sein, die den Download von urheberrechtlich geschützten Dateien für Diebstahl halten, oder die einfach mit den Achseln zucken, wenn es um Atomkraft geht. Das sind Leute, die wissen nicht, was Blogs sind und keinen Lieblingsfilm haben. ICH MEINE, WIE KANN MAN KEINEN LIEBLINGSFILM HABEN?

Ja, für die meisten mag das jetzt keine Überraschung sein, jeder hatte schon mal das Vergnügen mit dem opportunistischen Streber in der Oberstufe, der in seiner Freizeit Junge Union Sticker verteilte. Damals dachte man, dass seine Eltern ganz schön kaputt gewesen sind. Ich meine, wem macht schon Politik Spaß? Natürlich wurde der dazu gezwungen, der Klaus! Und Klaus hat einfach bestimmt noch nie Zucker gegessen oder ein Schmuddelmagazin in der Hand gehalten.

Ich will das ja gar nicht verurteilen, auch wenn sich das in erster Linie so anhört. Am Anfang war das, wie schon erwähnt, einfach neu, nicht nur mit Gleichgesinnten zusammen zu sein. Sei es aus beruflichen Gründen oder einfach, weil man sich selbst auch ein bisschen ändert und aufhört, mit dem Kopf im Arsch die Welt zu betrachten. Also, keine Kritik. Im Gegenteil: diese Begegnungen haben mich in meinem eigenen Horizont bereichert. Ich kann nur hoffen, dass diese Begegnungen (mit mir) auch in irgendeiner Form bereichernd war, selbst wenn die meisten jetzt nur glauben, dass meine Frisur noch schlimmer ist als die von Wolle Petry.

Doch genau so ist es, wenn man sich sein Leben lang fragt, wer eigentlich diese drei Millionen Leute sind, die angeblich jeden Tag die Bild Zeitung lesen. Sind das alles Typen ohne Schulabschluss und Vokuhila? Sind wir/bin ich wirklich schon so verblendet in meiner eigenen Arroganz, dass ich in die gleichen Fallen tappe, die ich so großmäulig kritisiere?

Es ist gefährlich, Menschen den Maßstab anzulegen, den man für sich selbst in langer Arbeit erschaffen hat (und meistens merkt man gar nicht, wie hoch die Fluktuation der eigenen Prinzipien ist). Es ist vor allem dann gefährlich, wenn man nicht sieht, das man auf weiter Flur alleine da ist mit seiner Meinung, weil man ganz fest daran glaubt, dass man eines Tages diese ganzen Zurückgebliebenen ausrotten kann. Und schon wird das “irgendwann” zum “heute”, und die Bild Zeitung in den Händen der Menschen verschwindet aus dem Blickfeld und man sieht nur noch Gleichgesinnte, die das “doch einfach verstehen müssen“.

Freunde kann man sich aussuchen, Gesellschaftsformen, Maßstäbe von Moral und Normen allerdings nicht. Wer das versucht, erschafft sein eigenes Loch. Es hilft genauso wenig, Menschen neue und revolutionäre Technologien und Philosophien aufzudrücken, wie den Iraq einzunehmen und da Demokratie zu pflanzen, wo der Boden noch gar nicht vorbereitet ist.

Es frustriert mich, ja! Es frustriert mich, mit Menschen über Dinge zu diskutieren, nur um dann festzustellen, dass jegliche Logik einfach ausgesiebt und durch wertlose Meinungen und Überzeugungsarbeit ersetzt wird. Es bedrückt mich, weil ich weiß, es wird noch so lange Dauern, bis Homosexuelle gleiche Rechte haben und bis jeder gerafft hat, dass man alte Methoden zur Unterdrückung von Kriminalität nicht in heutigen Zeiten anwenden kann; aber ich will nicht die andere Partei unterschätzen. Und vor allem will ich nicht als letzte Wissen, wenn ich doch einen Denkfehler gemacht habe.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte: Jeder Mensch muss fünf Wochen damit verbringen, jeden Tag einem anderen Menschen zuzuhören, und zwar mindestens 50% des Tages. Vielleicht gibt es dann einige weniger, die sich mit Menschenbildern das Leben ausmalen.

In meinem Feedreader bin ich über einen sehr interessanten und einleuchtenden Artikel gestoßen: No more yes. It’s either HELL YEAH! or no.

When you say no to most things, you leave room in your life to really throw yourself completely into that rare thing that makes you say “HELL YEAH!”

We’re all busy. We’ve all taken on too much. Saying yes to less is the way out.

Der Autor beschreibt Situationen, in denen man sich zwar entscheiden sollte, aber nicht wirklich angetan ist von den Optionen. Zu oft sagt man zu Dingen dann Ja, die mein eigentlich gar nicht so überzeugend findet. Es muss nicht unbedingt eine falsche Entscheidung gewesen sein; aber es raubt einem Kraft, Energie, Zeit, wenn man sich ständig nur mit 70% Qualität begnügt, obwohl man genauso gut einfach mal Nein sagen könnte.

Und so kommt man zu einer gewissen Moral: Wenn es mich nicht voll umhaut und ich vor Ekstase stöhne, dann sage ich einfach Nein. Ein Beispiel:

“Hey, lass uns Sex haben!”

Vorher: “Ähh… okay, ich hab ja sonst nichts besseres zu tun..”
Nachher: “FUCK THAT SHIT, SUCKER!!”

Anhand dieses Beispiels sehen wir, dass Frauen diese Philosophie schon seit Anbeginn der Zeit verfolgen.

Aber mal im Ernst: Natürlich ist es manchmal nicht ein einfaches Schwarz/Weiß Verhältnis, das man mit lediglich Ja oder Nein beantworten muss. Es gibt Entscheidungen zu treffen, man muss planen. Manchmal muss man sich auf dem Weg zum Ziel mit weniger zufrieden geben, um das Ziel überhaupt zu erreichen. Die Frage, die sich stellt, ist ob das Ziel es das dann überhaupt wert ist? Ob man mit dieser Unzufriedenheit niemals das Ziel tatsächlich auch voll erreicht?

Ich weiß nicht, ob ich das so ausprobieren kann/will. Es gibt viele Dinge, die muss ich mir erstmal gut reden. Aber am Ende des Tages waren das die besten Entscheidungen meines Lebens (das, oder ich lebe auf einem Hof wo alle Ponys rosa sind und Uwe heißen). Ein bisschen mehr Nein kann sicherlich nicht schaden, aber ob diese Philosophie auf jeder Ebene gesund ist, wage ich zu bezweifeln.