Best Friends. Forever.

Veröffentlicht November 24, 2009

Ich habe mich von meiner besten Freundin getrennt. Yop. Regelrecht: getrennt. Wieso? Weil 500 Kilometer und konsequente Belastung wie eine explosives Gemisch sind. Sicher, eigentlich könnte man sich einfach ignorieren, anstatt die Seile so zu kappen; aber dann tut es trotzdem noch weh. Also ist jetzt Schluss, und zwar genau mit diesen Worten.

Best Friends Forever

Drei Jahre lang war sie Nummer 1 für mich. Ich stellte letztens fest, dass ich ihre Nummer 38 bin, Tendenz nach unten. Erinnert jetzt tatsächlich ein bisschen an die vorletzte Folge Gossip Girl- aber oh so glaubt mir doch. Ich habe (bildlich) meine Sachen gepackt, bin in meinen Mustang gestiegen, habe dem Himmel einen Fickfinger entgegengeschleudert und fuhr mit Arsch aus dem Fenster gen Sonnenuntergang am Wüstenhorizont.

Band of Skulls – Friends

Not really.

Denn dann kam die Einsamkeit, und die Panik: Oh Gott, was mache ich jetzt? Versteht ihr, eine beste Freundin kann man nicht ersetzen. Erst recht nicht, wenn man im Arbeitsleben steckt (das fast ausschließlich aus Typen besteht). Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ich ja nicht irgendeine beste Freundin will.

Ich will eine, die genauso war wie meine alte beste Freundin. Eine, die mich keuchend vor Lachen anruft und erzählt, dass sie gerade von ihrem eigenen Furz würgen musste. Eine, die Gänsehaut vor Fremdschämen bekommt, wenn sie sich Talkshows anguckt. Eine, die am liebsten den ganzen Tag zu Hause schimmelt und gute Filme guckt. Eine, die sechs Stunden im Club Spastis beim Tanzen nachmacht. Eine, die so ein Lebensmittel-Nazi ist, dass ich automatisch mehr Spaß am Essen habe, wenn sie dabei ist. Eine, die im Auto lauthals zu The Cure mitgröhlt und dabei fast gegen einen Baum fährt. Eine, die sich die ganze Nacht in Bars vergnügen kann, ohne einen Cent für ihre Getränke zu zahlen oder sich dafür prostituieren zu müssen. Eine, die so hysterisch wird, wenn man sich streitet, dass man sich selbst den Bauch halten muss vor Lachen. Eine, die sich von mir Mixtapes machen lässt und diese großartig findet. Eine, die mich die ganze Zeit wie ein Idiot behandelt und auslacht. Eine, die meinen Geburtstag vergisst. Eine, der es egal ist, ob ich da bin oder nicht. Eine, die mich im Regen stehen lässt, wenn ich sie brauche. Eine, die sich alle sechs Wochen meldet, um mir zu erzählen, wie beschissen es ihr geht. Eine, die mich geradeheraus anlügt. Eine, mit der ich immer im Wettbewerb stehe, wer cooler und stolzer sein kann. Eine, die ich irgendwann so hasse, dass ich sie am liebsten mit bloßen Händen erwürgen würde. Eine, die es nicht verdient hat, mit mir befreundet zu sein. Eine, die nicht dankbar ist für all das, was ich für sie getan habe. Eine, für die ich alle meine Ansprüche und Erwartungen herunterschraube, und trotzdem noch enttäuscht bin.

Ach, scheisse.

 
 

Eigenschaften

Veröffentlicht November 21, 2009

Ich vertrage keine Eier. Ich sehe scheisse aus wenn ich renne. Ich habe eine Narbe am Bauch. Ich lasse das Wasser laufen beim Zähne putzen. Ich lache nicht über Satire. Ich habe keinen guten Klamottengeschmack. Ich habe Angst vor Feuer. Ich hasse Auberginen. Ich habe immer das letzte Wort. Ich bin ungeduldig. Ich fahre meinen PC nie herunter. Ich finde The Godfather extrem langweilig. Ich träume davon, wie ich den perfekten Mann kennen lerne. Ich war noch nie Ski fahren.

eigenschaften

Ich bin nicht kitzlig an den Füßen. Ich interessiere mich nicht für Armut. Ich verschwende mein Geld. Ich bin nicht überdurchschnittlich intelligent. Ich kenne nicht den Unterschied zwischen Sarkasmus und Ironie. Ich kriege Blähungen von Nüssen. Ich will nicht arbeiten. Ich habe Pickel. Ich sehe keinen Vorteil in HD-TV. Ich kaue nicht an meinen Fingernägeln. Ich liebe Kinder Riegel. Ich habe keine Lieblingsfarbe. Ich glaube an Zeitmaschinen. Ich habe keine Lieblingsfarbe. Ich esse lieber Eis im Winter. Ich hasse den Start beim Fliegen. Ich gucke lieber alleine Fernsehen. Ich bin romantisch. Ich habe Cellulite am Oberschenkel. Ich träume nicht davon, mit dem perfekten Mann zusammen zu sein. Ich kratze mir Mückenstiche auf. Ich teile mein Essen ohne Probleme. Ich hasse experimentelle Musik. Ich töte Insekten. Ich war einmal verliebt. Ich liebe seichte Popmusik. Ich gebe Obdachlosen kein Geld. Ich lüge meine Eltern an. Ich erinnere mich nicht an letzte Woche. Ich hasse Clubs. Ich verbringe meinen Urlaub in einer Großstadt. Ich kenne glückliche Menschen. Ich wohne im vierten Stock. Ich koche Nudeln ohne Salz. Ich spiele Poker. Ich kann über meine Wut nicht sprechen. Ich lese keine Zeitung. Ich will keinen Mac besitzen. Ich finde Pulp Fiction nicht gut. Ich gehe nicht gerne auf Festivals. Ich spreche fließend Englisch. Ich besitze eine analoge Kamera. Ich fahre kein Fahrrad. Ich surfe mit W-Lan. Ich habe ein Studium abgebrochen. Ich kriege kein Kindergeld mehr. Ich benuzte den Google Reader. Ich wäre gerne zehn Zentimeter größer. Ich benutze die Zahnpasta meiner Mitbewohner. Ich esse kein Schweinefleisch. Ich habe einen Speckbauch. Ich gehe gerne in die Oper. Ich war noch nie auf einem Segelboot. Ich hasse meine Nase. Ich weiß nicht wie man mit Aktien handelt. Ich ziehe keine unterschiedlichen Socken an. Ich hasse das Geräusch anfahrender Züge. Ich verstehe nichts von Kunst.

Ich weiß nicht, wer ich bin.

 
 

Eisflug

Veröffentlicht November 19, 2009

Meine Haare waren lockig. Und sie waren kurz. Mein Bruder hatte mir einen Kaugummi auf den Kopf gepflanzt, und mein schönes Haar wurde abgeschnitten. Ich hatte riesige Tränen in den Augen. Meine Welt war sepia getönt. Der Schnee glitzerte draußen auf dem Auto. Frisch. Die Tür stand offen, und alle warteten auf mich.

sepia

Meine Mutter beugte sich zu mir herunter, drückte mir einen Kuss auf die Wange und fuhr mir mit den Fingern durch die Locken. Sie sagte

“Ich liebe deine Haare, auch wenn sie kurz sind.”

Sie zog mir meinen lila Mantel an. Ich hasste ihn, weil er zu groß war, aber ich war müde. Ich hatte schon genug geweint. Mein Vater nahm mich auf den Arm und trug mich sein neues Auto.

“Wir haben was zu feiern”, aber ich wusste nicht, was.

Plötzlich stehe ich auf dem Eis, auf einer riesigen Schlittschuhbahn. Mein Bruder hat meine Hand losgelassen. Er ist viel weiter vor mir und ich habe Angst. Ich drehe mich zu meinen Eltern um, die am Rand stehen und zuschauen. Sie winken und lachen. Ich will zu ihnen, aber so viele Leute kommen mir entgegen. Ich fange an zu weinen, und als ich zu ihnen rennen will, falle ich hin. Meine Hände tun weh. Ich sitze schluchzend da. Die Leute rasen an mir vorbei, und zwischen ihren Beinen sehe ich ab und zu die fernen Gesichter meiner Eltern aufblitzen.

Ich spüre, wie mich starke Arme packen und hochziehen. Zwei Riesen stehen vor mir. Die Sonne blendet mich, und ich erkenne ihre Gesichter nicht. Ich verstehe nicht, was sie zu mir sagen. Sie fassen mich an den Händen. Sie fahren los.

Ich konnte fliegen. Für einen Augenblick konnte ich fliegen. Und während das Salz noch auf meinen Wangen trocknete, lachte ich schon wieder. Ich war stolz auf meine Locken. Ich war stolz auf meinen lila Mantel. Die Riesen waren meine Flügel, und ich flog davon. Meine Eltern winkten von der Erde hoch, mit ihrem Kakao in der Hand, arm in arm, und lachten mir zu. Ich hatte keine Angst mehr.

Eisflug · Kategorien: Chaosplanet · 3 Kommentare
 
 
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