Drake

Drake

Der Auftritt von Drake in der O2-Arena gestern Abend hat so einige Menschen – mich zum Beispiel – mit einem unerwarteten Wasserfall an schönen Gefühlen übergossen. Obwohl ich mich lange dagegen wehrte, Tickets zu kaufen, habe ich mich schließlich doch dazu entschlossen. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Wertschätzung für sein zweites Album “Nothing Was The Same” Zeit zum Reifen bekommen hatte. Trotzdem konnte ich, anders als bei seinem Auftritt in der Max-Schmeling-Halle 2012, nicht jeden Song mitsingen. Ich sehe das nicht unbedingt als Nachteil. Auf dem Konzert konnte ich so noch einige Hits für mich entdecken, auch wenn ich’s ein bisschen schade fand, dass er meine Favoriten aus alten Tagen nur im DJ Set kurz anschneiden ließ (Forever, Over, Best I Ever Had).

Pünktlich fing The Weeknd an. “Pünktlich” gefällt mir sehr gut. No fuss, 20 Uhr, Licht aus, direkt losträllern. The Weeknd hat eine großartige Stimme, leider ging in der seelenlosen O2-World seine so herrlich und mühsam erarbeitete Schlafzimmer-Atmosphäre verloren. Einige Songs hatten keineswegs die Strahlkraft, die man sonst beim Hören seiner Alben empfindet. “Wicked Games” und “What You Need” sind in einem Schlagzeug-Inferno untergegangen. Trotzdem: The Weeknd, als dankbarer Opening Act für Drake, hat bewiesen dass er wandelbar ist. Das ist ein Pluspunkt. Statt Sülze zu performen, hat er kurzerhand seine besten Michael Jackson Moves rausgeholt und die Halle zelebriert. Er hätte sie auch willkürlich zu Intimität zwingen können, aber das wäre falsch gewesen in Anbetracht des großen Drakes. Die Zuschauer waren dankbar: die meisten hatten keine Ahnung, welche Pop-Elfe ihnen da gerade die Lenden ins Gesicht twerkt. Hätte Abel Tesfaye sich auf seine sanften Töne beschränkt, wären die meisten wahrscheinlich im Stehen eingeschlafen. Den “Bedroom Sound” kann man auf der Bühne nicht produzieren, das ist gut so. Das Rohe an The Weeknd gibt es nur als schlecht abgemischtes, digitales File. Analog dazu hat er ab und zu den Ton verfehlt; das hat’s wieder genullt und ihm die Street-Cred gegeben, die er als leidender Künstler braucht.

Schemenhaft zu sehen: The Weeknd.

Mein Fazit zu The Weeknd: ich bin nicht unzufrieden. Es war klar, dass die Erotik, die Verruchtheit und die düstere Verzweiflung nach 2011 nicht mehr funktionieren, und schon gar nicht, wenn man sie mit vielen schwitzenden Menschen teilt, die alle einen harten für Drake haben. The Weeknd höre ich mir lieber weiterhin alleine an (in meinem 300 qm Loft, völlig breit, mit nackten Mädchen die lasziv und willig um mich herum tanzen).

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February 28th, 2014 Posted in Berlin, Musik | Comments Off

Don’t Drake My Heart

Wer fünfzig Euro für ein Konzertticket ausgibt, der muss schon wissen, wieso er das tut. Für mich teilte sich das in etwa so ein: 5 Euro für Drake und 45 Euro für seine Support Acts der Club Paradise Tour, nämlich sowohl A$AP Rocky als auch meinen persönlichen Helden Kendrick Lamar. Natürlich war das ein naiver Wunschtraum, denn weder noch waren letztendlich vor Ort um mit ihrer Musik mein Gehirn zu verwüsten (dafür immerhin Tini Tempah, den wir dank Parkplatzsuche verpasst haben). Vielleicht war das aber nur die Entschuldigung, die wir benötigten, um ohne schlechtes Gewissen den Robbie Williams der Rap Musik von Nahem zu betrachten (und natürlich zu verurteilen. Immerhin ist Aubrey bei mir nicht immer gesegnet mit Lob).

Letztendlich war Drake on stage, anders als Rick Ross, ein großartiger Entertainer. Ich meine, es bleibt halt weiterhin dabei: er macht solide Pop-Musik, die sich aus dem Genre Rap zusammenfügt. Alles am Start: die Codes, die Styles, die Wörter und die Rhymes, aber inhaltlich und auch als gesamte Komposition ist und bleibt er eine kontemporäre Marionette in einem Entertainment-Business. Auch andere Rapper fallen in diese Kategorie, haben dabei aber noch weniger Authentizität und schon gar nicht so einen eindrucksvollen Live Auftritt. Drake vereint live Charisma und Talent: ja, der Mann kann singen und rappen, und wenn man ihn ließe, würde er bestimmt auch gerne eine Pirouette im Tütü drehen. Er ist eben ein Heartdraker, der gute Aubrey, und sympathisch allemal: auch den zynischsten Herzen konnte noch ein bisschen Liebe abgewonnen werden. Seine Danksagung an das Publikum mag vielleicht geschauspielert gewesen sein, immerhin war sie aber schmeichelnd. Und wo wir schon bei der Crowd sind: auch die war um einiges durchmischter und diverser als bei Rick Ross, dem Rap-Äquivalent zu einer Wrestling-Show.

Die Max-Schmeling-Halle tobte für Berliner Verhältnisse, mindestens drei Leute klatschten mit und ich könnte schwören, dass ein Mädchen ihren BH auf die Bühne warf. Fast wäre auch ich verleitet gewesen, mich in die erste Reihe zu boxen, allerdings nur, um ihm die schicken Jordans von den Füßen zu reißen. Auch wenn er nicht immer den richtigen Ton in seiner Musik trifft: das, was er macht, macht er souverän, und dafür hat sich das Konzert gelohnt. Ein Banger-Konzert für die OGs war es sicherlich nicht, dafür gab es zu viele schmalzig-süße Momente, bei denen sogar harte Familienpolitikerinnen in Ohnmacht gefallen wären. Wie würde Kay-Z jetzt sagen? “Du wurdest durch den Drake gezogen!”

(Bonuspunkte gab es für den quasi-pünktlichen Beginn und dafür, dass das Publikum scheinbar nur aus Mädchen mit lockigen Haaren bestand, denn die hat er alle persönlich begrüßt und das dauerte ungefähr drei Stunden. Er meinte übrigens mich, bitches- und falls ihr euch fragt, wieso ich es nicht schaffe, mal ein ordentliches Foto auf so einem Konzert zu schießen: das ist die Perspektive der kleinen Menschen, die sich zu schade sind, für die erste Reihe zu sterben).

April 13th, 2012 Posted in Gangster, Musik | Comments Off

DRAKE -The Motto / Official Video

Ich kann mich, trotz des widerlichen Versuches, “relay” mit “YMCA” zu reimen, nicht gegen The Motto versperren. Catchy, cocky und lebensbejahend wie gewohnt. Man kann ja immer auch ganz gut über die Inhaltslosigkeit hinwegblicken, solange die Delivery stimmt.

December 22nd, 2011 Posted in Musik | 1 Comment »

Lord Knows

Obwohl es nun einige Tage draußen ist und meine Leser sicherlich schon auf soetwas wie eine Ansage warten, habe ich mich bisher geweigert, das neue Album von Aubrey hier zu zerreissen. Ich denke, wer auch nur ein bisschen Geschmack hat, wird ihren Erfolg auf den Pop schieben und Aubrey für immer vernichtend in die Ecke der größten Huren aller Zeiten stellen. Er hätte wirklich eine Chance gehabt, ein Stunter wie sein Daddy zu werden. Ich hatte Hoffnungen. Die Wörter sind alle da, aber die Art, wie er sie aneinanderreiht und nein, die Art, wie er sie benutzt, wie er sie ausspricht, katapultiert ihn aus dem Game der Player in das Game Over der katastrophalen Pop-Figuren. Drake ist nicht der neue Eminem, oder der neue Lil Wayne oder was auch immer. Drake ist die ambitionierte Experiment-Leitfigur in einer Welt in der Lady Gaga das Zepter schwingt.

Aubrey hatte Chancen. Er war nie ein Rick Ross, den man nicht ernst nimmt und einfach lachend gut findet. Ricky ist süß und furchterregend gleichzeitig, er hat keinen großen Rap, aber sein Style und seine Attitude gleichen das aus. Er hat Charisma. Drake hat nur 13 Jährige Mädchen die ihn lieben. Keine Ahnung, Mann. Sogar Justin Bieber kann besser rappen als Aubrey auf Take Care. Aubrey, du bist mein Vanilla Ice, und dafür musst du nicht mal weiß sein.

Allerdings gibt es einen Höhepunkt auf dem Album (zwei, wenn man Kendrick Lamar auch wertschätzen möchte, aber nicht kann, weil man erst Mal 4 Minuten durch gequirlte Scheisse “Marvins Room” spulen muss, um bei ihm anzukommen). Einer, der leider immer und immer wieder von Drake selbst zerstört wird: Lord Knows.

Der von Just Blaze produzierte Beat ist Wahnsinn. Das kann man gar nicht in Worte fassen wie gut er ist. Doch jedesmal, wenn mich die Gänsehautdusche überschüttet, muss die Hure Dreck einsetzen mit seinem Weibergefasel und macht mich zur axtschwingenden Blutprinzessin. Rick Ross muss man hier nicht zusätzlich erwähnen. Der ist da und erfreut sich seinem üblichen Ablauf.

Der ganze Track, eine Tragödie erster Güte. Was die Welt braucht ist ein Rapper, der diesem Beat gewachsen ist. Einer, der ihn zerstört, der ihn zerfickt und bekämpft und blutend aus einer Schlacht rauskommt. Ich warte, und warte, und warte. Hier noch mal das Instrumental:

November 27th, 2011 Posted in Musik | 10 Comments »

Aubrey

Ach Aubrey, du kleiner Pimmel. Ich kann mich einfach nicht entscheiden ob ich dich hart geil oder hart scheisse finden soll. Einerseits bist du süß, und du bist emotional und talentiert. Du kannst schreiben und auch ein bisschen singen, und außerdem hast du Songs gemacht, tja, die haben mich ganz schön berührt. Ich denke da an den einen mit Lykke Li im Remix, oder an den, wo du eine (oder mehrere) Frauen besingst, oder den, wo du morgens schon mal reinhalten möchtest.

Aber nicht alles, was du tust, ist auch wirklich gut. Zum Beispiel das neue mit Rihanna, wo du nur Scheisse auf Scheisse reimst. Vielleicht, weil du ein Riesenspast bist und unbedingt auf dem Jamie XX Zug aufspringen wolltest und keinen Bock auf guten Rap hattest. Vielleicht, weil du einfach nicht anders kannst. Ich kenne das: wenn man viel Output hat, dann verschwendet man auch viele gute kleine Gedanken an viele mittelmäßige Tracks, anstatt sie in ein riesiges, krasses Ding zu investieren. Das bedeutet Zeit, und Sammelgeduld. Das hast du beides nicht. Und hör endlich auf, so zu tun, als wärst du der schönste Mann der Welt. Du bist nämlich echt hässlich und wir alle wissen es.

Ich mag dich aber trotzdem, und deshalb feiere ich auch deinen neuen Song mit Lil Wayne (und im Tyga Remix), “The Motto”, irgendwo zwischen sehr exzentrisch und sehr poppig angesiedelt. So und nicht anders, Aubrey. Außerdem, so hässlich bist du gar nicht. Solange es noch Tyga gibt, bleibst du vielleicht sogar der Schönling, für den du dich so hälst. Hab dich ganz doll lieb, Aubrey.

November 8th, 2011 Posted in Musik | 3 Comments »