"Girl gone wide."


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Ich kann Rich Hil auf den Tod nicht aufstehen, aber sein neues Mixtape erinnert mich – völlig unberechtigerweise – an To Record Water In Only Ten Days von John Fruiscante. Das Album haben wir damals in TB’s Keller gehört und uns gefragt, wie es wohl sein muss, so viel Scheisse zu fressen und Zähne an Heroi zu verlieren. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Rich Boy Hilfiger Jr. nicht dieselbe kreativer Phase des inneren Zerreissens mitgemacht hat; zumindest endet das nicht im selben fantastischen Sound-Resultat. Es endet ja nicht mal in der selben lyrischen Liga, es ist weder subtil noch prägnant, es ist einfach nur pathetisch und widerlich.

Nur gibt es Tage, an denen fühlt man sich genau so geschmacklos, dass man sich sogar dramatischer Twilight-Musik von Ricky Hil hingeben kann. So viel Labilität kann sich der Mensch ja durchaus mal eingestehen.

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by yeahs in Crystal Meth State of Mind Musik


Eigentlich wollte ich nur wissen, wo man einen guten Falafel und gutes Gras in dieser Stadt auftreiben kann, und dann ist der erste Wikipedia Eintrag zum Google Stichwort “Lebanese District Sydney” einfach mal das hier, und jetzt habe ich auch keine Lust mehr auf gutes Essen. Oder Drogen.

Außerdem bin ich ab morgen quasi-Obdachlos und habe keine Lust mehr auf beeindruckende Skylines. Aber okay, Drogen will ich trotzdem.

by yeahs in Urlaub

Die Full Moon Party verdrängt ehrenhaft die Fuckparade 2010 vom dritten Platz der schlechtesten Parties, auf denen ich je anwesend war. Getoppt wurde die Horrorveranstaltung nur noch von meinem Abiball, ein fürchterlicher Zombiemarsch in Anzug und Kleid, der mich für Monate traumatisierte und zur Halbalkoholikerin machte, und meinem 12. Geburtstag, an dem nicht ein einziger Mensch anwesend war, nicht mal meine eigenen Eltern, und ich eine Lebensmittelvergiftung aufgrund von Überfressung an rohem Teig erlitt.

Um mit dem kürzesten Teil schnell abzuschliessen, fange ich mal mit den positiven Seiten des Abends an: der Mond war der volle Wahnsinn. Ich habe noch nie in meinem Leben so einen Mond gesehen, und gar nicht erst versucht, ihn irgendwie festzuhalten. Soetwas sieht man nur ein mal im Leben oder gar nicht und dafür, alleine dafür, war ich sehr dankbar an diesem Ort in dieser Zeit anwesend zu sein. Der Mond hatte einen verdammten Regenbogen! EINEN EIGENEN REGENBOGEN! Ich weiss, ihr sagt, dass ist unmöglich, das waren wieder die Drogen, aber ich schwöre es, es war absolut fantastisch.

So, und das war‘s dann auch an den guten Dingen der Full Moon Party. Das Trauerspiel fängt schon in Haad Rin an, dem Strand, an dem sich die Katastrophe abspielt. Ich kann mir durchaus vorstellen dass das mal ein paradiesischer Ort war, an den sich nur wenige einsame Seelen verlieren wollten und ihre seltene Gemeinsamkeit mit einem kleinen Feuerwerk und ein bisschen Alkohol befeierten. Wahrscheinlich sind die guten Männer und Frauen, die einst dem Aussteiger-Hippie-Pfad folgten, sogar noch selbst in die Wälder gegangen um ihre Pilze zu pflücken, haben mit Speeren ihre Fische gefangen und gegrillt und den lokalen, selbstgebrauten Whisky genossen. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Aber wie dem auch sei: die absolute Apokalpyse findet nun monatlich an diesem Strand statt, der eher einem Kotsumpf entspricht, eine Bremsspur auf der Karte Thailands. Noch nie in meinem Leben habe ich so eine traurige Ekokultur beobachten können wie auf Ko Phan-Gan, oder eher, Haad Rin. Von Larva Migraine bis E.Coli über in AIDS getankte Hero-Nadeln hinaus gab es noch eine geballte Ladung Idiotie umsonst oben drauf, Happy Hour für Knochenbrüche und ertrinkende Spasten, die von Insel zu Insel schwimmen möchten, ohne überhaupt das gegenüberliegende Land sehen zu können.

Ich habe mich natürlich gefreut, denn Ko Phan-Gan ist voll und ganz auf die Feierwut der von Backpackern zu Paketurlaubern mutierten Touristen eingestellt und die Apotheken platzen geradezu nur von großartig stimulierenden Mitteln, rezeptfrei nachgeschmissen, ohne den kleinsten Zweifel daran, dass man durchaus wirklich krank sein könnte und diese Medikamente braucht; für 100 Baht die geballte Überdosis, Prozac, Valium, Xanax, Speed, Ritalin, Adderall, und hätte man noch mal gezwinkert, wäre der Yabba-Man wahrscheinlich sogar persönlich mit dem gutem alten Meth vorbeigekommen, Crackpfeife oder Spritze wahlweise inklusive. Totalabschuss auf einer Insel die für Pfeifen erfunden wurden. Ich verurteile dabei nicht den Konsum von Drogen, ach, schiebt euch die Pillen doch in den Arsch wenn ihr wollt, ich mach‘s auch, ich kann eure Fressen nämlich nicht mehr sehen. Was mich stört ist der Drogentourismus, der so leichtsinnig passiert, Kids, die sich Teile und Weed und Mushrooms reinhauen ohne einmal überlegt zu haben, was da überhaupt drin ist, was sie da Fressen. Aus „einmal ausprobieren“ wird dann vielleicht „ewig hängenbleiben“ oder direkt Tod wegen Herzversagen, und das ist wirklich noch die schönere Variante, die, wo man nicht völlig zerleicht halb im Meer hängt und die Kacke von anderen Druffimeistern im Gesicht schwimmen hat. Da lob ich mir die Berghainer, die sich jeden Tag McSmack in die Venen schießen und sich nachts am Bahnhof für die Patte bücken müssen, aber wenigstens einen Plan davon haben, wie Uppers und Downers funktionieren. Dass man selbst beim Gehirnfick noch scheisse bauen kann, das geht über mein Verständnis hinaus.

Die ganze Nacht kamen mir irgendwelche verwesten Leute entgegen, die ihre Whiskey Buckets tranken und direkt wieder reinkotzten, die nicht mehr wussten, wo vorne und hinten war.. 30k vollgepisste Leute, und um 2 Uhr morgens war die Hälfte entweder schon im Krankenhaus, oder wurde in den Büschen vergewaltigt, oder hatte sich selbst komplett kampfunfähig geschaltet.

Für mich war das alles Krieg. An der Front mit Panzerfäusten voller Ekel. Die absolute Naturkatastrophe, reines menschliches Versagen, ein beispielhaftes Bild dafür, wie schlecht die touristische Entwicklung teilweise in Thailand durch die einstigen Backpackerträume hochgezogen wurde, völlig unnatürlich und widerlich. Es ist schwer, dabei die Verantwortung bei irgendjemandem zu suchen. Es gibt niemanden, der jemals etwas böses wollte, und vielleicht ist es genau das, was mich noch am meisten toben lässt. Dass diese Zerstörung und Destruktion ein Teil von dem ist, was den angeblichen Wohlstand ins Land bringt, Billigtourismus für Europäer die normalerweise in Finanzen arbeiten und einmal im Jahr aus dem Hamsterrad raus kommen möchten um genau das zu tun, was sie überall anders auch tun könnte, nur billiger: saufen. Und für so manch glücklichen: ficken.

Während ich also all das zu ignorieren versuchte, während ich mir schlechten Goa auf 747-Dezibel fahren musste, tröstete mich nicht mal die Tatsache, dass ich das schönste Mädchen auf dieser Insel war. Ja, der haarige Gorilla aus dem arabischen Hinterwald gewann, und wenn auch nur, weil ich keine Kotzbrocken vermischt mit Neonfarbe und Schweiss am ganzen Körper verschmiert hatte. Gott, waren die alle hässlich. Insbesondere die fetten Engländerinnen mit den gelb-krummen Zähnen. Was zur Hölle IST das? Wieso? WIESO SIND DIE SO HÄSSLICH UND WIESO SIND DAS ALLES ENGLÄNDER?

Ich würde das gerne mit einem lustigen Satz beenden, einer, der aussagt, „ich bereue nicht hingegangen zu sein, weil man sowas auch mal gemacht haben muss“, aber eigentlich war es wirklich nur durch und durch traurig. Um 4 Uhr morgens saß ich kichernd auf Mushroom Mountain und feuerte verwirrten Opfern mit meiner selbstgebauten Zwille Geckos und Steine an die Fressen, und das war so ziemlich mein persönliches Highlight. Aber ich war da, und ich habe beigetragen, jeder Besucher ein Gewinn für den Untergang, harder better faster fuck you. Und ich bereue es, da gewesen zu sein, weil ich vorher genau wusste, dass ich es scheisse finden würde. Lediglich das Vorglühen, beziehungsweise das Neonfarbiganmalen, hat mir anfangs die Zweifel nehmen können, nur um sie mir dann wieder mit Breitseite und absoluter Bestätigung direkt ins Gesicht zu schlagen.

Seht ihr, ich kann mich nicht nicht beschweren. Das geht nicht. Ob ich was auf meiner Reise gelernt oder gefühlt oder so habe, das passt hier sowieso nicht hin, dafür ist kein Raum, dafür ist nicht mal Raum in meinem Kopf – die wunderschönen Sonnenuntergänge und die fantastischen Menschen, die man hier trifft, wie soll man das in Worte fassen? Deshalb ist es meine Aufgabe, alles so einseitig schlecht darzustellen, wie es mir nur möglich ist. Mir bleibt quasi nichts anderes übrig. Aber die Full Moon Party, die hat den Vogel abgeschossen. Wir sind für einen Visa Run nach Malaysien gefahren und werden morgen wieder zurück nach Koh Tao reisen, wo ich vier Tage lang unter Wasser statt über meinen Frust loswerde. Aber auf jeden Fall pinkel ich noch mal in Richtung Koh Panghan und freue mich jetzt schon darauf mir in 5 Jahren die Kugel zu geben weil ich den Weltschmerz, den ich dort aufgesaugt habe, bis dahin wahrscheinlich nicht mehr loswerde.

By the way, sollte es jemand doch noch mal nach Koh Panghan wagen ohne unbedingt die Full Moon Party im Visier zu haben: Haad Yao ist ein wunderschöner Ort zum Sterben. Nur das Schnorcheln fällt aus, da das Korallenriff seid einigen Jahren tot ist dank Verschmutzung. Barbaren!

Und für meine Freunde, denen ich schon lange nicht mehr geschrieben habe: mir geht es gut, aber ich bin so head over heels und so weit weg von allem und vor allem von einer guten Internetverbindung, dass ich kaum noch Zeit finde, mehr zu tun als mich um meine neue Visa Karte zu kümmern. Ich vermisse euch, und ich hoffe, es geht euch gut.

by yeahs in Urlaub


Als ich das erste Mal den Film KIDS sah war ich jünger als die Protagonisten. Trotzdem war alles, was in der erzählten (und sehr intensiv erlebten) Geschichte für mich glasklar greifbar, und kaum so schockierend, wie es wahrscheinlich einst auf ein Kind in der Vorstadt vielleicht gewirkt haben mag.

Im MMK Larry Clarks Photografien zu entdecken war unschuldig, und obwohl ich den Namen selbst nie gehört habe, waren die Fotos ganz klar zuzuordnen, aus derselben Zeit, in dieselbe Situation, mit einem Unterschied: so viele Jahre später bin ich gerührt. Oder bis ins Mark erschüttert. Oder vielleicht auch einfach nur zergangen in Ehrfurcht, so richtig zuordnen lässt sich das nicht.

Zeithistorische Dokumente aus einer faszinierenden Ära voll mit Verlust, Spritzen und viel zu früher Ejakulationen in Schwarz/Weiß. Ich kann meine Faszination nicht in Worte fassen. Larry Clark.

Falls jemand übrigens weiß, wo ich eine große Version des Jungens auf dem letzten Bild (der rechte) herbekommen kann, bin ich für jeden Hinweis sehr dankbar.

by yeahs in (Pop)Kultur


photo by Valentin Ottone

Clean sein. Kein Hämmern mehr, kein Tinnitus mehr. Kein atomarer Mundgeruch mehr. Die Hände riechen nicht so, als hätte man einen Aschenbecher gefingert. Die Haare stinken nicht. Die Klamotten müssen nicht gewaschen werden. Keine Dehydrierung. Keine Halsschmerzen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich noch nie physisch so wohlgefühlt habe (mal abgesehen von dem Schwabbelwabbel am Bauch, der zehn Minuten nach einem Anstoß noch für Nachbeben sorgen kann). Ich bin fit, man. Ich bin so fit, ich tanz’ nachts um drei hauptsächlich mit schnuckeligen schwulen Butterschnitten noch zu Apparat und laufe fast komplett von Kulturbrauerei bis Reinickendorferstraße, weil ich keine Lust habe auf die U-Bahn zu warten – und auch nicht zu betrunken bin, und nicht tot hinfalle, wenn ich es versuche. Und auf dem Weg durch den frühen morgen ist es auch nicht schlimm daran zu denken, dass ich am nächsten Tag wieder arbeiten muss, mit 21 kann man schon mal nur zwei Stunden pennen und trotzdem gut drauf sein (das wusste ich nicht, ich hab mit sechzehn schon geglaubt, ich wäre alt).

Die ersten Vögel geben den Takt zu den Beat aus meinen Kopfhörern und die ersten Sonnenstrahlen bewandern die Straßen (so, dass sogar die potthässliche BND-Baustelle irgendwie romantisch aussieht). Ich nicke und singe laut mit zu den Songs in meiner Playlist weil niemand da ist, den das stören könnte (bis auf die zwei, die am Fenster standen und mir entsetzt zugesehen haben, bis ich sie bemerkte und mich erschreckte und lachte und weinend wegrannte).

Das Verlangen ist nicht mehr da. Die Gewohnheit ist nicht mehr da. Vierzehn Tage! Und nicht einmal habe ich überhaupt mit dem Gedanken gespielt. Es ist einfach… weg. Wie kam das? Ich weiß es nicht. Fast drei Jahre habe ich versucht, es loszuwerden. Zum 10. Tag wachte ich nachts weinend und schwitzend und schreiend auf, und habe meine Fäuste ins Kissen geschlagen, weil ich dachte, ich hätte geraucht. Ich hasste mich. Ich habe nicht verstanden, wieso ich jetzt geraucht hatte. Aber das war nur ein böser Traum gewesen.

Seitdem will ich einfach nur noch tanzen und vielleicht einen Marathon laufen (und vor allem möchte ich viel Zucker und Fett in mich hineinschaufeln). Wenn man bei Flickr nach Raucherthemen sucht, kommen meist Frauen zum Vorschein, die ein sexy-verrucht rebellisches Image verkörpern wollen/sollen. Falten, Husten und grüne dicke Brocken rausschleimen sind irgendwie nicht sexy. Stinken auch nicht. Wenn man damit verführerisch aussehen will, darf man halt nicht mehr als 2-3 Zigaretten pro Jahr rauchen. Viel Glück dabei, ich bin raus.

by yeahs in Gangster


Nach einem ernüchternden Blick auf meinen Kontoauszug am ersten des Monats, nachdem meine Lunge nur noch rotgrüne Schleimbrocken fabrizierte und das Kopfkissen von einer dicken Schicht meiner vornächtlichen Magensäure überzogen war, wusste ich, dass das schöne Leben als unbesiegbares Stück Jugendfleisch vorbei war. Es summierte sich langsam, aber mit tragendem Fortschritt. In den letzten Wochen waren die Symptome meines leichtsinnigen Lebens nicht mehr zu ignorieren.

via Chris.Jeriko

Ich bin in den kalten Monaten wieder regelrecht aufgequollen. Die Speckebene, die sich um meinen Körper gelegt hat, droht zum allesfressendem, lebendem Tier zu mutieren. Meine Haut sieht aus wie ein Mienengraben in Sarajewo. Ich schmecke ohne Glutamat nicht mehr. Harte Wahrheit: ich bin klinisch tot. Und deshalb muss sich in meinem Leben etwas grundlegend ändern.
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by yeahs in Berlin Musik


Da sowohl B. als auch ich eine nicht gerade unberührte Blogger-Vergangenheit haben, werden wir in Zukunft immer dann, wenn uns mal danach ist, ein kleines Best Of unserer vergangenen (und nicht mehr einsehbaren) Beiträge (in einer Neuauflage) zum Besten geben. “Immer dann, wenn uns mal danach ist”, heisst wörtlich übersetzt “immer dann, wenn uns nichts besseres einfällt oder wir gerade keine Zeit haben”. Manche Storys sind einfach zu gut, um nicht geteilt zu werden (wenn auch in abgeänderter Form, ihr versteht), und hier mache ich einfach mal den Anfang mit einer, ahem, “Erzählung”, die vom Tag meiner Mathe-Abiturprüfung berichtet. Das war letztes Jahr, um genau zu sein am 3. März 2008, und ja, ich werde mich bis an mein Lebensende an dieses verfluchte Datum erinnern…

Brownies

Ich habe gerade nochmal kurz über den letzten Donnerstag und meinen exorbitanten Zusammenbruch nachgedacht, und ich muss jetzt doch mal genau die Situation beschreiben. Ich meine, das was da passiert ist, war viel zu gut, und das kann man nicht einfach so in drei Sätze packen und bescheiden weggucken. Das war mit Sicherheit das Spektakulärste, was jemals in meinem Leben passiert ist. Zumindest seit dem Tag, an dem ich Batman in den Warner Brother Studios den Plastiksixpack befummeln durfte.

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by yeahs in Crystal Meth State of Mind


Leute fragen mich: “S., wieso ziehst du dir diesen Scheiss rein?”, und ich sage: “Lasst mich in Ruhe, das ist der Hammer”, und plötzlich wenden sie sich alle von mir ab und glauben, ich sei ein Loser, ein Feiergeier, ein hirnloses Stück Fleisch, dass vor sich hinvegetiert, und ja, das trifft manchmal sogar zu, aber fuck yeah das tut gut.

Gossip Girl Rolling Stone

Man, ja, ich stehe auf Muschi-Serien, Dramen, und wenn ich es mir leisten könnte würde ich mir auch diese Sülz-Romane aus dem Supermarkt kaufen. Die, die Sabine und Michaela nach der zweiten Scheidung und dem dritten Kind kaufen, wenn backen und Sekretärin sein irgendwann keinen Spaß mehr macht ((Was? Guckt mich nicht so an, ich hab nicht gesagt, dass mit diesem Blog auch meine Vorurteile oder meine Arroganz ausgeschaltet werden! Und ich hab ja persönlich nichts gegen Sabine und Michaela, und ich werde euch auch nicht verurteilen, wenn ihr so heißt, aber ihr habt halt die Arschkarte gezogen und das muss jetzt mal so festgehalten werden!)). Ich bin genau so. Ach was, ich bin noch viel schlimmer, weil ich mir kein Kitschpapier kaufe, sondern das noch mit einer gewissen “angesagten” Coolness retuschiere. Immerhin ist es ja schon wieder in-style, wenn man auf uncoole Sachen steht. Quasi-Soaps gehören dazu, auch wenn es sich auf einem anderen Niveau als GZSZ begibt (aber auch nur grenzwertig).

Ich rede vor allem über meine aktuelle Obsession über Gossip Girl (und den sechstausend anderen Serien, die noch darauf warten, gesehen zu werden, jetzt, wo die Season wieder angefangen hat). Ich war ja noch nie ein besonders großer Fan von Snob-Portraits, soetwas wie O.C. California oder ähnliches kam mir nicht in die Glotze, weil ich immer lieber arm als reich war, also gab es ein Identifikationsproblem (lieber arm als reich heißt lieber heisst im Prinzip nur, dass ich Reiche dafür verurteilt habe, dass sie reich sind, und mich selbst gerne bemitleidet habe, weil das eben so ist und ich natürlich die Faust Satans in aller Macht seiner Ungerechtigkeit spüren konnte, blah blah blah. Oh man, Teenager sein hat echt Spaß gemacht). Aber jetzt, wo es sowieso nur noch darum geht, nach der Arbeit ein bisschen Eye Candy abzubekommen und meine Freunde keine aufregenden Bettgeschichten zu erzählen haben, ja jetzt will ich mir nur noch anschauen, wie sich andere junge Menschen die Birne zukoksen und ein viel aufregenderes Leben führen als ich.

Nate Archibald

Ich bin nicht die einzige Frau, die das emotionale Gefühlschaos so fest in sich verankert. Und viele, viele Typen stehen erstmal mit einem Fragezeichen in der Fresse rum, verstehen nicht, warum ihre Weiber so abdrehen. Ich sage dann immer: Jungs, dieses Drama– das ist nichts anderes als unsere Form von Porno. Im Porno lebt ihr eine animalische Fantasie aus (die wir durchaus auch teilen können, wenn wir vorher genug mit Drama gefüttert wurden), und wer süchtig danach ist, kann am besten nachvollziehen, warum Frauen auf Soaps und diese Dramas stehen. Es ist Gefühlsporno. Eine Fantasie. Prince Charming? Wir wissen, dass es den nicht gibt, genauso wenig wie es eine vollbusige Blondine gibt, die euch zum Dank für die spontane Autoreparatur eine Extra-Massage verpasst.

Alter, wenn ich ‘ne Uschi am Start hätte, die den ganzen Tag irgendwelchen Romeo-Idealen hinterherhechelt- ich würde sie direkt in die Therapie schicken, genauso, wie jede Frau einen Pornojunkie schnell abtreten würde. Das sind keine gesunden Beziehungen und auch keine gesunde Einstellung.

Leighton Meester

Das Leben ist nicht so wie in diesen Dramen. Das Leben ist einfach. Es gibt hier und da ein paar Ausschläge, negativ wie positiv, die aber nie deutlich von der geraden Linie in den Tod abweichen. Ganz einfach, ganz simpel. Aber irgendwann hat uns Disney erzählt, wie es eigentlich zu sein hat, und seitdem? Boom, eine Millionen Frauen sind unglücklich in ihren Beziehungen weil Typ nicht den Anforderungen einer Mädchenfantasie entspricht, und Typ klickt sich durch Fetischpornos durch, weil er genau weiß, dass er das niemals haben kann. Das hat Kurt Vonnegut wohl am besten erklärt.

Ein Drama ist der Geschmacksverstärker für’s Leben, die älteste Form des menschlichen Highs, Smack für die Seele, ein Arschtritt für einen sonst eher nichtsaussagenden Alltag. Uh, ich liebe Dramen. Mir braucht auch keiner zu erzählen, “S, fuck, geh mal raus, du verpasst das ganze Leben“, weil nö, is halt nicht so. Wenn sich jemand ‘ne Tüte dreht sagt doch auch keiner “Man du erlebst ja gar nichts”, stattdessen erzählt man ihm dass er mal ein bisschen langsamer machen soll mit der Sucht und den Nebenwirkungen. Bei Seelenporno denkt da aber wieder niemand dran.

Dan Humphrey

Und schiebt es jetzt nicht auf die Fernsehverblödung, das hat es nur noch leichter gemacht, uns eine Flucht zu bieten.

by yeahs in Gangster


Ab heute tritt in Mexiko ein neues Gesetz in Kraft, dass den persönlichen Besitz von Drogen (bis zu einer bestimmten Menge) legalisiert. Das gilt für so ziemlich jede vorstellbare Droge: Kokain, Heroine, Gras, LSD und sogar Meth. (An dieser Stelle ignorieren wir auch bitte den Typo, der zwar im Titel korrigiert wurde, in der URL aber noch steht)

Drogen in Mexiko

Leute, die in Besitz dieser Drogen gefunden werden, müssen sich nicht mehr vor Gericht erscheinen, sondern werden zu einer Entzugstherapie aufgefordert (die sie freundlicherweise auch ablehnen können). Erst ab der dritten “Festnahme” (wie soll man das denn sonst nennen) muss der Entzug absolviert werden.

Mexican authorities said the change only recognized the longstanding practice here of not prosecuting people caught with small amounts of drugs. ((NYTimes))

Das gleiche (bzw. ein ähnliches) Gesetz wird schon seit 2001 in Portugal praktiziert. Drogentouristen aufgepasst… Spaß beiseite. In Portugal gibt es auch schon einige ansehnliche Statistiken zur Entwicklung des Drogenkonsums.

The Cato paper reports that between 2001 and 2006 in Portugal, rates of lifetime use of any illegal drug among seventh through ninth graders fell from 14.1% to 10.6%; drug use in older teens also declined. Lifetime heroin use among 16-to-18-year-olds fell from 2.5% to 1.8% (although there was a slight increase in marijuana use in that age group). New HIV infections in drug users fell by 17% between 1999 and 2003, and deaths related to heroin and similar drugs were cut by more than half. In addition, the number of people on methadone and buprenorphine treatment for drug addiction rose to 14,877 from 6,040, after decriminalization, and money saved on enforcement allowed for increased funding of drug-free treatment as well. ((Time))

Crazy, oder? Das Geld, das für den Knast gespart wird, hilft nun beim Drogenentzug. In Mexiko, wo die “Drug Wars” anscheinend überhand nehmen, soll das nun eingetretene Gesetz dabei helfen, die Zahl der Drogentoten zu senken. Ich weiß nicht, was ich über so ein Gesetz in Deutschland halten sollte. Nicht, das es überhaupt zur Debatte steht; die anstehenden Wahlen sind auch so schon prädestiniert für Chaos und Meuterei. Aber angenommen, man würde das in Frage stellen? Marihuana ist ein no-brainer, auch wenn ich kein Kiffer bin (ahem, im Gegensatz zu den Teenager-Jahren), ist das Zeug für mich jetzt schon legal. Ich sag nur: Alkohol. Aber die Diskussion ist ewig alt.

Trotzdem wäre es seltsam zu wissen: Hey, ich darf jetzt Heroin besitzen ohne in den Knast zu kommen.  Und auch wenn Deutschland da nicht an der Spitze der Staaten steht mit den meisten Drogenopfern, sind die Zahlen (angeblich) wieder gestiegen.

Der erneute Anstieg der Drogentodeszahlen im Jahr 2008 auf 1.449 Drogentote zeigt, wie wichtig es ist, die gesundheitliche Versorgung von Drogenabhängigen durch verschiedene Angebote sicher zu stellen. Eine bewährte Säule in der Behandlung Opiatabhängiger ist die medikamentengestützte Behandlung Opiatabhängiger mit Methadon, Buprenorphin oder mit Diamorphin. ((Suchtmittel.de))

Das Gesetz, wie es in Portugal und nun auch in Mexiko in Kraft getreten ist, ist also immerhin gut genug, um einige Statistiken zu verschönern (wobei auch hier das Interesse des jeweiligen Auftraggebers – in diesem Fall das Land Portugal – wahrscheinlich einen großen Einfluss hatte. Wenn man die richtigen Fragen stellt, bekommt man auch die richtigen Antworten). Und wenn man diesen Zahlen glauben darf, dann ist diese radikale Maßnahme für ein Land mit massiven Drogenproblemen (wie Mexiko oder die USA) vielleicht genau das richtige.

Ich bin gespannt, wie das Ganze sich in Zukunft für Mexiko auswirken wird.

by yeahs in (Pop)Kultur