"Girl gone wide."


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Irgendwann, ich schwöre euch, explodiert mein konfliktscheuer Magen direkt aus der Bauchdecke heraus in die Fresse der mich ankotzenden Menschen. Man, ich bin ein netter Mensch. Ich bin so nett zu jedem, ich lasse meine schlechte Laune selten an unschuldige Beteiligte raus. Selbst wenn ich den beschissensten Tag aller Zeiten hatte, sage ich noch “bitte” und “danke” und hinterfrage nicht die Welt in ihrer Abscheulichkeit. Ich kotze den bemitleidenswerten Fotzen in der Drogerie nicht ins Gesicht, nur weil mir grade der kleine Fingernagel abgebrochen ist. Man, nicht mal wenn ich dreihundert Euro für ne Steuerberaterin latzen muss aufgrund eines Problems, dass ich eigentlich nicht haben durfte, selbst wenn ich danach humpelnd durch achtzehn Kublikliter Regen auf einem Quadratcentimeter nach Hause schleichen muss, selbst dann bin ich noch nett, und lächele freundlich, und wünsche eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Feierabend.

Manchmal, da kotzt mich mein Gutmenschsein an, da will ich einfach auch mal unbeteiligte Menschen mit nem Roundhousekick vom Fahrrad runtertreten und ihnen schön ins Gesicht scheißen. EINFACH SO. Oder kleine Kinder vor den Zug werfen. Oder Rentnern die Kehle aufschlitzen und ihr Blut in Geisteswahn trinken. So scheinen es nämlich alle anderen zu machen, wenn sie einen schlechten Tag hatten: Hauptsache noch ihrem Umfeld so richtig schön nen miesen Spruch reindrücken, als ob nichts anderes mehr ihrem Leben einen Sinn geben kann. Wie die Frau heute am Bahnhof. Ich bestellte zwei Sachen. Für die erste Sache brauchte sie ungefähr dreitausendmillionen Stunden, so lange, dass ich tatsächlich meinen Zug verpasste. Die zweite vergaß sie. Als ich sie darauf hinwies, bretterten ihre Eierstöcke bis ins Gehirn und durchlöcherten ihr regulierendes Über-Ich. Das Monster fing an zu schreien, was ich mir eigentlich erlauben würde, “so mit ihr zu reden”, dabei hatte ich freundlich gelächelt und nur gesagt: “Entschuldigung, da fehlen noch die Pommes.” Sie hätte es ja nicht vergessen, aber sie war ja auch mit der ersten Bestellung noch beschäftigt, und was das jetzt eigentlich soll.

Anstatt ihr zurück in die hässliche Visage zu entgegnen, dass sie sich mal ordentlich ins Knie ficken und lieber einem Beruf auf dem Land nachgehen sollte, am besten als fette, hässliche, bald zu schlachtende dumme Kuh, bat ich sie um Entschuldigung. Nein, ich schwanzloses, dummes Ding bettelte förmlich, stotterte ein “sorry” ab, ließ mich noch drei weitere Sekunden ungerechtfertigt von ihrer schlechten Laune und ihren absolut untragbaren Beschuldigungen übergießen und verzog mich wieder in den seidigen Kokon meines Ichs, der solche abstrakten Begriffe wie “Ego”, “Stolz” und “Würde” nicht kennen muss.

Eines Tages werde ich wegen genau solchen Menschen, die ihr jämmerliches Leben auf andere abwälzen müssen, meine Hoffnung in die Menschheit verlieren und selbst so jemand sein, und wenn auch nur, weil man das anders überhaupt nicht aushalten kann.

by yeahs in Gangster


Zwei Jahre Berlin, und alles, was mir die Stadt beigebracht hat, ist den Mittelfinger dick gegen alles zu richten, was keinen Bock auf dich hat. Freunde, die einen im Endspurt mit Unverständnis begegnen und verlassen, ohne auch nur einmal nachzufragen, was eigentlich los ist – fickt euch. Eine Leistungsgesellschaft, die den emotionalen Zusammenbruch herbeiführt – fickt euch. Menschen, die so viel Bitterkeit in all ihren Taten vermitteln, so viel Hass und Neid in ihren Stimmen tragen, dass man sich verantwortlich für das Leid aller Menschen fühlt – fickt euch.

Ich wollte Berlin mit einer weißen Weste verlassen, um irgendwann in Ruhe zurückkehren zu können. Ich wollte nicht flüchten, aber fick die weiße Weste. Ich habe Scheisse gebaut, ja, aber das war nicht unverzeihlich. Ich war rücksichtslos, ja, aber auch nicht über die Normen einer Freundschaft hinaus. Ich habe bestimmt auch Versprechen gebrochen, aber nicht halb so viele wie ihr. Nein, der einzige Unterschied zwischen jetzt und früher ist, dass auch mir bewusst wurde, dass ich nicht Everybodys Darling sein kann. Und wenn ihr euch als die Leidtragenden seht – dann verdammt noch mal, fickt euch einfach. Danke für die zweite Chance, die ihr mir nie gegeben habt. Danke, dass ihr mich nicht mal gefragt habt, wie es mir geht. Danke, dass ihr mir beigebracht habt, ein schlechtes Urteil über mich einfach auch stehen lassen zu können. Nein, diesmal rechtfertige ich mich nicht, und ich werde mich auch nicht mehr entschuldigen. Ihr wollt unsere Freundschaft in die Tonne treten und abrechnen? Verdammt, ja, tut es. Ich habe noch zehn Tage in diesem Land, und ich werde einen Scheiss drum kämpfen. Nicht so, nicht mehr. It takes two. Und wenn ihr wollt, trete ich auch noch mal rein. Richtig fest. Mit Eisen an den Sohlen.

Was sich so negativ anhört ist verdammt befreiend. Mich kettet nichts fest. Ich bin bereit, diese befleckte Weste mitzunehmen, und noch mehr Blut an ihr zu verlieren. Ich bin völlig bereit dazu, mein altes Leben, diese zwei Jahre der gepflegten Ordnung und der Aufopferung für die Arbeit und für das Alleinsein-Ding aufzugeben und alles in die Luft zu sprengen, was mir dabei im Weg steht, weil ich verdammt noch mal sowieso niemandem mehr gerecht werden kann. Ich war 21 Jahre alt, und ihr habt mich ständig gelobt dafür, wie erwachsen ich doch bin und wirke. Wisst ihr was? Heute bin ich 22. Happy fucking Birthday. Und ich scheisse auf’s Erwachsensein, wenn das bedeutet, dass ich mir nie wieder einen Fehltritt erlauben darf.

Danke Berlin, danke an alle, die mich begleitet haben – egal ob nur temporär oder für immer bleibend – danke für eine schöne Zeit, für eine furchtbare Zeit, für viel, viel bittersüße Stimmung im Abgang und ein herzliches FICK DICH an alles, was bisher geschah. Am 3. Oktober geht mein Flug ins Chaos. Ihr seid herzlich eingeladen, mir beim Scheitern zuzugucken.

by yeahs in Berlin Gangster


Du musst verstehen, dass du nicht alles verstehen kannst. Und das es nicht schwer ist, in Dingen und Gedanken einen Sinn zu sehen, wenn man sie nicht versteht. Am Ende wirst du entweder die Verwirrung teilen oder deine eigenen Gedanken dazu haben.

Nämlich schnell. Denn: So ist das stets. Du hast keine Zeit, Gedanken aushallen zu lassen. Du wirst unter Kliniklampen auf die Welt gebracht und stirbst meistens auch unter diesen. Zwischendurch muss man schlafen, Partymachen, lernen, lieben, vögeln und mal nachdenken, ob man diese Dinge auch addieren kann. Und wenn ja, ob vielleicht vor der Summe ein Minuszeichen stehen könnte. Wichtig ist, dass man über so was nicht nachdenken muss. Du musst fröhlich sein, wenn Anlässe dazu da sind. So wie bei mir. Und was voll wichtig ist: Die schwersten Steine sind diejenigen, die man alleine tragen muss. Dass man sich wieder auf Menschen emotional einlässt, die einem andere Träume ermöglichen und verwirklichen. Träume, die man so nicht hat, wenn man sehnt oder Angst hat, dass was sehens- und mitnehmenswert ist, nie wirklich greifbar wird.

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Das sind so kleine Dinge wie einen Menschen zu verabschieden oder zu verlassen und allein mit den Fragen „Soll ich? Kann ich?“ zu bleiben. Ja, man will, hat aber Angst, dass der andere das nicht will oder noch besser: auch Angst hat. Seltsam, wenn man sich gleichzeitig so unglaublich gut fühlt, oder eben schlecht. Kontrolliere deine Gefühle da, wo es möglich ist, denn es ist das Einzige, das du in deinem Leben kontrollieren kannst. Märchen sind Metaphern. Und deswegen ist es ein Märchen zu glauben, dass Kontrolle über die eigenen Gefühle, uns vor irgendwas hindert. Irgendwas. Denn: Du hast es satt, dass du ständig mit Verarbeiten beschäftigt bist. Du weißt auch nicht, ob es falsch ist, was du da jetzt tust oder denkst. Du genießt nur das verdammt geile Gefühl in diesem Augenblick, wenn etwas in deinem Kopf passiert, das du nicht aussprechen kannst. Größe passiert einfach. Erst hinterher fragt man sich, was da so im Genick zwickt. Ich wünschte, sie würde den Weg zum Ja-Sagen finden.

Denn: Einfach so ist derjenige eine pulsierende Fußnote im Keller deiner Gegenwart geworden und verweist nun auf etwas. Man muss sie lesen und will sie fragen, egal was sie dir mitteilen würde. Alles andere macht kribblig. Wenn man schweigt wird man eine hässliche Weiche Konstruktion mit gekochten Bohnen, so wie das Gemälde von Salvador Dalí. Und das sollte man nicht werden. Nicht so. Das verdammte Problem ist dieses ganze behinderte Spiel aus Menschen-an-sich-heran-lassen und Wieder-von-sich-wegstoßen, um sie dann vielleicht wieder an sich heran zu lassen. Woher nehmen Menschen den Traum sich in jemanden zu verknallen, ihn aber auf Distanz zu lassen, wenn es soweit ist? Dieses strategische sich-erst-nach-drei-Tagen-zu-melden oder wegzulaufen, weil der andere sich ehrlich offenbart und man dann ja kein Rätsel mehr für den anderen ist, kein mysteriöses souveränes Wesen mehr, das man erkunden muss. Tabula Rasa, mann. Denn: Wenn man was haben kann, dann will man es nicht mehr.

Das ist Ego-Virus und führt dazu, dass andere sich nicht mehr trauen, ehrlich auf den anderen zuzugehen und zu fragen „Wollen wir?“:

Mein Leben ist nichts Besonderes und ich kann dir nicht das bieten, was du dir erträumst und wovor du Angst haben musst, irgendwann zu bereuen, die Gelegenheit nich ergriffen zu haben. Du könntest mich haben, wenn du willst. Und ich zeige dir die unspektakulären Dinge meines Lebens und wie sie mich glücklich gemacht haben. Und ich glaube, sie könnten auch dich glücklich machen, wenn du mir und diesen Dingen nur eine Chance gibst und von deinen Verpass-Ängsten Abstand nehmen könntest.”

Denn: Denn ich bin infiziert mit meinem Leben und meinen Gedanken und fühle mich trotzdem unheimlich gut, weil es noch nicht soweit gekommen ist, dass ich mich für andere nicht mehr interessiere, wenn sie sich trauen Ja zu sagen. Ja zu Dingen, die nachhaltig und von Dauer sind.

Wollen wir?“, möchte ich dich fragen, aber du hörst nicht mehr zu. Du hast gewartet, bis du was sagen kannst, bis du dran bist. Denn: So ist es immer.

Du sagst: „Wenn alle auf der Welt jemanden lieben würden, dann würde niemand mehr was wollen.“

Es ist deine Ausrede. Wir bleiben alleine. Und du lebst dein Leben so, wie ich es für verschwendet ansehe. Aber das ist nicht schlimm. Denn: Meine Gedanken – Mein Leben. Keine Chance für uns.

Denn: So ist das meistens.

by B in Crystal Meth State of Mind