Stromergesellschaft

Ich stehe gerade voll auf Urban Exploration. Räume und Orte in den hintersten Ecken einer Stadt entdecken, die im Alltag ignoriert werden. Das sind vergessene Orte, verlorene Orte, die im Alltag hinter riesigen Häuserfassaden, sechsspurigen Straßen und dem Flanieren auf den Bürgersteigen untergehen. Ich finde es spannend, mal über einen Zaun zu klettern und abzuchecken, was die Zeit mit verlassenen Gebäuden angestellt hat, oder mit liegengelassenen Baustellen. Ganze Serien über Geisterstädte sind entstanden, aber was, wenn es nicht um eine Geisterstadt geht, sondern um etwas, dass unter der Oberfläche, aber hautnah ist?
In Berlin gibt es viele solcher Orte, die einen auch magisch anziehen können – stinkende Lagerhalle bieten einen nährreichen Grund für Graffiti, hohe Dächer einen fantastischen Ausblick, und die Schächte unter der Stadt immerhin ein ganz neues Gefühl für Gerüche und visuelle Reize (Eltern haften für ihre Kinder und so weiter). Die Möglichkeiten sind unbegrenzt, und mit jedem bisschen urbaner Neugier, der man aktiv nachgeht, lernt man etwas über die Stadt in der man lebt und über ihre Geschichte und Entwicklung. Das, meine lieben Kinder, ist der Unterricht des Lebens.
Dazu ganz passend ist die Exploration Reihe von VBS/Palladium, die ich glaube ich schon mal irgendwo hier gebracht habe. Davon gibt es eine neue Ausgabe – Hidden Gems of LA – die genau dieses Rumstromern beschreibt (wenn auch im Normalfall keine Tour daraus gemacht wird und die Protagonisten nicht die Schönheitsskala explodieren lassen, aber hey, Realität vs Internet). So was würde ich gerne auf großerer Ebene machen. Einen Guide für die vergessenen Orte einer Stadt schreiben und fotografieren. Nur dass dann die Orte nicht mehr in Vergessenheit geraten würden… und was passiert dann?

