United Lamer Kids

Es gibt Dinge, die kann man nicht in Worte fassen. Alt werden, zum Beispiel. Da kleben noch so viele Erinnerungen an verbappten Nintendo-Controllern, zwischen vergilbten Schulheften und in Mamas alten Fotoalben: ich wüsste nicht schon nach zwanzig Jahren nicht mehr, wo ich mit meiner Geschichte eigentlich anfangen müsste.

Scheisse, wir waren damals Badass. Wir waren zwar nur kleine Kids, aber wir wussten, wie man in Bäumen rumturnt und aus Pappmaché nutzloses Zeug bastelten. Und jetzt ist das alles vorbei, für ein bisschen Kohle und Sicherheit, die wir nie gebraucht haben. Jetzt bin ich ein Lamer, ein Niemand. Jemand den niemand kennt, jemand, der nichts mehr ansagt. Als Kind war das ganz anders. Als Teenager hatte ich meine Crew. Und als Erwachsene? Da habe ich ein Lamer-Leben.

Will ich schon wieder in der Vergangenheit rumpulen? Will ich schon wieder erwähnen, dass ich die tollen Fußballstars vermisse, und dass ich will, dass meine Mama nachts in mein Zimmer kommt, um mir nochmal einen Kuss auf die Stirn zu geben? Will ich schon wieder Dinge aufzählen, die mich in eine andere Zeit katapultieren? Näh, echt nicht. Das werden wir noch in unzähligen anderen Postings abhandeln. Ich liege morgens um vier im Bett – seit drei Stunden – weil ich es auf eine der angesagtesten Partys in Berlin nicht länger als fünfundvierzig Minuten ausgehalten habe, und lese mir Nachrichten durch und schaue mir jahrzehnte alte Musikvideos an. Man, ich habe als Teenager so ziemlich jede Phase der Rebellion durchlebt. Ich finde, bis zur nächsten Midlife Crisis habe ich mir eine Pause verdient.

Die Hipster gehen tanzen, und ich chill zu Hause, mit meinem Kopf, einem Zettel und einem Bleistift, und hier bastel ich mir meine eigene Party zusammen. Ich chill hier, weil ich als Säugling fett war und ausgesehen habe wie Wolfgang Petry. Das hat mir beigebracht, einfach die besten Partys zu feiern ((Kausalitäten werden an dieser Stelle außer Acht gelassen)). Ich schlaf gleich ein, während andere gerade den neuen Trend kreieren, den ich in 3-4 Monaten dann für mich entdecke. Ich habe mir die Fingernägel rot lackiert, weil ich es tatsächlich gut finde, und ich habe mich dazu entschlossen, morgen mal einen Putztag einzuräumen, obwohl ein echt guter Rave stattfindet. Ich habe ausgedient, und das mit Recht.

Ich bin ein Lamer, weil ich als Kind ein Badass war.
badass kids

September 13th, 2009 Posted in Uncategorized | 2 Comments »