Wish You Were Here

Meine Mutter antwortet mir kaum auf meine E-Mails. Ich rufe sie jeden Sonntag an um ihre Stimme zu hören und nachzufragen, ob alles okay ist- sie wimmelt mich meistens nach drei Minuten ab (das war aber auch nie anders). Ich schicke der ganzen Familie alle drei Tage Bilder von unseren Abenteuern und kleine Kurzberichte. Ich schicke Postkarten nach Hause, und zurück kommt nur ein “Hey, ja, ich vermisse dich auch, aber ich bin im Stress und kann dir leider nicht anworten, PS ich werde nächste Woche operiert nichts Schlimmes nur wieder das Knie”.

Ich bin jetzt seid mehr als einem Monat unterwegs, und es macht sich immer mehr das Gefühl breit, dass ich mich beim ersten Mal gar nicht richtig verabschiedet habe. Oder zumindest falsch. Denn während ich hier im Urlaub bin und alle Zeit der Welt habe, im Internet zu surfen und meine Eltern anzurufen, geht das Leben zu Hause weiter. Und ich bin nicht inbegriffen. Aber nicht ich bin weit weg – sondern alle anderen.

Es ist so lustig, wie mich jeder fragt, hey, wie geht’s, wie ist es so? – Und alles, was ich darauf antworten kann ist: ja, es ist gut, ein bisschen anstrengend, aber wirklich cool. Aber kaum einer erzählt mir, was eigentlich zu Hause vorgeht, was ich verpasse, was passiert ist. Und langsam komme ich dahinter: ich kann es nicht mehr wissen. Es gibt keinen Raum dafür, keinen gemeinsamen Alltag. Die witzigen Geschichten gibt es nicht mehr, weil sie nicht witzig sind, wenn man nicht da war. Die kleinen Dramen aus dem Leben, die nicht in einen einzigen Absatz in einer E-Mail gekürzt werden können, weil sie so viel mehr beinhalten. Dieses “Ja, mir geht es gut”, aber den Rest kann ich dir nicht erzählen, weil ich viel zu weit ausholen müsste.

Anfangs hat mich das irritiert, aufgehalten, gestört – ich bin kein Teil davon, aber ihr dürft mich doch nicht so außen vor lassen! – aber ich werde es nicht ändern können. Ich bin kein Teil mehr davon. Ich bin zu weit weg, um noch ein Teil zu sein, und die Erde dreht sich auch zu Hause weiter. Tag, Nacht, Tag, Nacht. Und noch viel mehr: ich habe mich bewusst dafür entschieden, nicht mehr da zu sein, aus dem gemeinsamen Alltag auszusteigen. Meine Mutter wird mich auch weiterhin am Telefon abwimmeln und sagen, dass sie leider weg muss. Aber irgendwie ist das jetzt auch okay. Und vielleicht ist es auch notwendig. Travelling like it’s 1999.

November 5th, 2010 Posted in Urlaub | 12 Comments »

Write The Future

photo by US Army Africa

Die Fußballweltmeisterschaft 2006 war die erste Weltmeisterschaft, die ich ununterbrochen verfolgte. Fast jedes Spiel – egal ob Deutschland oder nicht – sah ich mir an, fieberte mit. Die Main Arena, dem Public Viewing Bereich auf dem Main in Frankfurt, war knapp einen Monat lang mein zu Hause. Ich lernte Menschen aus aller Welt kennen. Ich feierte und schrie und gröhlte und tanzte und stöhnte und liebte es, mich manchmal ganz klein zu machen und den Leuten dabei zuzusehen, wie sie gebannt auf den Bildschirm starrten. Das Lächeln in ihren Gesichtern, das Zucken in ihren Augen. Wie verkrampft sie sich aneinander festhielten. Wie sie sich umarmten und küssten, auch wenn sie sich nicht kannten. Es war ein anderes Deutschland, da können wir uns alle einig sein.

Doch auch, wenn ich mich gerne an die Gänsehaut und an die Musik und an die Bilder erinnere, die in den schönen Momenten passierten, am markantesten wird mir wohl für immer das Halbfinale zwischen Italien und Deutschland im Gedächtnis bleiben. Die Tränen, die die Wangen meiner deutschen Freunde hinabliefen, waren nichts im Vergleich zu den Tränen, die meine Oma damals ließ. Meine Oma, die für einige Wochen zu Besuch in Deutschland war. Meine Oma, die keine einzige Fußballregel kannte. Meine Oma, die in Deutschland alle paar Jahre Urlaub machte.

Ich fragte sie, lachend, warum ausgerechnet sie denn jetzt weine. Sie sah mich an, schluchzend (und es bricht einem das Herz, die eigene Oma weinend zu sehen) und sagte: “Ihr habt gelernt, zu lachen und Gefühle zu zeigen. Ich habe Angst, wenn ich nächstes Jahr wiederkomme, dann habt ihr es wieder vergessen.”

Damals verstand ich nicht so richtig, was sie damit meinte. Mit dem Näherrücken der WM in Südafrika und der Vorfreude jedes einzelnen Menschen in diesen Straßen merke ich aber, wie sehr sich die Leute hier nach dem Ausrasten sehnen. Danach, explodieren zu können. Sich freuen zu können. Irgendwie etwas, was man hier sonst nicht so wirklich kann (oder will).

Meine Oma ist seit dem Märchensommer 2006 nicht mehr in Deutschland gewesen. Diesen Juni kommt sie, pünktlich zur WM, wieder vorbei. Gut, dass wir ihren Deutschlandschal nie weggeschmissen haben- wir brauchen doch noch ein bisschen Support.

May 21st, 2010 Posted in Uncategorized | 11 Comments »

Awkward Family Photos

Heute ist wieder so eine Nacht, in der das Schlafen unmöglich ist- wie die letzten einhundert Nächte ungefähr es auch waren. Keine Ahnung, wieso. Aber wenigstens habe ich etwas gefunden, dass mir die nächsten Stunden Gesellschaft leisten wird. Awkward Family Photos.

You Can Only Eat So Much Dip

"You Can Only Eat So Much Dip"

December 12th, 2009 Posted in Uncategorized | 1 Comment »