Wenn man Kindheitserinnerungen im Erwachsenenalter wiederaufleben lässt (danke, liebe mediale Möglichkeiten), dann stellt man manchmal fest dass man die Hälfte der Storyline nicht verstanden hat. Im Falle von Home Alone 2, einem meiner Lieblingskindheitsfilme (übrigens gibt es zu dem verlinkten Post vielleicht bald ein kleines Update) fällt vor allem der zeitlose Style des Kevin McCallisters auf. Wunschklamotten 2012 für alle süßen Typen die mal als Crackbabys von MJ enden möchten und mit Drew Barrymore Blutsbrüderschaft schließen: edler Strick, klassische Muster/Prints, subtile Farbspritzer, ein gewisser rustikalen Touch (der Rucksack!) und eine allgemein-gültige Funktionalität. Erst der Air Mag, dann das.
In Riot-Fashion-Spirit hat die italienische Marke IUTER gerade einen Teil ihrer neuen Kollektion auch in Deutschland verbreitet. Scheiss auf den konventionellen Schal, der sich immer in alle Richtungen zerknotet, zu kurz oder zu lang ist und meistens auch echt nicht gut aussieht; ich will so ein Collar-Dings. Und eine Mütze. I approve of this.
Sind sie nicht süß, diese alten Männer? Wie sie freudestrahlend auf einen Runway laufen und eine Art Choregraphie hinlegen, die sie nicht als harte Typen, sondern als interessante Entertainer auszeichnet? Wie sie, ich fasse es nicht, “crazy” voll aussprechen und nicht zu “cray” verstümmeln (wobei ich den innovativen Aspekt dahinter ehrlich gesagt nicht abstreiten möchte). Wie sie in Ledermontur (Kanye, du Fashionmonster – und die göttlichen Air Yeezys, diese fantastischen Dinger, die ich niemals besitzen werde) triumphieren und die Versace x H&M Jacke aus der aktuellen Kollektion mit einem Extra-Grinsen Erwähnung findet…
Die Musik selbst, mit diesem elektronischen Rumgewabere am Ende, das so ein bisschen an Skrillex’ Nicht-Dubstep, Nicht-Elektro Talent erinnert, aber auch die Plattform – wer ist die Zielgruppe für Victorias Secret Fashion Show? Harte Gangster-Typen? Hm – ist so ein bisschen der Abgesang auf die Einschränkungen, die dem Hip Hop in seiner Geschichte widerfahren sind. Wenn Mutti und ihre Töchter zu Kay & Jay abgrunzen können, dann kann das jetzt jeder. Das mag vielleicht keine überraschende Entwicklung sein, weil vor allem Kanye die Marketingfläche nicht unwesentlich gedehnt hat mit seinen Pop-Ambitionen (und ey, wenn Jay-Z nicht seit jeher eingänglich war, wer sonst?). Ich finde es trotzdem erstaunlich, wie schön sich das ganze in die Szenerie einfügt, so natürlich, als wäre es nie etwas anderes gewesen. Irgendwie so, als wäre der nächste Stopp bei Wetten, Dass? // es wundert mich nicht, wenn es da einen nervigen Drang gibt von Kids, unabhängig der Herkunft, anderen “rebellischen” Kids zu folgen, die zwar nicht minder den Erfolg haben wollen, aber dabei noch ein paar Leuten in die Fresse spucken möchten (ie Odd Future wollen Wu-Tang sein). Fragt sich, ob es am Alter von Hip Hop liegt (“endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen”) oder eben am Alter der anführenden Künstler… (was übrigens nichts über die Qualität von The Throne aussagen soll).
Es gibt wahrscheinlich viele Gründe, Nike zu boykottieren, ich habe mich letztendlich für den einzigen mir aufdringbaren (und oberflächlichsten) entschieden: mir bleibt leider keine andere Wahl. Es gibt nicht einen einzigen Air Max, Air Jordan, Air Force oder Dunk, der halbwegs anständig aussieht und gleichzeitig in meiner Größe kommt. Die Auswahl der Größe 39 beschränkt sich auf Mitleidsschuhe für Frauen. Mit der Begründung (effektiv meine eigene Rationalisierung), das Weib sei ja auch nicht so die Sneaker-Zielgruppe. Ich würde ja fast behaupten, gäbe man ihnen eine Chance, indem man auch gutaussehende Schuhe in ihrer Größe produzierte, könnte sich das vielleicht auch ändern. Aber was weiß ich schon.
Aufgrund meiner (durchaus zweifelhaften) Distanzierung zu meiner bisher am höchsten geschätzten Schuh-Brand machte ich mich auf und suchte eine Alternative. Ich fand keine, zumindest keine unmittelbare. Meine zweite Wahl wäre nämlich ein Paar New Balance gewesen (ich suche eigentlich gerade keine neuen Sneaker, ich will auch keine. Ich möchte nur Nike zum Trotz schon mal meinen Horizont erweitern und mich mental auf den nächsten Kauf vorbereiten, der dann stattfindet, wenn meine Air Max 1 endgültig im Arsch sind). Aber die New Balance, die ich haben wollte, gab’s dann auch nicht in meiner Größe und so ist es also, wenn man gerne konsumwütig wäre, und viel Geld aus dem Fenster zu schmeissen hätte (hat man aber eigentlich nicht, siehe mein nächster Text “Reichtum vs. Reich tun, wie wir Fotzen eigentlich gar nicht mehr auf unsere geistige Armut klarkommen”), aber leider nicht darf, weil man diskriminiert wird. Wir reden seit Wochen über eine Frauenquote in der Politik, aber dass ich keine Turnschuhe tragen darf, darüber regt sich wieder niemand auf.
New Balance hat mich nicht in Ruhe gelassen. Eigentlich kenne ich auch niemanden, der New Balance trägt – außer Writer. Und eigentlich habe ich auch gar keine emotionale Bindung zu NB, kein Bild, keine Assoziation. Ich dachte früher sogar New Balance wären ein Nike-Offspring – wegen dem dicken N. Und als ich heute dann einfach so mir nichts, dir nichts ein bisschen im Netz surfte und nach Informationen zu dieser fast obskuren Marke suchte, stellte ich beim Lesen des Wikipedia Eintrages schnell fest, dass NB sozusagen das bessere Nike sind. Nur leider nicht das schönere. Aber lest selbst:
New Balance is notable in that it has continued to maintain a manufacturing presence in the United States as well as in the United Kingdom for the European market—in contrast to its competitors in the same market space, such as Nike and Adidas, who design products in the US and Europe but outsource the majority of their footwear and apparel to manufacturers in China, Vietnam, and other developing nations. The result of this corporate decision is that the shoes tend to be more expensive than those of New Balance’s competitors. To offset this pricing discrepancy, New Balance differentiates their products with technical innovations, such as a blend of gel inserts, heel counters, and a greater selection of sizes, particularly for very narrow and/or very wide widths.
“Greater selection of sizes” soll hier wohl nicht als “Größen für Frauen” missverstanden werden, da auch NB bei meiner Suche nach coolen Sneakern versagte. Aber die Produktionen finden immer noch in den USA, respektive Europa statt? Und es gibt so gut wie kein Marketing? Trotzdem ist NB in jedem Sneakerladen zu finden? Es ist also nicht ganz Amerika schlecht und es lebt auch nicht die ganze Welt und jedes Unternehmen gewissenlos auf Kosten von afrikanischen Kwashiorkor-Kleinkindern? Da weiß mein Zynismus selbst keine Antwort mehr darauf zu formulieren.
(Was nicht bedeuten soll, dass NB von aller Kritik freigesprochen wird. Die haben, genau wie ihre Konkurrenten, auch Produktionsstätten in Asien und knechten dort womöglich unter Schutz jeglicher Ignoranz der Medien genauso wie Nike oder Adidas. Die widerrum kriegen genug Aufmerksamkeit, dass sie jegliche Fehler am besten gar nicht erst machen. Aber man kann ja auch nicht alles haben, wa. Insofern ist New Balance vielleicht einfach nur das Bioetikett auf einem toten Tier. Das eigentliche Problem wurde aber nicht gelöst.)
Es ist kein Geheimnis, dass man mich mit knackigen Beats und einem englischen Drift kriegen kann. Wenn ich den überladenen Sound von Chris Brown & Tyga mit diesem Schmuckstück hier vergleiche, kann ich auch die eher seichte Thematik (Käppis, alter) ignorieren.
Versace & H&M haben erst eben ihr Lookbook veröffentlicht. Die Zusammenarbeit ist schon länger angekündigt, ich habe das am Rande mitbekommen. Obwohl ich kein großer Anhänger der Fashion Community bin, bleibe ich immer wieder bei den 90er Jahren von Versace hängen – der sogenannte Baroque Stil von Gianni Versace. Das sind die Klamotten, die meine Mutter immerhin von Mitte 20 bis Mitte 30 getragen hat, und es sind genau diese Prints, die mich irgendwie.. wärmen.
Es ist seltsam, und es lässt mich eine Augenbraue verziehen, aber es ist das, woran ich mich und eine gewisse Sentimentalität festnagele. Dass das alles heute wieder aktuell ist mag sein, aber das Revival mit der Klamotten-Kette gefällt mir nicht unbedingt. Es hat eben auch eine gewisse Ästhetik in der Darstellung, selbst die Models auf den Bildern sehen irgendwie anders aus, die Fotos sind anders — ich hänge in den 90ern fest, zumindest was Versace angeht. Auch okay.
Das Internet fragmentiert meinen Kopf und meine Seele so stark, dass alle populären Begrifflichkeiten von “Informationsrausch” bishin zu “Kuration” für mich in Sinnlosigkeit untergehen. Bilder, Videos, Musik, Worte, Zitate, Sammlungen, Geschmack, Fashion, Design, Ästhetik.
Früher einmal hat mich das alles berührt. Seltene Schönheiten in der Fotografie oder goldene Textstücke, die man nicht alle Tage auf den dreckigen Straßen des Netzes findet, sie haben mich inspiriert, beflügelt, angetrieben, bewegt dazu eigene Leistungen in diesen Rahmen zu bringen. Und ich sammelte all das, was mich (virtuell) erfüllte.
Leider übersteigt zur Zeit der inspirierende Content die Aufnahmefähigkeit. Stellt euch vor, all die schönen, glitzernden, bunten Dinge, sie verschwimmen zu einem Einheitsbrei und werden unverdaut wieder ausgeschissen. So machen es alle. Was übrig bleibt ist der bittere Nachgeschmack von Werbung, denn daraus scheint alles nur noch zu bestehen. (Fashion) Photography, Product Placement, DSLR Video Mini Stories mit Sponsoren.
Und weil das nicht genug ist zerstreut sich auch noch die Sammelkultur auf Plattformen, deren einziges Ziel ist eine Userbase aufzubauen die sich zugehörig fühlt um fortan ihre Musen (diese Musen sind übrigens alle Schlampen) mit anderen, gleichgesinnten Interessenten zu teilen. Tumblr ist dafür ein gutes Beispiel, auch wenn es sich als Blog-Sammelschubladen-Hybrid noch als ziemlich flexibel erweist. Wo einst der Sammelindividualismus war sehe ich aber heute eine strenge Community-Klausel (und manchmal auch elitär). Ffffound für Bildchen, Svpply für Produkte (oder halt Bildchen), Pinterest.. wieder für Bildchen, aber thematisch angeordnet. Quote.FM: für Zitate (und Texte, je nachdem), diverse Blogs, dann gibt’s ja auch noch Twitter, dann gibt’s ja auch noch tausend andere Möglichkeiten, zu sammeln, zu teilen, zu finden. Mein Feedreader explodiert vor Möglichkeiten. Kennt ihr dieses Wikipedia Ding, wo man anfängt was zu lesen und sich dann stundenlang im Informationsüberschuss verliert? Ich beschwere mich nicht darüber, dass es so ist, immerhin suche ich mir das ja selber aus und könnte mich durchaus von dieser endlosen Maschine der Ästhetik zurückziehen und mich auf das wesentliche konzentrieren.
Mich stört es nicht. Ich suche eben nur den einen Weg und bediene mich deshalb aller mir angebotenen Dienste. Und frage mich in diesem Sinne auch, wieso das alles so selbstverständlich passiert. Soll ich alle Produkte auf eine Liste packen, und die schönen Bildchen auf eine andere? Wieso führe ich überhaupt Listen, was werde ich später mit diesen Bildchen machen, oder mit den Videos, oder deren Inhalten? Bisher war es immer so, dass sie mich inspirierten, wie gesagt. Mittlerweile ziehe ich meine Inspiration aus den einsamen Momenten an meinem Ceranherd, während ich mir unspektakuläre Dinge koche, die auf keinem Foodie Blog dieser Welt zu sehen wären.
Vor allem aber: inwiefern charaktersiert uns dieses Verhalten, das scheinbar aus dem Internet entstanden ist? Ich sammel die gleichen Bilder wie alle anderen, ich mache mir da nichts vor, wenn hier jemand auf der Höhe des Zeitgeistes liegt dann ich. Nicht vorne, nicht hinten, auf der Höhe.
Ich finde es jedenfalls ziemlich interessant, dass um den Trend des “Sammeln und Teilen” herum schon Start Ups gegründet wurden, die sich genau darum kümmern sollen. Sie finanzieren sich dann wahrscheinlich über Werbung oder Placements, denn wem fällt es schon auf, wenn die Power User irgendwann nur noch Produkte / Fotos von Marken teilen, die dafür bezahlen?
Am liebsten ist ja jeder immer noch sein eigener Kurator, der sich von der Masse mit seinem geführten Museum abheben will. Mal sehen, wohin sich das noch entwickeln wird. Ich bin ja der Meinung das zu viel “Inspiration” auch eine Blockade sein kann. Ich merke es an mir selber, doch ich kann um’s Verrecken nicht aufhören.
Uncool ist das neue Cool. Gestern auf den Dächern von Weißensee rumgeturnt, heute schon als Promi abgelichtet – aufgrund von Accessoires, vor allem. Man mag es kaum glauben. Geht mal hier rüber und guckt’s euch an, nur, falls ihr heute noch nicht gelolt habt.
(Und danke! Ich liebe diese Schuhe! Die kommen mit auf Weltreise und haben dann schon 3 Jahre auf dem Kasten. Yeah!)
Während der Fashion Week vor einigen Monaten bin ich spontan mit Nick zum Peaches Konzert im WMF an der Klosterstraße gerannt, weil man ja nicht oft genug “Fuck!” auf einem Konzert hört und Ü-40-Jährige Punkfrauen sich die Blöße geben. Wir kamen, sahen und siegten, und obwohl es extrem voll und heiß war, war es extrem gut.
Das lag aber nicht nur an Peaches, sondern an der ganzen Venue. Das WMF in der Klosterstraße war mir bis zur Fashion Week nicht mal ein Begriff. Leider sind mir die ganzen verbappten C-Promis und die Fashion Victims etwas sauer aufgestoßen. Ich dachte, es wäre eine Modemessen-Krankheit, die Location würde bald wieder im Nichts versinken und obwohl der Laden extrem groß und komfortabel scheint, nun ja, es ist halt Berlin… hier hält sich das Nachtleben nicht oft an der gleichen Stelle auf (außer es handelt sich hierbei um das Berghain).
Jedenfalls war ich nicht wirklich davon enttäuscht, nur ein bisschen zerdrückt. Peaches hatte ihre Möpse gezeigt und meinen Lieblingstrack “Operate” komplett im Stage Dive Modus performed, Nick und ich waren bis auf die Unterhöschen nass geschwitzt und die Typen sahen aus wie aus dem Katalog bestellt (der Zorn gegen die Homosexualität wurde an diesem Abend in mir entflammt– hört auf die gutaussehenden Männer auf eure dunkle Seite der Macht zu ziehen!).
Aber das WMF ist wider meiner persönlichen Erwartungen zu einem Hotspot der Stadt geworden- das neue Scala, vielleicht? Mir ist durchaus bewusst, dass mich mein nächster Besuch im WMF mindestens drei Scheinchen kosten wird (weil das geht Hand in Hand mit dem Ansturm der Besucher) und ich mich mit den ganzen Scenesters und der Hipsteria herumschlagen muss… aber bei den aktuellen Line-Ups ist mir das fast schon wieder egal. Who’s with me?
Wer mich kennt weiß ganz genau: der Alten ist nicht mehr zu helfen. Trotzdem lege ich viel wert drauf, bei meinem mentalen Untergang gut auszusehen. Deshalb habe ich mir schwarze Stiefel, einen schwarzen Mantel und ein kurzes Röckchen besorgt. Menschen halten auf der Straße an und fragen “S, bist du jetzt tatsächlich eine Frau? Man wusste das nie so genau!”, und ich sag dann immer “Hell Yeah Motherfucker, aber ich rede nicht so!”
… und weil ich mich ja eigentlich nur besser kleide, um den ganzen Fashion-Antichristen mal zu zeigen, dass ihr langweiliges Attire auch gut aussehen kann – nämlich an mir–, brauche ich im Privatleben natürlich die entsprechende Kompensation: Lumpen, Fetzen und achtmal getragene, ungewaschene Boxershorts, während ich mir mal wieder die Wampe vollstopfe und Coke Zero saufe.
Deshalb gibt es statt Pyjamas jetzt nur noch knappe Kult T-Shirts und Unterwäsche. Alles natürlich von H&M, die momentan eine ziemlich steile Jungskollektion fahren (ja, ich weiß. Für Jungs. Mutti würde mir jetzt eine runterhauen und mich in Tüll stecken, aber VERDAMMT, KLEINE JUNGS KÖNNEN DEN WERT SOLCHER PRINTS DOCH ÜBERHAUPT NICHT EINSCHÄTZEN), und außerdem kann ich mir nichts anderes leisten außer Dumping-Ware. In der Kollektion gibt es zur Zeit Batman, Silver Surfer, Spiderman und, bämbabäm, Star Wars, baby! STAR WARS! UND DAS GIBTS NUR IN DER KINDERABTEILUNG! MUTTIS KENNEN KEIN STAR WARS! UND ICH BIN ZU FETT FÜR KINDERGRÖSSEN!
… anyway. Star Wars ist für mich in etwa genau so inspirierend und beeinflussend gewesen wie Back To The Future. Ohne Star Wars würde ich heute immer noch Ballet tanzen und zu Hause in einem Kimono rumlaufen. Umso verständlicher ist es, dass ich bei einem Projekt wie Star Wars: Uncut komplett ausraste und entschlossen bin, meine eigenen fünfzehn Sekunden einzureichen.