What We Wore

What We Wore” ist ein wunderschönes Projekt, das mit Hilfe von privaten Fotos die Styles und Fashionbewegungen seit den 1950er Jahren in Großbritannien aufzeigt. Natürlich kann man den Modediskurs in Texten und Veröffentlichungen verfolgen. Doch es ist eben diese private Welt, die ein realistisches Bild nachzeichnen kann. Schnappschüsse aus vergangenen Zeiten sind trotz ihrer dokumentarischen Dichte immer noch viel seltener und schwerer zu greifen als die Bilderflut von heute, sodass es immer spannend wirkt und sich wie ein Privileg anfühlt, die Vergangenheit so zu verfolgen.

What We Wore is a project initiated by ISYS ARCHIVE to create a people’s style history of Britain from 1950 to the present day. It’s about people and their personal stories why they wore what they did and what it meant for them.

Wenn man einen Abriss über die verschiedenen Stile von heute machen wollen würde, müsste man sich erstmal durch einen ziemlich großen Haufen Bilder durchwühlen. Ich meine, riesig. Wahrscheinlich würde sich niemand dieser Herausforderung annehmen wollen. Ich hätte jedenfalls keinen Bock Fashion anhand von Selfies und überfilterten Instagram-Bildern nachzuzeichnen.

Whateverest. What We Wore wird anscheinend auch im Herbst 2014 als kleines Lookbook in die Vergangenheit veröffentlicht. Bis dahin ist es aber auch ganz schön, sich durch das übersichtliche Archiv durchzuklicken.

March 3rd, 2014 Posted in (Pop)Kultur, Konsumbehindert | Comments Off

Nike 2013 & The Postmodern Market

Weil deine kleine Schwester angefangen hat, Air Max 1 zu reppen, will an der Spitze der Hypebeast-Pyramide keiner mehr die Botten tragen. Bummer. Das kann doch nicht sein, dass sogar – so schnaubt man verächtlich – Schulkinder ohne jeglichen Sinn für Geschmack diese Schuhe tragen, das ist Identitätsdiebstahl.

Nun gut, diese Liason mit dem Einser ist erstmal kollektiv ad acta gelegt, da können noch so viele Special Editions kommen (obwohl Camo/Leo auch irgendwie höhnisches Statement seitens Nike ist, frei nach dem Motto: “wir erfüllen jeden Wunsch, den eure SYSTEM OVERLOAD Gesellschaft hat”). Diese Schuhe werden nur noch von Kids und Spätzündern gekauft (nicht getragen; das dauert noch) und behandelt wird das in etwa so wie Menschen, die nicht in den 80ern geboren wurden oder erst nach Schließung der Bar25 nach Berlin gezogen sind: während du noch alter Scheisse hinterher hängst, haben wir schon längst die nächste Underground-Party gefunden, die nur uns gehört.

The line of sneakers is very popular amongst many subcultures, for example Hip Hop, and Gabber.(via Wikipedia)

Hah, Gabber.
Ich bezweifle nicht, dass er wieder kommt, der AM1. Ich gehe ja nicht mal davon aus, dass er tatsächlich verschwindet; die Schuhe sind immerhin gekauft, die muss man jetzt entweder tragen oder mit Wertverlust verkaufen. Problemlösung: Man mottet sie im besten Fall ein und holt sie in sieben bis zwölf Jahren wieder raus, wenn sie schon längst vergessen sind und die eigene Individualität durch den Rückgriff in die Kiste der Vergangenheit ganz einzigartig demonstriert werden kann. Dieser kleine Ausschnitt aus einer BBC-Fashion Reportage 1990 drückt den Circle of Life wunderbar aus.

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February 11th, 2013 Posted in (Pop)Kultur, Konsumbehindert | 3 Comments »

FOUR PINS

Modeblogs sind ja in einem unsterblichen Klischee verhaftet. Kleines Mädchen möchte auch endlich Presse-Material erhalten und fotografiert sich selbst deshalb jeden Tag mit einer schlechten Kamera im Spiegel. Früher hätte man sich anständigerweise für Aufmerksamkeit geritzt, heute gibt es die von Trollen, Lustmolchen und PR-Agenturen nachgeschmissen. Wie dem auch sei: dass Mode anders gehen kann beweisen uns ein paar Jungs aus den USA: Four Pins.

““Tiré à Quatre Épingles” is an old French saying with a foggy etymology that dates back to Renaissance-era France. Literally translated, it means “held by four pins,” but the the figurative meaning is more like “well dressed,” “impeccable,” “of the best quality,””to the nines,” etc. You get the point. We didn’t expect you to know that, but now you do.”

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November 29th, 2012 Posted in Konsumbehindert | 1 Comment »

rucksackrucksack.com

In dieser Sache mache ich gerne eine Ausnahme für mein erzwungen eingegrenztes Konsumverhalten: die Vintage-Shopping Reise geht bei RucksackRucksack.com in die Detail-Runde. Der Name sagt alles und die Website besticht im Schaufenster-Look. Noch bestechender: die schönsten Rucksäcke sind auch noch ziemlich günstig zu haben, für Berlin-Mitte Verhältnisse überhaupt keine Selbstverständlichkeit. Ich bin ein großer Fan und habe mir direkt auf oldschooligem Weg per E-Mail ein schicket Ding bestellt.

Wenn es mehr so kleiner Nischen-Konzepte gäbe, würde ich wahrscheinlich auf öfter einkaufen gehen. Für jemanden der leicht überfordert ist in einem Laden, der alles ausstellt, ist das hier wie Balsam für die Seele und natürlich Kampfansage für das gute alte Spaßkassen-Konto.

(via ceecee)

October 26th, 2012 Posted in Berlin, Konsumbehindert | 1 Comment »

Watch Me

Ich trage eigentlich kaum Schmuck. Nicht, weil ich etwas prinzipielles gegen Schmuck habe (Blutdiamanten und die ganze Kontroverse darum mal abgesehen), sondern weil ich alles in meinem Leben in erster Linie verliere oder kaputt mache, insbesondere Dinge, die irgendwie an meinem Körper drapiert wurden und in Vergessenheit geraten. Ohrringe, Ketten, Armbänder und Ringe: ich habe schon unzählige hochwertige Kleinteile geschenkt bekommen, vor allem von meiner Mutter und Rest-Familie, und doch ist nichts übrig geblieben als der Mini-Elefanten Anhänger, den ich zu meiner Geburt geschenkt bekam. Er ist ganz in Gold mit kleinen Diamanten, und ich trage ihn so gut wie nie, weil ich erstens keine Kette habe, die filigran genug wäre, und zweitens viel zu viel Angst habe, ihn zu verlieren.

Kein echtes Gold zu tragen ist auch nichts, was gegen meine Arbeiter-Prinzipien spricht, aber das widerliche Abrosten der Farbe und die schwarzen Finger, wenn man mal einen falschen Ring getragen hat, das ist es mir nicht wert. Irgendwie nervt es auch. Ich kauf mir soetwas nicht, ich wünsche mir soetwas nicht. Ich wünschte mir manchmal, dass ich mehr Gefallen daran finden könnte, es peppt ja auch durchaus mal einen Look auf. Aber darüber mache ich mir zwei Sekunden am Tag Gedanken und geh dann schön weiter nerdig im Internet surfen.

Meine Mutter hingegen, in typischer “edle Dame aus hohem arabischen Haus”-Manier, meine Mutter sammelt Schmuck in jeder Form wie ein Messi Dreck sammelt. Für sie ist es mehr als nur ein Statussymbol, so viel von Wert zu besitzen: für sie ist es zugleich finanzielle Anlage, aber vor allem trägt jedes einzelne Teil in ihrem Besitz einen symbolischen Wert. Eine Erinnerung. Von Tradition heruntergereichte Stücke, Hochzeitsschmuck, der Schmuck, den ihre Mutter ihr vor Kurzem erst geschenkt hat, alles in allem kein billiges Zeug. Sie trägt es mit Stolz, und sie erzählt gerne die Geschichten der kleinen Klunker. Für sie ist das aber auch keine Geldsache. Sie rennt auch heute noch jeden Tag in die kleinen Nippes-Geschäfte und kauft sich bunte Ohrringe und kitschige Anhänger. Sie ist nicht behangen wie ein Weihnachtsbaum, aber sie hat auf jeden Fall eine sehr stark ausgeprägte Leidenschaft, die mich immer an mir selbst zweifeln lässt. Aber es gibt Dinge, die kann ich eben nicht so richtig leiden, und Schmuck gehört dazu. Es sieht gut aus an anderen, aber an mir nervt es.

Es gibt nur ein Teil, dass nicht von meiner Hand kommt: die Uhr. Seit mehreren Jahren trage ich nun eine sehr simple Vintage Casio Uhr, diese Digitale, die eigentlich auch jeder hat. Ich besitze auch wertvollere Uhren, aber die haben alle meinen Style von heute verfehlt und deshalb gebe ich mich zufrieden. Sie funktioniert. Sie zeigt mir die Zeit auf die hässlichste Art und Weise an und wurde von Robotern erschaffen, aber ich ziehe sie maximal zum Schlafen oder zum Duschen aus und vermisse sie, wenn sie nicht wieder schnell an mein Handgelenk zurück kommt. Uhren sind auch die ersten Accessoires, die mir an anderen auffallen. Aus irgendwelchen Gründen – obwohl ich mich nie damit auseinandergesetzt habe, jedenfalls nicht bewusst – kenne ich die Unterschiede zwischen hochwertigen, also teuren Uhren, und den Fakes und Billigteilen, diese typischen Nichts-Uhren, wie sie Esprit macht, um nur jetzt etwas zu nennen was mir auch auffällt. Das regt mich nicht auf, das emotionalisiert mich null – aber irgendwie ist da doch dieser minimale Drang, mir selbst eines Tages eine Uhr anzuschaffen, die schön ist. Und schwer. Und wertvoll.

Es gab dieses Jahr eine Phase, in der ich meine Uhr nicht tragen konnte. Ich konnte mir nicht erklären, warum das etwas mit der Zeit zu tun hatte. Es war mit Sicherheit keine schöne Phase, aber wieso ich die Uhr nicht mehr tragen konnte, verstehe ich trotzdem nicht. Jeder Blick auf das Ziffernblatt bewies vielleicht, dass die Zeit nicht stehen geblieben war. Das konkurrierte mit meinen herzzerreissenden Gefühlen. Es war paradox: in meinem Gehirn war alles auf Stillstand gesetzt, ein Nullwert erschaffen worden. Aber das Leben ging weiter. Im großen und ganzen führte mir die Uhr nur vor, wie falsch meine negative Einstellung war, und wie falsch generell mein Gefühl wohl sein musste. Irgendetwas stimmte nicht, und statt mich damit auseinanderzusetzen, warf ich im verzweifelsten Moment dieser kleinen Reise durch meine Gefühlsunterwelt die Uhr in den Müll. Meine Mutter fischte sie heraus, zwei Monate später freute ich mich wie Bolle darüber, sie wieder zu haben. Ich hätte mir jederzeit eine neue Billig-Uhr für 15 Euro kaufen können, aber ich dachte gar nicht daran. Erst als ich sie auf meinem alten Bett liegen sah, bei einem Spontanbesuch in der Heimat, erst dann wurde mir bewusst: ach so, cool. Meine Uhr. Ja, wird ja auch mal wieder Zeit.

Möglicherweise ist auch genau das, was mich an der Uhr so festhält (nicht an dieser spezifischen, sondern an dem Konzept “Armbanduhr” generell): die Zeit. Natürlich ist ein dickes Teil am Arm das Prollo-Statussymbol schlechthin. Wer Rolex sagt, muss auch “oh Gott du hast einen kleinen Pimmel” sagen. Aber es kommt mir fast schon so vor, als wäre eine teure, schöne Uhr, das einzig wertvolle, was ich niemals verlieren würde. Geht auch gar nicht: ich lege sie ja nicht ab. Und es ist nicht nur sinnloser Schmuck, denn Zeit ist alles, was in diesem von uns konstruierten Leben tatsächlich einen gewissen Wert hat. Die Uhr ist eine Erinnerung daran, dass die Dinge anfangen, laufen und zu Ende gehen.

Aber natürlich ist das Tick-Tock auch negativ belastet. Zeit rinnt. Und es ist eben doch nur ein menschliches System, dass einen auf täglicher Basis die Nerven zerbombt. Wir denken, es läuft alles geradeaus, ein linearer Strang. Zeit, die sich nach vorne bewegt, aber nicht im Kreis und nicht flüssig und nicht flexibel ist. Das ist ein stures Konzept, viel zu steif – eigentlich – aber es ist ein Konzept, in dem man nicht nur aufwächst, sondern das auch noch so logisch wirkt. Genauso logisch wie es ist, seine CDs nach Titel zu ordnen. Es ist Ordnung, ein Gefühl der Sicherheit, so unklug es auch sein mag, sich daran festzuhalten.

Ich blicke auf die schönsten Uhren der Welt und sehne mich nach ihnen. Das mag auch größenteils ein gerechtfertiger Materialismus meinerseits sein, aber wie gesagt, eine Uhr ist auch mehr als nur ein Anhängsel. Sie erfüllt eine Funktion. Vom Handwerk, dass dafür noch notwendig ist, mal ganz abgesehen: das finanzielle Opfer ist also entschuldbar. Und dann ist es auch so wie mit meinem Tattoo am Fuß, auf dem “Bismillah Al Rahman Al Rahim” auf arabisch steht, ein kleines persönliches Paradox: die Religion verbietet es, sich zu tättowieren, und doch widme ich es Gott. So zwiegespalten ist auch meine Beziehung zur Uhr: ich kann mir vielleicht eines Tages eine fünftausend Euro Cartier kaufen. Aber ich kann mir niemals die Zeit kaufen, die sie darzustellen versucht.

May 14th, 2012 Posted in Konsumbehindert | 1 Comment »

POLO SPORT MASSENMORD

Mädchengangster, gefangen im Dualismus. Ein gutaussehendes Bündel wandelnder Widersprüche, Füße zu klein für Nikes, Frisur zu voluminös für kleine Skatergirl-Mützchen, Schenkel zu fett für Skinny Jeans und White Tee und Leopardeprintleggins. Aber ich scheiss auf die Authentittenzität, boy, ich bring Mitte nach Neukölln, Hood-Couture aus dem Altbau-Block am START, Kreuzberg Gentrification Light, schön in Residenzjogginghosenoutfit zu Katies Blue Cat ‘nen frischen Cappucino und einen Bagel mit Cream Cheese für 4 Euro und dem Ramschwarenhändler der zumachen muss noch mal Hallo sagen und wieder nichts kaufen, was es nicht auch bei Amazon mit Umsonstversand gibt! Ich höre auf meinem freshen iPhone Mobb Deep und laufe nachts um den Görlitzer Park herum, damit es mir nicht geklaut wird! Ich drehe meine Joints bereits vor der Party und verkauf sie für 3,40 an den englische Touristen! Ich hole mir eine Dauerkarte für’s Prinzenbad aber chill in Shirt und Jeans damit die türkischen Muttis mich nicht anspucken! Ich hol den besten Döner aus Kreuzberg ABER BITTE OHNE KNOBLAUCH UND OHNE ZWIEBEL ICH GEH NÄMLICH NOCH PARTY WALLAH! Junge, ich ficke dein Leben so hart und weine mich dann nachts in den Schlaf! Ich kaufe mir ein Skateboard und hänge es unter den Stuck im Wohnzimmer! Ich trage die Hose in den Socken damit sie sich nicht in meinen Single-Speed Speichen verheddert! ICH KAUF MIR EINEN SCHLAGRING UND TRAG IHN ALS ACCESSOIRE UM DIE FINGER! Ich pack Graffiti an Hauswände und lade meine Tags auf Facebook hoch! Ich trage Wal-Mart Pullover aus LA über meiner Bauchweg-Strumpfhose! ICH GEH ZU WATCH THE THRONE MIT EIN SITZPLATZTICKET! Ich weiß dass 2Pac lebt DAS HABE ICH IN MEINEM HIP HOP SEMINAR GELERNT! Ich häng im Block rum und lass ein Foto von mir für Instagram machen! VERSACE UND M.I.A. SIND GEIL! Ich sage LAK WALLAH wenn mich was nervt und meine Freunde geben mir Überprops für meinen breitgefächerten Multikulti-Hintergrund! Ich klau 10 Euro vom Nachttisch meiner Freundin UND GEBE SIE IHR ZURÜCK! OH Gott Deutschrap ist so TOT man aber ich hab Gästeliste für Cro Konzert lass ma hingehen! ICH KAUFE MIR EINE STURMMASKE FÜR DAS ODD FUTURE KONZERT UND HEBE SIE FÜR FASCHING AUF. Ich fahre einen roten Opel Astra Baujahr 97 und dreh THE CURE laut auf! Die Polizei macht Personenkontrolle und ich gebe ihm meinen Perso und sage DANKE LIEBER HERR KOMISSAR! POW, POW, POW!

February 24th, 2012 Posted in Gangster, Konsumbehindert | 5 Comments »

IUTER

In Riot-Fashion-Spirit hat die italienische Marke IUTER gerade einen Teil ihrer neuen Kollektion auch in Deutschland verbreitet. Scheiss auf den konventionellen Schal, der sich immer in alle Richtungen zerknotet, zu kurz oder zu lang ist und meistens auch echt nicht gut aussieht; ich will so ein Collar-Dings. Und eine Mütze. I approve of this.

IUTER COLLAR (1)IUTER COLLAR (2)

IUTER COLLAR (3)IUTER COLLAR (4)

via Overkill

December 6th, 2011 Posted in Konsumbehindert | Comments Off

Watch The Throne

Sind sie nicht süß, diese alten Männer? Wie sie freudestrahlend auf einen Runway laufen und eine Art Choregraphie hinlegen, die sie nicht als harte Typen, sondern als interessante Entertainer auszeichnet? Wie sie, ich fasse es nicht, “crazy” voll aussprechen und nicht zu “cray” verstümmeln (wobei ich den innovativen Aspekt dahinter ehrlich gesagt nicht abstreiten möchte). Wie sie in Ledermontur (Kanye, du Fashionmonster – und die göttlichen Air Yeezys, diese fantastischen Dinger, die ich niemals besitzen werde) triumphieren und die Versace x H&M Jacke aus der aktuellen Kollektion mit einem Extra-Grinsen Erwähnung findet…

Die Musik selbst, mit diesem elektronischen Rumgewabere am Ende, das so ein bisschen an Skrillex’ Nicht-Dubstep, Nicht-Elektro Talent erinnert, aber auch die Plattform – wer ist die Zielgruppe für Victorias Secret Fashion Show? Harte Gangster-Typen? Hm – ist so ein bisschen der Abgesang auf die Einschränkungen, die dem Hip Hop in seiner Geschichte widerfahren sind. Wenn Mutti und ihre Töchter zu Kay & Jay abgrunzen können, dann kann das jetzt jeder. Das mag vielleicht keine überraschende Entwicklung sein, weil vor allem Kanye die Marketingfläche nicht unwesentlich gedehnt hat mit seinen Pop-Ambitionen (und ey, wenn Jay-Z nicht seit jeher eingänglich war, wer sonst?). Ich finde es trotzdem erstaunlich, wie schön sich das ganze in die Szenerie einfügt, so natürlich, als wäre es nie etwas anderes gewesen. Irgendwie so, als wäre der nächste Stopp bei Wetten, Dass? // es wundert mich nicht, wenn es da einen nervigen Drang gibt von Kids, unabhängig der Herkunft, anderen “rebellischen” Kids zu folgen, die zwar nicht minder den Erfolg haben wollen, aber dabei noch ein paar Leuten in die Fresse spucken möchten (ie Odd Future wollen Wu-Tang sein). Fragt sich, ob es am Alter von Hip Hop liegt (“endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen”) oder eben am Alter der anführenden Künstler… (was übrigens nichts über die Qualität von The Throne aussagen soll).

PS: Das Hip Hop Künstler noch mal Gianni Versace “neu” auftragen würden- wer hätte das schon gedacht.
PPS: Ich will diese Jacke. Ich will, ich will, ich will.

December 1st, 2011 Posted in Musik | 6 Comments »

Inflammable

Nike TC Destroyer Yankees

Kinder, das Leben ist hart, und Frauen werden nicht nur in Italien nicht ernst genommen. Dass auch coole Chicks eine anständige Destroyer tragen möchten, jetzt, wo auch H&M trashige Collegejacken führt, daran denkt wieder niemand, der Klamotten mit Style produziert. Auch die Jungs vom inflammable Store führen das Teil nur in Größe M. Größe M, das Teil könnte ich als Zelt in meiner Wohnung aufschlagen und Sumo-Veranstaltungen mit 300 Zuschauern darin austragen. Not fair.

Aber Boys will be Boys und weil die ollen Tusen-Leser sich sowieso lieber schminken möchten, können immerhin die Waschbrettbäuche und Großfüßer unter euch von diesem heißen Scheiss profitieren. Die netten Graffiti-Menschen von inflammable kleiden euch nämlich gerne neu für den Winter ein und haben ein großes Sortiment an Weihnachtsgeschenken, die man sich potenziell selbst macht. Meine Faves (natürlich): Nike Air Max, die es alle nicht in meiner Größe gibt außer die 90s, kuschelige Carhartt Jacken, Spritzdosen aus dem Graffiti Shop und eine unwillkürliche Wahl anderer großartiger Sneaker. Jetzt zieht euch bitte vernünftig an, bevor es kalt wird, aber nicht die Destroyer, die nähe ich mir nämlich in meiner Größe nach.

November 13th, 2011 Posted in Ohne Worte | Comments Off

Fashion Development Disorder

Während die anderen Mädchen mit den perfekt geflochtenen Zöpfen sich über die aktuellen Brigittethemen unterhielten, lackierte ich mir die Fingernägel mit schwarzem Edding und ritzte mit dem Taschenmesser meines großen Bruders Hakenkreuze in die Tischplatten im Klassenzimmer. Später lachten sie mich aus, weil ich mich über meine Klamotten von ihrer Oberflächlichkeit abheben wollte. Jahrelang begleitete mich eine braune Baggy-Kordhose von Bad + Mad meine Schulzeit, ein Fashion-Trauma, von dem ich mich nie erholen werde.

Heute sieht es so aus, dass ich zwar eine grobe Ahnung von Geschmack und Style in ihrer Abstraktion habe, aber weder von dem einen noch von dem anderen etwas besitze. Die anderen Mädchen mögen zwar nicht in die tiefen Sphären der neumodernen Philosophie abgetaucht sein, aber ich ja auch nicht. Ich habe meine Zeit mit Reefer und anderen geistreichen Dingen verbracht, während sie ihre Augen und ihre Talente im “Frau sein” geschult haben. So ist das nämlich, man will was besseres sein und hebt sich mit seiner Arroganz auf ein Podest des Versagens. Ich wollte Holly Caulfield sein und erntete nur noch einen Copy/Paste Klamottengeschmack den man sich post-saisonal bei H&M dann abholen kann. Es wäre gelogen zu sagen, es hätte mich nie gestört. Ich wollte mich über das Konsumverhalten meiner Peer-Group heben und sagen: so bin ich nicht. Aber die Wahrheit war eine ganz andere. Ich konnte einfach nicht, denn ich wusste überhaupt nicht, wie die das machen.

Meine Entwicklung verläuft dank vielseitiger Inspirationsmöglichkeiten und der Nachsichtigkeit meiner Freunde in eine hoffnungsvolle Richtung. Trotzdem kann ich nur mit Neid die Talente der Fashionbloggerinnen beobachten und mache sie deshalb auch gerne nieder. “Hah, du kannst also ein komplettes Outfit zusammenstellen, welches großartig und individuell aussieht und insgesamt nicht mehr als 12 Euro gekostet hat? Gott, wie dumm du sein musst!” Währenddessen stehe ich ohne jegliche Idee im fiktiven Kleidermarkt und mach’s wie beim Lebensmittelkauf, drei Konserven und ‘ne Banane.

Eigentlich verhält es sich daher bei Modegeschmack nicht anders als beim Kochen. Die einzelnen Zutaten mögen langweilig, einseitig, mondän oder gar widerlich sein, aber darauf kommt es doch gar nicht an! Es geht um das Kombinationstalent, um Vielfältigkeit, um Opportunities, wie Eminem schon predigte: OPPORTUNITIES MÜSSEN GEGRABBT WERDEN! Auf Flohmärkten, in Discountern, Online oder halt eben bei geschmacklichen Experimenten. Man muss es ja nicht übertreiben.

Jedenfalls durfte ich mich wieder mit meinen (nur halb unernst gemeinten) menschlichen Defiziten auseinandersetzen, als ein hoch dotierter Gutschein mir ins Haus flog und mich in einen Onlineshop geleitete, den ich eher selten frequentiere (und wieso, das dürft ihr drei Mal raten). Die Auswahl, obwohl nicht bescheiden, ist mindestens nicht auf meinen persönlichen Breitengraden angesiedelt. Keine korrekten Schuhe in meiner Größe (und mit Schuhe meine ich Nike), keine Hosen, denn wer weiß, wie fett ich mittlerweile anpeilen muss, ach, die pure Verzweiflung. Ich entschied mich letztlich für das einzig richtige in dieser Situation: einfach irgendetwas teures, was du brauchst, was du dir sonst aber für maximal 20 Euro geleistet hättest. Voilá: eine Lacoste Jogginghose. Es ist das teuerste Stück Textil, welches sich je an meinem Körper befunden hat (mit Ausnahme von Schuhen) und wird demnächst auch in die Hausratsversicherung aufgenommen.

Doch der Gutschein bewährte sich als Miststück, mit der Hose war es nicht getan. Und hier wären die Fashionmumus bestimmt gefragt gewesen, hätten ein Modenschau-Stück nach dem anderen gefiltert und in ihr umfangreiches, flexibles Repertoire aufgenommen. Mir blieb nichts anderes übrig als mich für Accessoires zu entscheiden, Socken und eine Mütze von Nike (das war vor dem Boykott, promise). Tja. Und dann? Dann entschied ich mich doch für Schuhe. Für Schuhe, die simpel und vielseitig, aber in Anbetracht meiner derzeitigen Lage (ich brauche keine Schuhe, auch wenn ich über nichts anderes reden kann) einfach überflüssig sind. Schwarze Chukka Vans.

Andere Leute hätten meine Situation effizient verarbeitet und gar Weihnachtsgeschenke gekauft, oder für die Heilsarmee oder mindestens für verarmte Freunde gespendet. Aber nicht ich, uh-uh. Ich nicht. Ich kaufe Ramsch und Jogginghosen für viel Geld, selbst wenn es “geschenkt” war, und trage zum Verfall unserer Zivilgesellschaft bei (wobei man jetzt natürlich auch argumentieren könnte, dass hochwertige Markenklamotten nicht unbedingt nur für den Namen Geld kassieren, sondern eben auch für Materialkosten und Handarbeit, die nicht aus Billig-Asien stammt; vielleicht hat sich unser Verhältnis zu Mode so verzerrt, dass es schon wie mit den Lebensmitteln ist: alles so billig wie möglich. Vielleicht ist meine Jogginghose auch der Schritt in die richtige Richtung, nämlich in eine, wo man Arbeit wieder entsprechend würdigt. Wer würdigt meine Berichterstattung? Das ist eine andere Frage.)

Das mit der Präsentation übe ich beim nächsten Mal auch noch besser – aber ein Fashionvictim fällt ja auch nicht einfach so vom Himmel. Und wo wir immer noch bei Fashion sind, will ich einen Modeblog erwähnen, der alles andere als ein Opfer ist. This Is Jayne Wayne erheitert mich täglich, nicht mit Produkten, aber mit Texten. Die Kraft der Wörter ist eben interdisziplinär schätzbar. Sarah Hockemeier ist auch okay.

November 9th, 2011 Posted in Ohne Worte | 2 Comments »