Während der Fashion Week vor einigen Monaten bin ich spontan mit Nick zum Peaches Konzert im WMF an der Klosterstraße gerannt, weil man ja nicht oft genug “Fuck!” auf einem Konzert hört und Ü-40-Jährige Punkfrauen sich die Blöße geben. Wir kamen, sahen und siegten, und obwohl es extrem voll und heiß war, war es extrem gut.
Das lag aber nicht nur an Peaches, sondern an der ganzen Venue. Das WMF in der Klosterstraße war mir bis zur Fashion Week nicht mal ein Begriff. Leider sind mir die ganzen verbappten C-Promis und die Fashion Victims etwas sauer aufgestoßen. Ich dachte, es wäre eine Modemessen-Krankheit, die Location würde bald wieder im Nichts versinken und obwohl der Laden extrem groß und komfortabel scheint, nun ja, es ist halt Berlin… hier hält sich das Nachtleben nicht oft an der gleichen Stelle auf (außer es handelt sich hierbei um das Berghain).
Jedenfalls war ich nicht wirklich davon enttäuscht, nur ein bisschen zerdrückt. Peaches hatte ihre Möpse gezeigt und meinen Lieblingstrack “Operate” komplett im Stage Dive Modus performed, Nick und ich waren bis auf die Unterhöschen nass geschwitzt und die Typen sahen aus wie aus dem Katalog bestellt (der Zorn gegen die Homosexualität wurde an diesem Abend in mir entflammt– hört auf die gutaussehenden Männer auf eure dunkle Seite der Macht zu ziehen!).
Aber das WMF ist wider meiner persönlichen Erwartungen zu einem Hotspot der Stadt geworden- das neue Scala, vielleicht? Mir ist durchaus bewusst, dass mich mein nächster Besuch im WMF mindestens drei Scheinchen kosten wird (weil das geht Hand in Hand mit dem Ansturm der Besucher) und ich mich mit den ganzen Scenesters und der Hipsteria herumschlagen muss… aber bei den aktuellen Line-Ups ist mir das fast schon wieder egal. Who’s with me?
Wer mich kennt weiß ganz genau: der Alten ist nicht mehr zu helfen. Trotzdem lege ich viel wert drauf, bei meinem mentalen Untergang gut auszusehen. Deshalb habe ich mir schwarze Stiefel, einen schwarzen Mantel und ein kurzes Röckchen besorgt. Menschen halten auf der Straße an und fragen “S, bist du jetzt tatsächlich eine Frau? Man wusste das nie so genau!”, und ich sag dann immer “Hell Yeah Motherfucker, aber ich rede nicht so!”
… und weil ich mich ja eigentlich nur besser kleide, um den ganzen Fashion-Antichristen mal zu zeigen, dass ihr langweiliges Attire auch gut aussehen kann – nämlich an mir–, brauche ich im Privatleben natürlich die entsprechende Kompensation: Lumpen, Fetzen und achtmal getragene, ungewaschene Boxershorts, während ich mir mal wieder die Wampe vollstopfe und Coke Zero saufe.
Deshalb gibt es statt Pyjamas jetzt nur noch knappe Kult T-Shirts und Unterwäsche. Alles natürlich von H&M, die momentan eine ziemlich steile Jungskollektion fahren (ja, ich weiß. Für Jungs. Mutti würde mir jetzt eine runterhauen und mich in Tüll stecken, aber VERDAMMT, KLEINE JUNGS KÖNNEN DEN WERT SOLCHER PRINTS DOCH ÜBERHAUPT NICHT EINSCHÄTZEN), und außerdem kann ich mir nichts anderes leisten außer Dumping-Ware. In der Kollektion gibt es zur Zeit Batman, Silver Surfer, Spiderman und, bämbabäm, Star Wars, baby! STAR WARS! UND DAS GIBTS NUR IN DER KINDERABTEILUNG! MUTTIS KENNEN KEIN STAR WARS! UND ICH BIN ZU FETT FÜR KINDERGRÖSSEN!
… anyway. Star Wars ist für mich in etwa genau so inspirierend und beeinflussend gewesen wie Back To The Future. Ohne Star Wars würde ich heute immer noch Ballet tanzen und zu Hause in einem Kimono rumlaufen. Umso verständlicher ist es, dass ich bei einem Projekt wie Star Wars: Uncut komplett ausraste und entschlossen bin, meine eigenen fünfzehn Sekunden einzureichen.
Okay, hier ist etwas aus der Kategorie “Das ist innovativ (aber diesmal wirklich)”. T-Post nämlich ein T-Shirt Magazin. Ich meine, im wahrsten Sinne des Wortes: Ein T-Shirt Magazin.
Alle sechs Wochen erhalten die Abonnenten des Magazines ein T-Shirt, das etwas thematisiert– eine Art visuelle Kolumne. Um es mal mit den Worten der Macher auszudrücken:
Offbeat news + graphic t-shirt = T-post, the world’s first wearable magazine. Every six weeks, subscribers receive a new t-shirt in the mail. News story on the inside. Artist interpretation on the front. All-around conversation piece.
Ziemlich coole Idee, oder? Eine Ausgabe, bzw. ein T-Shirt, kostet 19 € und kommt aus Schweden angeliefert. Jedes T-Shirt wird von einem anderen Designer gestaltet, jede Ausgabe behandelt ein anderes Thema, egal wie banal es erscheinen mag (think Vice meets LaFraise).
Schön ist auch der wirtschaftliche Gesichtspunkt hinter der ganzen Sache: Die T-Shirts sind nur in einer Limited Edition zu erhalten, d.h. es werden genau so viele T-Shirts gedruckt, wie auch Abonnenten “nachfragen”. Im Prinzip hat das Team von T-Post ein Marktgleichgewicht erschaffen, was in sonst so elitären Fashion-Design-Kreisen kaum vorhanden ist. Find ich gut. Ob sich das durchsetzt, bleibt nur zu hoffen (und wenn ich mir T-Shirts kaufen würde, dann würde ich da auch mitmachen. Aber ich hasse T-Shirts, weil ich dann beim Sitzen immer meinen schwabbeligen Bauch einziehen muss.).
T-Post gibt es wohl schon seit 2004, aber ich habe vorher noch nie von denen gehört. Die Idee stammt, wie könnte es auch sonst sein, aus Schweden. I approve of this.
Holy. Shit. Shopping. wird jetzt zum Summer.Pop.Shopping. Am 29. und 30. August kann man sein kostbares Taschengeld für mehr Style und Status auf den Kopf hauen.
Der Super-Sonder-Sale findet in Berlin im Badeschiff statt, und weil das sogar auf ein Wochenende fällt (Samstag, 29. 08 und Sonntag, 30. 08.), könnte man sich tatsächlich überlegen mal hinzugehen. Jetzt geht man ja davon aus, dass das Wort “Sale” einen gewissen Preisabfall zum normal üblichen Wert suggeriert; so, wie ich allerdings Sales und Flohmärkte in Berlin kennen gelernt habe, wird das wieder nur ein Augenschmaus für mich. Ich persönlich finde es nämlich überaus unangenehm, mit einem 200 € teuren Schal rumzurennen. Nicht, weil andere hungern müssen, sondern weil ich ständig Angst darum hätte, dass er von meiner Tollpatschigkeit zerstört wird.
Naja, vielleicht gibt’s da ja ein paar Muttis, die vergeblich nach Grabbeltischen suchen… und musikalische Untermalung gibt es auch. Ach, das wird ein Spaß, der Fashionista zuzusehen.
In Berlin gibt es ein Gesellschaftssystem, das Menschen in zwei Kategorien einteilt: Hipster und Sonstige. Zu welcher ich persönlich gehöre, hängt von meiner Laune und von der Dicke meines Geldbeutels ab. Alle anderen reißen sich um die seltenen Plätze in der Hipsteria.
Was ein Hipster ist? Einerseits eine Form der Unterwäsche. Andererseits: Hipster sind die mit dem besseren Musikgeschmack, dem arroganteren Lächeln und dem Boho-80er-Fashion-Look. Die Motivation ist definitiv unklar, eine Bewegung ist es irgendwie auch nicht, und wieso ist Glitter wieder in? Viele Phänomene reihen sich da auf. Bei Emos musste man ja nicht lange auf die Selbstmorde warten, bei Hipstern wünscht man sich das ja zeitweilen ein bisschen. Vor allem dann, wenn sie Originalität, Inside Jokes und das Privileg aus einer reichen Familie zu kommen nehmen, um es zu einem teuren Trend zu verarbeiten, der inflationär zwischen Teenagern herumgereicht wird bis er auf ewig versagt. Und traurige, kreative Kindsköpfe zurücklässt.
Für mehr ausführlichere und sozialkritischere Auseinandersetzungen mit dem Thema geht es bei Adbusters weiter. In Berlin kann man sich, auch wenn man nicht dazu gehören will, sehr leicht mit der Look-Seuche anstecken. Obwohl man nie zur Elite gehören wird, kupfert man sich hier und da einen Trend ab und what, auf einmal sieht man aus wie aus SoHo importiert. Ich gehöre sogar dazu, zu den Pseudo-Hipstern. Allerdings bin ich die tatsächliche Verkörperung von Cool und habe wirklich einen besseren Musikgeschmack als alle anderen. Deshalb ist das auch überhaupt nicht schlimm. Um diese Erkentniss zu feiern, habe ich beschlossen mir eine hübsche Uhr im Retro-Chique Look zu kaufen.
So viel zum Thema Hipster. Mehr gibt es dann, wenn ich mich in ihre Reihen eingeschlichen habe und aus dem elitären Kreis Insiderberichte zur Verfügung stellen kann.