White Girl & Lunice

Es ist einer dieser Abende, an dem man weiß, was man will: Pause. Nach getaner Arbeit und im Wissen um den Stress am nächsten Tag gibt es nur noch die absolute Knalltüte in Form von MDMate und reichlich klarem Blutverdünner. Ob es um Geld geht oder nicht – wir müssen ja ständig in Bewegung bleiben, um nicht in unsere Leerlauf-Löcher zu fallen, die uns die Seele zerreissen. Bis die Birne platzt, gerne auch bei 13 Grad und Nieselregen. Und dann strotzt man gerade so vor Abenteuerlust und weiß ganz genau dass es diesmal nicht so wird wie beim letzten oder vorletzten Mal im Prince Charles. Und dann wird alles so perfekt wie man es sich vorstellen kann: latent angetüdelt mit dem Fahrrad fast die O-Straße am Asphalt abknutschen, von den Türstehern an der Schlange vorbeigewunken werden und durch Zufall auf der Gästeliste stehen. Und wir sind jetzt schon total high und übermütig. Pünktlich zum Setbeginn durch die Meute kämpfen und direkt am DJ-Pult zwei Stunden lang in Schweiß und freudigen Tränen baden. Ballin’, Banger, Boom. Und wir leben und atmen, trotz der schlechten Luft und dem Rauch. So ein Workout kann auch das Studio nicht aus mir rauskitzeln. Zwei Stunden lang pure Klangextase. Nukleare Ansteckungsgefahr, Ellenbogen an Kopf, so hoch springen wie man kann, völlig ignorieren, wie bescheuert die weißen Kids beim abgehen eigentlich aussehen. Egal, wir sind Pretty Flackos. Und Lunice, der für mein herzsprengendes Hiroshima sorgt, der mich für immer in sein Herz geschlossen hat, ist einfach nur ein Kid wie wir alle und springt am höchsten zu seinen Tönen. Der freut sich, und ich freue mich, dass er sich freut. Wir zerstören den Club, aber nur innerlich, also uns, unsere Gehirne und vor allem unsere Ohren. Who cares. Überall bunte Laser und so ein Scheiss. Und dann ist alles so schnell vorbei wie es angefangen hat und wir kriegen das organische Grinsen nicht mehr aus unseren Gesichtern geritzt, ist aber egal, weil morgen geht es nämlich weiter mit dem Nachdenken und dem Philosophieren und der Unikram und die Arbeit und die ganzen ernsten Dinge, um die man sich kümmern muss. Hey Lunice, woher kennen wir uns eigentlich nicht? Aber zwei Stunden lang habe ich zu den sinnlos herumfliegenden Molekülen gehört, die nach ihrem Gegenpol suchen, mit ihren Freunden keine Fragen stellen, ohne wirklich aktiv zu sein. Und für das Herzrasen und die Umarmungen und das gemeinsame Abschwitzen und Mitgröhlen hat es sich gelohnt, auch wenn es sich wie ein hocherotischer Moment der akustischen Illusion anfühlt. Wenn der Sommer dann endlich kommt, ergibt sich für die Zukunft nur eine logische Möglichkeit: rumfahren und Drogen nehmen. Für den Hustle und den Flow.

May 13th, 2012 Posted in Berlin, Musik | Comments Off

I Know Places

Das wichtigste an Freundschaften, für mich, ist wenn man sich nicht brauchen muss. Das “muss” impliziert immer diese elendige Notwendigkeit eines Freundes; notwendig wie Medizin, notwendig wie Steuererklärung oder Haftpflichtversicherung. Nein, die schönsten Momente und Beziehungen habe ich mit Menschen, die ich brauchen will. Und das wichtigste sind, anders als die meisten Menschen gerne behaupten, eben nicht schlechten Zeiten. In schlechten Zeiten hat man immer noch sich selbst um zu kämpfen. Aber in den guten, da, wo man sein Leben mit anderen teilen möchte, da ist es wichtig jemanden zu haben der es gar nicht erst zum Herunterkrachen kommen lässt.

Und das sind dann so kleine analoge Aufnahmen: wenn alle auf der Tanzfläche stehen und die Fresse halten und keinen Scheiss reden sondern lachen und gegenseitig ihre Gegenwart wertschätzen können. Wenn es voll egal ist, wo man hingeht, weil man zusammen unterwegs ist. Wenn nichts ehrlicher ist als zu sagen, “ich freu mich, dass du heute abend mitgekommen bist”.

February 26th, 2011 Posted in Gangster | 5 Comments »