Die herrliche Sprache der Bilder hat das Medium Film-Im-Kino, ein ganzes Konzept des gemeinsamen Starren-Auf-Leinwand, bekräftigt, bestätigt und gerechtfertigt. Zehn Euro für einen kristallklaren Sound, für eine angespannte Atmosphäre, für ein gestochen scharfes Bild und ich habe immer noch das Gefühl, zu wenig gezahlt zu haben (sehr seltener Zustand in meiner Welt, believe brov).
Es ist nicht die Nahaufnahme Ryan Goslings (zugegeben perfekter) Hautpartikel; es ist nicht, wie eigentlich erwartet, die Erzählung, dieser entschleunigte Einblick in eine andere, fremde Welt, die mir so bekannt vorkam- das war es alles nicht (aber auch, quasi zusätzlich). Es war die reine Gewalt der Bilder, die Drive zu diesem einzigartigen Kunstwerk machen, und auch wenn ich nicht für meinen sparsamen Gebrauch mit Superlativen bekannt bin, soll diese Aussage nicht an wert verlieren. Es war die zeitgenössische Ästhetik, eine Mischung aus Heute und Gestern und Morgen, aber in dieser Reihenfolge und dann noch mal rückwärts, die Drive so fesselnd machte- es war die Komposition in formvollendeter Abstimmung mit dem Soundtrack. Es gab keinen Bruch, es gab keine Überraschungen mehr, als der Film erst mal ins Rollen kam, und dennoch waren die Fingernägel in die Sitze gegraben, und dennoch sage ich: Drive ist ein moderner Klassiker. Drive ist das Scarface, auf das meine Generation (sprich: ich) gewartet hat. Ein Ausschnitt, sicherlich, kein Zeitgeist-Objekt, sondern nur die detaillierte Betrachtung einer sehr speziellen und sehr seltsamen Kultur (ganz zu schweigen von der Handlung)… und: Drive hat den Schnittpunkt zwischen Kunst und Unterhaltung verstanden. Drive funktioniert nur im Film; nicht als Geschichte, nicht als Tonabfolge, nicht als Theaterstück. Drive ist nicht nur ein Film, sondern Drive ist für das Medium Film gemacht worden (was sich jetzt, zugegeben, etwas pathetisch und überaus blatant anhört, ist in Wahrheit gar nicht so abwegig: nach all den Sequels, Prequels, Verfilmungen, Fortsetzungen, Remakes und so weiter, ist Drive eine erfrischende Überraschung, die vor allem in Kino dank der großartig umgesetzten (der geradezu PERFEKTEN) Stimmung funktioniert. Filme wie Drive, würde ich behaupten, sind eine Rechtfertigung für den Kinobesuch, genauso etwa wie alle Christopher Nolan Filme sich perfekt in diese Reihe einfügen: Neue Techniken nutzen, um Inhalte darzustellen – und nicht etwa sich Inhalte aus den Fingern saugen müssen, um einen Grund für explodierende Autos zu finden.). Was nicht bedeutet, das Drive keine Verfilmung ist (basierend auf einem Roman, so viel ich weiß) – vielmehr möchte ich sagen, die filmische Umsetzung ist vollständig gelungen, und das macht mich glücklich. Mehr möchte ich von einem Film nicht. Drive spiegelt einfach eine gewisse Macht der filmischen Handwerkskunst wider, die ich überaus gerne nebst all den anderen Faktoren betonen möchte.
Der Punkt, der bei Drive aber im Vordergrund steht, ist immer die Ästhetik; der Style, nicht die tatsächlichen Gefühle oder die Identifikation mit den Rollen. Drive wirkt originell, weil man selten bei einem Film Noir so wenig Noir empfunden hat. Auch das sagt einiges über den Film aus, was ich nicht vollständig als positiv empfinde. Aber das ist mir irgendwie egal; mein Spaß, meine Faszination mögen laienhaft und unbegründet sein und ihr könnt mich für meine Mainstream-Meinung gerne in den Kommentaren zerfetzen, aber ich bin voll Zufrieden.
(Der Drang, Drive hochanalytisch auseinander zu nehmen, in visuellen, kulturellen, philosophischen Kontext zu packen, zu hinterfragen, was welche Elemente bedeuten und wie sie miteinander funktionieren und überhaupt, warum sie so erst VERSTANDEN werden können, ergo welches Wissen der Zuschauer mitbringen muss und wie es das Ergebnis seiner Beurteilung des Filmes verzerrt, wenn er kein Wissen hat, all diese Dinge sind so zweifellos wichtig um schließlich herauszufinden, WARUM Drive so ein guter Film ist. Aber ich will das überhaupt nicht zerbröseln, denn daran werden noch viele Filmstudenten sich den Kopf zerbrechen. Vielmehr war Drive genau der Moment in meinem Leben, in dem ich verstanden habe, was das Abtauchen in fremde Welten, in die Fantasie eines anderen, bedeuten kann, wenn man sich nur darauf einlässt).
Was gibt es schöneres, als völlig zugedröhnt an einem lauen Abend in seiner Wolke eingekuschelt den zuckergußartigen Lauten des britischen Singsangs aus dem Ghetto zuzuhören? (Dinge, die noch schöner sind: Steak von glücklichen Rinder, die im besten Fall geklont waren, Pornos mit gut aussehenden Hauptdarstellern, im Winter trotzdem noch sein Smartphone bedienen können weil es Mitte Januar milde 5 Grad draußen sind.) Attack The Block macht aus mir ein glücklich verballertes Rehkitz auf Crack: ein guter Film, der ausgesprochen großartigen Humor zeigt und sich nicht zu ernst nimmt, ohne gleich auf amerikanisches Scary Movie Durchfall Niveau zu abzusinken. Optimale Abwechslung zum Sat 1 Filmfilm den ihr euch so gerne reinzieht.
Ich spüre, wie sich das Universum ausdehnt, wie sich Raum und Zeit in alle Richtungen erstrecken. Diese mir sonst versperrte Vorstellung wird greifbar, denn ich habe mich in den letzten Tagen sehr ausführlich mit der Ruhe und der Beständigkeit der tiefsten Punkte meiner Seele auseinandergesetzt. Mir ist richtig beschissen langweilig. Die Grenzen zwischen Langweile und Depression können an Weihnachten schon mal verschwimmen- mir bleibt nichts anderes übrig, als fest an das Ende dieser Tage zu glauben.
Denn an Weihnachten bleibt die Zeit in diesem Haushalt stehen. Gemessen werden keine Stunden oder Minuten, sondern nur die Momente, an denen man sich nicht vor Langweile umbringen möchte. So friedlich und still das kollektive Nichtstun auch sein mag, wenn sich der aufgewirbelte Staub denn erst Mal legt, erkennt man auch, wie dreckig der Boden eigentlich ist. Und dann bindet sich dieses widerliche Gefühl davon, wie das Universum nicht aufhört, noch größer und mächtiger zu werden, an das Gefühl, bei den Eltern zu Hause zu sein. Das sorgt dann für dieses trügerische Heimweh, eine Art Kausal-Wahnsinn der sagt: hier bist du nicht zu Hause, und wenn nicht hier, dann kannst du dir ja auch irgendwo einen Ort aussuchen, und an dem wirst du definitiv glücklich.
So denke ich an das letzte Weihnachten, welches ich mit meinem Arsch nach oben auf dem Grill von Bali verbrachte; an eine Reise, die in mir genau dieses Gefühl der Einsamkeit manifestierte, dieses “nicht klarkommen”, wenn man nicht ständig NOISE NOISE NOISE um sich herum hat. Alltag, Stress, Freunde, das ständige Gelaber, To Do Listen. So widerlich diese Routine auch sein mag, sie überdeckt die eigenen Schreie. An Weihnachten kann man es rein aus Gründen der Infrastruktur nicht umgehen. Und wenn man selbstständig auf sein eigenes Hotelzimmer in Kuala Lumpur geht, nach erfolgreichem Tag im Ausland, nach unheimlich vielen tollen Begegnungen, und nichts mehr außer kahlen Wänden und einem nicht ausreichend funktionierendem Ventilator existiert, dann verkrampft sich alles und man erkennt, dass man sein zu Hause mit Sicherheit nicht alleine finden wird. “Alleine” ist ein Trugschluss, und die Einsamkeit in diesen Momenten im Keller aller Gedanken sorgt dafür, dass ich das weiß.
Wenn man Kindheitserinnerungen im Erwachsenenalter wiederaufleben lässt (danke, liebe mediale Möglichkeiten), dann stellt man manchmal fest dass man die Hälfte der Storyline nicht verstanden hat. Im Falle von Home Alone 2, einem meiner Lieblingskindheitsfilme (übrigens gibt es zu dem verlinkten Post vielleicht bald ein kleines Update) fällt vor allem der zeitlose Style des Kevin McCallisters auf. Wunschklamotten 2012 für alle süßen Typen die mal als Crackbabys von MJ enden möchten und mit Drew Barrymore Blutsbrüderschaft schließen: edler Strick, klassische Muster/Prints, subtile Farbspritzer, ein gewisser rustikalen Touch (der Rucksack!) und eine allgemein-gültige Funktionalität. Erst der Air Mag, dann das.
Wer sagt mir eigentlich, was sich lohnt, und was aussichtslos ist? Wer ist überhaupt berechtigt dazu, mir zu sagen, was ich tun sollte und was nicht? Wer kann mein Werk – nicht meine Arbeit, sondern mein Werk – tatsächlich so beurteilen, dass ich es ernst nehmen kann? Wessen Kritik sollte ich mir anhören – und was ist die Kritik eines einzelnen wert, wenn dafür tausend andere unkritisch Beifall klatschen?
Wer hat Exzellenz, die Brillianz, aber auch die Fähigkeit, die Bildung, solche professionellen Urteile zu fällen, die einem den Grund unter den Boden nehmen und klipp und klar vermitteln: du solltest lieber etwas anderes tun, denn du bist keine Bereicherung für a) die Gesellschaft und b) für deine individuelle Gegenwart. Oder auch: genau das, was du tust, ist das, was wir brauchen. Es ist eine positive Änderung, oder mindestens eine Erweiterung, ein Aufbau, eine Glanzleistung- vielleicht einfach nur “berechtigt”.
Wie viele Menschen können ein architektonisch und handwerklich einwandfreies Haus erkennen und beurteilen? Wie viele Menschen können in einer Jury sitzen und die Figuren eines Klippenspringers nach Konzept, Umsetzung und Ästhetik einschätzen? Viele Menschen können sich begeistern. Sehr wenige haben ein geschultes Auge. Und wie notwendig ist ein geschultes Auge eigentlich? Warum sollte es eine Bestimmungshoheit über Kultur oder Kunst geben, wenn uns die Demokratie in die Wiege gelegt wird? (Vielleicht, weil es auch eine Bestimmungshoheit darüber geben sollte, wie man ein Flugzeug fliegt oder ein Haus baut. Weil Menschenleben, aber auch die Art menschlichen Lebens, auf dem Spiel stehen)
Auf wen muss ich hören, wenn ich frage: sollte ich schreiben? Auf meine Freunde? Auf meine Leser? Wer sind diese Menschen, warum finden sie das, was ich mache eigentlich gut, und warum zählt ihre Meinung, und wenn nicht ihre, wessen sonst? Wie viel Gehör hätten meine Worte bekommen, wenn diese unmittelbare Do It Yourself Möglichkeit des Internets nicht gegeben wäre – wie viel hätte ich geschrieben? Wie viel Brillianz und Intelligenz gehen unter, weil sie nicht den populären Geschmack einer Masse treffen – wie viele Trial & Errors darf man sich erlauben, wenn man kein Fachgebiet, sondern nur ein “Hobby” hat?
Wir reden von Professionalisierung und Paradigmenwechsel, aber kaum einer spricht mehr von Authorität und Elite. Die Frage, die sich stellt, ist ob durch diese Umstrukturierung unserer Kreativwelten auch unser Anspruch verwaschen wird. Ob das generelle Halbwissen, welches jeder hat, das gänzliche Fachwissen eines einzelnen egalisiert. Gibt es einen Weg, beide, sich gegenüberstehenden Welten zu vereinen?
Viele Gedankenanstöße kamen bei der schwedischen Gegenwartsaufnahme “Press.Pause.Play.“, viele Fragen wurden in den Raum geworfen, nicht viele wurden beantwortet. Es bleibt spannend, sowohl gesellschaftlich als auch aus individuellem Standpunkt. Dieser Film hat großartige Standpunkte zu vielen Themen der digitalen Welt zusammengesucht und Menschen sprechen lassen, die sich dieser Welt bedienen. Unabhängig von den Inhalten ist er auch wunderschön gemacht. Wird hiermit ans Herz gelegt.
Nicht viele Filme schaffen es, ohne männliche Hauptrolle, männlichen Held oder männliche Rettung der fraulichen Katastrophe auszukommen, ohne gleich ein tränenreiches Drama zu werden, der für den Oscar nominiert wird und der furzlangweilig ist. Bridesmaids hat es geschafft.
Mit einem fantastischen Casting und einer großartigen Story, dem obligatorischen Wahnsinn und einer Frau im Mittelpunkt. Ja, der Film ist amerikanisch, ja, der Film bedient sich hart am Slapstick- aber er findet eine Mitte, die ihn aus den genre-typischen Begrenzungen katapultiert und viel abwechslungsreicher und damit noch um einiges unterhaltsamer macht.
Bridesmaids ist jetzt schon mein Film des Jahres, und ich kann ihn nur jedem, der mal wieder was zu lachen sucht, ans Herz legen. Einfach so, weil ich einen guten Humor habe und außerdem die Message – jeder ist, auf noch so detailreichen, komplizierten und anstrengenden Ebenen, für sein eigenes Glück verantwortlich – voll unterstütze. Wenn ihr euch schon die Mühe macht, dann guckt ihn aber auch bitte auf Englisch, ich garantiere nicht für den vollen Effekt in abgefuckter Synchronleistung.
Primer ist ein durchweg unspektakulärer und dennoch fesselnder Film. Kompliziert, abstrakt, hautnah, wissenschaftlich, irritierend, fesselnd. Physisch. Philosophisch. Ich habe meinen größten Spaß an Mindfuck-Filmen und bin in diesen faulen Momenten gerade daran eine vollständige Liste zu erstellen, Filme die mir Spaß machen, die sich von der normalen Hollywood-Formel abheben (was nicht zwangsweise bedeutet, dass sie Low-Budget oder nicht aus Hollywood sind, siehe Inception).
Whether it involved the history of the number zero or the invention of the transistor, two things stood out to me. First is that the discovery that turns out to be the most valuable is usually dismissed as a side-effect. Second is that prototypes almost never include neon lights and chrome. I wanted to see a story play out that was more in line with the way real innovation takes place than I had seen on film before.[3]
Ich umgebe mich derzeit sehr stark mit naturwissenschaftlichen Dingen… und wenn auch nur, weil ich einen Drang verspüre, die Welt zu verstehen, und außerdem weil mir langweilig ist. Ich verstehe fast nichts von dem, was mir in so vielen Büchern und Sendungen erklärt wird, aber das macht überhaupt nichts, denn es ist immer noch unterhaltsamer als mir im Internet wunderschön gedrehte Videos im Zeitraffer von der nächsten Stadt anzugucken. Alles verschwimmt. Ich halte mich an Dingen fest, die nicht verschwimmen. Uncoole Sachen. Wie koche ich Ketamin? Schüttet der Körper eines Mannes nach dem Sex wirklich Bindungshormone aus? Dinge, die ihr nie verstehen würdet.
Ich bin mit Graffiti aufgewachsen. Genauso wie mit E-Mails und mit Billigflügen: es ist selbstverständlich, dass es da ist. Auf Städtereisen habe ich immer lieber die Kunst an Zügen oder Hauswänden fotografiert als die Architektur selbst, und das zieht sich bis heute durch meine Urlausbilder. Als strunzdebile Teenager haben wir in unserem Skater-Freundeskreis oft genug unsere Namen an Hauswände geschmiert, YEAH SARA WAS HERE, aber das hatte für mich (ganz im Gegensatz zu den Profiwerken) nie einen künstlerischen Hintergrund. Ich sah mich selbst als jemanden, der vandaliert, und die coolen Sprayer, die mich jeden morgen mit einem anderen Bild auf dem Schulweg überraschten, waren meine Picassos.
Und eigentlich sehe ich das auch immer noch so: ich differenziere stark zwischen “ey, das sieht gut aus, da hat jemand lange dran gearbeitet und sich Mühe gegeben” und “oh nein, nicht schon wieder so ein Geschmiere”. Erst seit einigen Wochen beschäftige ich mich auch (im Zuge meines auflodernden Interesse an Hip Hop History) mit den Hintergründen dieser Szene, nicht zuletzt auch dank einiger wichtiger Begegnungen mit Menschen die im Graffiti Kreis verkehren.
“S”, werdet ihr jetzt sagen, “du bist behindert. Du wächst mit Skatern auf, du hörst den ganzen Tag nur Rap Musik, aber du weisst nichts über Graffiti außer dass es glitzert im Dunkeln?”und ich werde meinen Kopf in Scham beugen und anfangen Blut zu weinen. Nein, ich weiß nichts über die Graffiti Geschichte. Ich weiß nur dass ich mir heute die Straßenkunst lieber ansehe als irgendwelche halbdadaistischen Furz-Ausstellungen die mich dreißig Euro Eintritt kosten, in denen ich dann sechs Stunden zwischen vermodert riechenden und sterbenden Rentnern stehe.
Gestern habe ich mir Style Wars angeschaut und komm immer noch nicht drauf klar. Vor einigen habe ich mich mit Malte mal darüber gestritten habe, worum es beim Graffiti ging. Er machte mich wütend. Einerseits, weil er das sehr gut kann, und anderseits, weil er zur Behauptung stand dass Graffiti ein Posergeschäft ist, “hey Bitch ich hab den Dicksten”. Langsam sickert das auch in mein Erbsenhirn, auch wenn ich in einem anderen Begriff davon aufgewachsen bin: Graffiti ist nur in zweiter Linie tatsächlich als Kunst zu verstehen. In erster Linie ist es eine Mischung aus Lifestyle, Zugehörigkeit, Attitude und Differenzierung. DAS erst einmal auf die Reihe zu kriegen ist für mich nicht einfach gewesen. Dafür gibt es auch einen sehr guten Grund: zu sagen, Graffiti ist Kunst, rechtfertigt auch die Existenz im Stadtraum. Daher auch immer meine Nachfrage: wieso ist das heutzutage eigentlich noch illegal? Es verschönert doch die Stadt! Klar, das Gekritzel muss verboten werden, aber…
Dabei ging es gerade darum, nicht kulturkonform zu sein ((ihr habt jederzeit das recht einzugreifen, wenn ich mich irgendwo in meinem zweifelhaften Halbwissen verzettele)). Und plötzlich stellt sich für mich eine ganz andere Frage: in welchem Zusammenhang muss man Graffiti heute sehen? Ist es nur noch aufgrund der Gesetze ein Standpunkt der Rebellion und sonst nur kreatives Output, oder sollte man (als Sprayer oder Maler) an sich selbst zuerst noch den ursprünglichen Anspruch der Stadteroberung stellen?
Falls ihr mich jetzt wirklich schlagen wollt, weil ich mein Leben lang so ahnungslos durch die Gegend laufe, dann schiebe ich meine Bildungslücken wieder auf die Tatsache, dass ich wirklich lieber die Dinge so genieße, wie sie kommen, und nicht ständig über alles immer nachdenken und reden möchte was nicht direkt zu meinen “Leidenschaften” gehört. Ich kann nicht malen, ich kann nicht zeichnen, ich kann nicht mal richtig geradeaus schreiben ohne dass es aussieht als wäre gerade ein Baboon elektroschocktherapiert worden. Deshalb war es auch nie wirklich naheliegend, mich damit auseinanderzusetzen. Daran hat sich sogesehen nichts geändert- außer mein Umfeld, und die Tatsache, dass ich immer mehr das Gefühl verspüre, dringend mal “ICH WAR HIER” auf alles zu schreiben, was mir in die Quere kommt. Die Psychologie dahinter mag zwar meine (zugegeben unzulängliche) Allgemeinbildung überschreiten, aber irgendwie erscheint mir das sehr, sehr menschlich: der Kampf gegen die Vergänglichkeit, der Schrei nach Aufmerksamkeit, die Angst, in den Treibsandmassen an bedeutungslosen und nichtserschaffenden und langweiligen und ungesehenen Menschen unterzugehen.
Vielleicht ist Graffiti ein Parallelausdruck zum Blog oder zu Twitter, vielleicht sogar in direkter Abhängigkeit, vielleicht überzeichne ich das alles auch wieder. Wie dem auch ist: ich verliere mich darin, und nichts fasziniert mich augenblicklich mehr als die Geschichte jener Kultur, die meiner Generation das Standbein zur Ignoranz gegeben hat. Tut mir leid dafür übrigens, Jungs. Ich hol das jetzt mal nach.
(Auf dem Plan stehen übrigens noch Wild Style, Beat Street, Breakin’, Krush Groove, Whole Train, Tougher Than Hell, wer noch Empfehlungen hat darf gerne beisteuern)
Christopher Nolan hat in 180 Minuten Inception das ganze Medium Film gerechtfertigt. Und das, nachdem ich die Hoffnung längst aufgegeben hatte, heutzutage noch einmal ins Kino gehen zu können ohne ein Sequel/Prequel/Abklatsch/Remake/Remix/Adaption/Verfilmung zu sehen.
Es hat im Kino auch keinen gestört, wenn einer laut gefurzt hat, weil alle so konzentriert waren. Oder anders ausgedrückt: stell dir vor es wäre Furz, und keiner geht hin. Da lief der Schweiß. In der Pause bewegte sich kaum einer vom Platz aus lauter Angst, etwas wichtiges zu verpassen. Wir waren so gebannt, dass wir nicht mal aufgestanden sind um in die Mitte des Kinos zu rücken. Wir blieben ganz links außen und verrenkten uns die Hälser. Ich versuchte, so wenig wie möglich zu blinzeln.
Keine elenden, unrealistischen Twists, die den Zuschauer verwirren sollen; nur eine stringente, spannende Geschichte, in der ich genau so viel oder genau so wenig weiß wie die Protagonisten. Ein Ende, dass mich mit Gänsehaut benetzt. Inception: das größte künstlerische WHAT THE FUCK, dass mir dieses Jahr (und wahrscheinlich auch nächstes) begegnet ist. Roger Ebert bringt auf den Punkt, was mich so fasziniert:
Here is a movie immune to spoilers: If you knew how it ended, that would tell you nothing unless you knew how it got there. And telling you how it got there would produce bafflement. The movie is all about process, about fighting our way through enveloping sheets of reality and dream, reality within dreams, dreams without reality. – zum Review
Und ich so: “Fuck. YEAH!”
(By the way, ich verbringe seit 3 Tagen mein Leben damit Filme zu gucken. Alles, was ich verpasst habe. wozu ich nie Lust hatte. Nicht, weil ich mich plötzlich als Cineasten sehe, sondern weil man mit einem kaputten Gesicht und einem blutenden Kiefer nicht viel Möglichkeit hat, andere Dinge zu tun. Da ich dank Verbandswechsel und Entzündungen noch einige Tage in Isolation verbringen darf, nehme ich gerne weitere Vorschläge an)
Es war ein bisschen so, als wäre ich selber in einem Film gewesen. Ich hätte gerne gesagt: “Du hast die Augen deines Vaters. Er wäre stolz auf dich gewesen”. Dann hätte ich mein Schwert rausgenommen und ihn zum Ritter geschlagen.
Jaden Smith wird mal ganz groß. Dafür hat er das Aussehen und auch das Talent und diese typische Will Smith Mimik, die mich immer an die seltsam-peinlichen Momente aus The Fresh Prince erinnern; an den Stellen, wo eine Lektion erteilt werden soll (ihm und dem Zuschauer), die dann aber eher unangenehm überzogen wird.
Der Film kann für mich natürlich nicht an das Original kommen. Zu viele Erinnerungen bleiben haften. Die Leichtigkeit dieser TV-Ära, die ich als Kind (und Jugendliche) später verspürte: kaum auszudenken, wenn sie jetzt von der Generation Massenfertigung abgelöst werden sollen. Pah. Ich weigere mich, meine Feel-Good Momente vor dem Fernseher gegen die Zukunft einzutauschen und werde auch meinen Kindern verbieten, sich an der heutigen Medienwelt zu ergötzen. Da wird es nur Karate Kid, Star Wars, Back To The Future und maximal auch noch Alf geben, aber das war’s dann.
(Weird, wie dieser Ikonenstatus aus eigentlich relativ unblockbusterigen Filmen entsprungen ist; die damaligen Underdogs mit ihrem Charme, die nicht aufgrund ihrer cinematischen Fähigkeiten überzeugen, sondern weil sie auch über ihre Zeit definiert werden. Und das war meine Kindheit. Und alles, was während dieser Kindheit entstanden ist, ist für mich kultig. Ja, auch Hulk Hogan. Und Fleshlights.)
Übrigens auch eine ganz interessante Frage: wie sieht der Rückblick eines Fünfzehnjährigen diesbezüglich im Jahre 2030 aus? Wird er sich auch daran zurückerinnern, Karate Kid (also den jetzigen) ständig im Fernsehen gesehen zu haben, als “trashige” Wiederholung?
Anyway. Kein schlechter Film – fantastische Visualisierung – grotesk-schlechter Soundtrack – souveräne Schauspieler – etwas klischeebefreitere Story, aber trotzdem voll mit amerikanischem Drama – und überraschenderweise immer noch sehr, sehr nah an der eigentlichen Geschichte (bis auf den offensichtlichen Karate/Kung-Fu Faux Pas, der aber immerhin im Film spielerisch mit integriert ist). Ich kam dann letztendlich aber doch nicht zufrieden und glücklich und voller sprudelnder Popcornhormone aus dem Kino, nein, denn ich war sogar tatsächlich, ja, verstört.
Dieser Junge wiegt dreißig Kilo und ist zwölf Jahre alt- wir entfernen uns von der HALBWEGS realistischen Hau-Drauf Pubertäts-Aggressionen der Über-Fünfzehnjährigen, wir entfernen uns von der mentalen wie auch der physischen Leistung, und stattdessen müssen wir uns eine absurde Form von kruder Kindergewalt antun. Der Junge ist zwölf, und seine Rivalen anscheinend brutale kleine Mutantenchinesen, die schon im Säuglingsalter Ketamine und Amphetamine nuckeln durften. Im ersten Drittel des Filmes wird auch nicht an der Demonstration dieser übermenschlichen Kräfte (ZWÖLF!!) gespart, unser Außenseiter, unser China-Neuling (ja, auch der Umzug des Protagonisten verlief dramatischer als in den ursprünglichen Teilen) wird stundenlang verdrescht.
Aus einem kleinen Jungen, der seine Stärken findet, wird so ein… Mannkind, ein überzogenes Bild von einem Mini-Helden, das für mich genauso wie die Übersexualisierung von Mädchen bizarr wirkt. Ich will kein zwölfjähriges Kind mit Sixpack sehen, das fast abgemagert wirkt ((mir ist bewusst, dass das nötig war, um Jaden Smith die Hauptrolle zu geben; leider tut das dem Film nicht so gut)).
Vielleicht werde ich wirklich alt. Wie Jackie Chan. Der macht das aber immerhin mit Würde.
(Übrigens gibt es da für mich keine Frage. Ein Martial Arts Film, in dem Jean Claude Van Damm nicht mitspielt, ist für mich kein würdiger Film. Hier also mein All-Time Top Favorite, mit dem ich gerne dreitürigen Geschlechtsverkehr praktizieren möchte.
Und dann immer diese mit dramatisch-motivierender Musik unterlegten Final-Trainings-Szenen, richtige Medleys. Das waren die schönsten Stellen des Films, wenn man bei den Vorbereitungen von Niemand zu Held zuschauen konnte. Hach. Und dann auch noch der Quotenschwarze mit der MJ-Friese.)