Serienfieber

Eigentlich soll man vor dem Schlafen gehen ja lesen. Aber wie viele einsame Menschen wissen, ist ein bisschen freundschaftliches Kuscheln und die Interaktion mit Menschen, die man irgendwie gerne hat, die bessere Alternative dazu (nicht etwa, das lesen keine Option wäre; allerdings ist das langsame Hinwegschlummern um einiges leichter, wenn man sich dabei nicht konzentrieren muss. Lesen wird dann bei vollem Bewusstsein genossen. So viel Wichtigkeit darf man dem ja noch zusprechen dürfen). Und ständig verliebt man sich in neue Freundeskreise. Spätestens seitdem Friends abgesetzt wurde und jede Folge zum fünfundvierzigsten Mal abgelacht ist, bin ich immer auf der Suche nach einem neuen Friends. How I Met Your Mother ist nicht so mein Fall, irgendwie komme ich nicht auf den Punkt, wo man es für lustig hält.

Dafür haben sich einige ganz andere, teilweise katastrophale Charaktäre in mein Leben geschlichen. Wer mehr davon liefern kann sei herzlich dazu aufgefordert. Ich kann diese Serien nur wärmstens empfehlen. Für ein gesundes Lachen vor dem Schlafen gehen, und für neue (unsichtbare) Freunde. Vor allem aber ist es besser als das dröge deutsche Fernsehen. Seit Arte +7 verpasst man da ja sowieso nichts mehr. Ich liebe euch.

April 16th, 2012 Posted in (Pop)Kultur | 8 Comments »

Monday Bloody Monday

Es ist Montag. Seit fünf Monaten ist es das erste Mal Montag für mich, und ich mache Papierkram – Arbeitsamt, Versicherung, Banken, Steuererklärung. Vielmehr, ich versuche es zu machen. Meine Gedanken schwenken ab zu den letzten Bildern aus Melbourne, die sich wie ein schlechtes, gestrecktes .gif ständig wiederholen. Ich kann es nicht abschalten. Ich kann über nichts anderes aus meiner Reise nachdenken, ich erinnere mich nicht mal mehr. Ich kann mir die Bilder nicht angucken, weil ich Angst habe, dass es noch mehr dieser Loops hervorruft. Mein Melbourne-Loop quält mich. Ich versuche etwas anderes zu sehen.

Was ich sehe: wie die Freunde, die ich mir auf der Reise gemacht habe, weiterreisen. Was ich sehe: dass ich die nächsten zwei bis vier Monate, je nach dem, wie schnell ich das Geld für die nächste Planetenwanderung zusammgenspart habe, einfach nutzlos vor mich hinvegetieren werde. Ich weiß noch nicht mal, was mich mehr frustrieren würde: jetzt arm und total am hustlen in Australien mein Geld zu verlieren, oder hier den Erwachsenen zu spielen und alles noch mal neu zu strukturieren. Ich weiß ja, wieso ich nach Hause geflogen bin, aber ich hätte ja nicht ahnen können, dass das so schwierig wird; nicht auf Reisen, nicht in Berlin, mit dem Kopf voll in Papierkram und die Lungen bis zum Zerbersten mit Purple Haze. Willkommen in der Vorstadt.

Ich fasse, klaglos, desillusioniert, enttäuscht und gleichzeitig stolz zusammen: das schönste daran, zu Hause zu sein, ist auch das schlimmste. Das fast schon panische Schreien und die Tränen meiner Mutter, als ich durch die Tür gefallen bin, stoned und erschöpft von Turbulenzen und Hangovern und allergischen Reaktionen; meine wunderbaren Freunde, die mich am Flughafenausgang mit ihrem absolut bescheuertem Banner (YEAH SARA IS BACK) in die emotionale Knie gezwungen haben; die Erleichterung, in einer RMV-Bahn zu sitzen, wohlwissend, dass mich hier definitiv keiner beklauen wird und ich meinen Scheiss deshalb einfach liegen lassen kann. Alles Gründe, um hier zu sein, und alles Gründe, um direkt wieder abzuhauen.

Ich hänge in der Luft herum. Ich hasse die Tatsache dass es noch kalt ist, und dass es einfach schwer ist, sich hier vom Arsch hochzubewegen. Im Internet passiert nichts Neues, ich werde nichts haben, worüber ich schreiben kann, die Parties werden sich wiederholen und der saubere Geruch und die geradelinigen Autobahnen werden mich in den Wahnsinn treiben. Wenn ich nur dieses beschissene Studium endlich abschließen könnte, halt, endlich anfangen könnte, dann hätte ich wenigstens die Rechtfertigung (und überhaupt die Möglichkeit) im asiatischen Ausland zu arbeiten, weiter zu reisen, Australien zu überspringen, wieder zu arbeiten, und so weiter, und so fort. Um nicht daran zu denken, dass das alles noch ein paar Jahre dauern wird, denke ich lieber an das, was unmittelbar vor mir steht.

Döner, ich freue mich auf Döner. Und Falafel. Schwarzbrot mit Nutella. Das Essen von meiner Mama. Eine gute Feierei mit den Freunden. Auto fahren. Koks für 60 Euro im Sonderschnitt (FICK DICH AUSTRALIEN, FICK DICH!). Unendlicher Musikdownload. Meine DSLR. The Cure laut aufdrehen und sich in die Winterjacke einlümmeln und kalte, weiße Luft ausatmen. Ich freue mich vor allem darauf, meinen nächsten Trip zu planen. Bald. Morgen schon. Das muss doch irgendwie. Verdammt noch mal.

February 7th, 2011 Posted in Urlaub | 5 Comments »

Life of Y

Menschen ziehen an fremde Orte auf der Suche nach einem besseren Leben. Das bessere Leben erweist sich meist in der Reise selbst, zumindest müssen das viele bisher so festgestellt haben, denn es hat sich herumgesprochen und heutzutage ist es normal, ja verdammt noch mal erwartet, dass man den Arsch hochbekommt und weggeht um vielleicht, eventuell, mit Zufriedenheit zurückzukommen, oder, im wortwörtlichen „sehnsüchtigem Sinn“, irgendwo das bessere Leben tatsächlich zu finden.

Ich habe Menschen kennen gelernt, die sind stehen geblieben. Nicht anders, als auch in ihrer Heimat, nur eben woanders. Im seltensten Fall war diese Entscheidung aufgrund von örtlicher Begebenheiten getroffen worden, sondern aufgrund von Umständen; Menschen, die man trifft und die zu Freunden werden, Arbeit, die man schon immer machen wollte und plötzlich (oder zufällig) angeboten wird. Wenn man das Meer und den ewigen Sonnenschein addiert, erscheint einem alles viel einfacher als in, sagen wir mal, Deutschland.

Für mich war (und ist) Berlin ein Ort, der mir vieles beigebracht hat, mir in einer ausschlaggebenden Phase des Lebens bei- oder im Weg stand, aber immerhin immer da war, wenn ich ihn gebraucht habe. Der Grund für meine Reise – und das wird mir jetzt erst klar – ist gar nicht die Flucht gewesen, oder sogar die Suche nach einem besseren Leben. Die Reise war (und ist) ein wohlgeformter, mit dem Zirkel gemalter Kreis, der mich immer wieder ohne Anfang oder Ende nach Berlin zurückbringen wird. Um für immer irgendwo bleiben zu wollen, muss man sich sicher sein, dass man nirgendswo anders sein möchte. Ich dachte, ich könnte mir das per Anhalter durch sieben Kontinente beweisen, mein Herz beweist mir allerdings etwas anderes: die schönen Länder, Städte und Gelegenheiten der Welt verblassen im strahlenden Sonnenschein der fantastischen Begegnungen und der dadurch entstandenen Freundschaften, die damals in Berlin ihren Platz gefunden haben. Meine Freunde und mein Leben, das ich verlassen habe, haben mich nicht verlassen. Niemals. Und mein Heimweh ist keine Sehnsucht nach Sicherheit oder Commitment oder Settlement; mein Heimweh ist pure Liebe und ein Herz, platzend vor Glück, das viel aufnehmen und durchstehen und ertragen kann, ohne jemals aufzuhören für die Menschen zu pochen, die das magische Berlin zu meinem zu Hause gemacht haben.

Ich bin mir bei all dem, mit meinen unglaublich jungen zweiundzwanzigeinviertel Jahren ziemlich sicher. Wieso – diese Frage wird sich wohl kaum jetzt beantworten lassen – fällt es mir also so schwer, von meiner Reise Abschied zu nehmen und nach Hause zu finden? Genauso schwer, wie vor meiner Reise Abschied von meiner Heimat zu nehmen? Oder von meiner Familie, als ich ausgezogen bin? Von meiner Schule, als ich Abitur gemacht habe?

Jede Entscheidung weiterzuziehen wurde bewusst abgewogen, jedes einzelne Mal habe ich mich schlecht gefühlt, nur um nach wenigen Monaten des Durchbeissens an ein Hoch zu kommen, dass ich mir nie erträumt hätte… um dann alles abzubrechen und wieder weiterzumachen. Nur zu gerne würde ich die Ironie des Schicksals für so viele Widersprüche verantwortlich machen, aber ich weiß es viel besser: es muss so sein. Denn wie in jedem Kreis gibt es nicht nur Abschiede, sondern auch Widersehen.

Und auf die freue ich mich ganz besonders.

February 1st, 2011 Posted in Urlaub | 6 Comments »

Everythang

Den momentan coolsten Boys in Berlin gewidmet. Die, die mich mit ihrem Charme, ihrer Originalität, ihren Talenten und ihren wilden Seelen zum Lachen und zum Nachdenken und zum Machen bringen. Und mich inspirieren. Viel Liebe an euch, ihr wisst wer ihr seid (ich zähle übrigens Ex-Berliner, die irgendwo im ostigen kleinen Szenestädten rumpimmeln auch dazu).


- Unless your name boomerang you ain’t coming back -

July 23rd, 2010 Posted in Berlin, Musik | 2 Comments »