“GIRLS” ist eine TV-Komödie für weiße Menschen die aus einer weißen Mittelklasse kommen. Sie dreht sich nicht um alle Mädchen dieser Welt (sondern nur um einige Patienten aus New York) und zeigt eben nicht – auf revolutionäre Art und Weise – erwachsen gewordene Emanzipation und starke Frauen, sondern letztlich genau das Gegenteil davon, eingekleidet in Hyperbeln. Für Amerikaner mag das tatsächlich einer Revolution entsprechen eine unschick aussehende Protagonistin mit all ihren kleinen Speckfältchen und ihren Geschmacksverirrungen zu zeigen. Aber diese Frau als Arschloch, als völlig verblendete, überhobene, total bescheuerte Frau darzustellen ist ein Problem.
Produzentin und Schauspielerin Lena Dunham ist eine talentierte Frau. Ihr eigener Anspruch – wie sie ja selber sagte – war es, ihr Leben autobiografisch in einer humorvollen Reproduktion für die ganze Welt wieder zu geben. Damit habe ich kein Problem. Ich habe auch kein Problem damit, dass nicht eine Bandbreite an Frauen gezeigt wird, sondern eben nur die Priviligierten. Ich rege mich zwar darüber auf, dass gängige “Hipster” Klischees (der Kokain-Trip, der schwule Freund, der gefühlslose Sex, die Geschmacksverirrungen, das Künstlerdasein, yadda yadda) nicht nur aufgegriffen sondern regelrecht dem Zuschauer eingepfercht werden, aber das trägt seinen Teil zum Humor der Sendung bei.
HANNAH
Typisch 21. Jahrhundert: bloß nicht mit den Protagonisten sympathisieren. Bei dem Versuch, alles und jeden so realistisch und ehrlich wie möglich darzustellen, mit jedem Fehler und jeder noch so kleinen Gesichtsfurche, ergibt sich im Prinzip das Äquivalent zur Reality-TV Show, so maskiert und eingehüllt in vermeintlicher Fiktion, dass man sich aber auch intellektuell gesehen nicht schlecht fühlen muss ein Fan von GIRLS zu sein. Ganz besonders dann, wenn man selbst ein “GIRL” ist, am besten eines wie Hannah – zwar nicht den optischen Ansprüchen entsprechend, aber festgebissen und stark und selbstbewusst. Aber ist das so? Will man sich mit Hannah gleichsetzen – oder doch lieber mit den anderen GIRLS der Serie, die die ganze “Revolution” von Hannahs Charakter wieder so weit relativieren, dass sie schließlich irgendwo in Nicht-Bedeutung endet?
Wir befinden uns im Jahre 2010. Millionen von Kids verblöden sabbernd auf den Sofas ihrer Wohnzimmer vor ihren Fernsehern; es laufen Datingshows auf MTV und voyeuristische Trash-Reportagen über die soziale Unterschicht auf Pro 7. Schule ist schon lange aus, Mutti bügelt die Wäsche. Tick. Tock.
Wir sind medial und vor allem musikalisch stecken geblieben, so war zumindest das Gefühl — bis dann plötzlich etwas aus der “elitären” Hipster-Szene entsteht, dass zumindest die virtuelle Generation ein bisschen wachrüttelt: eine Mischung aus Rapmusik mit Qualität, die sich von genrefremden Einflüssen inspirieren lässt. Kann es sein? Ist es so weit? Entwickelt sich auch Sprechgesang jetzt endlich weiter?
Kid Cudi
Es könnte tatsächlich die Zeit gekommen sein. Introducing Hipster Hop: endlich nicht mehr für Hip Hop schämen müssen. Pharrell machte den Anfang als konsequenter Superproduzent, indem er Elemente aus Fashion, Indie und Rap zu einem unkonventionellen Stück Kunst verwandelt, und das fast immer, wenn er an einem Projekt beteiligt ist. Aber Skateboard-P hat fette Unterstützung im Nacken- im Netz entwickelt sich dagegen gerade etwas, dass keine große Unterstützung braucht, um hochzukochen.
Es ist wichtig, Genres jenseits der Stereotypen und endlose Listen von Klischees, über die sie bekannt geworden sind zu erweitern. Hip Hops klimatische Abwandlung und der Attitude-Shift, der damit einher geht, ist definitiv gesund – Künstler agieren aus dem Underground heraus und würfeln Möglichkeiten zusammen, die tatsächlich auch im Mainstream ankommen. Sie hören nebenbei einen Mix über Last.FM während sie party poker spielen und lassen sich von den medialen Weiten inspirieren. Es ist eine interessante Zeit für den Hip Hop und diese Genre-Mixe, sowohl für Produzenten als auch für Künstler.
Mixtapes im ursprünglichen Sinne sind wieder angesagt, es gibt keine Namen im Biz wenn der Flow nicht stimmt, es wird gedroppt und gesaugt in ehrenhafter Low-Budget Produktion, “Living The Dream”: so haben Hipster Hop Vorreiter KiD CuDi und mein persönlicher Favourite, Lupe Fiasco, den größten Teil ihres Fames und schließlich einen Deal gewonnen ((offiziell bezieht sich Hipster Hop ausschließlich auf die Musik, also Rap mit vielen Synth-Einlagen und Typen, die eben wie Hipster aussehen und nicht wie Rapper– für mich ist der Begriff etwas weitläufiger, eher ein “Alternative Rap” Synonym, dass eben in der Ära der Hipster entstanden ist)). Poser und Flasher? Shit yeah, das hat echter Rap so in sich, aber nein, kein Ghetto, keine Waffen, und wenn es um Drogen geht– die haben ehrlich gesagt noch in keinem Genre gestört. Eine Revolution, die sich vielleicht auch im Mainstream durchsetzen wird (wenn es nicht bereits schon so ist– wer weiß schon noch, was Mainstream ist und was nicht, selbst MTV ist tot. Und ob das gut oder schlecht ist, lasse ich mal so stehen).
Hipster Hop ist gut, weil er der Sprechgesangsfanseele gut tut. Nicht nur, weil er sich vor allem elektronischer Elemente bedient und damit den Inzest in der ganzen Branche bricht (man hat sich ja gefühlt wie bei den Amish im Hip Hop), sondern weil er es erlaubt, “Multikulti” eine ganz neue Bedeutung zu verpassen.
Ich will es so ausdrücken: Hipster Hop ist Symbolbild für eine Wandlung, die sich langsam aber sicher eingeschlichen hat- sicher, keine große Überraschung, kennen wir schon seit dem Erfolg der Arctic Monkeys, das Erbe des Internets ist auch gleichzeitig der Aufstieg der Underdogs. Es gibt keine zentrale Anlaufsstelle mehr für die Verteilung von guter Musik, es sind die Votes der Menschen, die zählen.
Aber ich glaube einfach nicht daran, dass es nur daran liegt. Ich glaube, das Internet liefert die Distributionsmittel und die Möglichkeit der Änderungen, eine Voraussetzung, aber das führt nicht zum zwanghaften Wandel. Man könnte sich weiterhin zurücklehnen und die Medien spielen lassen, doch stattdessen findet man sich in einer Welt voller no-name, no-show Mixtapes wieder, ein Wunderland der Auswahl. Plötzlich findet man sich selbst an einem Mikrofon, will Wellen der Begeisterung auslösen und das schöne ist: man weiß, dass man es kann.
Plötzlich können auch mittelbürgerliche KiDs aus Oklahoma ihre Kunst herausposaunen, herauspoesieren- und eine Fanbase finden. Buenos Aires. Bangkok. Berlin.
Ich glaube fest daran, dass nach all dem Überfluss an stupidem Bullshit, der aus allen Genitalen dieser Welt herausfließt, die Qualität am Ende überleben wird. Weil es nicht anders geht. Das hier ist nicht Idiocracy. Wenn wir uns an Verdummung und Monotonie vollgefressen haben, und wenn wir nur noch mit unzureichender Kulturzufuhr vor uns hinvegetieren, wird sich etwas ändern. Dafür sorg ich schon. Ich und meine Shotgun.
Es kommen Mixtapes, netzweite Distributionsmöglichkeiten und schließlich: die Befreiung. Hipster Hop.
Der wohl schönste Track aus dem Tape ist der Titeltrack der Serie selbst, “I Need A Dollar” von Aloe Blacc. Unfassbar, endlich wieder gute Musik. Check it Out:
Die Leute kommen und sagen “S, du füllst deinen Kopf nur mit Scheisse”, und ich sage: Yo, hat sich also nichts geändert in meiner Welt! Ein Ed Hardy Fachidiot, ein oberflächlicher Weiberheld ohne nennenswerte Talente, ein kleinwüchsiger Besserwisser, ein kiffender Fatboy, ein größenwahnsinniger Egomane und ein schwules Prinzesschen mit Migrantenhintergrund.
Ah, es lebe meine Lieblingsserie. Fetter Hip Hop Soundtrack, leichte Tussis und ein wirklich liebloses Abbild der Hollywood-Szene. Ist aber nicht schlimm, angeblich geht es hier nämlich um Männerfreundschaften. Und weil es sich hier um amerikanisches Fernsehen handelt, ist die härteste Droge, die in der Show vorkommt, Gras. Die Reichen und Schönen würden ja auch niemals direkt vom Kilo ziehen. Niemals.
Aber es geht gar nicht um den Aston Martin, das dicke Haus oder den Beziehungsstress der Hauptdarsteller. Nein. Es geht darum, dass ich auf Turtle abfahre und damit gleichzeitig zugebe, dass ich noch nicht mal mehr in meinen Vorstellungen hohe Ansprüche an Typen stelle. Es geht um Ari Gold, dem bösen Dr. Cox. Ari Gold, Father I’d Like To.. Meet. And shake hands with. Und so. Gott, ist diese Serie gut.
Anyway: ich habe es mal wieder geschafft, trotz meiner drölfmillionen-Stunden-Woche sechs Staffeln in zwei Monaten aufzusaugen. Entsprechend niedrig sind also meine sozialen Interaktionen ausgefallen. Über meine Abwesenheit hat sich keiner beschwert. Zeit, dass ich mir mal wieder die Unterarme aufritze.
Mit dem bisherigen Ende von Entourage ist bei mir mal wieder ein Time-Slot mehr freigeworden (und nein, ich setze keine Hoffnung mehr in meinen sozialen Status, bis das antarktische Klima nachlässt und die Berliner Straßen wieder auftauen werde ich nur noch das Haus verlassen, um hässlichen Kindern die Asia-Nudeln wegzunehmen), und ich bin noch unsicher, wie dieser gefüllt werden soll. Ich warte auf eure Vorschläge. Eigentlich warte ich nur auf seine Vorschläge, der Rest macht ja nie mit.