Joy

Ich mag das aktuelle Wetter: Sonnenschein und eine unfreundliche, aber kuschelige Kühle. Wenn ich die Reichenberger Straße runtergucke, dann ist alles in so einem goldenen Licht gehüllt. Es ist nicht kalt, aber es ist auch nicht warm, und ich erkenne das Ende der Straße nicht, weil die Sonne so blendend durch die Bäume scheint.

Alles hat was verschlafenes, wie am Neujahresmorgen fühlt sich das dann an. Als ob man sich jetzt die Augen reiben müsste, jeden Morgen, weil man viel schwieriger aus dem warmen Bett kommt. Mein Bus fährt die Oranienstraße lang, wo vor 10 Uhr morgens eigentlich nur die Early Bird Touristen zu sehen sind. Das fühlt sich dann so an, wie selbst auf einer kleinen Reise sein, mit dieser “früh aufstehen!” Stimmung, wenn alles noch so ruhig ist und man den Tau von den Holzbänken ablecken könnte und die Straßen von Kaffee und Kehren murmeln.

Ich mag das sehr, mich dann nochmal gedanklich umzudrehen, einzukuscheln und am Ende vom Sommer zu riechen.. jetzt kommt der Herbst. Alle Karten werden neu gemischt. Der Sommer ist vorbei. Der Ausnahmezustand ist vorbei. Jetzt gucken wir, ob sich das alles auch für das richtige Leben bewahren kann, ohne Wärme, ohne Sonnenschein, ohne das Gefühl von kurzer Hose und Strand, die uns etwas schönreden, was vielleicht nie schön war. Der Herbst scheut sich nicht vor der Wahrheit.

September 20th, 2011 Posted in (Pop)Kultur | Comments Off