Rodriguez

Rodriguez

Flashback Vergangenheit: Skatepark, Faxedosen, irgendwer will das Bongwasser saufen und wir sind die größten “Hippies” überhaupt. Da geht nur: System Of A Down, Jimmi Hendrix, Bob Dylan, Velvet Underground, The Doors, vielleicht noch The Clash als kultureller Crossover, definitiv Red Hot Chili Peppers als kontemporäre Vertreter. John Frusciante war unser Gott. Wollten auch alle mal Heroin probieren, “nur probieren!”, Die Kinder vom Bahnhof Zoo war Pflichtlektüre bei den Skatern vom Gymnasium (mag man kaum glauben, dass die sich mit Literatur beschäftigten). Wir waren in der 7. Klasse schon Hackisack-Studenten. Ich glaube, ich habe damals im Jahrhundertsommer ein Buch geschrieben. Es hieß “Psychoporno für die Massen” und es ging darum, wie pretentiös diese vans- und chuckstragenden Idioten mit Palischal sind. Das war kurz bevor Neo-Rave so hip wurde und Justice überall plärrte. Das war wirklich eine spannende Phase meines Lebens. Zu Hause – das verheimlichte ich natürlich vor den Cool Kids – hörte ich R&B, aber auf meinem BMX und im Schatten der Quarterpipe war ich genauso räudig, links und verloren wie alle anderen. Wir schenkten uns Feuerzeuge mit Peace-Zeichen drauf.

Den Soundtrack zu dieser Erinnerung habe ich vor kurzem wiedergefunden. Das lief einen ganzen Sommer lang. In meinem Kopf wurden sechs Wochen zu einem Tag komprimiert, der immer damit endet, dass wir von älteren Freunden mit dem Auto abgeholt werden und in einem schimmeligen Partykeller irgendwelcher Elternhäuser Shisha zündeten und laut Rockmusik hörten. Wir bestellen Pizza bei Pizza Express. Wenn wir zu wenig Geld hatten, dann bestellten wir nur Pizzabrötchen mit Ajoli-Sauce. Das war der absolute Luxus. Zwanzig Euro kauften die Welt.

Rodriguez ist nicht hängen geblieben, aber als der Song kürzlich wieder lief und die Doku mich erst mal hart gegen die Wand schmetterte, da wusste ich: 2014 hat auch seinen Soundtrack verdient. Ich finde, wir wollten dem Sommer jetzt schon Tribut zollen. Es wird das langweiligste, gefühlsmäßig unspektakulärste Jahr meines Lebens (so was weiß man dann mit 25 endlich). Ich werde mich nur noch meiner noch unspektakuläreren Memoiren bedienen. Anekdoten eines exemplarischen Gen Y Lebens, welches niemanden interessiert, weil sich sowieso so viele Gen Y Opfers schon im Netz veräußeren; teilweise sogar in der Printpresse. Wer schafft Raum für sowas? Urghs. Ein ewiger Kampf zwischen Selbstakzeptanz und -hass. Rodriguez kennt das.

April 2nd, 2014 Posted in (Pop)Kultur, Musik | 4 Comments »