Fickt euch, meine Mutter hat mich damals schon zum Trendsetter gemacht. Ich hab MJ aufgelegt und die Leute tanzen lassen. Man, ohne mich wär Berlin heute nicht das, was es ist. REPRESENT.
Und JA, verdammt, DAS IST EIN TURTLES T-SHIRT!
(Nein, ich habe keine Erklärung dafür, wieso meine Mom mich damals so geil angezogen hatte. Ich weiß auch nicht, was die Schminke soll, und wieso ich so kurze Haare hatte, und nicht so fett war, wie ich immer dachte, das ich fett war (ich glaube, ich bin erst später fett geworden). Wie dem auch sei: es ist awesome. Und ich hoffe, eines Tages wieder zurück zu meinem Style zu finden. Alter. Meine Kinder werden so leiden.)
Ich sitze mit meinem kleinen stonerhead Bruder im Keller des Gammelns, wir sind gerade erst aufgestanden. Meine Mutter schläft, mein Vater guckt fernsehen. Wir löffeln Cornflakes und essen Erdnussbuttersandwiches. Er erzählt mir von seiner Freundin, ich erzähle ihm von meinen Plänen, davon, dass ich um die Welt reisen werde. In einem unvorsichtigen Moment versucht er mir seine Socken in den Mund zu stopfen und verpasst mir dabei einen blauen Fleck. Ich räche mich später indem ich Nacktbilder von ihm, als er klein war, ins Internet stelle.
Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich an etwas erinnern kann, dass mehr als zehn Jahre her ist. Es sind meine Erinnerungen, keine Erzählungen- meine Gefühle und meine Bilder, alles gespeichert. Lückenhaft, aber existent. Als ich von zu Hause auszog, weil ich samstagmorgens nicht mehr vom Hämmern des Staubsaugers gegen die Schlafzimmertür aufgeweckt werden wollte, war mein Bruder noch 16 Jahre alt. Nächste Woche wird er 18. Für mich hat sich fast nichts geändert; für ihn alles.
Wir kennen uns nicht, aber ich glaube, dass er ein ziemlich cooler Typ ist.
Generation Un-Kultur, Generation Fashionvictim, Generation Bloghouse-Hype, Generation post Post Merriweather Pavillion, Generation Hipster. An Bedeutungslosigkeit, Lethargie und Ironie kaum zu überbieten. Wenn man das alles auf einen Haufen schmeissen und definieren wollen würde, wäre eben die Abwesenheit einer klaren Aussage genau das, was es ist.
last year i used to live with my girlfriend in her dealer’s basement. i paid no rent, and slept all day, and on the nights when we didn’t have enough money to score yay from upstairs i’d drink cough syrup and listen to french house records with the lights off and the bass way up.
“Snapshots of the contemporary culture“, so ist die Kurzfassung dieses kleinen, irgendwie elitären Magazin, dastäglich eine 200-Wörter Anekdote über Berlin veröffentlicht. Oder, um es in den Worten der Macher zu beschreiben:
Wir befinden uns im Jahre 2010. Millionen von Kids verblöden sabbernd auf den Sofas ihrer Wohnzimmer vor ihren Fernsehern; es laufen Datingshows auf MTV und voyeuristische Trash-Reportagen über die soziale Unterschicht auf Pro 7. Schule ist schon lange aus, Mutti bügelt die Wäsche. Tick. Tock.
Wir sind medial und vor allem musikalisch stecken geblieben, so war zumindest das Gefühl — bis dann plötzlich etwas aus der “elitären” Hipster-Szene entsteht, dass zumindest die virtuelle Generation ein bisschen wachrüttelt: eine Mischung aus Rapmusik mit Qualität, die sich von genrefremden Einflüssen inspirieren lässt. Kann es sein? Ist es so weit? Entwickelt sich auch Sprechgesang jetzt endlich weiter?
Kid Cudi
Es könnte tatsächlich die Zeit gekommen sein. Introducing Hipster Hop: endlich nicht mehr für Hip Hop schämen müssen. Pharrell machte den Anfang als konsequenter Superproduzent, indem er Elemente aus Fashion, Indie und Rap zu einem unkonventionellen Stück Kunst verwandelt, und das fast immer, wenn er an einem Projekt beteiligt ist. Aber Skateboard-P hat fette Unterstützung im Nacken- im Netz entwickelt sich dagegen gerade etwas, dass keine große Unterstützung braucht, um hochzukochen.
Es ist wichtig, Genres jenseits der Stereotypen und endlose Listen von Klischees, über die sie bekannt geworden sind zu erweitern. Hip Hops klimatische Abwandlung und der Attitude-Shift, der damit einher geht, ist definitiv gesund – Künstler agieren aus dem Underground heraus und würfeln Möglichkeiten zusammen, die tatsächlich auch im Mainstream ankommen. Sie hören nebenbei einen Mix über Last.FM während sie Party Poker spielen und lassen sich von den medialen Weiten inspirieren. Es ist eine interessante Zeit für den Hip Hop und diese Genre-Mixe, sowohl für Produzenten als auch für Künstler.
Mixtapes im ursprünglichen Sinne sind wieder angesagt, es gibt keine Namen im Biz wenn der Flow nicht stimmt, es wird gedroppt und gesaugt in ehrenhafter Low-Budget Produktion, “Living The Dream”: so haben Hipster Hop Vorreiter KiD CuDi und mein persönlicher Favourite, Lupe Fiasco, den größten Teil ihres Fames und schließlich einen Deal gewonnen ((offiziell bezieht sich Hipster Hop ausschließlich auf die Musik, also Rap mit vielen Synth-Einlagen und Typen, die eben wie Hipster aussehen und nicht wie Rapper– für mich ist der Begriff etwas weitläufiger, eher ein “Alternative Rap” Synonym, dass eben in der Ära der Hipster entstanden ist)). Poser und Flasher? Shit yeah, das hat echter Rap so in sich, aber nein, kein Ghetto, keine Waffen, und wenn es um Drogen geht– die haben ehrlich gesagt noch in keinem Genre gestört. Eine Revolution, die sich vielleicht auch im Mainstream durchsetzen wird (wenn es nicht bereits schon so ist– wer weiß schon noch, was Mainstream ist und was nicht, selbst MTV ist tot. Und ob das gut oder schlecht ist, lasse ich mal so stehen).
Hipster Hop ist gut, weil er der Sprechgesangsfanseele gut tut. Nicht nur, weil er sich vor allem elektronischer Elemente bedient und damit den Inzest in der ganzen Branche bricht (man hat sich ja gefühlt wie bei den Amish im Hip Hop), sondern weil er es erlaubt, “Multikulti” eine ganz neue Bedeutung zu verpassen.
Ich will es so ausdrücken: Hipster Hop ist Symbolbild für eine Wandlung, die sich langsam aber sicher eingeschlichen hat- sicher, keine große Überraschung, kennen wir schon seit dem Erfolg der Arctic Monkeys, das Erbe des Internets ist auch gleichzeitig der Aufstieg der Underdogs. Es gibt keine zentrale Anlaufsstelle mehr für die Verteilung von guter Musik, es sind die Votes der Menschen, die zählen.
Aber ich glaube einfach nicht daran, dass es nur daran liegt. Ich glaube, das Internet liefert die Distributionsmittel und die Möglichkeit der Änderungen, eine Voraussetzung, aber das führt nicht zum zwanghaften Wandel. Man könnte sich weiterhin zurücklehnen und die Medien spielen lassen, doch stattdessen findet man sich in einer Welt voller no-name, no-show Mixtapes wieder, ein Wunderland der Auswahl. Plötzlich findet man sich selbst an einem Mikrofon, will Wellen der Begeisterung auslösen und das schöne ist: man weiß, dass man es kann.
Plötzlich können auch mittelbürgerliche KiDs aus Oklahoma ihre Kunst herausposaunen, herauspoesieren- und eine Fanbase finden. Buenos Aires. Bangkok. Berlin.
Ich glaube fest daran, dass nach all dem Überfluss an stupidem Bullshit, der aus allen Genitalen dieser Welt herausfließt, die Qualität am Ende überleben wird. Weil es nicht anders geht. Das hier ist nicht Idiocracy. Wenn wir uns an Verdummung und Monotonie vollgefressen haben, und wenn wir nur noch mit unzureichender Kulturzufuhr vor uns hinvegetieren, wird sich etwas ändern. Dafür sorg ich schon. Ich und meine Shotgun.
Es kommen Mixtapes, netzweite Distributionsmöglichkeiten und schließlich: die Befreiung. Hipster Hop.
Der wohl schönste Track aus dem Tape ist der Titeltrack der Serie selbst, “I Need A Dollar” von Aloe Blacc. Unfassbar, endlich wieder gute Musik. Check it Out:
Die 200 besten Songs aus 10 Jahren. 200 in 2000. Es ist ein Monster geworden. Ich weiß auch immer noch nicht, wieso ich es getan habe. Ich hab mir auch nicht besonders viel Mühe mit den Platzierungen gegeben. Es ist halt alles subjektiv, und die besten 200 Songs sind eben die, die mich die letzten 10 Jahre begleitet haben. Nicht die tatsächlich besten. Man könnte diese Liste auch “wahllose Liste an Musiktiteln” nennen, es würde den selben Anspruch haben.
Das zumindest aus meiner unbelehrten, nichts-bedeutenden Laien-Perspektive. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die ganzen Magazine – Pitchfork beispielsweise – ein Dutzend Journalisten und Musikexperten aus dem Krieg geholt haben, um ausführliche Kritiken zu schreiben. Ich habe nur verfasst, was mich selbst betrifft. Die meisten Platzierungen wird keiner nachvollziehen können. Und das Fehlen einiger namenhafter Bands wird viele verbittern (wenn sie denn überhaupt so weit kommen, sich das alles mal anzuschauen). Aber für mich geht es nicht unbedingt um die Platzierungen; das ist nur der Rahmen. Es geht um die Geschichte, um meinen Soundtrack. Scheisse, die letzten 10 Jahre habe ich mit dem Eintritt und den Ausbruch aus der Pubertät verbracht (und ich bezweifle stark, dass ich letzteres schon unverletzt überstanden habe).
Es sind meine 10 Jahre mit der Leidenschaft, die mich und andere ein bisschen glücklicher macht im Leben. Alles andere ist nebensächlich.
Kurz nochmal zum Beitrag: Ich bin kein Hulk, deshalb gibt es die Kommentare erst ab Platz 50. Und außerdem kommen folgende Bands in meiner Liste nicht vor: Animal Collective, Vampire Weekend, Fleet Foxes, Panda Bear, Washed Out, The XX. Ich werde mich nicht rechtfertigen, ich find die alle nur extrem unspektakulär. Vielleicht nächstes Jahr.
Die meistens der 200 Songs (es gab eine handvoll Ausnahmen) habe ich in einer Grooveshark Playlist zusammengestellt: 200 in 2000. Sie dürften auch in etwa in der Reihenfolge sein, wie sie hier aufgelistet werden. Ansonsten verlinken die ersten 150 Songs auf YouTube Videos, die letzten haben sowieso einen Player bekommen. Let’s Go.
Update: So Boys & Girls, das hat alles viel Spaß gemacht, allerdings musste ich den Beitrag nach zwei Wochen mal multimedial ausdünnen, sonst ruft das wieder die Kopierpolizei auf den Plan.. und ich hab besseres zu tun, als denen noch Geld in den Rachen zu stecken. Ich hoffe auf euer Verständnis und danke allen für ihre Hinweise auf mögliche rechtliche Probleme (die aber meistens sowieso nur kommerzielle Angebote treffen, als Privatmensch hat man immer noch ne Woche länger Zeit ;).
Wenn ein Event stattfindet, aber niemand da ist, um darüber zu bloggen — fand das Event dann statt? Ein Ablauf der VIP-Szene in Berlin.
20:25, vor dem Admiralspalast – ich empfinde immer noch Wut und Enttäuschung wegen des abgesagten Amanda Blank Interviews. Ich schlucke meinen Ärger herunter in der Hoffnung, sie doch noch zu treffen. Wir sind Seelenverwandt.
20:30, Pressekonferenz – Umsonst Red Bull vorhanden. Die G-Shock ist hässlich und überteuert. Sie füttert Katzen und produziert im Ruhezustand Heilmittel für Durchfall. Die G-Shock ist unsterblich. Ich stelle mir vor, wie ich als letzte Tat bei einem Flugzeugabsturz ein Dankesgebet aufsage, weil
a) ich weiß, wieviel Uhr es ist
b) meine Uhr den Absturz überleben wird.
Anwesend auf der Party sind
a) die Söhne des Uwe Ochsenknechts
b) Agenten, Eventveranstalter und Marketingassistentinnen
c) die Typen von MTV
d) zwei bis acht Blogger
Ich bin sehr underdressed. Magersüchtige beneiden mich um mein Fett und meine Turnschuhe. Die angeblichen Prominenten prügeln sich um die Ekelhäppchen aus unidentifizierbaren Lebensmitteln und dem Umsonst-Alkohol. Ich wünsche mir einen Hamburger. Die Schwulenquote liegt bei 100%. Alle kommen aus Barcelona oder Paris.
21:00 bis 22:30 – Irgendwo in China fällt ein Sack Reis rum.
22:30, großer Festsaal – Vier Red Bull bisher getrunken, meine Ohrläppchen zittern unmerklich. Berlin Battery legen auf, drei Menschen wippen gemächlich dazu. Heuballen streifen zu dicken Electrobeats an uns vorbei. Es zieht ein bisschen, deshalb ziehe ich meinen Schal an.
23:15, großer Festsaal – einer von den drei Menschen verlässt den Saal, um den Musikantenstadl nicht zu verpassen. Ich schreie und bin entsetzt. Kinder in Radebrück würden jetzt töten, um solche sensationelle Musik zu hören! Marcel bumst seine Uschi unter der Treppe.
23:45, VIP-Raucherzelt – ein Freund von Jimmy Blue Ochsenknecht hat mir gerade zugezwinkert. Ich würge.
23:50, Lobby – Sechs Red Bull. Ich bin leicht aufgedreht. Anastasia von MTV versperrt mir die Sicht mit ihrer Terrorfrisur. Lucy von den No Angels streift vorbei, keiner bemerkt sie. Vanessa von den No Angels streift an Lucy vorbei. Es bemerkt sie immer noch keiner.
00:00, großer Festsaal – Amanda Blank steht auf der Bühne. Meine Vagina ist feucht.
00:02, großer Festsaal – es gibt einen Idiotenabstand zur Bühne. Drei Meter. Dieser Abstand ist normalerweise Rentnern in Großeinkaufszentren vorbehalten, die zu Alt-Schlagerstars mitklatschen, während sich Kinder Heroin in die Achselhölen spritzen. Amanda fühlt sich verarscht. Ich versuche den Abstand zu durchbrechen. Keiner kommt hinterher. Ich trete wieder zurück. Ich schäme mich.
00:07, großer Festsaal - Ich liebe Amanda Blank. 500 restliche Zuschauer kratzen sich am Hodensack. Irgendwo im VIP Bereich kloppen sich die Leute immer noch um Alkohol.
00:15, großer Festsaal – Marcel ist endlich wieder aufgetaucht. Sein Rektum war Opfer eine grausamen Schandtat geworden. Er trägt ein Lächeln der Zufriedenheit im Gesicht.
00:30, großer Festsaal – Ich sehe Sasha Grey unter den Zuschauern. Ich frage mich, ob sie wohl die heimliche Freundin von Amanda Blank ist und sie sich bei Pyjama Partys gegenseitig die Zehnnägel lackieren. Ich überlege ernsthaft, ob ich meinen Schlagring holen soll. Amanda Blank ist MEINE beste Freundin. Bitch.
00:32, großer Festsaal – Es ist doch nicht Sasha Grey. Amanda Blank verabschiedet sich mit einem Mittelfinger.
00:32, großer Festsaal – alle sind wieder weg. Marcel und seine Uschi wollen liebe machen gehen. Marcels Rektum brennt noch.
00:36, Lobby – Christoph ist da. Er ist ein Riese.
00:50, großer Festsaal – Ich habe feierlich beschlossen, Christoph gut zu finden. Es könnte an meinem Coffeein-Rausch liegen. Er zeigt mir Herm. Herm erkennt mich nicht. Ich erzähle Herm, dass ich unsterblich in ihn verliebt bin, aber dass aus uns nichts werden kann, weil B. schwul für ihn ist.
00:57, großer Festsaal - Acht Red Bull. Meine Augen sind auf doppelte Größe angeschwollen. Ich habe das Gefühl, zu fliegen. Ich sehe tote Menschen. Ich bin vier Köpfe kürzer als meine Gesprächspartner.
01:00, großer Festsaal – Data legt auf, der Sound ist furchtbar. Ich labe mich an Herms Anwesenheit. Unsere Beziehung ist stark. Ich spüre es.
01:10, in Richtung Friedrichstraße – Christoph und ich holen noch einen Beutel voller Umsonst-Ramsch aus der Gaderobe. Nur VIPs haben den Umsonst-Ramsch bekommen. Wir gehen noch etwas trinken
01:45, Oranienburger Straße – endlich noch eine offene Lokalität gefunden. Ich rede ohne Unterbrechung. Christoph wünscht sich einen schnellen Tod. Ich ignoriere es.
04:20, in meinem Bett (ohne Herm)(und auch ohne Christoph) – ich kann die Augen nicht schließen. Mein Urin hat Flügel. Ich halluziniere von Christoph, wie er auf einem Einhorn reitet und ein Manifest verteilt.
Für alle Überlebenden des 2. Weltkrieges: heute Abend findet ein ganz besonderes Event statt! EMAs! Mit U2! Und Eminem! Und nächstes Jahr: David Hasselhoff. Ganz dickes Ding.
Während der Fashion Week vor einigen Monaten bin ich spontan mit Nick zum Peaches Konzert im WMF an der Klosterstraße gerannt, weil man ja nicht oft genug “Fuck!” auf einem Konzert hört und Ü-40-Jährige Punkfrauen sich die Blöße geben. Wir kamen, sahen und siegten, und obwohl es extrem voll und heiß war, war es extrem gut.
Das lag aber nicht nur an Peaches, sondern an der ganzen Venue. Das WMF in der Klosterstraße war mir bis zur Fashion Week nicht mal ein Begriff. Leider sind mir die ganzen verbappten C-Promis und die Fashion Victims etwas sauer aufgestoßen. Ich dachte, es wäre eine Modemessen-Krankheit, die Location würde bald wieder im Nichts versinken und obwohl der Laden extrem groß und komfortabel scheint, nun ja, es ist halt Berlin… hier hält sich das Nachtleben nicht oft an der gleichen Stelle auf (außer es handelt sich hierbei um das Berghain).
Jedenfalls war ich nicht wirklich davon enttäuscht, nur ein bisschen zerdrückt. Peaches hatte ihre Möpse gezeigt und meinen Lieblingstrack “Operate” komplett im Stage Dive Modus performed, Nick und ich waren bis auf die Unterhöschen nass geschwitzt und die Typen sahen aus wie aus dem Katalog bestellt (der Zorn gegen die Homosexualität wurde an diesem Abend in mir entflammt– hört auf die gutaussehenden Männer auf eure dunkle Seite der Macht zu ziehen!).
Aber das WMF ist wider meiner persönlichen Erwartungen zu einem Hotspot der Stadt geworden- das neue Scala, vielleicht? Mir ist durchaus bewusst, dass mich mein nächster Besuch im WMF mindestens drei Scheinchen kosten wird (weil das geht Hand in Hand mit dem Ansturm der Besucher) und ich mich mit den ganzen Scenesters und der Hipsteria herumschlagen muss… aber bei den aktuellen Line-Ups ist mir das fast schon wieder egal. Who’s with me?
Die Leute kommen zu mir und fragen mich, warum ich nicht mitgehen will- zur dicksten Party aller Zeiten, wie jedes Wochenende. “Hey S, das ist die dickste Party aller Zeiten!“, und ich denk mir nur, “Jaja, die dicksten Partys hab ich schon gesehen”. Mit einundzwanzig Jahren und gefühlten 500 Stunden Arbeit die Woche hat man für solche Kinkerlitzchen eben keine Zeit mehr, und ganz ehrlich? Ich komm vom Dorf. Wir haben noch im Krankenhaus Party gemacht, weil es nichts anderes zu machen gab.
Eine ganze Jugend im Zeitraffer, gefilmt von den grandiosen RADIO ACTIVE Kids. Alles echt, nix gestellt. Grandioses visuelles Kurzpanorama des IST-Zustandes. Das haben American Apparel, die Vice, die Medien, das billige Bier, die vielen Kippen, die gute Musik und unsere Eltern nun aus uns gemacht. So schaut das aus.
Meine Zeit ist definitiv noch nicht vorbei, aber ich lege gerade eine kleine Verschnaufpause ein. Die ganzen schäbigen Studenten können es sich vielleicht leisten, von flüssig Brot zu leben und tagsüber zu schlafen- aber solange ich hier noch einen Job habe, gibt’s für mich nur Gähnorgien und eine kleine Erinnerung an das, was noch bis vor kurzem auf dem Tagesprogramm stand. Prinz Pi und die RADIO ACTIVE Kids haben es echt geschafft, mich in eine Zeitmaschine zu setzen.
Okay, ich hätte es ja kaum vorhersagen können, dass in der Hipster-Hochburg Berlin das Florence + The Machine Konzert ausverkauft sein würde. Ich vergesse halt manchmal, dass mein großartiger und elitärer Musikgeschmack in Berlin nicht als solcher wahrgenommen wird. Als ich noch bei den Eltern gewohnt habe wurde ich mit Respekt und Bewunderung als “Track Dealer” bezeichnet, weil ich die Suchtkrüppel mit den neuesten Klängen aus der Musikwelt fütterte. Fuck, ich wusste immer ganz genau, was groß rauskommt, noch bevor es rauskam. Seriously.
… in Berlin schaffe ich es gerade so, mitzuhalten. Klar könnte ich mich da auch noch weiter reinsteigern, aber ich hab mittlerweile besseres zu tun und bin lediglich frustriert, wenn ich drei Wochen lang die gleichen Songs höre und mir davon langweilig wird. Umso ärgerlicher ist es, dass ich das Tickets kaufen für Florence & The Machine ständig aufgeschoben habe. Florence hat es als einzige in ungefähr 6 Monaten geschafft, meine Artists Charts mal ein bisschen aufzurütteln. Und dabei bin ich mit dem Album noch nicht mal vollständig durch! Eine Katastrophe ist das alles.
Weil ich aber diesen Verlust an Live-Action kompensieren möchte und nicht auf meine monatliche Dosis “Gutaussehende Frau mit Hammer Stimme” verzichten will, habe ich mich in einer spontanen Aktion mit Marcel zusammengeschlossen – der übrigens immer noch jammert wie ein Akkordeon weil er eine leichte Erkältung hat- und werde stattdessen dem Bat For Lashes Konzert im Postbahnhof beiwohnen dürfen. Und spontan war das jetzt eigentlich auch nicht.
Bat For Lashes hat meiner Meinung nach ein eigenes Genre entwickelt, dass Florence dann halbherzig übernommen und noch in etwas viel besseres umgewandelt hat. Natasha Khan (so heißt die Bat For Lashes Uschi, und ich musste echt ein bisschen überlegen ob ich sie nicht liebevoll “Bat” nennen soll) hat so eine milde Thrillermusik auf den Tisch gekloppt. Ich nenne es “Panik-Pop”. Ich komme nicht drumherum, mir bei ihrem zweiten Album, Two Suns, ständig irgendwleche nebelige und dunkle Märchenwälder mit schizophrenen Einhorns vorzustellen. Und ja, ich weiß dass “Einhorns” kein Plural ist, und es ist mir egal.
Anyway. Natasha und Florence, das nenn ich einen Girl on Girl Porno. Wer also noch ein Ticket für das F+tM Konzert am Montag übrig hat, weiß, wen er damit glücklich macht: mich. Und wenn ich nicht glücklich bin, gibt’s auch keine Umsonst-BJs (die gibt’s auch nicht, wenn ich glücklich bin, aber dann schrumpft immerhin das Risiko dass ich euch verprügel).